Louis Claude de Saint Martin

Vom Geist und Wesen der Dinge

Louis-Claude de Saint-Martin

Vom Geist und Wesen der Dinge, oder philosophische Blicke auf die Natur der Dinge und den Zweck ihres Daseins wobei der Mensch überall als die Lösung des Rätsels betrachtet wird.

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Plan des Werks.

Der Mensch will so gern für alles, was er tut, für alles, was er siehe, einen vernünftigen Grund haben. Ich glaubte deshalb voraussetzen zu dürfen, dass wirklich alles, was ist, einen solchen Grund seines Daseins habe und dass das Auge des Menschen, gleich einem obersten Richter, bestellt sei, um bei allen Dingen jene Absicht ihres Daseins zu erforschen, und hernach streng über die ungehinderte Erreichung derselben zu wachen

Ich hielt deshalb für schicklich, mich des Menschen selber, als eines Mediums zu bedienen, durch welches ich die Welt um mich her betrachtete. Vielleicht dass es uns dann, mit Hilfe dieses günstigen Werkzeugs, gelänge, über das Dasein, die Bestimmung und Eigentümlichkeit aller Gegenstände, die wir in sein Gesichtsfeld zu bringen vermögen, sichre und wahre Kenntnis zu erlangen.

In der Tat, sagte ich zu mir selber, es kann nicht umsonst sein, dass der Geist des Menschen so sehnlich nach einem Ruhepunkt verlangt, in welchem alle seine Anlagen, alle Bestrebungen seiner Natur volle Befriedigung fänden. Er fühlt die Notwendigkeit: irgend eine vollkommene, klare Gewissheit sich aufzufinden, die ihn von den Qualen der Unsicherheit, welcher er sich sonst nach allen Seiten ausgesetzt sieht, errette; eines allgemeinen Lichtes bedarf er, das ihm ferner durch nichts mehr verhüllt, durch nichts verlöscht zu werden vermag, welches all seinem Denken ein unwandelbarer Mittelpunkt sei, mächtig genug, um dem ganzen Haushalt der Dinge zur festen Achse zu dienen, fruchtbar genug, um in der ganzen großen Familie der Wesen, Leben und Harmonie zu verbreiten mit einem Worte: er verlangt von ganzer Seele nach Wahrheit, nach vollkommener Wahrheit.

Eben in diesem Verlangen der menschlichen Natur fand ich denn, nachdem ich es durch jenes Medium betrachtet, ein bedeutendes, ungemein wichtiges Zeugnis; denn nach dem Sinne eines eben so bekannten als lehrreichen Sprichworts, kann man nie nach etwas Verlangen tragen, wovon man gar keinen Begriff hat. Es führt uns dies auf nachstehende Schlussfolgerung:

1.) Schon jenes Verlangen für sich allein beweist das; dass der Mensch in sich selber Spuren jener Wahrheit finden; dass er ein sicheres Vorgefühl derselben haben müsse, wie wenig er auch im Stande sei, sich Rechenschaft davon zu geben.

2.) Bei jedem Vorgefühl, das wir haben, liegt etwas schon wirklich in uns Vorhandenes zum Grunde, wäre auch jenes Vorgefühl so getrübt und verworren, wie die Träume eines Fieberkranken, oder die ungewisse Empfindung, welche eine Kugel von Wachs erregt, wenn ich sie zwischen den kreuzweis über einander gelegten Fingern bewege. Aus diesem Grunde dürfen wir auch unser brennendes Verlangen nach Wahrheit, und die, wenn auch verworrene Kenntnis, die wir von ihr haben, für einen Beweis des Daseins derselben halten,

3.) Wir dürfen daraus ferner schließen: dass unser Geist von einer selbstständigen Natur sei, unvergänglich, wie jenes ewige Licht selber, das er in sich aufzunehmen fähig ist; denn nur das Gleichartige begehrt sich wechselseitig, und auch wir würden nicht nach der Wahrheit verlangen, wären wir nicht mit ihr von verwandter Natur.

Noch ein Beweis für das Dasein jener Wahrheit, für die Verwandtschaft unsers eignen Wesens mit derselben, liegt darin: dass das menschliche Denken einzig aus dem Trieb zu bewundern seine Nahrung erhält; dass der Mensch das einzige Wesen der ganzen sichtbaren Natur ist, welches der Bewunderung fähig ist. Fühlen wir nämlich unaufhörlich das Bedürfnis zu bewundern; so muss auch notwendig unaufhörlich über uns etwas sein, das jenes unversiegbare Verlangen in uns zu stillen vermag, und wieder gegenseitig könnte jener ewige, unerschöpfliche Quell der Bewunderung, uns niemals fühlbar werden, fände er nicht in unserem Wesen eine natürliche Verwandtschaft, durch die er allein jene erhabene, glückselige Vereinigung mit ihm zu schließen vermag.

Wir dürfen demnach sagen: dass, wäre wirklich, außer der Materie, nichts vorhanden, eine Behauptung in der sich unsere grobstoffliche Weltweisheit so sehr gefällt; so folgte daraus zweierlei, das allen dem, was die Beobachtung uns lehrt, geradezu entgegengesetzt wäre.

Erstens könnte dann nie das Bedürfnis zu bewundern, das so tief in unserer Natur liegt, bei irgend einem Wesen statt finden: denn selbst die Tiere, mit denen wir doch sonst die meisten Neigungen gemeinschaftlich haben, verraten, sobald man den engen Kreis von Wechselbeziehungen, der sie umschließt, nur ein wenig verändert oder erweitert, und sie dem Strome der Wunder, welcher uns dahinreißt, näher bringen will, entweder gar kein Gefühl, oder ein bloßes dumpfes Anstarren. Alle Wohltaten der Natur, welche wir, mitten im Genuss, zu zergliedern, der Reflexion zu unterwerfen vermögen werden von ihnen in dumpfer Bewusstlosigkeit genossen, von den großartigen, gewaltigen Ereignissen der sie umgebenden Natur, sehen wir sie zur Flucht und zum Schrecken getrieben; während indes unser Geist ruhig Schlüsse daraus zieht, berechnet und bewundert.

Zweitens würde dann jener über uns befindliche Grundquell, jenes notwendige Prinzip der Bewunderung, eben so wenig eine Stätte finden können, der es die Fülle seines inneren Reichtums anzuvertrauen vermöchte: die es doch, vermöge einer inneren Notwendigkeit seiner Natur, durchaus mitteilen muss. Denn wir sehen, dass dieses Prinzip alle Substanzen der Natur durchdringe, ohne dass sie seiner gewahr würden, oder dasselbe zu bewundern vermöchten; wie es denn auch durch unsere ganze körperliche Substanz hindurchgeht, um bis zu uns zu gelangen, ohne dass jene es bemerkte und bewunderte. Weder jene noch diese vermögen es zu erfassen, und durch Vereinigung mit sich fest zu halten; während es in dem Denken und in der Seele des Menschen jenen Ruheort wohl findet, und in diesen notwendig (nach allen früher erwähnten Gründen) eine feste Basis enthalten sein muss, fähig es zu ergreisen, zu empfinden, und mit ihm zu sympathisieren.

Erst nun vermögen wir an die Lösung unserer Aufgabe zu gehen. Ist es nämlich gegründet, dass wir uns keinen Begriff von dem, was Wahrheit sei? machen könnten, ohne eine natürliche Verwandtschaft unseres Wesens mit derselben, so muss auch eben, vermöge dieser Verwandtschaft, eine Vereinigung der Wahrheit mit uns möglich sein; denn ohne dies wäre das Gefühl jener Verwandtschaft für uns eine Strafe und Marter. Wir können hieraus den allgemeinen Schluss ziehen: dass in der wahren, naturgemäßen Ordnung der Dinge, die Erkenntnis und der Genuss des erkannten Gegenstandes, sich jederzeit bei einander finden müssen.

Da wir nun wirklich dieses Verhältnis allgemein in allen Reichen der Natur, in einem jeden auf die ihm angemessene Weise, Statt finden sehen, und nur der Mensch allein hierin eine Ausnahme macht, indem er jene Wahrheit nicht besitzt, welche er sucht, nach welcher er verlangt, ja von der er ein sichres Vorgefühl hat; so fürchten wir nicht zu irren, wenn wir behaupten: dass der Mensch hier nicht in seinem naturgemäßen Zustande sei, mag nun der Grund der qualvollen Unregelmäßigkeit, welche sich an ihm selber, eben so wie an seinem Nächsten, in jedem Augenblick seines Daseins ausspricht, liegen, worin er wolle.

Wenn innere Verwandtschaft Vereinigung fodert, und ohne diese zur Pein wird, einen Zustand andeutet, der außer der Ordnung ist; so muss notwendig jene höchste Wahrheit, ihrer Natur nach, ein beständiges Streben haben, in dem Menschen jenen naturwidrigen Zustand aufzuheben, indem das eigne Interesse jener Wahrheit, die Erreichung des großen Zweckes wünschenswerth machen muss. Denn, wenn schon der, welcher bewundert, sich glücklich fühlt, wie viel höher muss erst der Genuss dessen sein, welcher die Quelle dieser Bewunderung ist.

Außerdem kann jener hohe Verein nur zwischen Wesen Statt finden, welche fähig sind, mit Freiheit zu handeln; denn nur, wenn ihre wechselseitige Annäherung aus freiem Willen geschieht, sind sie fähig, sich in ihr einen gültigen Beweis ihrer Neigung zu geben. Da nun unter allen Wesen dieses Weltalls sich außer dem Menschen keines findet, das sowohl frei sei, als die Fähigkeit besitze, zu bewundern; so muss man daraus schließen: dass jene es nicht sind, wo die Herrlichkeit der Wahrheit, wo ihre höchsten Freuden eine bleibende Stätte gefunden, und wir werden dieses in der Folge noch deutlicher dartun.

Da endlich nach allen den natürlichen und unläugbar sichren Prinzipien, die wir eben aufstellten, jene Wahrheit von einem beständigen Streben durchdrungen ist, den Menschen von seinen Abwegen zurückzurufen, dürfen wir kühn behaupten: dass alles, was vor, um und außer uns, was durch oder ohne uns vorhanden ist, überhaupt alles, was nur ein Gegenstand unserer Beobachtungen und Entdeckungen zu werden vermag, nichts anderes als gleichsam eine Sammlung von Unterrichtsgegenständen, – ein Lehrapparat sei, den wir fleißig gebrauchen sollen, um an und durch ihn das Eine, was uns noch ist, zu lernen, nämlich: worin jener Verein, zu welchem eine innere Verwandtschaft uns Ansprüche gibt, bestehe? was für ein Weg gewählt werden müsse, um zu ihm zu gelangen? Es wird uns dieses ein neuer Beweis für die Freiheit unseres Wesens. Keinem anderen Wesen, das ohne die Fähigkeit ist, nach Willkür etwas anzunehmen oder auszuschlagen, etwas zu tun oder zu lassen, kann, so wie uns, eine Lektion aufgegeben werden zu lernen, und die Tiere, deren Gesetz des Daseins man, wenn man will, auch als einen solchen Unterricht betrachten kann, lässt die Natur dieses nicht nach Willkür studieren, sondern sie müssen es notwendig und gegen ihren Willen selber, in sich und durch sich wirken.

Die Mythologien und Sagen aller Länder und Völker, sämtlich gegründet auf jene erhabenen Wahrheiten, wenn dieselben auch noch so sehr in ihnen entstellt sind, mögen dann ihrerseits auch austreten, jedoch nicht als Grundbeweise eben jener Wahrheiten, wozu wir keiner Bücher, sondern bloß der Betrachtung des Menschen bedürfen; sondern vielmehr bloß als einfache, bestätigende Zeugnisse für schon erwiesene Tatsachen. Es ist dies eine Vorsicht, welche die fanatischen Stifter der verschiedenen Sekten und Lehrmeinungen ganz aus den Augen gesetzt haben, da sie sich bloß auf Überlieferung und Bücher zu stützen gewusst, und deshalb die Menschen getäuscht oder irre geführt haben, während sie sich, wenn sie die Bücher bloß als Hilfsmittel betrachtet hätten, einen Erfolg versprechen durften.

Hiermit stellen sich uns denn die Natur, die Elemente, Künste, Wissenschaften, der Mensch, das Denken, Sprachen, bürgerlicher und sittlicher Verein, heilige öder weltliche Überlieferung, so stellt sich uns mit einem Wort alles unter einem Gesichtspunkt dar, der unsere ganze Aufmerksamkeit verdient:

Nein Mensch! teurer und heiliger Gegenstand Meiner Neigungen‘, ich darf nicht fürchten, dich getäuscht zu haben wenn ich dir, mit den heitersten Farben, die mir zu Gebote waren, die Reichtümer/Hilfsmittel und Zeugnisse darstellte, die sich um dich zusammendrängen, damit sie dir zugleich deine hohe Bestimmung samt den Mitteln, sie zu erreichen, offenbaren möchten. Betrachte dich selber, wie du von einem Meer der reinen und klaren Gedanken umfangen bist, aus dem so oft lichte Strahlen in dein Gemüt, in deine Vernunft fallen; siehe dich von allen Seiten umströmt von geheimen und inneren Regungen, welche so häufig dein Gemüt, deine innere Liebe erwecken, von einem unendlichen Kreis von Tatsachen, von sichtbaren oder geistigen Bildern, wunderbaren Erscheinungen der physischen Natur, Sagen aus der inneren Geschichte deines Wesens, von deinen eignen Werken und den Erzeugnissen deines Geistes. Wie der Schiffer in tiefer Nacht, siehe dich umgeben von einer Menge von Leuchttürmen, deren jeder dir einen sichren Punkt der Wiedervereinigung mit deiner verlassenen Heimath andeutet, jeder bestimmt ist, dich wieder zu jener unwandelbaren Wahrheit zurückzurufen, ohne welche du nicht sein kannst. Erkenne es mit ehrfurchtsvoller Rührung, wie alle diese Wiedervereinigungspunkte bestimmt sind, jenen Strömen der Bewunderung, deren du so sehr bedarfst, den Zugang zu deinen Organen, deinen Kräften zu eröffnen, und wie Er, welcher der Urquell aller jener Ströme ist, ohne Aufhören sorget: dass sie bis zu dir hinabfließen; denn seine Liebe zu dir ist die erhabenste seiner Eigenschaften, und er weiß es, dass, je mehr die Regungen der Bewunderung dein Wesen erfüllen, desto höher deine Liebe und dein Glück sein werden. Lasset uns denn einmütig, mit Anbetung, in der Mitte jener unzähligen Tempel wandeln, die wir mit jedem Schritt auf unserem Wege finden, und möchte uns doch in keinem Augenblick unseres Daseins das lebendige Gefühl verlassen: dass wir uns hienieden unaufhörlich in den Vorhallen heiliger Regionen befinden.

Der Gottesleugner.

Zwar habe ich jene Wahrheit, welche hier der Gegenstand meiner Untersuchungen sein soll, so wie sie eigentlich ein Gegenstand des Strebens und Forschens aller Menschen, selbst solcher, die für Gottesleugner gelten, ist, nicht Gott genannt; doch wird wohl keiner meiner Leser darüber ungewiss gewesen sein, dass unter dem Namen Wahrheit jenes höchste, geistige, allerkennende Wesen verstanden sei, welches alle Völker der Erde als Gott erkannt und verehrt haben, so viel- und mannigfaltig auch die Begriffe sein mögen, welche sie sich von jenem höchsten Wesen gebildet haben. Ich will mich deshalb von jetzt an selber des Namens bedienen, mit welchem alle Völker die höchste Wahrheit bezeichnet haben.

Was die Ursache betrifft, aus welcher die Nationen die Wahrheit Gott, oder mit jenem Wort nannten, das in jeder einzelnen Sprache Gott bedeutet; so muss es, weil nichts ohne Ursache ist allerdings auch dafür eine geben. Um sie jedoch aufzufinden, wäre es zuvor nötig, die wirksamsten Eigenschaften des Wesens zu erkennen, welches den Namen Gott führt; denn schon im gemeinen Leben gibt man den Dingen einen Namen, welcher die an ihnen am meisten in die Augen fallenden Eigenschaften am besten ausdrückt. Mithin könnte uns nur ein fortgesetztes Studium der Eigenschaften jener höchsten Quelle zu dieser Kenntnis führen, und es wäre Verwegenheit von uns, jene hohe Ursache erforschen zu wollen. Wenden wir uns daher sogleich zu denen, die, weil sie die Lehren des Atheismus aufgenommen und verbreitet haben, sich für wirkliche Atheisten halten und glauben wollten: dass es wirklich im vollen Sinne des Worts einen Atheisten geben könne.

Denn wir dürfen wohl nach solchen fruchtbaren und ganz naturgemäßen Prinzipien kühn behaupten, dass es, trotz den blinden Deklamationen des Materialismus, niemals einen wahrhaften Atheisten gegeben habe, noch geben könne, obgleich alle Menschen dies in einem gewissen Sinne sind, wenn sie gegen die Stimme der Gottheit, an die sie übrigens glauben, völlig taub, oder was dasselbe heißt, wenn sie ihr ganz ungehorsam sind, und denjenigen nicht bewundern, der allein das Recht hat, bewundert zu werden, indem er allein die Prinzipien und Grundlagen aller Bewunderung in sich fasst. Indem es nämlich schlechterdings keinen Menschen gibt, in dessen Innerem nicht das Bedürfnis zu bewundern als wesentliche Eigenschaft erschiene, und indem dieser innere Durst unseres Wesens nur durch unzählige Quellen des Bewunderns gestillt werden kann; so kann auch wohl kein Mensch, wenn er die Wahrheit bekennen will, leugnen, dass irgend eine unauslöschliche Flamme jener Bewunderung vorhanden sein müsse, die seinem Wesen eine so notwendige Nahrung ist; und wenn einmal dieser Lehrsatz festgestellt ist, so kann dann bloß noch von der verschiedenen Anwendung die Rede sein, welche der vorgebliche Atheist in Beziehung auf sein eignes Wesen, auf feine geistige Natur, oder auch auf das physische Universum und auf die Materie davon macht; eine Anwendung, die im Grunde häufiger gemacht wird, als man glaubt, sintemal wir, seit der Verbannung aus unserer Heimath, so vielen Irrtümern ausgesetzt sind.

Und in der Tat, was geschieht dem, der sich einen Atheisten nennt? Er findet sich in seinem Inneren unwillkürlich in zwei verschiedene Wesen geteilt, deren das eine Bewunderung erregt, das andere eben diese Bewunderung empfindet, und indem er so sich selber bewundert, fühlt er, und ist genötigt anzuerkennen, dass derjenige Teil seines Wesens, welcher bewundert wird, nicht zugleich derjenige sein könne, welcher bewundert, und dass auf diese Weise in ihm selber etwas sein müsse, was von ihm verschieden, was, obgleich es in ihm befindlich, dennoch zugleich über ihm ist. Es ist dies von seiner Seite nichts anders, als ein Wortspiel und eine Verwechslung des göttlichen Wesens mit ihm selber, welcher nicht Gott ist; eine Verwechslung jedoch, welche von eben so traurigen Folgen als ausschweifend ist; denn indem er nicht aus der allein belebenden Quelle der Bewunderung schöpft, muss sich notwendiger Weise sein Geist in einer beständigen Erschöpfung seiner eignen Substanz, in einem unaufhörlichen Zustand geistiger Auszehrung befinden, ein Zustand, der sich durch jenes innere Übelbefinden und durch alle die inneren Kämpfe verräth, denen jene Art von Menschen ausgesetzt ist, welche sich doch im Grunde sehr betrügen würde, wenn sie auf einmal beim Wort genommen werden sollte, und wenn wirklich kein Gott wäre, indem ihr dann Nichts als ihr eignes armseliges Wesen zu bewundern übrig blieb, und so mithin gar bald Mangel leiden würde.

Ja, das Bedürfnis zu bewundern, welches in der ganzen menschlichen Natur wohnt, spricht laut und mit überzeugender Gewalt gegen den Atheismus, und dieses unwiderrufliche Zeugnis, dessen Stimme ohne Aufhören in aller Gemüt wiederhallet, ist eine von jenen vielen ewigen Lehren, welche die höchste Gottheit gibt, um die Augen des Unsinns mit Schrecken zu schlagen, und sie niederzubeugen in den Staub.

Setzt man auf diese Weise auch wirklich voraus, dass es Atheisten gäbe; so fühlt man wenigstens, dass es denselben unmöglich fallen müsse, eine eigentlich begründete Lehre des Atheismus aufzustellen, indem der Stifter einer Lehre, einer Basis bedarf, worauf er dieselbe gründen könne, der Atheist aber bloß unaufhörlich nach einer solchen Basis sucht, und sie nie erlangen kann. Jedoch täuscht man sich, wenn man nur überhaupt glaubt, dass es einen Atheisten gäbe. Man darf nämlich nicht vergessen, dass der, welcher ohne Gott ist, dess halb noch kein Gottesleugner sei. Es ist nämlich nichts gewöhnlicher, als Menschen zu sehen, welche ohne Gott sind, ohne ihn leben, denken und handeln, ohne ihn – weil er nicht mit ihnen ist; aber man hätte sehr unrecht, sie deshalb für Atheisten zu halten, indem derjenige, der ohne Gott ist, deshalb nicht weniger an das Dasein eines Gottes zu glauben braucht; oder, wenn man auch hier die Geschichte jener Titanen und mächtigen Empörer, von welchen die Traditionen aller Völker erzählen, bloß mythologisch nehmen will; so werden uns diese auch, als ohne Gott seiend, geschildert, dennoch aber zugleich als solche, welche an jenes mächtige Wesen glaubten, und eben dieser Glaube ist es, nach welchem sie gerichtet werden.

In demselben Falle ist auch der Atheist. Er ist ohne Gott, und dennoch glaubt er an Gott; denn es ist ihm unmöglich, nicht an ihn zu glauben, und dies zwar aus einem neuen Grunde, der sich uns hier offenbart: dass nämlich, wenn er das Dasein Gottes leugnen wollte, er zuerst über die Nichtexistenz der menschlichen Seele gewiss sein müsste. Nun wird aber ein entscheidender Grund für das Dasein der menschlichen Seele schon zum Teil in dem früher erwähnten Triebe zu bewundern gefunden, welcher uns den menschlichen Geist in der erhabenen Bestimmung zeigt: ein unmittelbarer Zeuge der Gottheit zu sein.

Unvermerkte Schlussfolgen, die sich aus der Meinung ziehen lassen, dass die Tiere denken.

Es kommt den gelehrten Verteidigern des Materialismus, und jenen leichtsinnigen Menschen, die sich dazu erniedrigen, jenen nachzubeten, schwer an, dem Menschen das Vermögen zu denken zuzugestehen, und viel lieber würden sie es dem Tier zugestehen. Wirklich stellt man uns in Hinsicht des Denkens vergleichungsweise öfters mit dem Tier zusammen, aber was ist die Folge dieses Vergleichs?

Erlaubt ihrs, dass sie das Tier auf eine Stufe mit dem Menschen stellen; so werden sie sogleich auch gebieterisch dem Menschen seine Stelle unten beim Tier anweisen wollen. Ihr seht, werden sie sagen, dass das Tier, welches doch eben so gut denkt als der Mensch, demunerachtet nichts von Gott weiß, nichts vom Geistigen, von Religion, nichts von den Meinungen der Sekten, die euch so sehr am Herzen liegen, und um welche ihr euch streitet und entzweit. Ihr seid denn also nicht einmal so klug als das Tier, welches alles das, warum ihr euch so bekümmert, ruhig zur Seite liegen lässt. Folgt doch gleich ihm der gesunden Vernunft, und als bald werdet ihr, wie das Tier, in Frieden leben.

Dies ist in der Tat die endliche Auflösung aller der Schwierigkeiten, die sie erst mit so vieler Hartnäckigkeit fixiren. Sie wollen das Tier bloß deshalb zum denkenden Wesen er heben, damit sie wiederum aus dem Menschen ein Tier machen, und ihm das Reich des Göttlichen entziehen können, das sie in ihrem Gemüt so ganz entarten lassen.

Ohne hier schon auf einen sehr bedeutenden Satz, der zu seiner Zeit aufgestellt werden soll, Rücksicht zu nehmen, darauf nämlich: dass alle Dinge die Offenbarung ihres eignen inneren Wesens sind, und dass der Mensch fähig sei, alles zu übertreiben, in allem auszuschweifen, sich zu täuschen, dass er aber dies nur vermöge seiner inneren Natur könne, und dass er in der Tat nichts erfinde: so kann man sich einen Augenblick an die Stelle jener Gelehrten versetzen, und sie gerade so behandeln, wie sie uns, und zu ihnen sagen: Wenn wir gegen euch behaupten wollen, dass der Trieb zu bewundern, dass die Gabe zu sprechen dem Menschen ausschließend zukomme, ihn vom Tier unterscheide; so antwortet ihr uns darauf: dass wir ja nicht wissen können, ob nicht auch das Tier bewuandere, eben so gut als wir nicht wissen, ob es nicht auch eine Sprache habe; ja dass, eben so wie man aus dem Betragen des Tieres in verschiedenen besonderen Fällen schließen muss, dass es zu denken vermöge, eben so ihm auch alles das zukommen müsse, was bei dem Menschen eine Folge des Denkvermögens ist, und dass deshalb das Tier auch eine seinem Denkvermögen angemessene Sprache haben müsse, obgleich uns dieselbe unverständlich ist.

Wohlan denn! wir antworten euch darauf, dass, wenn man dem Tier die Gabe zu sprechen nicht ableugnen könne, ebenso wenig auch geleugnet werden könne, dass es diese Sprache nach Gefallen anzuwenden vermöge, und dass ihr deshalb nicht geradezu darüber absprechen könnt, ob es nicht auch unter den Tieren religiöse Meinungen – Unterhaltungen – über das Geistige, scholastische und philosophische Erörterungen über erhabene Gegenstände eben so gut gäbe, wie unter uns. Dann hättet ihr aber Mühe uns zu erklären: woher es käme, dass sich die Tiere begnügen lassen, bloß über jene Gegenstände zu spekulieren, und niemals in Versuchung und zu dem Verlangen kämen, ihre religiösen Meinungen in sichtbaren Handlungen und Kultus zu offenbaren; so wie wir dies in tausend verschiedenen Formen zu tun pflegen, wodurch eben alle unsere fanatischen Trennungen entstehen.

So müsst ihr denn von dem Tier das Denken, die religiösen Meinungen, Sprachen und Unterhaltungen wieder zurücknehmen, wenn wir euch nicht darauf sagen sollen: dass ihr ja nicht wisst, ob sie nicht auch einen religiösen Cultus, ob sie nicht Synagogen, Moscheen, Pagoden und Kirchen haben, ob sie nicht ins Sanhedrium, zur Predigt oder Prozession gehen, und überhaupt alle Ceremonien, die unter uns Statt haben, auch halten, was alles dann weder ungeräumt noch unwahrscheinlich erschiene, sobald ihr ihnen das Denken zugesteht.

Denn durch die Verborgenheit und das Dunkel, worin das alles geschähe, dürften wir uns dabei gerade nicht irre machen lassen, indem die Tiere von allen dem, was wir in dieser Art vornehmen, von allen unsern Religionshandlungen nicht das Mindeste zu bemerken scheinen, was uns deshalb eben so gut auch mit ihnen begegnen könnte. In derselben Zeit, wo ihr demnach, auf eurem Pferd sitzend, eine Reise macht, wo euer Hund eine Wachtel, eure Katze eine Maus fängt, befindet sich das eine vielleicht zugleich bei einer theologischen Disputation, der andere auf der Kanzel, die dritte auf der Pilgerschaft u.s.w.

Man mag nun selbst überlegen, welchen Ausschweifungen der Geist jener Gelehrten ausgesetzt sein müsse, sobald er seine ersten Schlüsse auf einen so wankenden Grund baut, und ob es nicht gegründet sei: dass die Materialisten bloß deshalb zu Gunsten des Tiers sprechen, damit sie es zu einem Zeugnis gegen den Menschen brauchen können, ein Abweg, zu welchem sie sich durch das Gesetz der Verwandtschaft berechtigt glauben; doch die Erfahrung widerspricht geradezu.

Die Weise, wie indes jene Gegner mit einem verfahren, der ihnen widersprechen will, und der nicht hinlänglich auf seiner Hut ist, ist überaus listig und gefährlich. Sie suchen ihn dazu zu bringen, dass er den Quell seines Gemüts öffne und ausströmen lasse, und nehmen doch seine Flut nur in einem Gefäße auf, das keinen Boden hat. Auf diese Weise mögt ihr noch so viel in das bodenlose Gefäß hineinschütten; sie werden immer meinen, ihr habt ihnen nichts gegeben.

Deshalb sollte der, welcher jene zu widerlegen gesonnen ist, wenn er anders Verstand hat, nur dann, wann ihm gute Gefäße dargeboten werden, den Brunnen seines Inneren eröffnen, und er sollte stets nur mit guten und tüchtigen Waffen kämpfen, damit der Trägheit seiner Gegner nicht das mindeste Verteidigungsmittel bliebe; denn es ist gewiss: dass alle die Schwierigkeiten, Ausflüchte und Zögerungen derselben ihren Grund bloß in dieser Trägheit haben.

Das Verfahren der Gegner hat noch eine andere Unbequemlichkeit. Sie machen nämlich, so oft sie sich in Streitigkeiten einlassen, einen solchen Aufwand von Geschwätzigkeit, dass sie die Wahrheit, damit sie nicht ermüdet oder übertäubt werde, zum Weggehen zwingen, und dann verdammen sie die abwesende.

Wohlan denn, ihr Gelehrten macht euch zum Tier so sehr ihr wollt, ihr habt die Macht dazu; aber je mehr ihr euch der Tierischen Natur nähert, desto weniger dürft ihr euch gestatten, über Gegenstände von der oben erwähnten Art ein entscheidendes Urteil auszusprechen; denn das Tier bekümmert sich auch um weiter nichts, als um seine Tierischen Verrichtungen und Begierden, so viel ihr uns auch von seiner Sprache und seiner Gabe zu denken vordemonstriert, und wenn es nicht von dem höchsten Wesen spricht; so könnt dies daher, weil es nicht, wie ihr es eurer Natur nach seid, bestimmt ist, das Dasein Gottes zu verkünden. Ja, das Wort, das dem Tier fehlt, war euch (wie wir dies später sehen werden) ursprünglich dazu gegeben, für nicht wider das Dasein jener höchsten Quelle zu zeugen; denn das Zeugnis ist jederzeit geringer und weniger, als das, wofür es zeugt, bei eurem vorgeblichen Nichts wäre aber das Zeugnis mehr, als das, wofür dasselbe zeugt; ihr beweist demnach durch euer Wort selber, dass ihr bestimmt wäret, für das zu zeugen, was ist, indem es, um zu beweisen, dass nichts sei, eures Zeugnisses nicht erst bedürfte.

Von der Organisation der Wesen Und dem Grund ihrer Eigenschaften.

Nach der gewöhnlichen Lehrmeinung sind alle Eigenschaften eines Wesens das Resultat seiner Organisation, nach einer andern weniger allgemein angenommenen, ist vielmehr die Organisation das Resultat der Eigenschaften.

Meines Erachtens lassen sich beide verschiedene Meinungen dadurch vereinigen, dass wir bei allen bisher beobachteten Wesen zwei verschiedene Arten von Eigenschaften anerkennen, davon die einen die ursprünglichen und schöpferischen, die anderen abgeleitete und erst von anderen hervorgebrachte sind. Bei einer Flöte oder einem anderen Blasinstrument kann ich z.B. nicht leugnen, dass die durch dieselben hervorgebrachten Töne von Zusammenhang und Bildung des Instruments abhängen, oder sich nach ihnen abändern, und in diesem Falle hätten die Verteidiger der ersterwähnten Meinung so vollkommen Recht, dass es vergeblich wäre, ihnen etwas so Erwiesenes abstreiten zu wollen. Dagegen lässt sich doch wohl auch auf der anderen Seite nicht leugnen, dass, wenn ich nicht erst jene Flöte gerade so zusammengesetzt, und selbst nachher, da sie schon zusammengesetzt war, wenn ich ihr nicht meinen Odem geliehen hätte, die ganze Bildung ohne Nutzen gewesen wäre, denn das Instrument, sein Bau mochte der vollkommenste sein, der sich nur denken lässt, hätte dann überhaupt gar keine Eigenschaften offenbart.

In dem gewählten Beispiel, darf der Bildung und äußeren Einrichtung nur ein untergeordneter Einfluss auf die Eigenschaften zugestanden werden, während das Vermögen, das ich besitze, der Flöte ihre besondere äußre Einrichtung zu geben, und Töne aus ihr hervorzurufen, offenbar von bedeutenderem, ursprünglichem Einfluss ist; denn es sind hier, um mich so auszudrücken, meine Eigenschaften, welche der Flöte ihre eigentümliche Bildung geben, und welche auf diese Weise höherer und ursprünglicherer Art sind, als selbst die Eigenschaften, deren Organ hernach das Instrument wird. So haben denn hier beide entgegengesetzten Systeme in gleichem Grade recht, indem auf der einen Seite die Eigenschaften von der äußeren Bildung, auf der anderen wiederum die Bildung von den Eigenschaften abhängt; es wird deshalb nur darauf ankommen, einem jeden dieser beiden Systeme seine besondere Grenze anzuweisen.

Sollten wir, was wir hier von einem Werk der menschlichen Hand sagten, nicht mit eben dem Recht von allen Körpern des Naturreichs sagen können; und sollte dann, wenn die Wirkungen sich gleichartig sind, nicht auch eine gleiche innere Ursache, ein gleiches Gesetz des Daseins in beiden Statt finden? Ich erkenne nämlich an allen Wesen der Natur eine Menge von verschiedenen Eigenschaften, die in der Tat von der Bildung des Körpers, an welchem sie sich offenbaren, abzuhängen scheinen, zugleich aber kenne ich keinen einzigen unter allen diesen Körpern, der seine Bildung nicht erst von Wesen oder Kräften empfinge, die außer ihm sind, und der nicht, selbst nachdem er diese Bildung schon erhalten, noch außer diesem von irgend einer anderen Eigenschaft abhinge, welche erst jene anderen Eigenschaften, deren Organ er ist, hervorzurufen vermag So hätten die Pflanzen weder Farbe noch Geruch, wenn nicht die Erde und die Einwirkung der außer ihnen befindlichen Atmosphäre, sie in der günstigen Jahreszeit belebten und befruchteten. Dasselbe lässt sich denn auch von den Tieren sagen, welche erst gezeugt werden müssen, und außer diesem ohne Hilfe der außer ihnen befindlichen Elemente weder leben noch wirken.

So dürfen wir alle Wesen der Natur als Instrumente betrachten, deren uns bemerkbare Eigenschaften ein Spiel ihrer eigentümlichen Form sind; aber eben so ist es auch klar, dass weder ihre besondere Bildung, noch irgend eine Eigenschaft, die wir als eine Folge dieser Bildung an ihnen bemerken, ihr Werk im eigentlichen Sinne des Wortes sind; und dass sie also hierin von einer früher dagewesenen Eigenschaft abhängen, die sie beherrscht, und von der sie wirklich erst die Wirkung und das Produkt sind. Ist hierin überall nur ein Gesetz, so wird unser Satz auch bei denkenden Wesen seine Anwendung finden, ohne dass wir jedoch hiermit jenes System begünstigen möchten, welches die Gedanken als etwas Angeborenes betrachtet, und dem denkenden Wesen nur den Keim, die Fähigkeit Gedanken zu empfangen, sie zu befruchten und ihnen Wachstum zu geben, zugestehen will.

Hiermit ist dann sogleich die Meinung widerlegt, welche das Denken und alle andere, wunderbare Eigenschaften des menschlichen Geistes bloß als eine Folge der Bildung und Konstruktion der körperlichen Organe betrachtet. Wir wollen es nämlich gar nicht leugnen, dass nicht der gesunde oder zerrüttete Zustand unseres Körpers einen bedeutenden Einfluss auf alle unsere moralischen und geistigen Eigenschaften habe; aber eben dieser Körper ist dann, in Beziehung auf die Eigentümlichkeit unseres Denkens, nichts weiter, als was die Flöte in Beziehung auf das Talent dessen, der auf ihr bläst. Dieses Talent würde nämlich zu nichts helfen, oder sich nur höchst unvollkommen zu äußern vermögen, wenn die Flöte zerstört oder unvollkommen gebildet wäre. Demunerachtet sind die Talente des Flötenspielers nichts weniger als eine Folge des Instrumentes, sondern sie hängen von diesem bloß in ihrer Ausübung ab, nicht in Hinsicht ihres eigentümlichen Daseins und ihres inneren Grundes.

Nehmen wir hier das menschliche Denken als jenen Flötenspieler; so müssen wir, um zu beurteilen, was dasselbe sei, es für sich allein betrachten. Wir müssen dann zugestehen, dass unser Denken, ganz unabhängig von unserem Körper, innerlich wohl oder übel bestellt sein könne, eben so wie ein Flötenspieler in sich den Plan und die Idee eines guten oder schlechten musikalischen Stückes haben kann, ganz unabhängig von der Flöte, auf der er es hernach spielt, und wir haben täglich in unserem Inneren bald regelmäßige, bald unregelmäßige geistige Bilder, ehe wir dieselben durch unsere körperlichen Organe offenbaren.

Mit Recht könnte man nun nach der Ursache jener bald regelmäßigen, bald unregelmäßigen Anordnung unsers Denkens fragen, und allerdings ist auch eine solche Ursache vorhanden; aber es wäre wahrhaftig verzeihlicher, wenn man die Ursache des bald eingeschränkten, bald viel umfassenden Talentes unseres Flötenspielers in der Konstruktion seiner Flöte finden, als wenn man hartnäckig jene Ursache in der Bildung unseres Körpers aufsuchen wollte. Denn obgleich es gegründet ist, dass die sinnliche Äußerung unserer geistigen Anlagen von dem Zustand unserer Organe abhängt; so sind doch jene ursprünglich in einem noch viel höheren Grade von dem ersten Meister eines solchen wohl oder übel geregelten Denkens abhängig, ebenso wie in dem oft gebrauchten Bild allerdings zwar die Qualität und Harmonie der Töne auch von der Struktur der Flöte, viel ursprünglicher aber noch von der Geschicklichkeit des Spielers abhängen, oder doch wenigstens der Klang des Instruments in demselben Grade dem Geschick des Musikers, als dieser der vollkommeneren oder unvollkommeneren Einrichtung des Instruments untergeordnet ist.

In der natürlichen Geschichte unseres denkenden Wesens selber, müssen wir denn den Grund der guten oder schlechten Beschaffenheit seiner ursprünglichen Eigenschaften suchen, und da dieses denkende Wesen an sich selbst wiederum ein erschaffenes ist, und ohne Zweifel sein Dasein durch eine Menge von Ursachen bestimmt werden kann, kann sich die Lösung des Problems, das uns hier beschäftiget, nur in der Region jener Ursachen finden, nicht in dem körperlichen Organ, das wieder seine besonderen Elemente des Daseins hat.

Eine solche Untersuchung würde aber nicht allein für den Umfang dieses Werks zu weitläufig sein; sondern auch unnötig, da diesen Gegenstand lange vor mir, mehrere tiefsinnige Schriften auseinander gesetzt haben, und zwar viel deutlicher, als ich es vermöchte. Es genügt mir, hier die Quelle jener Missverständnisse angedeutet zu haben, ist welche uns die Beobachter bei diesen Gegenständen geführt. Es ist weniger meine Absicht, tiefe Wahrheiten zu enthüllen, als nur die Wege anzudeuten, welche man bei der Betrachtung des Wesens der Dinge einschlagen, und welche vermeiden müsse, um zu jener hohen, heiteren Region hinanzuklimmen, wo diese Wahrheiten wohnen.

Von der Empfindung und dem Wort empfinden.

Noch ohne eines Sinnes mächtig zu sein, werden wir geboren, nur ein passives Gefühl begleitet uns in die neue Umgebung, und wir weinen gleich an ihrem Eingang, wäre es auch nur über die noch zu raue Luft, die uns berührt. Allmählich entwickelt sich unser Leben, es bilden sich die einzelnen Organe aus, der Kreis der sinnlichen Anschauung erweitert sich nach außen, wird nach innen deutlicher und sicherer, und nachdem wir uns vorher gegen die äußre Umgebung völlig leidend verhielten, nehmen wir nun auf einmal in Hinsicht auf dieselbe einen selbsttätigen Charakter an, der uns in vielseitigere innigere Beziehung mit ihr setzt. Allmählich fängt es auch in meinem Denken an zu dämmern, meine Vernunft lernt Unterscheidung und richtiges Urteil, mein Gemüt erkennt, was gut sei.

Das Wort empfinden, durch welches wir alle diese so umfassenden, zusammengesetzten und vielfachen Operationen zu bezeichnen vermögen, verdient deshalb von unserer Seite schon an sich selbst eine aufmerksame Betrachtung.

Gleich auf den ersten Blick erkennen wir, dass wir keine Empfindungen, keine Ideen, kein Selbstgefühl noch Selbstbewusstsein haben könnten, ohne die Wechselwirkung, Berührung und Vereinigung mit irgendetwas außer uns Befindlichem, deutlich von uns Unterschiedenem, es sei nun von was für Art es wolle. Es deutet dieses auf eine durchgängige Verschiedenheit aller Elemente der Eindrücke, welche auf uns geschehen, nämlich derjenigen, welche in uns selber jene Eindrücke aufnehmen, und derer, durch welche wir sie empfangen.

In der Tat alle körperlichen Genüsse, deren ich fähig bin, sind eine Folge der Vereinigung meines Körpers mit dem, was ihm analog, aber von ihm geschieden ist. Jeder lichte Strahl, der mein Denken erhellet, entzündete sich erst durch die Verbindung mit dem außer ihm befindlichen Licht, und öfters, wenn mein Geist dieses Licht sucht, wird er sich es deutlich bewusst: dass dasselbe etwas ganz von ihm Unterschiedenes, wenn auch ihm Homogenes sei. Wenn die natürliche Neigung zur Billigkeit, mich wie durch einen Instinkt zu irgend einer gerechten Handlung treibt, und wenn ich nun die Früchte derselben genieße, fand auch hier etwas Gleiches Statt, jene natürliche Neigung nämlich, und das, was recht ist, sind sich gleichartig, aber von einander geschieden, und erst durch ihre Vereinigung entsteht in mir das Gefühl und die Empfindung jener Art von Tugend.

Nehmen wir so das Wort Empfindung, in Beziehung auf das gesunde und naturgemäße Verhältnis der Dinge, so bezeichnet es uns das Resultat der Vereinigung zweier voneinander verschiedenen und getrennten Wesen, die Wechselwirkung zweier einander ähnlichen, dabei aber von einander abgesonderten Kräfte. Nur aus der innigen Vereinigung derselben kommen uns Empfindung, Idee, Urteil, und jeder moralische Eindruck, und ohne eine gänzliche Verschmelzung der beiden Kräfte oder Eigenschaften, zu einem einzigen Wesen bleibt alles in uns gefühllos, dunkel, trübsinnig, ohne Bestand und Leben. Dieser Grundsatz gilt überall, und im weitesten Umfange, und durch ihn wird alsbald das allgemeine Reich der ursprünglichen Einheit erkannt, es zeigen sich durch ihn alle Quellen unserer Eindrücke, unabhängig von diesen Eindrücken selber, dennoch aber mit dem besonderen Charakter, der den Faktoren so verschiedener Produkte eigentümlich ist.

Nicht deshalb demnach, weil die Ideologen die ganze Wechselwirkung der Dinge, und alle ihre Erscheinungen Empfindung nennen, widersprechen wir ihrem System; sondern weil sie sich verleiten lassen, aus der Gleichartigkeit des zur Bezeichnung gewählten Wortes auf die Gleichartigkeit der Sache zu schließen, denn da die Faktoren auf jeder Stufe so verschieden sind, müssen es auch notwendig die Resultate sein, welche daraus hervorgehen. Wir entfernen uns darin von ihrem System, dass sie Hervorbringer und Schöpfer jener Resultate sein wollen, während sie doch selber nichts anders tun, als was das gemeinschaftliche Werk aller Dinge ist, dass sie nämlich gleichartige, aber getrennte, Eigenschaften und Kräfte zusammenstellen und ordnen, Kräfte, welche lange vorher vorhanden waren, ehe sie daran dachten, sie zu vereinen, und die sich dann sichtbarlich in den Produkten ihrer Vereinigung offenbaren, bei welcher jedes von beiden seinen gebührenden Anteil beitrug.

Die Naturwissenschaften selber nehmen keinen anderen Gang. Sie würden sehr irren, wenn sie durch das Zusammenstellen von Tatsachen Naturgesetze erst zu erzeugen glaubten, (wie die Ideologen Ideen vermöge der sinnlichen Eindrücke hervorzubringen glauben). Mögen sie immerhin Erfahrungen anempfehlen, jedes nur mögliche Resultat, das aus diesen hervorgeht, wird Gesetze offenbar machen, die lange vor der gemachten Erfahrung vorhanden waren. Der Kohlenstoff war lange vorher in der ganzen Natur vorhanden, ehe die Chemie sein Vorhandensein im Demant anerkannte, und was auch im Fortgang der Wissenschaften noch entdeckt werden mag, nie werden diese doch etwas anders vermögen, als allmählich das aufzuzeigen, was lange vorher vorhanden war. Weit entfernt demnach, zu glauben, dass irgend ein Prinzip durch sie erst hervorgebracht werde, müssen sie vielmehr bekennen, dass sie nichts weiter getan haben, als dasselbe sichtbar zu machen, wie es denn überhaupt bei jedem natürlichen Experiment, bei jeder der Ordnung gemäßen Handlung der Dinge, unmöglich ist, etwas anders zu tun.

Wir können das Wort Empfindung passiv nehmen, wo es sich alsdann auf den Gegenstand bezieht, durch welchen sich uns das eine Element der Empfindung mitteilt; oder man kann es aktiv nehmen, alsdann bezieht es sich auf das Wesen, das durch eigne Selbsttätigkeit bis zu dem Sitz der Ursache seiner Empfindung vordringt, die auffindet, empfindet. Ohne hier die spitzfindige Sprache der Scholastik erneuern zu wollen, können wir doch nicht leugnen: dass es an den verschiedenen Gegenständen, die auf unsere Kräfte wirken, auch bloß äußerlich anhängende Eigenschaften gebe, ebenso wie auf der anderen Seite in uns eine diesen Eigenschaften analoge und gleichartige Anlage sein müsse, durch welche wir die ihr angemessenen Eindrücke empfangen. Ohne diesem würden uns auf der einen Seite die verschiedenen Gegenstände alle die nämliche Empfindung erregen, oder wir würden auf der anderen überhaupt gar nichts empfinden.

Zwischen jenen äußeren Gegenständen und uns, muss demnach ein wechselseitiges Zusammentreffen Statt finden können, sie müssen nämlich ihrerseits aus sich herauszugehen, und wir wiederum in sie einzudringen vermögen, und das letztere muss selbst noch früher geschehen, als jenes, weil wir es sind, die über den von ihnen empfangenen Eindruck urteilen müssen. So bin ich auch überzeugt, dass jenes Wechselverhältnis, das als ein Grundgesetz der geistigen, wie der körperlichen Natur betrachtet werden kann, in allen älteren und neueren Sprachen durch das Wort, das unserem deutschen empfinden entspricht, in allen seinen verschiedenen Beziehungen ausgedrückt werde. Ich bin es überzeugt, dass jenes Wort überall die Mitteilung der Eigenschaften, des Sinnes und Geistes der Dinge an uns, und von unserer Seite das Herausgehen unserer geistigen oder sinnlichen Anlage aus sich selber, und das Eindringen in jene, (das wechselseitige Finden derselben) bezeichne.

Wir würden uns jedoch durch eine Untersuchung dieser Art zu weit von unserem Plan entfernen, und es sei uns genug, hierin einen neuen Beweis von der Notwendigkeit einer solchen Vereinigung oder Einheit, überall wo nur ein harmonisches Resultat, als Prinzip und Grundlage aller Empfindung und Empfindlichkeit, alles Lebens, alles Erkennens Statt finden soll, gefunden zu haben; so dass jener Hauptsatz als unwandelbar betrachtet werden, und man aus demselben kühn die wichtigsten Folgen ziehen kann.

Denn mit nur einiger Aufmerksamkeit würde man erkennen: dass in der ganzen Reihe der Wirkungen der Dinge, von den beschränktesten bis zu den mächtigsten, nichts sei, das nicht diese Wahrheit rechtfertige; man würde erkennen: dass die körperliche, wie die geistige, Ordnung der Dinge, dass Vegetation, Verdauung, Gesundheit, Urteil, die erhabensten Begriffe und die innerste Entwicklung der Kräfte unseres Geistes und Gemüts bloß durch Verbindung und Einung Statt haben können, und dass dann jene Vereinung Stellvertreter einer ursprünglichen und ordnenden Einheit wird, die ohne Zweifel, weil sie nur das ihr Analoge berühren kann, sich bloß zu solchen Wirkungen und Erscheinungen gesellt, die schon jede in ihrer Art in Vereinigung begriffen sind, und welche überhaupt dem gesamten Kreis des allgemeinen und besonderen Daseins bloß nach diesem Grundgesetz aller Harmonie zu sein und zu wirken erlaubt.

Bei der Zeugung der Dinge besonders, zeigt sich jenes Grundgesetz auffallend genug, um in seiner ganzen Allgemeinheit anerkannt zu werden. Erzeugung findet nur Statt, wenn die zwei von einander unterschiedenen, getrennten Kräfte, die dabei wirksam sind, Einheit oder Zentrum geworden sind, nur dann, wann jede von ihnen ihren Umkreis, ihre äußere Grenze verlässt, damit beide sich in den unsichtbaren Punkt, in den sinnlich unbegreiflichen Moment, einer zeugenden, zentralen Einheit verhüllen und versenken, woraus auf der einen Seite für beide das Maximum der Empfindung und Empfindlichkeit, auf der anderen das Leben der gemeinschaftlichen Frucht hervorgeht.

Dass jene beiden verwandten Kräfte, im Moment der Vereinigung beide den höchsten Gipfel der Empfindung und Empfindlichkeit erreichen, kommt daher, dass bei beiden, indem sie sich wechselseitig den Inbegriff aller ihrer Eigenschaften mitteilen, das innere Leben sich verdoppelt; dass aber das neue junge Leben nur aus der innigen Einheit der zusammenwirkenden Kräfte hervorgeht, kann uns zum Beweis dienen: dass alles Leben aus der Einheit könnt, mögen auch die Kräfte, durch die es fortgepflanzt wird, noch so getrennt und verschiedenartig sein. Hieraus folgt: dass in dem neuerzeugten Leben beide Kräfte, von denen es erzeugt ward, enthalten sein müssen, soll dasselbe anders ein Bild der Einheit beider sein.

Es fühlt das Kind, schon im Genuss des individuellen Lebens, anfangs lange Zeit nicht, ob es männlichen, ob es weiblichen Geschlechts sei? so sehr haben sich beide Gegensätze, als sie es zeugten, in ihm vermischt, und nur der Fortgang der Zeit, welcher zuletzt die leiseste Verschiedenheit der eigentümlichen Richtung merklich macht, und alles Teilt, lässt dem Kind endlich sein Geschlecht erkennen, eine Beobachtung, welche die Meinung derer unterstützt, welche behaupten: dass der Mensch ursprünglich ein einfaches Wesen war, weil er jetzt getrennt sei, und im Gegenteil, dass er ein zwiefaches sei, weil er einst einfach war.

Etwas vollkommen Ähnliches findet bei den menschlichen Ideen Statt. Auch sie sind das Resultat einer Vereinigung der verschiedenen Kräfte, und das Neuerzeugte bedarf nicht minder einer neuen Anstrengung, um sich als etwas Selbstständiges und Individuelles aus dem Chaos seiner Entstehung darzustellen. Aber außer dass eine Vereinigung zweier getrennter Kräfte bei der körperlichen Zeugung durchaus notwendig ist, soll anders daraus das Maximum, die Empfindung und ein neu entstehendes Leben hervorgehen, lassen sich aus jenem Gesetz auch noch mehrere Folgen ziehen.

Wenn nämlich jene zwei Kräfte sich zu einer Gesamteinheit verbinden, bilden beide dann wirklich nur eine einzige Kraft. Nun müssen aber, damit alle jene Erscheinungen Statt finden, wirklich Zweie, die zur Einheit zusammenwirken, vorhanden sein; da demnach jene zuerst erwähnten beiden Kräfte wirklich im Zustand ihrer gänzlichen Vermischung nur noch als eine einzige zu betrachten sind, muss ihnen noch eine andere Kraft zu Hilfe kommen, die sich mit ihrer Einheit verbindet.

In der Ordnung der körperlichen Zeugungen, ist jene höhere Kraft die Natur, als allwirkendes Gesamtvermögen der Elemente und Stoffe des Universums, aus welchem nach ihren verschiedenen Stufen alle natürlichen Erzeugnisse, demnach auch unser physisches Dasein, und die Einheit jener beiden besonderen zeugenden Kräfte hervorgehen.

In der Reihe der Zeugungen unserer Gedanken und Erkenntnisse, muss es eine, jener Verbundenheit unserer Kräfte analoge, Quelle sein, aus welcher jenen ihre innere Anordnung und Gestaltung kommt, wie den körperlichen Zeugungen die ihrige aus der Natur; so zeigt sich denn hier bei zwei ganz verschiedenen Gegenständen ein und dasselbe allgemeine Gesetz.

Nur indem jede Kraft einer unmittelbar über ihr stehenden ähnlich wird, ihren Einluss empfängt, vermag sie zu wirken, nur auf diese Weise können die zeugenden Einheiten jeder Art sich bilden. Nur wenn jene verbundenen Einheiten sich durch wechselseitige Erhöhung des eigentümlichen Lebens allmählich zu der unmittelbar über ihnen stehenden Stufe erheben, werden sie lebendig und selbstständig tätig, denn sie gelangen durch jene Erhebung Stufe vor Stufe, indem immer eine höhere Kraft zu den schon vereinten (hierdurch vermögender gewordenen) Kräften sich hinzugesellt, bis zu einer einfachen, über alle waltenden Einheit, die dann erst allen anderen unter ihr stehenden Einheiten Leben gibt, indem sie allmählich ihre Macht mit der Macht der letzteren vereint. Es muss nämlich nach diesem allen auch eine allgemeine niederwärts steigende Kraft vorhanden sein, und zwar früher noch als die aufwärts steigende, – denn ohne dieses würde, nach jenem allgemeinen Gesetz, keine Vereinigung Statt finden können, und alle untergeordneten, erschaffenen Einheiten blieben nur unfruchtbar. Mit anderen Worten, es muss hierbei eine erste und allgemeine Einheit mit den verbundenen Einheiten der zweiten, dritten u, a. Stufe, oder was für eine es sonst sei, aus deren Wechselwirkung wir etwas Neues erzeugt werden sehen, zusammenwirken, weil immer nur die Vereinigung zweier Kräfte etwas Neues hervorbringen kann, und ich halte dafür, dass Denker hierin einen Beweis für das Dasein jener unabhängigen, all herrschenden Einheit finden können.

Denn wollte man selbst das Gesetz des notwendigen Vorhandenseins zweier Kräfte zum Dasein jeder Einheit, auf jene allherrschende Einheit anwenden; so würde es sich auch hier, eben so wie irgendwo anders, gültig zeigen; aber wie weit wir nun auch jene Einheit als letzte Grenze hinaussetzen wollen, da sein muss sie zuletzt wirklich, oder die beiden zeugenden Kräfte gerieten so in wechselseitige Abhängigkeit von einander, dass sie unzertrennlich wären, und dass sie nicht allein einer gegenseitigen Notwendigkeit dann, wenn sie sich einander nähern, unterworfen wären, worin allerdings unsere Freiheit ihre Grenzen findet; sondern einer Notwendigkeit, welche auf unaufhörlicher, wechselseitiger Anziehung, auf dem Bedürfnis sich wechselseitig selber Leben und Dasein zu geben, beruhte, ins dem sie ohne einander gar nicht bestehen könnten, weil dann keine andere über ihnen befindliche Macht ihnen Hilfe gäbe. Jene allwaltende Einheit ist es, bei welcher unser Geist, wenn er so aus den Grenzen seiner eignen Kräfte hervorgeht, still zu stehen genötigt ist, und aus der wir allmählich die ganze Kette der Erzeugungen werden hervorgehen sehen.

Wir müssen jedoch zu jenem Gesetz, nach welchem sich jede besondere Kraft an die unmittelbar über ihr stehende Stufe anschließt, noch ein anderes hinzufügen, welches eben so naturgemäß erscheint; dass nämlich die Intensität der Empfindung und des Gefühls bei jeder Ordnung der Dinge eben von jener zunächst über ihr stehenden höheren Stufe abhängt und bestimmt wird. Es haben einige Weltweise hieraus den Schluss gezogen, dass kein Wesen über seine Mutter hinauszusehen vermöge, weshalb auch unsere Tierischen Kräfte, deren Mutter unmittelbar die Natur ist, nichts außer dieser Natur zu sehen und zu empfinden vermögen, während unser inneres Selbst, dessen Blicke und Neigungen weiter gehen, eben dieses Weitergehens nicht fähig wäre, wenn es nicht eine andere Mutter hätte, bis zu der es sich nach dem aufgestellten Gesetz zu erheben vermag.

Wir müssen hierbei die Bemerkung machen: dass auf der Stufenleiter jener verschiedenen Einheiten, sowohl im Reiche der körperlichen, als in dem irgend einer anderen Zeugung, das Wort empfinden eine höhere oder geringere Bedeutung erhält, je nachdem sich die Reihe mehr oder weniger der letzten Grenze, oder jener allwaltenden Einheit nähert, ohne welche alle andere Einheiten nichtig und unfruchtbar blieben, und dass, je weniger die Elementarwirkung jener Einheiten zufällig ist, umso wirksamer dieselben seien, um so höher und inniger das Gefühl, das sie begleitet. Der geistige Mensch nimmt auch mehr oder weniger an den Vorteilen jenes glücklichen Verhältnisses Teil, je nachdem sein Inneres mehr oder weniger harmonisch ist; so dass wir hieraus erkennen, wie groß die Bedeutung des Wortes empfinden bei der allwaltenden Einheit sein müsse, da die Käste, aus welchen diese Einheit besteht, in einer beständigen, notwendigen und ausschließenden Abhängigkeit von einander sind, in einer wechselseitigen, unvergänglichen und uns auflöslichen Anziehung, d. h. in der vollendetsten und harmomischsten Einheit.

Von der allgemeinen Liebe.

Nach dem, was wir über die ausschließende und notwendige Anziehung der verschiedenen Gesamtkräfte der allwaltenden Einheit erkannt haben, dürfen wir als sicher annehmen: dass das Prinzip der Dinge wesentlich gut, bestehend und in schöner Harmonie sei; so dass es sich nicht selber betrachten kann, ohne sich zu lieben. Eben so darf man wohl als sicher annehmen: dass jener Grund aller Dinge vermögend und fruchtbar sei, dass deshalb auch seine Liebe ein Quell der höchsten Lebenserzeugung sein müsse. Die Frucht einer so vollkommenen Vermischung wird vollkommen das nämliche Wesen und die nämlichen Eigenschaften besitzen, als das Prinzip, aus welchem sie erzeugt ist, denn ohne dieses müsste in diesem Prinzip etwas enthalten sein, das nicht es selbst wäre. Wenn des halb jenem Grundwesen dieses vollendete Erzeugnis abermals Gegenstand einer neuen Betrachtung wird, entzündet sich auch gegen dieses eine neue Liebe, aus ihr geht eine neue Zeugung hervor, und es entstehen neue Resultate, die doch immer dieselben sind.

Jene drei Grundkräfte, die ewig mit einander verbunden sind, wirken stets nach ihren unwandelbaren Eigenschaften, und bilden so einen unauflöslichen Verein, nicht bloß weil (da sie die einzigen sind, welche in jenen Bund zu treten vermögen) kein Wesen sie trennen könnte, indem keines in das Geheimnis, jener Verbindung einzudringen fähig wäre; sondern weil auch sie selbst jene ewige feste Vereinigung nicht aufzulösen vermögen, indem sie in wechselseitiger Anziehung ihrer lebendigen Kräfte ewig sich selber gebären, und so auf immer eins aus dem anderen Dasein empfangen und leben. Dieses ist das innerste Heiligtum, vor welchem sich der Gedanke des Menschen in tiefem Schweigen niederbeugen muss, versunken in die selige, heilige Tiefe einer unaussprechlichen Bewunderung.

Wenn das Gemüt in einfältiger, treuer Demut in jener heiligen Tiefe verweilt, und sich so der ganzen Lebensfülle jenes Grundprinzips der Dinge bewusst wird, dringt sich ihm eine eben so auffallende als natürliche Wahrheit auf, dass nämlich alle diese Wunder eines ewigen unauflöslichen Daseins in einer so tiefen, geheimen Verborgenheit wirken, dass jenes Grundwesen selber sie nicht kennen würde, wenn sich dieselben nicht in seiner Umgebung abspiegelten.

Ein solches Zurückstrahlen seines eignen Wesens ist ihm nötig; denn wenn jene allwaltende Einheit, in der Glut der eignen Wiedergeburt, in den ewigen Strom ihres eignen Wirkens verschlungen, immer nur vorwärts strebt, in die Unendlichkeit ihres Seins und Wirkens, begegnet ihr hier nirgends etwas, das ihr eignes Leben auf sie selber zurücklenkte, und ihr so alle Züge ihres herrlichen Daseins offenbarte, sie bedarf deshalb gewisser Bilder oder Spiegel, welche diese erhabene Bestimmung erfüllen.

Diese Ebenbilder müssen von der allwaltenden Einheit unterschieden, zugleich aber aus ihr entsprungen und ihr analog sein, denn ohne dieses würden sie dem Zweck ihres Daseins nicht entsprechen. Obgleich unsere Vorstellung von der Zeit sich mit dieser Ordnung der Dinge nicht vereinen lässt, wird man doch erkennen, dass jene Bilder, aus dem allgemeinen Grund des Seins entsprungen, ihrem Range gemäß, nur in ihm ihren Anfang haben konnten, obgleich sie auf der anderen Seite auch von Ewigkeit mit ihm waren; eine tiefe Wahrheit, die schon aus dem immer fortschreitenden und zugleich ewig fest bestehenden Leben eines notwendigen Grundwesens erhellet, und aus der Erweiterung des Wirkungskreises, die demselben mit jedem neuen Fortschritt seines Daseins wird; denn diese Fortschritte geschehen außer aller Zeit; so musste auch jener Wirkungskreis außer aller Zeit entstehen, entstehen aber musste er doch.

Wir erkennen ferner, dass, wie jenes Grundwesen selber, seiner Natur nach Liebe ist, auch die Ebenbilder, die es sich selbst erzeugte, aus dem Wesen seiner Liebe hervorgehen mussten, obgleich dieselben, eben weil sie aus ihm hervorgetreten, etwas von ihm Verschiedenes geworden sind, nicht mehr von gleicher Vollendung, von gleicher Natur mit dem obersten Hauptwesen sein können, wohl aber fähig, unaufhörlich von dem lebendigen Einfluss ihres Urquells befruchtet, das neuerzeugte Leben in ihn zurückzustrahlen. Ihrer Substanz nach müssen jene Bilder auf ihre eigentümliche Weise die Züge jenes Grundwesens an sich tragen; sie müssen demnach auch auf ihre Weise ein Symbol seines Daseins sein, müssen auch, so wie das Grundwesen, dessen Gleichnis sie sind, Spiegel haben, von denen ihnen die Wunder ihres besonderen und erschaffenen Lebens zurückstrahlen, so wie ihr Grundquell seine eigne wunderbare Natur in ihnen anschaut.

Auch diese Spiegel von der zweiten Ordnung müssen nun, ihrem Range gemäß, in etwas an den Eigenschaften der ewigen Liebe Teil haben, um den großen Plan ihres Daseins zu erfüllen.

Hierbei kann jene Reihe der göttlichen Zeugungen stillstehen. Der ewige Urquell, als einiger Schöpfer, wäre dann ihre eine äußerste und oberste Grenze, und dieser wird in den beiden anderen äußersten Stufen, nicht bloß eine Befriedigung des Verlangens, sein eignes Wesen außer sich zu offenbaren, Und mit göttlich väterlicher Liebe zu lieben, – des Verlangens, sich selber in den Spiegeln seiner Herrlichkeit zu erkennen, finden; sondern es wäre auch mit jenen beiden Stufen alles das gegeben, was zu der Verherrlichung jener erschaffenen Ebenbilder und Spiegel seines Wesens dienen könnte; indem auch ihnen, nach dem Gleichnis ihres Schöpfers, ein Wirkungskreis gegeben wäre, welcher ihnen ihre Herrlichkeit zurückstrahlte, wie sie dem obersten Quell die seinige.

Man wird begreifen, dass jener ihnen gegebene Wirkungskreis mit ihnen selber von gleichem Alter sein, d. h. eben so wenig einen Anfang in der Zeit gehabt haben müsse, als sie selber. Er musste einen Grad tiefer stehen, als sie, eben so wie sie eine Stufe tiefer als ihr Ursprung standen. Nun finden wir dieses Verhältnis wirklich in dem der Natur zu dem Menschen, und dem des Menschen zu Gott, und es lässt uns dieses glauben, dass jener Wirkungskreis eine, anfangs viel vollkommenere, Natur gewesen, als die, welche wir jetzt sehen, eine Natur, welche keinem von allen den Mängeln, welche die jetzige hat, unterworfen war. Ohnfehlbar ist es eine dunkle und mißverstandne Ahndung jenes Geheimnisses, was die Weisen dieser Welt veranlasst hat, die jetzige Natur selber als etwas Ewiges zu betrachten, indem sie ihr so eine Eigenschaft beigelegt haben, die eigentlich nur der vormaligen Natur zu gehört, jener Natur, die zum Spiegel der Ebenbilder Gottes bestimmt war.

Will man dieser Vorstellung nur dann Glauben beimessen, wenn sie sich unmittelbar als Offenbarung darstellt; wohlan! so gebührt ihr allerdings der Name einer Offenbarung, aber einer natürlichen, durch sich selbst glaubwürdigen, die ihre Stärke weder aus Büchern, noch aus der Gebrechlichkeit zweideutiger Traditionen nimmt, denn indem ich gern die Mangelhaftigkeit der von mir gewählten Bilder, die meinen Behauptungen zur Unterstüzung dienen sollten, zugebe, will ich es doch nochmals wiederholen: dass wir noch jetzt hienieden in einem Zustande sind, der uns jene alte verlorne Größe im Wiederscheine zeigt.

Denn wirklich, wenn der Mensch einige Augenblicke das betrachtet, was in dem verborgenen Inneren seines Wesens vorgeht, wird er bald finden, dass die Strahlen des Göttlichen noch immer in dasselbe hineindringen, dass sie ohne Unterlass in ganzen Massen das Dunkel seines Inneren durchbrechen, sich hier ausbilden, jeden nach seiner Eigentümlichkeit und seiner Art ordnen, und wenn sie dann von diesem wunderbaren Spiegel aufgefasst werden, strahlen sie auf ihre höchste Quelle zurück, und stellen sich dieser in einer Art von Verkörperung als etwas selbstständig Unterschiedenes dar, was sie vorher nicht vermochten, und wodurch sie ihr gleichsam fühlbarer werden. Wenn sich dann auch der Mensch in Beziehung auf die ihn umgebende Natur betrachtet, von der er leider so üblen Gebrauch macht; so erkennt er bald, dass sie für ihn eben so zur tragenden Basis bestimmt war, als er selber die des Göttlichen war; er erkennt, dass, wie in dem Strom der Gedanken, die in seinem Inneren sich bewegen, einige sich als Opfer heiliger Demut gegen ihren Urheber wenden, als stille Erinnerung seliger Genüsse, eben so auch andere, und vielleicht der größere Teil derselben aus sich selbst hinausgeht auf die Gegenstände, die ihn umgeben. Die Gestirne, die Elemente, alle Reiche der Natur, alle Arten von Lebendigen, welche diese Reiche bevölkern, die Eigenschaften, die sie von einander unterscheiden, alle Lebenswirkungen, welche diese Gesamtmasse der Wesen beseelen und bewegen, sind für den Menschen Spiegel, auf die er unaufhörlich den Einfluss seines Wesens ausströmt, den ihn diese dann in Gestalten, Farben und Tönen zurückgeben; ein sichtbares Zeugnis seiner Größe, seiner hohen Bestimmung in dem Weltall.

Ich weiß wohl, was diesen vergleichenden Zügen mangelt: Der Mensch sieht die Welt um sich her nicht mit sich zugleich entstehen, vielmehr erscheint sie ihm als etwas lange POP ihm Vorhandenes; tausend niederschlagende Gedanken wollen sich dem geheimsten Inneren seines Wesens aufdringen, und dagegen sind nur wenige Regungen, die ihn zu erheben, zu verherrlichen vermögen; endlich, so oft er die Gedanken, die von ihm ausgehen, in allen den Formen, die ihn umringen, verkörpern will, vermag er nur nach unendlichen Schwierigkeiten ein reines Resultat zu erhalten, es zeigen sich die Spiegel, von denen er eigentlich alles erwarten durfte, seinen Wünschen widerspenstig, und geben ihm nur verzerrte oder täuschende Bilder zurück.

Aber wenn ich ihm alle diese Tatsachen zugebe, wird er seinerseits auch mir zugeben müssen: dass diese Lage ihm drückend sei, dass jene Widerwärtigkeiten ihn betrüben, jene Schwierigkeiten ihn empören. Mehr bedarf es nicht, um mich alles dessen, was ich über jene großen Gegenstände behauptet habe, versichert zu halten. Wenn du, heiliges menschliches Selbst, von allem dem, was dich an der Erfüllung des großen Zwecks, zu welchem du dich in Beziehung auf deinen höheren Ursprung oder auf die untergeordnete Natur deutlich berufen fühlst, niedergedrückt, betrübt und empört bist; so folgt daraus, dass du jetzt nicht mehr in einem naturgemäßen Zustand seist. Das Prinzip der Dinge ist gut, voller Liebe, und konnte nicht wollen, dass alle Wesen, die aus ihm hervorgingen, in einer Lage wären, wo sie sich selber nicht gefallen, sich selber nicht lieben konnten, was nur dann Statt findet, wenn sie der Wiederglanz seines Lichtes und seiner Kräfte sind, denn ohne dieses sind sie nicht mehr sein Abbild, und das höchste Prinzip alles Glückes, seinem eignem Plan ganz entgegen, verschlösse sich selber unteilnehmend in sein eignes Inneres, indem es rings um sich her nichts fände, dem es seine Freude mitteilen könnte, und e das ihm den Glanz seines Ruhms zurückzustrahlen vermöchte.

Ich will hier nicht von neuem die Frage über den Ursprung des Bösen beantworten, womit ich mich schon in anderen Schriften hinlänglich beschäftigt habe. Wenn es auch unter den freigeschaffenen Wesen, unter jenen Spiegeln der göttlichen Natur, auch außer dem menschlichen Geschlecht, Abtrünnige gegeben; so ist es doch nach unserer obigen Darstellung nur der Mensch, dessen Erniedrigung und Fall sich uns bei der einfachen Beobachtung des Zustandes der Dinge schmerzlich aufdringt.

Nur müssen wir auf einem sehr natürlichen Weg, ohne dabei weder Sagen noch Bücher zu Hilfe zu nehmen, zu berichtigen suchen, was wir in Hinsicht auf jene andere Art von Abtrünnigen, von denen in der obigen Voraussetzung die Rede war, zugeben oder leugnen sollen. Auch hierbei soll uns der Mensch als Probierstein dienen, denn von ihm können wir uns in dieser Art von Wahrheiten alle nur mögliche Auskunft versprechen; und wenn er nicht durch sich selber einer hinlänglichen Klarheit über diese großen Gegenstände fähig wäre, dürfte er durchaus für nichts verantwortlich sein.

Wir dürfen behaupten, dass es, was seinen Fall betrifft, für den Menschen viel wichtiger sei, wenn man ihm zeigt, wo der Schlüssel zu diesem Geheimnis nicht enthalten ist, als wenn man ihm eröffnen wollte, wo er sich findet: gleich als ob derselbe etwas Erschaffenes, sinnlich Wahrnehmbares in sich hätte. Man muss ihm zeigen, dass jener Schlüssel nicht in dem Urheber aller Dinge, dessen Wesen das Gute selber ist; nicht in dem Reich des Materiellen, das ohne das Prinzip des Sittlichen ist; nicht in dem freien Wesen enthalten sein könne, welches jetzt in seiner Freiheit beschränkt ist, und dadurch andeutet, dass diese Freiheit es war, durch welche es gefehlt hat, und dass dieselbe ein sittliches Vermögen, nicht aber ein selbstständiges Wesen sei, indem, wenn sie dieses wäre, alle Folgen, welche aus ihr entsprängen, auf den ersten Urheber zurückfallen müssten.

Auf der anderen Seite wäre es, da das Böse in Beziehung auf das Gute etwas ganz Negatives ist, inkonsequent, eine positive Quelle für dasselbe aufsuchen zu wollen, die unter den übrigen selbstständigen Wesen ihren Platz zu behaupten vermöchte, ein Unsinn, dessen sich die, welche über diesen Gegen stand spekuliert haben, immer zu Schulden kommen lassen. Es genüge dem Menschen das Bewusstsein, dass er das Recht hatte, in allen seinen Anlagen freiwillig und gern die nämliche innere Harmonie zu begründen, welche jenes allgemeine Grundwesen, vermöge einer inneren Notwendigkeit, in den seinigen unaufhörlich erzeugt und darstellt, indem er noch jetzt das nämliche Recht hätte, wenn er nur alle ihm zu diesem Zweck verliehene Mittel anwenden wollte. Erhebend und tröstlich muss es für ihn sein, dass die höchste Hand, als sie ihm das Dasein gab, ihm zugleich das Recht gegeben, sich selber zu sagen: Ich selber vermag mich, mit dem Strahl der Liebe, der mich gebildet, zum Gleichnis und Repräsentanten der ewigen Vollkommenheit zu erheben.

Möge er denn erkennen, dass dieses seine eigentliche Gottähnlichkeit gewesen, dass aber das Vermögen, frei in dieser Richtung des Lebens zu wandeln, augenscheinlich auch das Vermögen, sich daraus zu verirren, voraussetzen lässt, und dass, je größer dieses Vermögen war, der gute oder üble Gebrauch, den er mit demselben machte, um so bedeutendere Folgen haben musste. Die natürlichen Folgen des Missbrauches der ihm vertrauten Gewalt, waren jene Sklavenketten, in denen er noch jetzt schmachtet, während, wenn er treu geblieben wäre, ein unaufhörlicher sicherer Genuss aller jener hohen Vorteile die Folge gewesen wäre. Jene traurigen Folgen kamen ihm von selbst, ohne dass die Hand seines Urhebers etwas zu seiner Strafe oder zu seiner Qual hinzugetan hätte, indem sie ja nichts anderes konnte, als lieben. Er möge erkennen, wie selbst jetzt in seinen Sklavenketten jene ursprüngliche Bestimmung sich noch unverkennbar in ihm zeigt, indem er noch immer um und in sich alle Spuren derselben findet. Freilich aber darf ihm eben so wenig ein Zweifel daran bleiben, dass nicht widrige, jener hohen und seligen Bestimmung hinderliche Unfälle hinzugekommen sein müssten, weil selbst der Gebrauch dessen, das ihn noch davon übrig blieb, so unvollkommen, so selten und erschwert ist.

Indem wir uns hier nur an die bedeutenderen möglichen Schwierigkeiten halten, wollen wir uns einen Augenblick bei denen verweilen, die, als Verteidiger der allgemeinen Voraussicht Gottes, diesem einen Vorwurf darüber machen, dass er Wesen geschaffen habe, von denen er sowohl den Sündenfall, als alles Unglück, dem sie ausgesetzt waren, voraussehn musste.

Wir entgegnen ihnen, dass erstens, da jene Schöpfung ewig und außer der Zeit gewesen, Gott auch keine Zeit gehabt habe, worin er, nachdem er jenes vorausgesehen, seine Absicht hätte ändern können; dass in dieser Region, für welche es keine Zeit mehr gibt, kein Moment sein könne, worin es möglich wäre, zwei einander entgegengesetzte Ideen zu fassen, und es würde uns eben so unmöglich sein, zu begreifen, wie Gott das Bedürfnis und die Zeit haben könnte, etwas an seinen Planen zu ändern, die doch außer aller Zeit sind; als es uns schwierig ist zu begreifen, wie alle Wesen, die von Ihm ihren Ursprung haben, von Ewigkeit her sind, obwohl sie, in Beziehung auf ihn, wirklich einmal begonnen haben.

Zweitens entgegnen wir ihnen, dass, da sie uns (nach dem Obigen) die Freiheit jener erschaffenen Wesen nicht abzustreiten vermögen, nichts anders mehr übrig bleibe, als, selbst dann, wenn wir ihnen von unserer Seite jene göttliche Voraussicht vollkommen zugeben, ein notwendiges Gegengewicht zwischen jenen beiden Kräften anzunehmen, ohne welches jede von ihnen aufhörte, eine Kraft zu sein. Doch es liegt überhaupt außer unserer Bestimmung, jene Vereinigung zu versuchen; wir sind bloß bestimmt frei zu sein, und wir können diese Grenze nicht überschreiten, ohne uns in jene Voraussicht zu mischen, wie auch diese von ihrer Seite über ihr bestimmtes Maas nicht hinausgehen könnte, ohne sich in unsere Freiheit zu mischen; wodurch dann das Gleichgewicht aufgehoben wäre.

Drittens stellen wir ihnen entgegen, dass ihre Meinung nicht allein Gott einen bösartigen Willen zuschreibe, sondern auch eine Weise zu spekulieren, die weder dem Umfange seines Gesichtskreises, noch der Richtigkeit seiner Berechnungen Ehre brächte. Denn wenn wir selber, beschränkt wie wir sind, uns nur in eine Unternehmung einlassen, ohne vorher ausgerechnet zu haben, ob der Gewinn oder die Ausgaben überwiegen werden ? so dürfen wir doch wohl Gott dieselbe Weisheit zu trauen, und uns überzeugt halten, dass die Vorteile, welche er aus dem, was er unternommen, sich versprechen kann, und daraus zieht, alle Nachteile, die wir uns denken können, aufwiegen müssen, so schwer es uns auch sein möge, zu begreifen, worin eine solche unermessliche Entschädigung bestehen möge.

So glaube ich dir, menschliches Gemüt! in diesem kurzen Abriss alles zusammengestellt zu haben, was die Zweifel und Besorgnisse deiner Vernunft, wenn du sie nur innerhalb ihrer nötigen Grenzen zu halten vermagst, lösen und heben kann. Weißt du aber jene Grenzen nicht zu halten; so würden dir auch die umfassendsten Trostgründe nicht mehr genügen können, vielmehr, je größer sie wären, desto verdächtiger würden sie dir werden. Sie würden dann nur deiner unrechtmäßigen Neigung, die Natur der Dinge zu ergründen, ohne sie in ihrer Tätigkeit betrachtet zu haben, oder eine äußere Basis für etwas zu suchen, das seinen Grund nur in sich selber haben kann, noch mehr Nahrung geben, würden deinen Blick nur noch mehr verwirren und trüben, anstatt ihn zu erhellen, würden ihn immer mehr daran gewöhnen falsch zu sehen, und ihn vielleicht dadurch ganz zu Grunde richten, so dass er von nun an entweder alles nur in einem trüben Licht erblickte, oder für immer erblindete.

Ich will mich hier nicht in einen neuen Streit mit denen einlassen, welche überhaupt einen Fall der menschlichen Natur leugnen. Ich habe in dieser Hinsicht meinen Anteil gebüßt. Wenn aber das Selbstgefühl jener von dem Übel, das der Mensch täglich auf Erden begeht, nicht beengt, wenn es in seinem rechtmäßigen Streben nicht durch einen stärkeren Widerstand beschränkt wird, und hierdurch zu der Ahndung eines ursprünglichen Verderbens und eines Reichs der Gräuel gelangt, dessen Sitz in der Mitte unseres traurigen Verbannungsortes ist, und dessen Söldner oder selbst blinder Priester der Mensch ganz sichtlich ist, wenn jeder Sinn ihres inneren Selbst sich nicht vor der peinigenden Berührung jener abscheulichen Quelle des Grundverderbens entsetzt und zurückbebt; wenn endlich jene armen Verirrten das tätige allverwirrende Prinzip des Bösen nicht zu fühlen, nicht anzuerkennen vermögen, zu dessen Organ der Mensch sich mit so unvorsichtiger Hartnäckigkeit hingibt, und dessen Reich er zu seinem eignen Unglück immer fortpflanzt, wie möchten ihnen dann meine Worte zur Erkenntnis helfen! Sollten wohl Vernunftgründe mehr über sie vermögen, als Tatsachen, die sich ihnen gewaltsam aufdringen, sie fast bestürmen?

So mögen dann immerhin jene Aussätzigen, während das Gift ihrer Ansteckung sich immer gräulicher verbreitet, und das Eiter überall aus ihrer Haut hervorträuft, mit lauter Stimme versichern: dass sie sich im gesunden und natürlichen Zustande befänden, mögen sie ungescheut ihre innerste Gesinnung gegen jeden offenbaren, der ihnen zu untersuchen zumutet, ob nicht die Erde insgeheim, und unsichtbarer Weise von grausamen und wütenden Tieren bewohnt sei, deren Geheul der Mensch unaufhörlich wiedertönt, schäumend in jener ihm mitgeteilten fremdartigen Wut. Mögen sie sich mit tausendfachen Anschlägen ihrer blinden Unwissenheit erschöpfen, und alle Kräfte anwenden, die gerade Wahrheit unter das Joch der Lüge zu krümmen: ich will dir, menschliches Gemüt! ohne auf ihre Aussprüche zu warten, ob du krank seist oder nicht, in Gefahr oder in Sicherheit, unabhängig von aller Bücherweisheit, ein dir ganz nahe in deinem Fassungskreis liegendes Mittel anbieten, das dir der Ursprung der Dinge, welcher unaufhörlich dich zu schützen und zu heilen bemüht ist, darreicht.

Was diejenigen betrifft, denen jene falschen Lehren noch nicht ganz zur Natur geworden sind, und die eben nur erst den giftigen Dunst davon eingesogen haben, so rate ich ihnen hier nur im Vorbeigehen, dass sie damit anfangen möchten, sich einmal in der tiefsten und geheimsten Stille ihres Wesens zu betrachten und zu beobachten: ob sie sich nicht innerlich in dem Zustand eines Gefangenen befinden, umringt von Gittern und engen Schranken, bedeckt von Ketten, welche ihn bei dem Aufstreben aller seiner Kräfte hindern? Ich bitte sie aber, diese Schranken und diese Fesseln nicht mit jenen kleinlichen Widerwärtigkeiten zu verwechseln, die sie täglich von der Seite ihrer bürgerlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, oder von der Verdorbenheit ihrer Nebenmenschen zu erdulden haben, weil, wenn sie ihre Blicke nur auf diese Unbequemlichkeiten von untergeordneter Art richteten, sie leicht glauben könnten, ein Recht zum Murren zu haben, indem sie hier wirklich nichts als Ungerechtigkeiten erblicken; während sie, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf jenes ursprünglichere und tiefere Unglück richteten, zu dessen Beobachtung ich sie auffordre, gern schweigen würden, indem sie hier nur ein auf ihrem ganzen Geschlecht ruhendes Elend erblicken würden.

Von dem ursprünglichen Zustand des Menschen.

Die tägliche Bemühung, das Bedürfnis des Menschen, überall Ordnung und Regelmäßigkeit einzuführen, seine natürliche Neigung, diese Ordnung und Regel noch mit den Reizen eines guten Geschmacks, mit dem Zauber einer fruchtbaren Phantasie zu schmücken, deuten an, dass er in seinem ursprünglichen Zustand der Vollendung bestimmt war, die Vollkommenheit seiner ganzen Umgebung zu erhöhen, und seinen Aufenthaltsort immer mehr zu verschönern. Er könnte sich davon leicht überzeugen, wenn er darauf Rücksicht nähme: wie alle Menschen auf Erden sich mit eignen Kräften, oder durch Hilfe ihrer Untergebenen, unaufhörlich um eine solche Anordnung und Vervollkommnung der irdischen Dinge bemühen, denn er würde bald darin ein einförmiges Gesetz erblicken, das, allen gemeinschaftlich, nur in der Weise seiner Ausübung verschieden ist, ein Gesetz, das ans Dasein der Wesen selber geknüpft ist, und sie deshalb auch noch selbst auf dem Abweg ihrer Entartung nicht verlässt.

Vergleichen wir die gröberen Sorgen um das körperliches Dasein, welche den Menschen bei seinem jetzigen Tagewerk begleiten, mit dem Sinn und Streben für die Ordnung und Vervollkommnung seiner Erde, so erscheinen zwar beide dem ganzen Geschlecht gleich gemeinschaftlich, jene aber als ein gemeinsames Loos der Verdammung, diese als ein Vorrecht, einte Vollkommenheit. Auch dieser Vergleich bestätigt es, dass der Zweck des ursprünglichen Daseins des Menschen, wirklich die Vervollkommnung und Verherrlichung der Region war, in der er sich befindet, dass er bestimmt war, in allen Teilen seiner Umgebung jene Vollendung und Herrlichkeit, die er aus der höheren Quelle seines Daseins geschöpft, schaffend zu verbreiten.

Dieses ist ja der Weg, den er selbst jetzt noch, so oft er einen Plan zu entwerfen, irgend ein Werk auszuführen hat, einschlagen muss. Er zieht sich in sich selbst zurück, schließt sein Inneres einer eigentümlichen Quelle auf, und scheint alsdann auf den Einfluss eines Lichtes zu harren, das, verschieden und getrennt von seinem eignen Wesen, ihm die Helle mitteilt, die er sucht, ihn, wo er es bedarf, mit seinen Strahlen leitet; und seine Werke erhalten eine desto höhere innere Vollendung, je mehr er anhaltend nach jenem leitenden Lichtstrahl gesucht hat, je aufmerksamer und treulicher er seiner Führung folgte,

So würde auch der ursprüngliche Mensch, je treuer er dem Gesetz, das ihn an seinen Ursprung knüpfte, geblieben wäre, mit einem umso glücklicheren Erfolg jene offenbare Bestimmung seiner Natur, die Außenwelt zu bilden, erfüllt haben, und umgekehrt, je mehr er mit Eifer und Erfolg an jener Bildung gearbeitet hätte, desto mehr hätte sich sein Verhältnis zu jenem höheren Ursprung erhöht und vollendet, aus welchem sein eignes Dasein Bildung empfangen, indem alles, was auf den Menschen Beziehung hat, an dieses höchste Werk geknüpft sein musste, wie dies noch jetzt der Fall wäre, wenn sich nicht so oft das gröbere, sinnliche Bedürfnis seinen Absichten in den Weg stellte, und wenn diese nicht so oft an bürgerlichen Verhältnissen scheiterten.

Der Mensch wäre dann das Auge, das Organ gewesen, in welches sich jenes höhere, göttliche Reich des Lichts herabgesenkt hätte, welches alle Individuen seines Geschlechts erfüllt, und vermöge der unendlichen Verschiedenheit derselben, durch sie und für sie die seligste Harmonie gebildet hätte. Der Mensch kann dieses noch jetzt erfahren, wenn er in sich selber zurückkehrt, und seinen innersten Sinn nach dem Ursprung seines Wesens richtet. Er fühlt es dann, wie jenes höhere Reich sich in ihn niederlässt, und wird dadurch von selbst ein Freund und Bruder aller Menschen, ohne ferner noch ein Verlangen zu fühlen, sie zu beherrschen, oder ein Bedürfnis, ihr Diener oder Schüler zu sein.

So ruht denn jetzt unter den Menschen das Gesetz der religiösen und politischen Verfassungen nur auf etwas Relativem, auf äußerem Verhältnis, und ist mehr ein Eigentum des Einzelnen als der ganzen Gattung, indem nur einer gewissen Zahl das Vorrecht desselben anvertraut scheint. Dieser Übelstand ist ohne Zweifel die Folge einer Verdrehung und Verkehrung des natürlichen Verhältnisses, dem es unmöglich angemessen sein konnte, dass in einer Klasse von Wesen, die alle von demselben Ursprung, von demselben Stoffe sind, nur einige wenige alle Vorrechte genießen sollten, andere gar keine.

Wenn die Eigenschaften des Menschen jetzt bloß beschränkter sind, als in seinem ursprünglichen Zustand, können wir uns durch dieselben immer noch eine Vorstellung von seinen anfänglichen Vorrechten machen. Ja, das eigentümlichste Wesen des Menschen, in dem ihm wahrhaft angemessenen Zustand, bestand darin: Harmonie hervorzurufen, um sich her alle Arten von Wundern zu wirken, überall seinem höchsten Ursprung Altare zu errichten, alle Schätze der Natur anzubauen, und zusammenzufassen, und ihnen, indem er sie durch seinen Wirkungskreis hindurchgehen ließ, die letzte Vollendung zu geben, und so das Reich der Wahrheit zu befördern. Eine Bestätigung jenes ursprünglichen Gesetzes geben ihm noch jetzt alle Erfindungen und Künste, die er, wenn auch materiell, mit einigem Erfolg unternommen. Reinigt er nicht noch jetzt durch die Berührung seiner Hände alle Substanzen dieser Welt hienieden ? entstehen nicht noch jetzt durch seinen Fleiß unter seinen Fingern harmonische Töne? heilt er nicht durch den Rat seines Mundes, vernichtet ganze Armeen durch die Stärke seines Arms? zeugt er nicht durch die Mahlerkunst das Bild aller Dinge? und wenn schon in seinem jetzigen traurigen Zustand, wo er alles dies nur auf eine untergeordnete Weise zu wirken vermag, alles so wunderbar ist, was würde es erst sein, wenn er wieder in seine ganze, naturgemäße Vollendung zurückzukehren vermöchte?

Man kann außerdem sagen: dass jeder Mensch eine ganze Nation, verschieden von anderen Menschen oder Nationen, deren jede ihre eigne Sprache spricht, in sich darstellt, weshalb auch die Menschen, sobald sie die allwaltende Einheit, die sie allein in Harmonie zu erhalten vermag, aus den Augen setzen, in ihrem wechselseitigen Verhältnis sich so wenig zu begreifen, zu verstehen vermögen.

Endlich so muss der Mensch, seinem eigentümlichen Wesen nach, als Zahl betrachtet, eine beständige geistige Multiplikation sein. Seine innere Wurzel muss wahrhaft und beständig in dem Verhältnis ihres eignen Wertes unaufhörlich, und jede Handlung seines Lebens, Denkens und Begehrens muss eine neue Blütenknospe sein. Durch eine solche beständige Folge lebendiger Handlungen hätte er müssen ein großer Baum werden. Selbst jetzt aber muss er nicht allein an einem oder etlichen seiner Zweige wachsen, sondern an allen zugleich, wie dies an seiner Tierischen Maschine geschieht.

Erwäge ernstlich, Gemüt voll höheren Sehnens, diesen Punkt, und lasse nicht nach zu ringen, bis alle Kräfte deines denkenden Wesens ohne Ausnahme von dem wirkenden und schaffenden Leben ergriffen sind. Siehe hier, worin du deinem Ursprung gleich werden sollst: er ist der allgemeine Baum, der sich immer selber neu erzeugt, in welchem Dasein und Harmonie zu einem einigen Wesen verschmolzen sind, du Mensch! bist ein Baum untergeordneter und eingeschränkter Art, dem von oben her Leben gegeben worden, der sich aber nun mit selbstständiger Anstrengung zu, der ihm angemessenen Vollendung. erheben soll. Die ursprüngliche Quelle war von Ewigkeit das Göttliche, dir ist die Sorge überlassen es zu werden, und wie bist du unglücklich! wenn du nicht dieses erhabene Vorrecht, das du mit deinem unaussprechlichen Urbild gemeinschaftlich besitzest, anzuerkennen weißt.

Wirklich ist der Mensch, seiner eigentlichen Bestimmung gemäß, so sehr das Bild und Gleichnis des Ursprungs der Dinge, dass wir unser Inneres ohne Aufhören von einem Strom von Gedanken erfüllt sehen, welchen nichts unterbricht, und welcher uns eine lebendige und wahrhafte Darstellung jener ewigen Schöpfung gewährt, die eine ewige ausgezeichnete Wirkung des höchsten Urhebers der Dinge ist. Wir fühlen eine natürliche Neigung zu diesen Ideen, und wie dieselben stets wahr und wohlgeordnet sein würden, wenn wir dies erst selber wären; so würden auch unsere Neigungen dann immer rein sein; ein Sinnbild der ewigen Liebe Gottes. So erkennen: wir endlich auch in unserm Geist ein tätiges Streben, jenen Strom von Ideen außer uns fortzupflanzen, ihm Dasein zu geben, und diese Tätigkeit ist für uns dasselbe, was die ewige schaffende Wirkung für die ewige allwaltende Einheit.

Von dem Wesen der göttlichen, geistigen, natürlichen und anderer Ebenbilder.

Der Grund, warum Gott Millionen geistige Wesen erschuf, war: damit er in ihrem Dasein ein Bildnis seiner eignen Selbsterzeugung hätte, denn ohne dies würde er, wie weiter oben gezeigt ist, sich selbst nicht kennen, weil er unaufhörlich nur vorwärts wandelt. Auch dann noch, wenn schon jene unzähligen Spiegel von allen Seiten seine Strahlen auffangen, und jeder sie auf seine eigentümliche Weise zurückstrahlt, vermag er sich nur in seinen Wirkungen zu erkennen, und ein undurchdringliches Geheimnis verhüllt sein inneres Zentrum.

Auch die geistigen Wesen folgen demselben Gesetz. Selbst den eigentümlichen Umfang unseres Denkens lernen wir erst durch die Bilder kennen, die sich in uns, dem inneren Mittelpunkt entquollen, erzeugen, und die innerhalb den Grenzen ihrer Macht uns in den fruchtbaren Verein ihres wechselseitigen Vermögens fühlbar werden. Diese Bilder sind die Spiegel, in denen unser Geist sich beschaut, und so eine Kenntnis seines eignen Reichtums erlangt. Aus diesem Grunde wächst die innere Achtung und Bewunderung der tiefen Natur unseres eignen Wesens, je mehr wir unsere geistigen und sittlichen Kräfte in dem ihnen angemessenen Sinne üben; und wir erfüllen dann um so reiner jenen erhabenen Plan, nach welchem wir bestimmt sind, die Gottheit sich selber in ihren Geschöpfen und Wirkungen erkennen und beschauen zu lassen, indem dieselbe hierzu reiner Spiegelbedarf, welche ihr das eigentümliche Licht rein zurückgeben.

Jene Spiegel sind etwas so Beständiges und Notwendiges, dass nicht allein die Werke unseres eignen Geistes uns das Bild unseres Selbst auffassen und zurückstrahlen; sondern dass dieses unsere ganze Umgebung zu tun vermag. Deshalb suchen wir beständig auch außer uns nach Spiegeln, und ergeben uns zu diesem Zwecke mit so vielem Eifer der Ausübung der Künste und Wissenschaften, und dem Studium aller äußeren Gegenstände, die wir erblicken, und die uns dann unser eignes Erkennen zurückstrahlen, wie wir das Erkennen Gottes. Aus demselben Grunde mögen wir auch so gern eine Stelle in dem Geist und Herzen unserer Nebenmenschen besitzen, denn hier vermögen wir Spiegel zu finden, welche die Wirkung unserer eignen erhöhen, und uns so bei der Erfüllung des Hauptzwecks unserer Bestimmung unterstützen können.

Aber wie es in und außer uns treue und reine Spiegel unserer Anlagen und unserer geistigen Schätze gibt, welche auf ihre eigentümliche Weise den unendlichen Reichtum der Wahrheit zurückstrahlen; so kann es auch falsche Spiegel geben, welche dieses Licht von sich stoßen, oder solche, an denen jenes Licht gar nicht sichtbar zu werden vermag. Dies ist das Wesen der Leichtsinnigen, Schwachen und Gottlosen, denn es gibt mehrere Arten von Gegnern der Wahrheit, unter den Menschen, nämlich solche, die sich ihrer Fähigkeit zu denken gar nicht bedienen, und solche, die einen unrechten Gebrauch da von machen, beide stehen der Wahrheit auf gleiche Weise entgegen.

Selbst die Wesen der körperlichen Natur besitzen Spiegel, welche das Bild ihrer Gesamtkräfte auffassen. Es ist dieses der Endzweck aller ihrer Zeugungen, und der Ursprung der Vater- und Mutterliebe, deren eigentliche Bedeutung, Dasein und Wirksamkeit ohne dies unbegreiflich sein würden. Doch vermögen diese Spiegel des Tierreichs und der materiellen Welt nur die Kräfte der Zeugung und Erhaltung zurückzustrahlen, und diese Klasse von Wesen besitzt keine Spiegel, die ihre Züge ihrer Erkenntnis auffassten, und in denen sie sich so betrachten könnte, wie der Mensch in dem seinen, und sie bedarf auch keiner solchen, weil sie des geistigen Erkennens nicht fähig ist.

Die immer fortschreitende Kette von Spiegeln, woraus das Reich der Dinge zusammengesetzt ist, gründet sich ganz auf die geistige Herrschaft der Einheiten, von der wir früher sprachen. Jede Klasse von Wesen kann nur in der Teilweisen Einheit ihrer eigentümlichen Kräfte bestehen, und diese Teilweise Einheit vertritt dann die Stelle der allwaltenden, ersten. Hier durch wird jede Art von Wesen Basis und Grundlage einer unmittelbar über ihr befindlichen Stufe, denn jede Einheit wird ein solcher Spiegel.

Deshalb erscheint die ursprüngliche Stellung des Menschen so bedeutend. Denn, wie er in der Harmonie seiner besonderen Einheit ein Spiegel der höchsten und allgemeinen Einheit gewesen wäre; so hörte er auf dieses zu sein, sobald er jene Harmonie verließ, und in demselben Augenblick, wo der Spiegel in ihm erblindete, wurde die ganze Kette aller unter ihm stehender Spiegel zerrissen, und sie alle erblindeten gleich ihm.

Auch noch im jetzigen, körperlichen Zustand, hört alle Gemeinschaft des Menschen mit der sichtbaren, ihn umgebenden Welt auf, wenn sein körperliches Auge sich trübt und verdunkelt, er ist wie abgeschieden von allen Gegenständen, die von ihm abhängen, und von ihm ihren Unterhalt, Pflege und Verschönerung erwarten.

Von dem Prinzip der Schönheit.

Da der Mensch mitten unter den wunderbaren Ausflüssen seines höchsten Ursprungs geboren ward, da seine Bestimmung war, jene rings in seiner Umgebung zu offenbaren, darf man nicht daran zweifeln, dass er sowohl eine vollkommene Erkenntnis des wahrhaft Guten, als auch die Eigenschaft besessen habe, alle Strahlen desselben in seinem Gemüt zu sammeln. Der hierdurch entstandene helle Glanz, diese Herrlichkeit konnten aber sein Gemüt nicht erfüllen, ohne zugleich nach außen hervorzubrechen, und sich über sein ganzes äußeres Wesen zu verbreiten, wodurch sich diesem der Wiederglanz jener höchsten Vollkommenheit mitteilte. Aus dieser Beobachtung gehen zwei Folgen hervor, die man nicht wird bestreiten können:

Die erste ist: dass das Prinzip der Schönheit kein Eigentum der ganz verwandelten Natur, die wir jetzt bewohnen, sein könne, und dass unsere jetzige Gestalt nur noch ein schwacher Schatten unserer ursprünglichen sei; dass jene Definition des Schönen, die uns dieses als eine Nachahmung der schönen Natur darstellt, nur dann Wahrheit erhält: wenn wir uns in jene höhere Welt erheben, von der die unsere nur eine Ausartung, ein abgeleiteter Ausfluss ist, und dass die Künstler uns schon dadurch die Wahrheit dieser Behauptung bestätigen, dass sie in dem, was sie Ideal des Schönen nennen, alle Regeln der Vollendung und inneren Ordnung suchen, die sich nirgends mehr in der sichtbaren Welt finden. Doch tun sie darin sehr Unrecht, dass sie dieses Ideal des Schönen nur als ein Werk ihrer Einbildung betrachten, da sein Nichtvorhandensein in der Wirklichkeit bloß beweist: dass das Urbild zu jenem Ideal des Schönen nicht mehr in ihrem Fassungskreise liege, nicht aber, dass es gar nicht vorhanden sei, indem uns die Auseinandersetzung alles Vorhergehenden sein Dasein außer Zweifel setzt.

Die zweite Folge ist: dass das Angesicht des Menschen, ein Abglanz des in sein Gemüt einstrahlenden Lichtes von Schönheit und Vollendung, wirklich der vollkommenste und lebendigste Ausdruck der Schönheit sein musste; eine Meinung, die uns selbst im Zustand unserer Erniedrigung noch geblieben ist, indem wir noch immer dem Angesicht des Menschen den ersten Rang einräumen, es noch immer unter allen andern Formen als Urtypus der Schönheit betrachten, und indem der Mensch noch immer allgemein einen hohen Werth auf die Reize seines Gesichts legt, was der einzige Teil seines Körpers ist, auf welchen sich aktiv und passiv alle Bewegungen seiner verborgendsten Gedanken aussprechen, und welcher sich, unter allen andern Teilen, selbst nach seinem Fall noch am besten erhalten hat, der einzige, an welchem sich Organe finden, die, ohne ihm sichtlich zu schaden, nicht bedeckt werden dürfen.

Es folgt jedoch hieraus auch eine sehr bedeutende und uns leugbare Wahrheit in Hinsicht auf unser eigentümliches Tagewerk. Wenn das Prinzip der Schönheit, zu deren Genuss wir bestimmt waren, und die wir jetzt verloren haben, bloß aus der Vereinigung aller reinen Quellen, die sich ursprünglich im Menschen befanden, als er noch ein Lichtstrahl und Abbild seines Ursprungs war, hervorging; so ist es gewiss, dass wir unsere wahre Schönheit nicht wieder erlangen können, bevor wir nicht alle jene reinen, lebendigen Quellen in uns, die das einzige schöpferische Element des Schönen sind, wieder aufsuchen und von neuem zu beleben suchen. Es weiß dieses jenes Geschlecht wohl, das am sorgfältigsten für die Kultur seiner Schönheit bemüht ist, indem sich dasselbe so gern in unsern Augen, als ausgestattet mit allen den guten Eigenschaften und Tugenden darstellen möchte, die uns anzuziehen vermögen, und hierdurch zugesteht, dass jene Tugenden Basis und Prinzip der Schönheit sein müssen, und dass die Schönheit bloß der Wiederglanz und Ausdruck derselben sei. Deshalb haben auch Künstler, wenn sie das Bild irgend einer Tugend personifiziert darstellen wollten, ihm alle Schönheiten, deren ihre Einbildungskraft nur fähig war, und die sie jederzeit aus dem himmlischen Reich des Idealen schöpften, mitgeteilt.

Nur an diesem himmlisch Idealen lernen wir jedoch die Mängel unserer jetzigen Gestalt erkennen; denn wenn wir, Mann oder Frau, in dieser Gestalt, uns abscheulich finden wollen, dürfen wir nur an jene reinen, unsichtbaren Spiegel denken, die uns umgeben, und die in und an sich den Ausdruck der wahrhaften Schönheit tragen.

Grund des anfänglichen Falls des Menschen.

Nicht Stolz, wie man geglaubt hat, war die Quelle der ersten Erniedrigung des Menschen; sondern vielmehr die Schwäche und Leichtigkeit, womit er sich von den Lockungen der sinnlichen Welt verführen ließ, zu deren Herrscher und Lenker er bestimmt war. Get betrachtete die Wunder derselben mit einem Wohlgefallen, das über jene Neigung, die seiner Pflicht, und seiner allein würdig war, die Oberhand gewann, während alle diese Wunder für ihn nur von sehr untergeordnetem Werte hätten sein sollen, da er das Recht hatte jene viel höheren Wunder des Göttlichen zu betrachten, die ihm, der unmittelbar nächst Gott war, viel näher lagen.

Stolz konnte erst dann zu dem Innern des Menschen einen Zugang finden, als ihm seine Schwäche und unwürdige Zerstreuung den Weg dahin eröffnet hatten. Dieser Stolz konnte ihm auch bloß durch ein schon vorhandenes, aber von ihm verschiedenes, verderbliches Prinzip eingeflößt werden; und hiermit versichern wir uns des Daseins jener rebellischen Engel, von denen wir schon sprachen, und die wir bisher nur in mythologischer Bedeutung betrachteten.

Hierüber gibt uns die Natur des Kindes die besten Aufschlüsse. Man bemerkt anfangs in ihr noch keinen Stolz, wohl aber viel Schwäche, und die Fähigkeit, durch alle sinnliche Gegenstände ihrer Umgebung verführt und angezogen zu werden. Ihr eigentümlicher Charakter scheint eine unreife, unüberlegte Neigung für alle Kleinigkeiten zu sein, ohne dass die Seele noch für die Eindrücke einer höheren Ordnung empfänglich wäre. Ob die Kinder gleich in dieser Periode alle Zeichen des Wohlgefallens am Herrschen und an eigensinniger Willkür geben; so zeigen sie doch keinen anmaßenden Stolz, keine Begierde, eine höhere Macht an sich zu reißen, die sie noch nicht kennen, kein Verlangen nach Reichtum, der ihnen noch etwas unbekannt ist, noch den Stolz jener, welche diese Reichtümer besitzen. Wenn sich aber einer, der diese gefährliche Bekanntschaft, so wie die der damit verbundenen Laster schon gemacht hat, jenen zarten Pflanzen nähert, ihnen alle Reize der bezaubernden Gegenstände abmalt, die ihnen bis dahin fremd waren, wird er gar leicht in ihren Herzen das Verlangen nach jenen verführerischen Genüssen erwecken, und die anmaßende Begierde, sich aller ihrer Quellen zu bemächtigen.

Schon durch diese einfache Analogie wird es deutlich: dass es neben, oder schon vor dem ersten Menschen eine Quelle des Stolzes geben musste, die ihm alle Wege dieses Lasters eröffnete; denn ohne diese hätte er es nie gekannt, oder es wäre doch wenigstens nie der Grund seiner Verirrung geworden. So stimmen jene Sagen, die von einem aufrührerischen Engel, der vor dem Menschen da war, reden, mit der Beobachtung eines einfachen Naturverhältnisses überein. Deshalb sind jene, welche diesen wichtigen Punkt der allgemeinen Tradition geleugnet und widerrufen haben, mit wenig Überlegung zu Werke gegangen, und wenn sie den Ursprung der Dinge ohne diesen Schlüssel erkennen wollten, widersprachen sie selbst der menschlichen Natur, deren erste Kindheit ihnen sichtbarlich jenen Schlüssel darbietet,

Sie hätten daher besser getan, die Sache näher zu untersuchen. Vielleicht hätten sie dann erkannt, bis zu welchem Grad von Feinheit jener abtrünnige Engel seine List getrieben habe, indem er, als schon der größte Teil der Menschen für seine Absichten gewonnen war, diese noch überreden konnte, er sei gar nicht vorhanden, und zwar dadurch, dass er sich in den Werken seiner Hinterlist selber verborgen hielt, wie ein Marionetten-Spieler sich vor den Augen der Zuschauer verbirgt, und die Puppen nicht zu berühren scheint, die er bewegt.

Man darf hier hinzufügen, dass die Menschen, was jenen Stolz der Selbstvergötterung betrifft, welcher die ersten Engel ins Verderben stürzte, hierin gemeiniglich wie die Kinder sind: geneigter, sich durch frivoles Blendwerk täuschen zu lassen, und Gott ganz bei Seite zu setzen, wie die angeblichen Atheisten, als ihn bekämpfen und sich seines Thrones bemächtigen zu wollen.

Ohne Zweifel wird man mich nach dem Schlüssel der Empörung jener Engel selber fragen, und auch er wird sich, wieder Schlüssel zu allem anderen, auf dem Wege der einfachen Beobachtung finden.

Wenn das Dasein jener stolzen und aufrührerischen Engel, welche früher vorhanden waren als der Mensch, aus dem bloßen Gang der Entwickelung unserer Kindheit bewiesen wurde; so sagt uns zugleich die Vernunft: dass, damit jene, die ohne einen früher vorhandenen Verführer waren, zu der Tiefe hinabsinken konnten, in der sie sich befinden, die Region, die sie bewohnten, noch verführerischer sein musste, als die, wohin der erste Mensch gesehen war. Die ihrige musste schon eine ganz ausgeschmückte, vollendete sein, statt dass der Mensch die seinige erst noch auszuschmücken, oder vielmehr die, welche jene abtrünnigen Engel verdorben hatten, als sie ihren Spiegelblind werden ließen, wiederherzustellen hatte: denn eine Region, die wieder ausgebessert werden soll, muss notwendig einmal in einem Zustand gewesen sein, wo sie dieses nicht bedurfte, und dieser Zustand ist der höchste Gipfel der Vollendung, zu welchem die ihres Schmuckes beraubte wieder erhoben werden kann.

Je herrlicher nun jener Wohnort der abtrünnigen Geister war, desto mehr lagen die Prinzipien der Schönheit offen vor ihren Augen da, desto mehr Versuchungen waren sie ausgesetzt, jene Prinzipien an sich zu reißen, wie wir auch bei den Weisen dieser Welt den Stolz um so stärker werden, um so mehr zunehmen sehen, je tiefer sie in ihre Wissenschaft eindringen, je mehr sich die Prinzipien der Dinge vor ihnen enthüllen; während Andere, welche erst am Eingang jener geistigen Region stehen, nur noch eben die Reize und das Anziehende der Wissenschaft empfinden, und den Stolz mit allen seinen zerstörenden Folgen noch nicht kennen.

Selbst auf der Erde sehen wir, dass gewöhnlich nur Männer vom höchsten Range und Ansehen, die ihrem Stande nach zunächst am Könige sind, Verschwörungen gegen diesen einleiten, und den kühnen Anschlag fassen können, sich seines Thrones zu bemächtigen; während Staatsdiener von untergeordnetem Range, zwar die Pflicht dem Vergnügen aufopfern, selbst bei der Führung ihres Amtes sich bestechen und zum Schlechten verleiten lassen, nicht leicht aber gleich damit anfangen können, ihre Hand nach der Krone auszustrecken.

Damit aber auf der anderen Seite das hochmütige Verlangen jener Engel ihnen zum Verbrechen angerechnet werden konnte, mussten sie notwendig das Vermögen haben, selbst das Entstehen eines solchen Verlangens zu verhindern, und dieses würde schon allein der Gedanke vermocht haben: dass selbst noch über allen den herrlichen Wundern, deren Zeugen sie waren, ein ihnen undurchdringliches Zentrum sei.

In ihnen selbst musste demnach, nach allen dem, was wir früher über Freiheit erkannt haben, das Prinzip jener Ehrsucht liegen. Ihr Fall musste notwendig ungleich schwerer sein als der des Menschen, indem derselbe gleich mit einem Verbrechen anfing, während der Fehltritt des Menschen Anfangs durch verführende Täuschung entstand, indem seine Erkenntnis ursprünglich bei weitem nicht so entwickelt und vollkommen sein konnte, als die ihrige; obwohl sein Erkenntnis vermögen, wenn es der ihm vorgeschriebenen Bahn gefolgt wäre, und die ihm mögliche Reife erlangt hätte, noch weit vollkommener geworden sein würde, als das der abtrünnigen Engel, indem es dann den Umfang des letzteren mit seinem eigenen vereinigt hätte. Durch alle diese einfachen und natürlichen Tatsachen erhalten selbst die gemeinschaftlichen Sagen der Völker Licht und Wahrscheinlichkeit. Mitrecht lassen alle diese Sagen den ersten Menschen eine Probe bestehen, und nach einigen von ihnen erhielt er den Befehl: machet euch die Erde untertan und beherrscht sie, und befand sich in einem anmutigen Paradiesgarten, welcher der Anfangspunkt der Vollendung und Ausschmückung sein sollte, die er allmählich die ganze Erde zu verbreiten bestimmt war. Jene Tatsachen geben uns demnächst zugleich den Schlüssel und die Deutung von zwei anfänglichen Verbrechen, deren Wahrheit uns schon durch das, was wir täglich mit unseren eignen Augenrings um uns her beobachten, so sehr außer Zweifel gesetzt wird, dass wir, sie zu beweisen, keiner Offenbarung ausschließend bedürfen.

Von dem ersten Ehebruch.

Während die Fortpflanzung seines Geschlechts für den Menschen, wenn derselbe nicht aus seinem ursprünglichen, herrlichen Zustand gefallen wäre, von der höchsten Bedeutung und eine Quelle immer höherer Verherrlichung geworden wäre, ist dieselbe jetzt den größten Gefahren unterworfen. Der Grund hiervon ist: dass er nach dem ersten Plan seiner Bestimmung in der Einheit aller seiner Kräfte geblieben, und dass vermöge der innigen Vereinigung mit seinem Ursprung, auch alles das, was er hervorgebracht hätte, einer gleichen harmonischen Einheit Teilhaftig geworden wäre, die sich dann auch immer weiter fortgepflanzt hätte, während bei der jetzigen Trennung der Kräfte, auch das Produkt derselben durch die Unsicherheit und verschiedene, nachteilige Weise, denen diese Wiedervereinigung unterworfen ist, Schaden leiden kann.

In der Tat müsste der Mensch den Typus seines eignen Abbildes aus der Quelle schöpfen, müsste ihn aber auch zugleich in sich selber, nach seiner eignen Form modifizieren, damit jenes Abbild von seiner Art und ihm gleich werde; seit er sich aber nun den Lockungen dieser Welt hingegeben, bleibt ihm zwar noch immer derselbe Urtypus, er hat aber nicht mehr dieselbe Form, in welcher er ihn einst auszuprägen vermochte, indem die Region dieser Welt eine trübe und gemischte ist, die das Einfache und Reine nicht kennt. Oder mit einem Wort, seitdem er seine Liebe von ihrem ursprünglichen Gegenstand hinweggewendet, und sie auf dieses Irdische gelenkt hat, wo alle bildenden Elemente voneinander getrennt sind, hat sich auch seine Liebe ler von ihun losgerissen und getrennt.

So sehen wir denn täglich unsere Liebe sich von uns selber losreißen, und in den Gegenständen und äußern Regionen, in die nur sie ausschweifen lassen, befangen werden. Diese werden dann ausschließende, aber fremdartige, Formen, in denen jene Liebe von nun an sich noch allein bildend offenbart, während sie ursprünglich nur in ihrem Eigentume (im Menschen selber) verweilen sollte, weil sie hier alle Lebenselemente ihres Ursprungs beisammen gefunden hätte, und es überdies ein Gesetz der höheren Ordnung ist, dass ein jedes Wesen das Ziel seines Strebens und Wirkens bei sich habe.

So ist es denn ein Beweis unserer Erniedrigung, dass jetzt das irdische Weib es ist, die das Ebenbild des Mannes erzeugt, und dass er genötigt ist, diesem das erhabene Werk anzuvertrauen, zu dessen Vollführung er nicht mehr würdig ist. Demunerachtet ist aber das Gesetz der Zeugung der verschiedenen Prinzipien, sowohl geistigen als physischen, aus denen der Mensch besteht, so allmächtig und gewaltig, dass, wohin sich auch sein Verlangen richtet, er alsbald überall eine Form findet, der er sein Bild einzuprägen vermag; eine unendliche aber fürchterliche Wahrheit, deren Folgen von der ursprünglichen Region des Menschen bis zum Abgrund der Hölle hinunterreichen, und welche uns Aufschlüsse über alle Bastardformen und Ungeheuer gibt, von denen uns die historischen Sagen der Völker, die Mythologie und Naturgeschichte, so viele Beispiele aufzeigen; eine Wahrheit, welche uns zugleich zeigt, wie mannigfaltigen Gefahren und Verderbnissen die Erzeugung des Menschen seit seinem Falle ausgesetzt sei, indem alle von ihm ausgehenden Bildungen nach dem Gesäß der Region, Klasse und Art, auf welche im Reich des Sichtbaren oder Unsichtbaren seine Neigungen gefallen, sich richten müssen und abgeändert werden; eine Wahrheit endlich, die uns eine so schreckliche Entartung jener Bildungen ahnden lässt, dass der Gedanke vor ihr schaudert.

Vielleicht, dass die unschuldigen Keime jener Pflanzen, nun eingeschlossen in den Kerker einer ihnen fremden Form, fähig wären in der Zeit der Blüte die Hilfreiche Einwirkung einer reineren höheren Lebenskraft zu empfangen, wodurch sie den Gebrauch ihrer Freiheit wieder zu erlangen, und von neuem in die Harmonie ihres ursprünglichen Daseins einzutreten vermöchten.

In den sogenannten natürlichen Offenbarungen finden wir nichts, was eine solche Vermutung bestätigen könnte, indem jene Offenbarungen zwar ein treuer Spiegel von allem dem sind, was auf die Wiederherstellung unseres ursprünglichen, reinen Zustandes, auf die Hinwegräumung seiner Folgen Beziehung hat, nicht aber von jenen Verirrungen, denen der Mensch selbst auf dem Wege zu jener Wiederherstellung unterworfen sein kann, und denen er sich aus eignem Willen unterwirft, indem uns hier die Spuren einer göttlichen Mitwirkung verlassen.

Wenn uns aber die Gefahren, denen die Zeugung des Menschen unterworfen ist, mit tiefem Kummer erfüllen, so bleibt uns wenigstens noch die Zuversicht: dass, vermöge der unaussprechlichen Milde der ewigen Weisheit, jene ursprüngliche Ehe für Jene, die ein wahrhaftes Verlangen nach der Erzeugung der Gerechtigkeit tragen, noch möglich sei, und dass diese Möglichkeit es sei, welche die Ehe zu einem heiligen, unauflöslichen Bündnis macht, und welche selbst die Zeugung des Menschen rein und makellos zu erhalten vermocht hätte; so dass es also die Schuld des Menschen selber ist, wenn dieselbe ausartet.

In der Tat, von jener ursprünglichen Verschmelzung beider Geschlechter in einem und demselben Wesen, von jener zeugenden, schaffenden Einheit beider, aus der noch jetzt, so herabgewürdigt und verkannt sie durch das allgemeine Verderbnis der menschlichen Verhältnisse geworden, jede neue Lebensschöpfung hervorgeht, zeugen noch jetzt unverkennbare geistige und körperliche Spuren. In Hinsicht auf die letzteren sei es genug an jene Teile zu erinnern, die am männlichen Körper gleichsam weiblich sind ( z.B. die Brüste), und an jene, die am weiblichen gleichsam männlich erscheinen. Auch in Hinsicht des Gemüts findet sich etwas ähnliches, und die jetzt es deutlich an zwei Geschlechter verteilten, verschiedenen Tendenzen, empfangen ihre ursprüngliche Einheit, eben so wie die körperlichen, in einer heiligen und guten Ehe wieder.

Hier, im Gebiet des Geistigen, erhält jenes ursprüngliche Vorrecht des menschlichen Gemüts, beide Tendenzen in sich zu vereinigen, eine neue Bestätigung. Wir finden nämlich, dass unser Geist, gleich Gott, seine Hülle oder seine Erde mit sich trage. Denn wenn wir tief bis in unser Innerstes blicken, finden wir in uns auch ein Gebiet: fähig unsere eignen Gedanken aufzunehmen, fähig ihren lebendigen Samen in sich aufgehen zu lassen, ohne dass wir genötigt wären, diesen in ein fremdes Gebiet auszustreuen, wie wir dieses bei unserer leiblichen Zeugung müssen, was wir mit dem Tier und selbst mit den meisten Pflanzen in Hinsicht ihrer Keime gemein haben. Dieser Strahl von Licht reicht hin, um der Vernunft den Weg, welchen sie einschlagen muss, zu zeigen.

Zugleich mag man aus jener Bemerkung lernen: wie sorgfältig wir über die Verteilung unserer Gedanken wachen müssen, damit wir sie nicht außer uns in ein ihnen ganz fremdartiges und ungünstiges Erdreich säen, sondern bloß in ein solches, das schon ursprünglich von einem gleichen Leben ergriffen, aus eigner Kraft, statt sie zu vermindern oder gar zu verheeren, das fröhliche Gedeihen einer guten Ernte befördern könne. Wir lernen daraus den Grund: warum das Gesetz Gottes so streng gegen jene verbrecherischen Nationen gewesen, welche auf eine solche Weise ihre Kraft zu denken missbraucht, oder die der andern Nationen zu vergiften gestrebt haben.

Eben jene ursprüngliche Vereinigung des Geschlechts, dem Geiste nach, die noch in den jetzigen Grenzen unserer Bestimmung liegt, wird auch als der eigentümliche Charakter der Gottheit erkannt, welche in sich selber alles das vereint, was nötig ist zu ihrer ewigen, allgemeinen Selbstzeugung, der sich nichts Nachteiliges, nichts Fremdartiges zu nähern vermag.

Mutterliebe.

Lasset uns zusammen in das Haus einer guten Mutter gehen, umringt von ihren Kindern. Seht die Gesundheit, die Freude, das Glück, welche die friedlichen Bewohner dieses Hauses genießen, wie jede Bewegung, jeder Blick und jede Miene der zärtlichen, lebhaften Mutter, Liebe ausströmt in die zarten Sprösslinge um sie her, diese damit erfüllt und durchdringt, und wie ihr wiederum dieselbe Liebe aus den fröhlichen Blicken der Kinder zurückstrahlt, welche in ihrem reinen Wesen das neu beginnende Leben entstehen und gedeihen fühlen, das gleichsam mit stillem Danke zu seiner Mutterquelle sagt: siehe, du bist es, der ich dieses schöne, fröhliche Dasein danke.

Sehen wir die nämlichen Kinder, wie sie mit dem lebhaftesten Entzücken sich den Spielen ihrer kindlichen Jahre hingeben, wie sie ihrerseits auf alle belebte oder unbelebte Gegenstände um sich her, die Fülle der Freude verbreiten, die in ihnen selber wohnt, und die bloß deshalb so fruchtbar, und so leicht zu verbreiten ist, weil ihr ganzes zartes Wesen noch in Liebe und Unschuld wohnt; und wir werden dann ein natürliches Bild des ursprünglichen Zustandes unseres Geschlechts haben.

Aber eine schwere Krankheit überfällt jetzt eins von den Kindern, ein unglücklicher Zufall verletzt oder verstümmelt es an einem oder mehreren seiner Glieder, und siehe die mütterliche Liebe nimmt sogleich einen ganz anderen neuen Charakter an. Von jenem ruhigen Zustand, der ihr in der Mitte ihrer friedlichen Genüsse eigentümlich war, sehen wir sie plötzlich zu den heftigen unruhigen Bewegungen einer Zärtlichkeit übergehen, die für ihr Teuerstes zittert und fürchtet; wir sehen nun dieselbe Mutter ihre Ruhe, ihren Schlaf aufopfern, bereit selbst das Leben für die Rettung des geliebten Kindes hinzugeben, sehen, wie sie alle ihre Gedanken, ihr ganzes Gemüt nur auf diesen einen Punkt hinwendet, gleichsam ihr eignes Herz in die Wunden des Kindes hineinlegt, indem sie ihm mit schöpferischem Streben einen neuen Leib und neue Glieder zu bilden strebt, mit ihrem eignen Wesen, ihrem ganzen Denken in den kranken, gefährdeten Teilen des Kindes wohnt, gleichsam die Form derselben annimmt, und mit ihrer ganzen Zärtlichkeit in ihnen verweilt, bis sie vollkommen geheilt sind; wir sehen, wie sich ihr Schmerz durch nichts anders zu lindern vermag, als durch jene sinnreichen Dichtungen ihrer Liebe, indem sie, wenn sie auf diese Weise ihr ganzes Wesen verwandelt, sich mit der Hoffnung schmeichelt, das von neuem zu schaffen, was sie liebt, in ihm von neuem ihr Bild hervorzurufen.

Und was verlangt sie dagegen, um das zu erreichen, was ihr so innig am Herzen liegt, von ihrem Kinde? Nichts weiter als Einstimmung in ihre zärtliche Sorgfalt, ein freiwilliges, ruhiges Hingeben an die Behandlung, welche sein jetziger Zustand erfordert, nichts als dass es nur ruhig den heilsamen Balsam einträufeln lasse, den sie selber in seine Wunden gießt, nichts anderes endlich, als dass es alle ihm noch übrigen Lebenskräfte mit den wirksamen Kräften des mütterlichen Herzens vereine, denn nur so vermag es seine Gesundheit, sie aber ihre Ruhe wieder zu erhalten.

Der Kranke widerstrebt dieser wohltätigen Sorgfalt, die sich ihm so zärtlich aufdringt, nicht. Sein eignes Bedürfnis macht ihn gelehrig – er genest. Freue dich denn, Mutter! aber möge sich dein Kind noch mehr freuen! nicht allein weil es die Gesundheit wieder erlangt hat, die es verloren, sondern weil du jetzt weit inniger und tiefer mit seinem Wesen vereint bist als vorhin, indem du jetzt durch deine Liebe ganz in ihm wohnst, während es dich vorher bloß der Substanz nach besessen. Dein Herz ist nun mit dem seinigen ganz Eines, und wie es eine innige Freude für deine schaffende Liebe ist, dein Erzeugtes, dem du dich selber gleich machtest, nun ganz zu besitzen, so muss es eine noch viel höhere und innigere für dieses Erzeugte selber sein, zu fühlen, wie seine Erzeugerin sich so zu ihm herniederlässt, wie es nun diese ganz besitzt, wie sie durch unauflösliche Vereinigung so mit ihm verschmolzen ist.

Siehe hier, menschliches Gemüt! das Gemälde der bedeutendsten Ereignisse, welche dir begegnet sind, welche dich betreffen. Das sophistische Geschrei der Betrüger hat zuweilen dein Ohr übertäuben können, so dass es die Stimme deiner Schmerzen nicht mehr vernommen, aber es hat nicht vermocht die Ursache dieser Schmerzen hinweg zu nehmen; es hat sie selbst nicht einmal gelindert. Du leidest, und wer kann sich, ohne zu schaudern, den ganzen Umfang deiner Leiden denken! Alle deine Glieder sind zerbrochen, deine Säfte vergiftet und verdorben, jeder Teil deines Wesens ist eine offene Wunde, in welcher heiße Schmerzen toben. Groß war deine ursprüngliche Erhebung, ein Spiegel und Ebenbild deines Gottes, gewürdigt seiner unmittelbaren Nähe! Wenn du nicht von einer solchen Höhe herabgestürzt wärest, wie könntest du dich bei deinem Falle so fürchterlich zerschmettert haben!

Aber dieses bejammernswürdige Unglück widerfuhr dir unter den Augen deiner Mutter; du warst in ihrer Nähe, wohntest in ihrem Hause. Sie sah dich herabstürzten, und in demselben Augenblick bewegte sich ihr Herz, sank dir nach, um die Gewaltsamkeit des zähen Sturzes zu lindern. Da sie die fürchterlichen Wunden erblickte, welche du dir geschlagen, kannte ihre Zärtlichkeit keine Grenzen mehr, ihre Liebe vermochte sich nicht mehr zu halten, und sie fühlte kein anderes Streben mehr, als dir dein Leben wieder zu geben, dein ganzes Wesen wieder zu heilen. Ihre Liebe, vorhin heiter und ruhig, wurde jetzt inniger Eifer, und als du bei deinem gewaltsamen Fall ihr Ebenbild, das du an dir trugst, und das der Quell deines Lebens war, zerstört hattest, konnte sie, diese Mutter voll der erhabensten Zärtlichkeit, weniger tun, als die irdischen Mütter für ihre Kinder tun?

Nein, auch sie versammelte in ihrem Herzen alle wieder belebenden, heilenden Gedanken, auch sie vermochte ihrem Verlangen nicht Einhalt zu tun, dass es nicht zu ihrem Trost ihr das Bildnis ihres eignen Wesens, das du ferner nun nicht mehr an dir trugst, und das der Gegenstand ihrer Liebe war, sich selbst wieder darstellte, und wieder erneute; aber dieses Verlangen des höchsten Schöpfers, unendlich lebendiger und wirksamer als das des Menschen, konnte in ihm nicht entstehen, ohne dass nicht zu gleicher Zeit jenes Ebenbild nach dem ganzen Element, wach allen Verhältnissen seines ersten Daseins wirklich entstanden wäre.

So senkte sich die ewige Liebe, nachdem sie selber dieses Ebenbild und das Erzeugnis ihres eignen Verlangens geworden, bis zu der Wurzel deines Lebens herab, senkte sich in die Tiefe deiner Wunden. Sie scheute sich nicht, mit eigenem Schmerz die Gestalt deiner zerschmetterten Glieder anzunehmen, damit diese von neuem nach dem Bilde, das sie ihnen darbot, geschaffen würden, und wollte, mochten die Hindernisse, die sich ihr entgegensetzten, noch so groß sein, mochte sie noch so lange Zeit zur Vollführung ihrer Absicht bedürfen, dich nicht eher wieder verlassen, bis sie ihren Zweck erreicht hätte, das heißt, bis jenes göttliche Gebilde, jenes göttliche, die Gestalt des menschlichen Gemüts annehmende Verlangen, bis endlich jener Gottmensch ganz Wohnung in dir gefunden hätte, in dir lebte, und bis er nichts mehr in dir übrig gelassen, das nicht er selber wäre.

Fragst du mich, wie in dem obigen Beispiel der irdischen Mutter: und was verlangt er von mir, damit ein solches Werk möglich werde? Menschliches Gemüt! ich kann dir bloß wieder etwas ähnliches antworten, als bei jenem Beispiel geschehen: Du musst ohne Unterlass, überall, und in jedem Augenblick, dein Verlangen mit dem Seinen, deine Liebe mit der Seinen vereinigen, indem du, da er selber nichts anders gewünscht hat, als Eins mit dir zu sein, deine Heilung bloß das durch vereiteln kannst, dass du dich von ihm trennest, und umgekehrt dich nicht von ihm trennen kannst, ohne deiner eigenen Heilung feindlich entgegen zu wirken.

Auch die Freuden, welche dich und deinen Urheber erwarten, wann du der Stimme und Sorgfalt dessen gehorchst, der sein eignes Leben vergisst, um das deinige wieder herzustellen; jenes unaussprechliche Entzücken, das viel lebendiger und bleibender ist, als das bei der körperlichen Genesung, und als die Regungen der menschlichen Dankbarkeit, lassen sich nicht besser als in dem Beispiel einer Mutter darstellen. Jede verschiedene Stufe, jeder Moment deiner wahren Wiedergenesung wird mit neuen, immer höheren Freuden bezeichnet sein.

Je weiter deine Wiedergenesung vorwärts geschritten, desto mehr wirst du im Stande sein in seinem ganzen Werth zu erkennen, was dein Ursprung für dich getan, dich immer mehr in seine wohltätigen Gebote fügen, und immer besser die Mittel kennen lernen, durch welche du ihm die Vollendung des Werkes, das er noch inniger als du verlangt, erleichtern kannst.

Notwendige Folgen des Falls des Menschen.

Wenn ein Mensch ins Wasser, in den Schlamm oder in Dornen fällt, zeigt er sich beim Aufstehen durch die gewaltsame Einwirkung der verschiedenen Elemente oder Substanzen, die sich an ihn angehängt und ihn unkenntlich gemacht haben, ganz durchnässt, beschmutzt oder entstellt. Fällt er nun gar in einen vulkanischen Schlund oder auf spitzige Klippen, so wird es ihm noch schlimmer gehen, indem er dann außer dem vorigen Unfall sich auch noch die Glieder zerschmettert oder verbrannt haben wird, oder vielleicht beides zusammen.

Rufen wir uns hier das zurück, was wir früher von der ursprünglichen Schönheit des Menschen, von dem Vorzug der Bestandteile seiner ersten Form über die der jetzigen gesprochen haben; erinnern wir uns, wie weit die gärenden Elemente dieser jetzigen Natur von jenen harmonischen allbelebenden Eigenschaften entfernt sind, aus deren Mitte der Mensch hervorging, und in denen er beständig zu verweilen vermocht hätte; erinnern wir uns zugleich an jene stolzen und rebellischen Wesen, deren Dasein noch vor dem des Menschen schon früher bewiesen ist, (indem er von ihnen allein den Stolz lernen konnte) und wir haben hier zusammen auf einmal jene scharfen Felsenklippen, jenes Wasser, jenen Schmutz zugleich mit den Dornen und dem vulkanischen Schlund, mit einem Wort, alle jene fremdartigen, verderblichen Einwirkungen und Elemente, mit denen sich die menschliche Seele in ihrem Sündenfall vermischt hat, und die eben so sehr ihre ursprüngliche körperliche Gestalt entstellten und besudelten, als ob alle ihre Glieder zerschmettert wären; so dass kein Zug mehr von ihrem früheren Zustand an ihr ist.

Wenn des Menschen ursprüngliche Bestimmung die Ausschmückung und Vervollkommnung seiner Erde war, auf welcher er alle Wunder seines Ursprungs offenbaren sollte, so hatte jenes böse und feindliche Prinzip, nachdem es erst selber verdorben war, ganz die entgegengesetzte Tendenz, nämlich alle irdische Formen zu erniedrigen und zu verderben, vor allen aber die des Menschen, weil dieser gekommen war, um von neuem Ordnung zu stiften, und dem Streben des feindlichen Prinzips entgegen zu wirken; wie dies noch jetzt im Reiche des Geistigen und Sittlichen unser Bestreben ist.

Es lässt sich dies schon auf den körperlichen Zustand der Dinge anwenden, und wir sehen z.B. wie die Einwirkung der Luft unaufhörlich alle Gestalten, welche die Natur hervorbringt, zerstört, und sich bemüht sie zu entstellen, und wie dieselben ihrer Einwirkung nur so lange widerstehen, als noch Leben in ihnen ist, und sogleich jenem zerstörenden Einfluss unterliegen, wenn das Prinzip des Lebens von ihnen wich.

Nun ist aber bei dem allgemeinen zerstörenden Einfluss, den die Luft an allen Gebilden der Natur ausübt, diesem die Gestalt des Menschen doch mehr ausgesetzt, als irgend eine andere, indem er hienieden das einzige Wesen ist, das nötig hat sich zu bekleiden, während die übrigen Tiere von der Natur einer solchen Mühe überhoben sind.

Außer diesem scheint er es selber zu fühlen, wie wenig seine jetzige Gestalt, dieses Gemisch aus verdorbenen und verderblichen Stoffen, so voller Schmutz, so fähig Verderben um sich her zu verbreiten, eigentlich ihm angemessen sei, und wie er die tote Hülle nie genug vor seinen Augen verbergen kann; indem er das einzige Tier ist, das seine Toten begräbt, ein Gebrauch, der auf einer etwas höheren Stufe als ein Mittel erscheint, den menschlichen Leichnam unreinen Mächten, oder der Gewalt der Gestirne zu entziehen, deren Herrschaft uns an einem anderen Ort beschäftigen wird; ein Gebrauch endlich, der zugleich den Vorrang der menschlichen Form über alle andere Formen, und die Achtung, die ihr vor allen gebührt, außer Zweifel setzt.

So eilte denn, menschliches Gemüt! deine gütige Mutter dir zu Hilfe, um dich aus dem fürchterlichen Abgrund, aus dem traurigen, zerrütteten Zustand, in den du gefallen warst, herauszuziehen; sie war es, die, um dich wieder in den dir angemessenen Zustand zu versetzen, von neuem in dich den Keim aller der Tugenden, so wie jenes ursprünglichen und reinen Körpers legte, der einst dein war, und der den Wundern deines Urhebers zum Organ dienen sollte. War von deiner Seite eine freiwillige und vermeidliche Verirrung, die dich jenes erhabenen Schmuckes beraubte; so kann auch nur eine freiwillige, treuliche Zurückkehr in deine erste Bestimmung dir ihn zurückgeben, und nie wirst du ihn wieder erlangen, bis du dich durch die Treue, womit du die Bestimmung deines jetzigen Tagewerks vollendest, dich desselben wieder würdig gemacht hat; so wie auch schon hinnieden ein Verbrecher vom Stande, erst dann die verlorenen Zeichen seiner Würde wieder erhält, wenn er dem über ihn gesprochenen Urteil vollkommen Genüge geleistet hat.

Und jener Schmuck ist nicht, wie in unserm verdorbenen Menschenleben, das Abzeichen eitlen Stolzes, er ist eine Zierde, die notwendig mit deiner eigentlichen Bestimmung verbunden ist, und du kannst deine wahrhafte Bestimmung nie erfüllen, die Wunder deines Ursprungs nie offenbaren, ohne dich hierbei jenes Schmuckes, als eines Organs und Mediums, zu bedienen; so wie derselbe auch nur in dem Grade dein wird, als du im Stande bist, deine Bestimmung zu erfüllen.

Siehe dagegen die unbedeutenden Wunder, die du mit dem verdorbenen und ohnmächtig gewordenen Leibe, den du jetzt an dir trägst, seitdem du dich einer falschen Neigung hingegeben, vollbringst, siehe, wie dieser Leib alle Bestrebungen, jedes Verlangen deiner Natur, die erhabeneren Wunder deines Ursprungs zu vollbringen, niederschlägt und unterdrückt, und urteile dann, ob er nicht wirklich ein Gefängnis für dich sei?

Wohl ist es nach den schrecklichen Gefahren, denen dich dein Fall ausgesetzt hat, nach dem Verlust aller deiner Fähigkeiten und Erkenntnisse, der eine Folge jenes Falles war, kein Wunder, wenn du dich so oft im wahnsinnigen Traume befindest, wie dies täglich bei gewöhnlichen Krankheiten der Fall ist. Deine gütige Mutter bemerkt diese Verirrung oft, in unbedeutenden Worten, und in unbesonnenen Grundsätzen, die du aussprichst, wenn du zu dir selber kommst, und wenn beim Erwachen aus deinem dumpfen Traume dir die Rede wiederkehrt. Sie erkennt in solchen Schwindeleien die Annäherung einer feindlichen Macht, welche ihren Mitteln entgegen wirkt, und den Wohltaten, die sie dir zu erweisen strebt, den Kenntnissen, die sie dir verschaffen möchte, geradezu widerstrebt.

Aber wie sie nicht bloß der wohltätigste, sondern auch zu gleich der geschickteste Arzt ist, so setzt sie ohne Aufhören ihre trefflichen Mittel den Verordnungen der Pfuscher entgegen, die dich umlagern, und ihr liebevoller Eifer ist unerschöpflich; so sehr du sie auch vernachlässigst, so gefühllos du auch gegen sie bist.

Unbesonnenes Murren.

Wenn die menschliche Unbesonnenheit bloß bei den Gefahren stehen bleibt, in die uns der Fall des menschlichen Geschlechts gestürzt hat; so findet sie es, sie, die nur nach dem Äußeren urteilt, anstößig, dass auch sie in die Folgen eines Fehltritts verwickelt ist, den sie doch nicht begangen hat, und fragt sich mit Murren: Wie habe denn ich diesen qualvollen, peinigenden Zustand des menschlichen Geschlechtsverschuldet?

Statt diesem könnte sie sich auch sagen: der ursprüngliche Mensch hatte einst die Fähigkeit, sich selbst zum Ebenbild seines Ursprungs zu erheben, und ohne selbst Gott zu sein, konnte er wohl kein Recht, keinen Anspruch haben, der ihm eine innigere Verwandtschaft mit jener allwaltenden Einheit gegeben hätte. Diese Fähigkeit, sich selber zum Ebenbilde Gottes zu erheben, hat den ursprünglichen Menschen in den Zustand seiner Erniedrigung begleitet, und begleitet ihn ferner durch alle Geschlechter. So habe ich denn dieses erhabenste Vorrecht, trotz den Fesseln, in denen ich mich befinde, nicht verloren! Die ursprüngliche Bestimmung meines Daseins ist mir mit dem Leben zugleich gegeben, und so lange ich ihr noch nachzustreben vermag, ist mir das Glück noch nicht versagt, indem jedes Glück, dessen ein Wesen fähig ist, in der Erfüllung seiner Bestimmung gegründet ist.

So kann ich denn noch immer Ansprüche auf die Vorrechte meines ursprünglichen Zustandes machen, kann mich noch immer so innig mit meinem Ursprung vereinen, dass mein Elend aufhört für mich zu sein, und dass selbst vielleicht mit durch mich das allgemeine Elend des ersten Falles verringert wird.

Und wenn ich selbst nicht hinlängliche Kraft in mir fühlte, ein so hohes Werk zu wagen; so müssten doch schon die bloßen Aussprüche meiner Vernunft hinreichen, jenes Murren zu beschämen, denn wenn wirklich der ursprüngliche Mensch sich niemals aus den Schranken seiner Bestimmung entfernt hätte, wäre ich dann nicht auch aller Früchte seiner Treue Teilhaftig geworden, ohne dass ich etwas zu seiner Gerechtigkeit mitgewirkt, bei seinen Tugenden ein Verdienst gehabt hätte? Dann wäre das Glück meines Daseins vollkommen gewesen, Und doch wäre mir es ohne alle mein Verdienst zu eigen geworden, warum will ich denn nun im umgekehrten Fall die Alternative ganz ausgeschlossen wissen? Ist es nicht ungerecht von mir, wenn ich das Misslingen und den Verlust jenes ersten Wurfes nicht eben so gut gelten lassen will, als ich den Gewinn hätte gelten lassen?

Dies ist es, was sich diejenigen sagen müssen, denen jene Frage zu sehr am Herzen liegt. Mögen sie bedenken, dass, ohne den ganzen Baum zu vernichten, es unvermeidlich sei, dass nicht die Zweige an den Schicksalen der Wurzel Teil nähmen. Mögen sie bedenken, dass, ohne Gott zu sein, jener menschliche Baum unvermeidlich die Fähigkeit haben musste, in seine Wurzel sich sowohl zu verändern als unverändert zu erhalten, denn ohne dies wäre kein Unterschied zwischen ihm und seinem Urquell gewesen.

Mögen sie auch nicht das mächtige, allgemeine Heilmittel vergessen, das von Anfang an mitten in unserem Elend bei uns war, und noch immer bei und um uns ist, reichlicher und wirksamer als die Luft, die dem ersten unserer körperlichen Bedürfnisse, dem zu atmen, Befriedigung gibt; ein Hilfsmittel, das uns, wenn wir uns seiner bedienen, aus diesem Zustand des Todes, in dem wir schmachten, zur Anschauung des Lebens selber führen kann.

Mögen sie selber urteilen, welches von beiden den Vorzug verdiene: ob es besser sei, das Dasein gar nicht empfangen zu haben, oder ein, wenn auch qualvolles, mühsames Leben, bei welchem jedoch das Vermögen und die Gewissheit ist, alsbald, wenn wir nur ernstlich wollen, sie wieder zu dem Genuss der reinsten Seligkeit und zu den hohen Wundern des ursprünglichen Zustandes zu erheben.

Wenn jene all zu voreiligen Menschen nur diese beiden Fälle erwägen wollen, so müssen sie sich doch gewiss lieber für den letzteren entscheiden. Nur ein ganz blinder und unsinniger Menschkann jenen Genuss, als ein ihm gebührendes Recht fordern, nur er kann über die Anstrengungen, die durchaus nötig sind, um ihn zu erlangen, unzufrieden murren, indem er nicht bedenkt: dass eine solche Unzufriedenheit mit der natürlichen Ordnung der Dinge, Unzufriedenheit mit Gott selber ist, eine Klage, dass er nicht Gott selber sei.

Sie können sich leicht von der Wahrheit der Trostgründe überzeugen, die ich ihnen vorgestellt habe, wenn sie nur bedenken: dass ja durch jenen Fehltritt die Kräfte des menschlichen Gemüts noch nicht zerstört, sondern bloß von einander getrennt sind; dass aber das nämliche Prinzip, das ihnen Leben gab, dass jene ewige Liebe, jene allwaltende Einheit, deren Auge immer über sie gewacht, von dem Augenblick jener Sonderung an, ihnen zugleich das Verlangen gegeben, sich wieder zu vereinen, ihre ursprüngliche Einheit wieder herzustellen.

Die Natur selber gibt uns einen Beweis jener Wahrheit, in der täglichen Geschichte des menschlichen Geistes. Je mehr sich derselbe zur Betrachtung des Göttlichen und Harmonischen, zur Betrachtung dessen, was mit seiner eignen inneren Natur verwandt ist, erhebt, desto mehr fühlt er, wie seine eignen Kräfte sich harmonisch ordnen und zur Einheit sammeln; so dass sie auf ihrem Wege das Reich der vergänglichen Dinge nicht länger mehr aufhält, dass vielmehr das Studium und die Beobachtung derselben ihre Entwickelung begünstigt; indem die Gesetze aller verschiedenen Bildungsstufen wie Übersetzungen eins von dem andern sind, und der Geist des Menschen, wenn ihn erst sein wahres Licht erfüllt, in allen die allgemeine Einheit wieder erkennt.

Wendet dagegen der Mensch sein Auge von jenem allgemeinen Lichte ab, lässt er sich von den Lockungen der unvollkommenen und untergeordneten Naturgefangen nehmen, und vergisst sich so weit, dass er ihr dienstwilliger Sklave wird, dann trennen sich alle seine Kräfte von einander, der Kampf unter ihnen beginnt, und der Mensch gerät in einen mehr oder min der peinlichen Zustand, je nachdem jener innere Zwiespalt größer oder geringer ist.

Demunerachtet sind die Fähigkeiten selber noch nichtzerstört; sie sind bloß in Disharmonie geraten, und die Ahndung jener Harmonie, die einst in ihnen wohnte, kehrt ihnen von Zeit zu Zeit zurück, um sie an jenes frühere Glück zu erinnern.

Dieses innere Streben kann sie, wenn sie ihm nur nachgeben, bald in ihren ursprünglichen Zustand zurückführen, ihnen zur Wiedererlangung ihrer harmonischen Einheit behilflich sein, wie dies Jeder an sich selber erfahren kann, der auf jene innere Stimme hört, und Ausdauer genug besitzt. Mögen uns solche lehrreiche Beispiele ein unverdächtiges Zeugnis jener großen Wahrheiten sein, auf die wir demnächst das menschliche Nachdenken richten wollen. Jener Schwindel, dem der Mensch seit der traurigen Verwandlung, die mit ihm vorgegangen, ausgesetzt ist, pflegt ihm gewöhnlich gleich Anfangs die Mittel seiner Wiederherstellung, welche ihm noch geblieben, unsichtbar zu machen, indem er ihm nur den Abgrund sehen lässt, der rings ihn umgibt; welche schreckliche, düstre Träume erfüllen demnach den geistigen Schlaf, wo derselbe anhaltend ist!

Die Mängel und Vorzüge der Dinge verbreiten sich über ihren ganzen Wirkungskreis.

Der Wirkungskreis eines Dinges in der körperlichen Welt, ist die Summe alles dessen, was zu seinem Dasein gehört. In der Welt des Ansehens und der Macht, ist es alles das, was in dem Umfang der Oberherrschaft eines Wesens liegt, wie z.B. einem König sein Reich. Im Reich des Geistigen sind es die Gedanken, sind es die Banden der Liebe, durch welche wir eins sind mit den Seelen, an die uns die Tugend und ein gemeinsames Wirken für das Reich des Guten und Wahren geknüpft hat. In der Region des Göttlichen ist es das Universum.

Damit ein Wesen auf physische Weise das Glück seines Daseins zu genießen vermöge, muss es in seinem ganzen Lebenskreis gesund und in vollkommener Einheit aller Teile sein; aber eben so wie die ihm innewohnende Lebenskraft, wenn sie gesund und rüstig wirkt, heiteres Wohlsein über sein ganzes Dasein verbreitet, so dehnt sich auch, wenn es krank ist, die traurige Wirkung davon auf seinen ganzen Lebenskreis aus.

Wenn dieses nun derselbe Fall in der Region der Macht ist, dürfen wir voraussetzen: dass jenes Gesetz sich auch auf die verirrten Wesen erstrecke, von denen wir sehen, dass sie früher abtrünnig wurden als der Mensch. Ihre Macht hätte, Wenn sie innerhalb denen ihr bestimmten Grenzen geblieben wäre, Leben und Frieden durch das ihr untergebene Gebiet verbreitet, während sie jetzt, da sie jene Bestimmung übertreten, auf ihren ganzen Wirkungskreis mit zerstörender Gewalt wirkte.

Ohne Zweifel ist dies der Ursprung jenes Chaos, das von so vielen Philosophen für die Wiege der Körperwelt gehalten wird. Doch kannten sie die Grundelemente jenes Chaos nicht, wann sie behaupteten, das Weltall sei aus nichts entstanden, indem jene Grundmasse, aus welcher es neu gebildet wurde, aus den Trümmern einer zerstörten, regelmäßigen Lebenssphäre, und aus den wiederergänzenden Heilkräften bestand, welche aus dem höchsten Ursprung mitten in die Zerstörung eindrangen, um den gänzlichen Untergang zu verhüten: eine Wahrheit, mit welcher alle Traditionen übereinstimmen, wenn sie uns das Chaos als einen Inbegriff des Guten und Bösen, der Kälte und Wärme, der Finsternis und des Lichts, des Himmels und der Erde u. f. beschreiben.

In der Tat, wann ein Veilchen, in dem Moment, wo es sich aufschlösse, behaupten wollte, vor ihm sei noch nichts da gewesen, und es sei aus Nichts entstanden, das Chaos, aus welchem es hervorgegangen, sei Nichts, würden wir ihm antworten: Du bist aus einem Keime gekommen, dessen Prinzipien sich in jener allgemeinen Natur befanden, die du rings um dich her erblickest; dieser Keim besaß auf seine Weise ein eigentümliches Leben, eigentümliche Vollkommenheit. Als man dich in die nackte, ihres Schmuckes beraubte Erde legte, um ihr durch dich von neuem einigen Schmuck zu geben, befändest du dich in einem Chaos, aber dieses Chaos war weit entfernt. Nichts zu sein, vielmehr war es ein Kampf des in dir wohnenden Lebens mit dem toten, finsteren Wesen, in das man dich gelegt hatte. Aus jenem Kampfe erzeugte sich in dir jene Zurückwirkung, in welcher alle deine Kräfte sich entwickelten, welche die Veranlassung wurde, dass die ganze Summe deines innern Lebens, und deine Eigenschaften sich offenbarten.

Dieses Bild vermag uns selbst über das Chaos Aufschlüsse zu geben; insofern wir uns mit der Natur an sich selbst beschäftigen, deren lebendiger Mittelpunkt und Gebärmutter dasselbe war.

Als jenes Chaos wiedergeboren war, und das Weltall sich innerhalb derselben Grenzen, welche einst jene erste, jetzt zerstörte Lebenssphäre einnahm, gebildet hatte, konnte der Mensch, dessen Bestimmung es war, diesem Umkreis seine natürliche Ordnung zu erhalten, allmählich seine ordnende und waltende Kraft durch den ganzen Umfang dieser Wirkungssphäre verbreiten; er hat aber auf entgegengesetzte Weise gewirkt, als er seiner Bestimmung untreu ward. So verbreitete sich von neuem Elend durch den ganzen Wirkungskreis, und die eben fast vernarbten Wunden der Schöpfung wurden von neuem aufgerissen. Dieses hat das Tagewerk des Menschen auf Erden unendlicher erschwert, dennoch aber erkennt man noch immer in allen seinen Bestrebungen jene ursprüngliche Bestimmung: ein Wiederhersteller und Erneuerer des Zerstörten zu sein.

Alle jene ersten Prinzipien gründen sich auf Tatsachen, die in dem nächsten Gesichtskreis jedes denkenden Geistes liegen. Solche waren es, die uns auf die Entartung des Menschen und dadurch wieder auf die eines schon vor ihm vorhandnen Wesens führten; den Menschen selber sehen wir noch täglich das Streben seiner ursprünglichen Bestimmung aussprechen; die noch immer vorhandene Vermischung guter und böser Kräfte in der physischen Natur gegen einander kämpfen; sehen, wie noch immer die bösen und guten Eigenschaften eines Wesens auf seinen ganzen Wirkungskreis von dem größten Einfluss sind, und lernen daraus, dass auch die Wirkung jenes ersten Fehltritts sich über das ganze Universum, d. h. über die ganze unsichtbare Sphäre, in welcher die Körperwelt entstand, erstrecken, und nun jene Wirkungssphäre auf doppelte Weise verdorben werden musste, wie jene Treulosigkeit eine doppelte war.

So stille denn, menschliches Gemüt! deine Ungeduld; die bloße schlichte Vernunft, wie sie uns schon diese Aufschlüsse gegeben, wird uns auch zu den Resultaten derselben führen, zu den Trost- und Beruhigungsmitteln, die rings um dich her sind, bestimmt, dir diese peinigende und unglückselige Lage zu erleichtern; und wenn du daran zweifelst, dass der Egoismus jener abtrünnigen Engel eine solche Trennung oder Zerrüttung in der Gesamtheit der Dinge hervorzubringen vermocht habe; so darfst du nur noch den täglichen Gang alles dessen, was von der Bahn der Einheit abweicht, beobachten, z.B. die steten zertrennenden und zerschneidenden Wirkungen des menschlichen Egoismus.

Ursprüngliche Sagen.

Jede Ordnung der Dinge, jeder Gegenstand, jedes Wesen, belehrt uns über den Grund seines eigentümlichen Daseins, enthält in sich die Urkunden seiner Geschichte, und die besten Aufschlüsse über sich selber, und wenn es dieses nicht tut oder früher einmal getan, kann es unmöglich eine Stelle in dem Kreise unseres Denkens und unserer Kenntnisse erhalten.

Gehen wir jetzt die Hauptbeweise jener Wahrheit durch, und hüten wir uns vorzüglich vor dem Widerspruch, in welchen die Menschen sich fast allgemein verwickeln, und der sie antreibt, blind und auf die unschicklichste Weise solche Natur Traditionen und Offenbarungen den Büchern anzupassen.

Die Natur, wie ich dies noch einige Mal wiederholen werde, ist kein hinlänglicher Beweis für das Dasein Gottes. Allerdings lässt sie uns auf eine tätige, Ordnung und Harmonie verbreitende, Kraft schließen, die sie hervorbrachte und erhält, aber unerachtet des prächtigen Schauspiels, das mir jene erhabene Kraft in der Offenbarung ihrer Wunder gewährt, ist sie mir doch noch kein Beweis jenes heiligen und liebevollen Wesens, das unser ganzes Dasein umfasset, und das so innige Freude an unserem heißen Sehnen, an unseren Aufopferungen hat.

Von einer andern Seite stellt uns diese physische Natur in der regelmäßigen Einheit ihrer Gesetze zwar einen großen, aber keinen mit Freiheit begabten Werkmeister dar, indem er regelmäßig, und gleichsam gezwungen, immer nur das Nämliche tut, während ein mit Freiheit begabter in seinen Arbeiten zuweilen abwechseln, zuweilen einen Stillstand machen würde. Jener mit Freiheit begabte Werkmeister erscheint weit mehr in den mächtigen Umwandlungen der Natur, in den Zerrüttungen, denen sie unterworfen gewesen, und noch unterworfen sein wird, wenn einst dieselbe Hand, die sie hervorbrachte, sich zu ihrer Zerstörung wenden wird, indem wir hierin einen über jene Macht erhabenen Willen erkennen, und bemerken: dass Gott etwas anders sei als der Urheber der Natur.

Wie hätte sich demnach die Idee dieser heiligen Gottheit, welche alle vom Sehnen ergriffene Seelen mit Liebe umfasset, auf Erden zu offenbaren vermocht, wenn wir zu ihrer Erkenntnis nichts hätten, als den Anblick dieser Natur? Die Idee des Göttlichen läge ganz außer dem Kreis unseres Vorstellungsvermögens, wenn uns nicht ein viel näheres Mittel sie zu erfassen bliebe, und dies zwar ohne alle Bücher, ohne alle Traditionen.

Wären endlich wohl die Menschen dieser Idee fähig, wenn sie ihnen jene höchste Gottheit ursprünglich auf eine unwidersprechliche Weise mitgeteilt hätte? wenn sie nicht durch sich selber jene Tradition ihnen gegeben, mit einem Wort, wenn sie nicht durch sie und in ihnen selber sich offenbart hätte?

Auf der anderen Seite konnte auch das menschliche Gemüt jene ursprüngliche Tradition, oder jene höchste Offenbarung nicht unmittelbar empfangen, ohne dass sie in ihm selber die eigentümliche Flamme entzündet hätte, die notwendig bei der Berührung des ihr verwandten Lichtes erwachen musste. Auf die Weise wurde die menschliche Liebe selbstständig tätig, und dadurch in den Stand gesetzt, alle ihre Eigenschaften auszusprechen, ihre eigne Geschichte darzustellen, ihre eigne Offenbarung zu sein.

Ohne deshalb irgend eines Räsonnements im mindesten zu bedürfen, musste der Mensch schon unmittelbar an sich selber im ganzen Umfange seines Wirkungskreises erfahren, musste an allen dem, was sich an und durch ihn offenbarte, erkennen, dass er zum Organ und Diener dessen bestimmt sei, der ihn gebildet.

Aus diesen beiden Quellen, die durchaus beide gar keinem Zweifel unterworfen sind, geht notwendig noch eine dritte – die der religiösen Systeme hervor, welche allgemein über die ganze Erde verbreitet sind, und durch nichts anderes, als durch jenes ursprüngliche Verhältnis zwischen dem Menschen und Gott, das durch die eigentümliche Offenbarung beider selbst sinnlich wahrnehmbar war, zu erklären sind. Niemals hätte die Idee irgend einer Religion überhaupt auf Erden erscheinen können, wenn ihr nicht gleich ursprünglich der Weg dahin eröffnet gewesen wäre, wenn die Religion sich nicht gleich Anfangs selber ausgesprochen, selber geoffenbart hätte.

Was hier von religiöser Verfassung überhaupt gesagt worden, gilt nun sowohl von wahren als von falschen Religionen, denn auch diese bedurften im Anfang eines lebendigen Keimes, eines deutlichen und sinnlich wahrnehmbaren Mediums, durch welches sie sich zu offenbaren vermochten; wäre dies nicht, so könnten sie nicht bekannter und verbreiteter sein, als die wahren Religionen.

Man sieht auch hieraus, warum es weder in Religionssystemen der einen noch der anderen Art möglich sei, zu etwas Positivem und Gewissem zu gelangen; so lange man nicht bis zum Urquell der ihnen zu Grunde liegenden Offenbarung eindringt, jener Offenbarung, die man, wie schon erwähnt, ja nicht mit den geschriebenen Sagen oder Büchern verwechseln muss. Zugleich sieht man aber auch: dass der Mensch jederzeit ein eigentümliches Licht besitzt, das ihn bei jenen Forschungen zu leiten vermag, und zwar nicht bloß bei der Aufsuchung des Grundquells der Religionsverfassungen, sondern überhaupt aller Dinge, indem nichts existiert, nichts bekannt ist, das nicht seinen Grund–seine Wurzel – hätte, und was nicht notwendig eine Offenbarung seiner selbst wäre.

Diese Notwendigkeit, nach welcher jedes Wesen seine eigne Offenbarung wird, findet überall ihre Anwendung, ganz besonders aber, und vor allen bei jenem Wesen, das sich selbst ohne Unterlass erschaffet (sein eigner Grund ist) und wirklich gar nicht sein könnte, wenn es nicht sich selbst erzeugte, und ohne Unterlass in dieser ewigen Schöpfung und Offenbarung seiner selbst fortführe: eine Wahrheit, von der man ausgehen kann, und deren Licht sich dann über den ganzen Kreis der Wesen verbreiten lässt.

Es folgt hieraus: dass unter allen Religionen diejenige, welche wahr ist, sich (nach jener allgemeinen Notwendigkeit) selber als eine solche offenbaren, sich selbst in ihrer ganzen Wirklichkeit darstellen müsse, dadurch dass sie klar und licht ist, und sich gegen die Grundkrankheit des Menschen als ein wirksames Heilmittel beweist, dessen treffliche Kraft und Wirkung alle die an ihrem eignen Geist und Gemüt zu erfahren vermögen, die sich ohne Rückhalt und Einschränkung ihrer Betrachtung und Erkenntnis hingeben. Es folgt hieraus ferner: dass die Worte, Religion und Zwiespalt, sich durchaus entgegengesetzt sind und widersprechen, und niemals zusammen bestehen können, indem schon das Wort Religion etwas bedeutet, das wieder vereinigt, nicht etwas, das trennt, und indem auch die wahre Religion, so wie wir sie vorhin darstellten, und wie sie eigentlich sein sollte, nichts anders ist als offenbare Wahrheit, klar, siegreich und überzeugend durch ihre Wirkungen, während der Zwiespalt nur in die Region des Dunkels oder in die noch betrügerischere der Unwissenheit, entflammt durch den Geist der Herrschsucht und der Unordnung, gehört, in ihnen wohnt.

Schon dieser eine Zug zeigt uns, welche Idee man von den Streitigkeiten und der blinden Wut haben müsse, wo durch die Lehrer aller Religionen ohne Unterlass die ganze Erde beunruhigt, und mit Blut überschwemmt haben.

Jedoch muss uns, gerade die hier bewiesene Notwendigkeit einer ursprünglichen Tradition aller vorhandenen Dinge, vor jenem Schlusse der Unwissenheit bewahren: dass alle diese, so sehr durch die Menschen entstellten, Religionen, nicht auf ihrem ursprünglichen Prinzip ruhten; indem grade im Gegenteil, jener fürchterliche Teil ihrer Geschichte, das Dasein einer Wahrheit-bezeugt, die von dem Menschen herabgewürdigt werden konnte, weil, wenn es nichts gegeben hätte, das ihm ehrwürdig gewesen wäre, er auch nichts herabzuwürdigen gehabt hätte. Bedienen wir uns, um uns hierin zu orientieren, des Gesetzes der wechselseitigen Ausgleichung als einer Magnetnadel; so erkennen wir wohl, dass jeder Irrtum der Maßstab der ihm entgegengesetzten Wahrheit sein könne; so wie der Umfang jedes irgend möglichen Missbrauches, Maßstab für die Weise, für die Absicht und das Vermögen zu werden vermag, welches missbraucht worden.

Irgend ein immaterielles Substrat muss unserer Sinnenwelt zu Grunde liegen.

Selbst dann, wenn wir auch für das Dasein eines höheren empfindenden Wesens, jenen Beweis nicht hätten, den wir in der ursprünglichen Stellung des Menschen zwischen Gott, dessen Ebenbild und Basis er war, und einer untergeordneten Welt, die wiederum sein Ebenbild und seine Basis war, gefunden haben; so würde doch dieser Beweis schon darin liegen: dass das menschliche Erkennen seiner Natur nach vor allen strebt, sich auf die Betrachtung und Unterscheidung lebendiger Gegenstände, und vor allem auf empfindende Wesen seiner Art hinzuwenden, sich nicht damit begnügt, empfindende Wesen von körperlicher, vergänglicher Natur zu betrachten, die für sein wahres Wesen keinen Gewinn bringen.

Jenes Erkennen fühlt in der Tat das Bedürfnis, in Berührung, Wechselwirkung und lebendigem Verkehr mit der Region einer ihm verwandten geistigen Natur zu sein. überhaupt ist schon keine Region denkbar, die nicht erst aus einer Wechselwirkung hervorginge, und wiederum kann keine Wechselwirkung statt finden, ohne dass die dabei wirksamen Prinzipien eine ihnen homogene Basis der Wirkung fänden.

Jener Beweis ließe sich auch in dem oben aufgestellten, unerschütterlichen Satz finden: dass die Seele des Menschen bloß von Bewunderung leben kann, ein Vorrecht, das sie einzig unter allen Wesen der Natur besitzt, woraus, mit einem Worte, nicht allein das Dasein einer über dem Geist des Menschen befindlichen ewigen Quelle der Bewunderung folgt, sondern auch das Dasein einer Umgebung, welcher er die aus seiner Quelle geschöpften Wunder mitteilen könne, wodurch sich zu gleich die Seele des Menschen deutlich von allen anderen Wesen des Universums unterscheidet. Jener Beweis folgte nämlich schon darum hieraus: weil sich das menschliche Erkenntnisvermögen mit Gegenständen der jetzt bestehenden Natur nicht so wohl aus dem Grunde beschäftigt, weil es in ihnen wirklich etwas findet, was ihm Bewunderung einflößt, sondern vielmehr, weil es ein solches etwas darin ahndet, weil es durch diese Welt der Erscheinungen bis zu einer viel besser zusammenstimmenden und geordneten Region eindringt, aus der jene Erscheinungen herkommen, und wo sich ewig tätig und unvergänglich alle jene Eigenschaften finden, die ihm die irdische Natur nur regellos unter einander geworfen und vorübereilend zeigt; wo der Geist jene fruchtbaren Lebensprinzipien unmittelbar anschaut, die er auf Erden nirgends findet, auf die sich aber allein sein Vorrecht zu bewundern und Bewunderung zu verbreiten stützet.

Denn in der Tat, wenn der Mensch wahrhaft ist, muss er gestehen: dass die gegenwärtige Natur bloß ein Schleyer sei, durch welchen jene verborgenen Qualitäten hindurchschimmern; und die Gesamtheit dieser Welt wie eine Frucht, deren Hülse nur die sichtbaren Gegenstände sind, und deren eigentliche Substanz und Keim jenes Bewundernswürdige ist, das nur dann erkannt werden kann, wenn die ganze Hülse hinweggenommen ist.

Eben die Vermehrung jener bewundernswürdigen Substanz, mitten in unserer verdorbenen und veränderten Sinnenwelt, war ohne Zweifel jenes Geschäft der Ausschmückung und Verherrlichung, zu welchem der ursprüngliche Mensch bestimmt war, und es bezeugen dies noch jetzt alle die Bestrebungen: Verbesserung und Vollendung rings um sich her, über alle Gegenstände der Natur zu verbreiten, welche noch ein Überrest jener ehemaligen Bestimmung scheinen.

Unfehlbar steht jenes Werk der Verherrlichung mit dem in Zusammenhange, was der Mensch in seinem gegenwärtigen Zustand in und an sich selber zu vollführen hat) und dessen Zweck es ist: seiner eignen Form die Eigenschaften jenes bewundernswürdigen Wesens oder jenes unkörperlichen Empfindbaren zu geben, das ursprünglich der Grund seiner Schönheit war, indem seine anfängliche Bildung mit jenem Wesen in vollkommener Analogie stehen, mit ihm nur eine und dieselbe Substanz sein musste. Es folgt dies alles notwendig aus den früher aufgestellten Grundsätzen, und findet sich durch die allgemeine Götterzeugung, und durch die Sagen der Völker, die ihren Göttern und Helden Körper von feinerem Stoff, als unsere irdischen sind, zuschreiben, bestätigt.

So ist uns zwar noch immer die Sonne, ein majestätisches Abbild der göttlichen Einheit, noch immer verkünden uns alle Wesen der Natur, jedes in seiner Art, das Dasein jener einfachen und reinen Substanz, welche in sich die Elemente aller Harmonie und Bewunderung enthält, jener Substanz, die in ihnen allen, wie in einer Hülle, eingeschlossen ist; dennoch aber müssen wir uns über den jetzigen Zustand dieser Natur betrüben, wenn wir bedenken, wie fern sie davon ist das zu sein, was sie in den Grenzen ihrer anfänglichen Bestimmung gewesen wäre.

Denn wir sehen wohl, wie fürchterlich und unauflöslich die Verkettung und Vereinigung der allgemeinen Wesen sei, mit welcher Anstrengung sie täglich nach ihrer Umwandlung ringen, welche furchtbare Gewalt sie anwenden müssen, ehe sie zur Wiedererneuerung gelangen, die ihnen ihr erstes Gewand, jene unkörperliche Substanz zurückgibt, welche das ewige Organ der ewigen göttlichen Wunder ist, indem sie nie ohne diese gesunden wird, so wie ihrerseits jene ewigen göttlichen Wunder der körperlosen Substanz allezeit als eines Körpers, einer bewahrenden Hülle bedürfen.

Aus diesem Grunde ist es auch nicht mehr zweifelhaft, dass jener höchste Ursprung, der nie aufgehöhrt den Menschen zu lieben, ihn in seiner Liebe öfters durch nachdrückliche und ungewöhnliche Wege, zum Quell der Bewunderung und der erhabenen Wahrheiten zurückgerufen habe, die er bei seinem Abfall vergessen, oder mit verkehrtem Sinne aus dem Buch der Natur vertilgt hatte.

Dies konnte jedoch auf keine andere Weise geschehen, als indem ihm jene Elemente der Bewunderung, und jene offenbarten Zeugnisse, nämlich unmittelbare Züge der unvergänglichen Substanz, und des mit ihr und ihren Wundern unzertrennbar vereinten unkörperlich Empfindbaren vor die Sinne gestellt wurden. Durch das Dunkel dieser irdischen Welt mussten bald größere bald geringere, mehr oder minder auffallende Funken hindurchbrechen, je nachdem jener ewige Ursprung einen mehr oder minder hohen Plan ausführen, eine mehr oder minder bedeutende Wahrheit im Gemüt des Menschen entzünden wollte.

Denn die Menschen, bestimmt zum Organ der göttlichen Wunder, waren ursprünglich mit einem Körper bekleidet, der aus einer immateriellen Substanz gebildet war. Jetzt aber, wären sie in ihrer verderblichen, nächtlich trüben Verkörperung, und durch ihre täglichen Verirrungen längst in eine unheilbare, gänzliche Absonderung von ihrem Ursprung versunken, längst wären die göttlichen Wunder ihres Gemüts auf immer von jenen ewigen Wundern losgerissen, wenn nicht die gemeinschaftliche Quelle beider, von Zeit zu Zeit sie zu vereinigen gesucht, und zu diesem Zwecke jene nämliche Substanz in Tätigkeit und Bewegung gesetzt hätte, mit der sie unzertrennbar als mit ihrem Körper und dem Vehikel aller ihrer Werke vereinigt ist.

Wie auf der einen Seite, durch Kraft jener göttlichen Wunder, eine höhere, geistige Natur, eine immaterielle Welt des Empfindbaren, welcher sie sich als eines Körpers bedienten, in das Dunkel unserer niederen Sinnenwelt eindrang; so musste auf der anderen Seite das immaterielle Empfindbare, das im jetzigen Menschen so vergröbert ist, sich entfalten und sein eigenes verpestetes Gefängnis durchbrechen, sollte anders der Mensch zur Kenntnis, und zum Gefühl dessen gelangen, was ihm auf jene Weise mitgeteilt wurde; denn nur das Homogene kann in jene Wechselbeziehung treten, und eben so, wie das Weltall nichts von dem immateriellen Empfindbarem, von welchem es unaufhörlich und allgemein durchdrungen wird, bemerkt und erkennt, so wird auch der Leib des Menschen nichts von den eigentümlichen Wundern gewahr, die in ihm selber sind, oder außer ihm durch die Vereinigung jener zweifachen höheren Natur geschehen.

Eben so kennt die Nacht nicht das Gestirn des Tages, das mit seinem erhabenen Glanz ihre Dunkel zerstreut; die Blumenzwiebel zeigt noch nichts von der Farbenpracht, die bald hernach an ihren Blüten sich offenbart, obgleich sie alle diese Wunder in ihrem Schoße trägt, und überhaupt alle Herrlichkeiten, die ein jeder Keim in sich verwahrt, brechen durch ihn hindurch, lösen ihn auf, und bringen im Tempel des Lichts die Gaben dar, die dieses seinen Kindern gewährte; während die Überreste der gröberen Hülle, die sie anfangs als Keim verbarg, im Dunkel der Erde begraben bleiben, und von allen den schönen Wundern, die über ihnen geschehen, nichts erfahren.

So darf man kühn das jetzige Weltall ein Samenkorn nennen, das einstens ein majestätischer, herrlich geschmückter Baum war, und dereinst wiederum ein solcher Baum mit unzähligen Blüten und Früchten sein wird. Doch von allen diesen künftigen Blüten weiß das Samenkorn nichts, obgleich jene mit Ungeduld den Augenblick erwarten, wo ihnen vergönnt sein wird, ihre Gaben der Region des höchsten unvergänglichen Lichtes darzubringen, wie unsere irdischen Blumen der Region des Elementenlichts.

Dem Menschen, der mit dem Weltall einen gleichen Beruf hat, ist über sein eignes Wesen eine Obergewalt gegeben, die, indem sie das ihm aufgetragene Tagewerk vermehrt, zu gleich auch ihm ungemein erfreuende Aussichten eröffnet; er soll nämlich nicht allein seinen Körper erneuern, und ihm alle Eigenschaften der einfachen und reinen Ur-Substanz zurück geben, (das nämliche strebt auch das sichtbare Weltall zu erreichen, ) sondern auch die göttliche Wurzel seines denkenden Wesens soll er wieder zum Ebenbild seines ewigen Ursprungs umschaffen, damit dasselbe auf diese Weise fähig werde, seinen Durst nach Bewunderung zu stillen, und jene göttlichen Wunder selber zu betrachten, die ihm verwandt sind, und die es deshalb einzig im ganzen Weltall zu empfinden und zu bewundern vermag.

Jene Wiedererneuung besteht aber nun bloß darin, dass er sein Gemüt aus der Region der falschen Bewunderung, die ihn unter die Trugbilder einer niederen, finsteren Region herabgestürzt hat, erhebe, und es in die Region einer lebendigen und belebenden Bewunderung zurückführe, die ihn, hätte er sich in ihr zu erhalten gewusst, mit einer Fülle von Wohltaten überhäuft haben würde, weil er dann in Berührung mit jener unerschöpflichen Quelle gestanden hätte, aus welcher jene Güter, die über alle unsere Vorstellungen erhaben sind, ewig entsprangen und entspringen werden.

Dieses alles dient uns zum Beweis, dass sich dem verirrten und ausgearteten Menschen ursprünglich unmittelbar Gegenstände der Bewunderung offenbart und mitgeteilt haben müssen, nicht allein weil jener ewige Ursprung in der Fülle seiner treuen Liebe sich nicht enthalten konnte, solche Lichtstrahlen in den dunklen Kerker des armen Verlassenen einbrechen zu lassen; sondern auch weil es unter den Menschen Religionen, oder unmittelbare Spuren einer geistigen Wiedervereinigung mit ihrem Ursprung gibt, denn alle diese Religionen, so dunkel sie auch sein mögen, konnten keine andere Quelle haben, als die deutlich wahrnehmbare Verbreitung einiger erhabenen Gegenstände der Bewunderung; keine Religion hätte sonst, wäre sie nicht verwandt gewesen mit dem inneren Grund seiner Natur, und fähig seinen Durst nach Bewunderung zu stillen, jemals etwas über einen Menschen vermocht, der Name Religion wäre noch gar nicht auf Erden vorhanden.

Denn wenn wir am Anfange dieses Werks sagten, dass der menschliche Geist, oder sein Erkenntnisvermögen bloß von Bewunderung leben könne, haben wir das Gemälde der menschlichen Natur erst halb vollendet; wir vollführen es ganz, indem wir zu der obigen Behauptung noch hinzufügen: dass sein Gemüt oder die Fähigkeit seiner Natur zu lieben nur durch Verehrung und innige Anbetung besteht und fortdauert, und dass die Herrlichkeiten, die sein Geist bewundert, dazu bestimmt sind. jene erhabene Bewegung seines liebenden Gemüts zu erwecken und zu nähren, wie ihrerseits jene Verehrung ihn in das Heiligtum immer höherer und mächtigerer Wunder geführt hätte, wo sein Geist unaufhörlich neue Gegenstände der Bewunderung zu finden vermochte. Darum sind die Tiere der Verehrung nicht fähig, weil sie nicht zu bewundern vermögen, und umgekehrt, bewundern sie nicht, weil sie keinen Sinn für Verehrung haben. Deshalb gerät auch der Geist des Menschen, wenn er sich von der Region der wahrhaften Bewunderung verirrt, in ein Labyrinth von Irrtum und Unwissenheit, und wenn sein zur Liebe bestimmtes Gemüt nicht verehrt, wird es auf seine Weise das, was in der gegenwärtigen Natur auf ihre Weise die Versteinerungen sind, es behält nämlich nur noch die äußre Gestalt einer Seele, ohne ihr Leben, ohne ihre Eigenschaften. Und selbst dieser Zustand des Gemüts beweist mehr für als gegen jenen Grundsatz, indem ein Zweig des versteinerten Baumes allerdings zeigt, dass er nicht vegetiert, zugleich aber auch auf eine überzeugende Weise, dass er bestimmt war zu vegetieren.

Deshalb sollten sich die gepriesenen Lehrer der Menschenweisheit nicht so gewaltig viel darauf einbilden, nicht so übermütig triumphieren, wenn sie uns auf die abscheulichen Irrtümer und Missbräuche der Religionen aufmerksam machen, die uns allen lange zuvor bekannt waren, ehe sie davon sprachen. Die Rolle, die sie hierbei spielen, ist so bequem und so leicht, dass sie soviel wie nichts bedeutet, und ihnen deshalb auch nur einen höchst kindischen und lächerlichen Triumph gewähren kann; denn damit der Triumph, nach welchem sie streben, vollkommen und dauernd werden könnte, müssten sie uns zeigen, wie jene Irrtümer, ohne eine früher erwähnte Urquelle, möglich wären, indem überhaupt ein solcher Irrtum nicht statt finden könnte, ohne dass dabei ein analoges Grundwesen in der Natur der Dinge vorausgesetzt würde, mit welchem etwas andres vermischt und verwechselt werden konnte.

Der Funke eines Feuerzeugs kann vielleicht auch, anstatt, wie er sollte, bloß mein Licht anzuzünden, sei nun von meiner Seite Ungeschick oder böser Wille daran schuld, ein ganzes Haus in Asche legen; aber ich hätte diese Feuersbrunst niemals hervorzubringen vermocht, hätte zuvor der Funke nicht eine leicht entzündliche Substanz in seiner Nachbarschaft gefunden, mit der er sich vereinen konnte, und die eigentlich bestimmt war, das wohltätige Licht zu gebären, dessen ich bedurfte.

Wie durchaus nichts vorhanden ist, was nicht sich selber erklärte, so wird uns nun auch nicht bloß die Bedeutung des Wortes Religion; sondern überhaupt der Sinn und die Bedeutung alles dessen klar, was sich jemals unter den Menschen offenbart hat, und sich noch jetzt, in der göttlichen Natur ihres Wesens, den Früchten ihres Denkens, in allen dem, was sie erfinden, einrichten, wirken, täglich offenbart. Nachdem die menschliche Natur alle ihre höheren Anlagen durch den Sündenfall verscherzt hatte, wäre sie unvermögend gewesen, sich auf irgend eine solche Art zu äußern, hätte sie nicht einige Überreste des Verlorenen zurückerhalten, und dieses konnte wiederum nur dadurch geschehen, dass der ewige Urquell und Bewahrer aller jener Schätze, durch analoge Mitteilungen ein höheres Sehnen in der menschlichen Natur erweckte, um sie durch diesen leitenden Stern zu dem Ziel ihres Daseins, zum ewigen Quell der Bewunderung und Verehrung zu. führen.

Wie glücklich wäre der Mensch, wenn er nicht alle diese Wohltaten täglich mit undankbarem Missbrauch und Verschmähung lohnte, wie er sie einst mit strafwürdiger Gleichgültigkeit und Zerstreuung aufgenommen. Doch selbst dadurch, dass ein solcher Missbrauch möglich ist, wird unsere Behauptung bestätigt: dass die Mitteilung eines Empfindbaren von höherer Art, unmittelbar an den Menschen notwendig war. Ohne diese wäre der Mensch nie zu jenen höheren Erkenntnissen gelangt, und schon das Wort Idol drückt ein geistiges Wesen aus, das sich den Augen in sichtbarer Gestalt darstellt, indem der Anbeter der Idole selbst in seinen abgeschmacktesten Bildern von Stein oder Holz jederzeit ein geistiges Wesen verehrt.

Die Notwendigkeit jener Mitteilung, und selbst die Weise, wie die letztere geschieht, wird uns schon in dem allgemeinen Gesetz deutlich, durch welches die körperlichen Wesen zum Dasein und zur Wirksamkeit gelangen. Noch ehe z.B. der Keim sich aus seinen verschiedenen Elementen bildet, ist die Natur vorhanden, und in schöner Harmonie sind alle ihre Kräfte, ist ihre ganze Tätigkeit auf die Fortpflanzung ihrer Früchte, auf die Erzeugung ihrer Ebenbilder gerichtet. Auch jene Ebenbilder müssen nun ein vollendetes körperliches Gebilde sein, wie sie selber ist, und bloße Keime, obgleich jeder von ihnen alle Elemente seiner künftigen Bildung enthält, sind hierzu nicht hinreichend. Sie wirkt deshalb mit allen Kräften auf diesen Keim, durch ihren Einfluss entwickeln sich alle seine Eigenschaften und Kräfte, und indem sie sich ihm ohne Aufhören nähert, ihn mit ihrer ganzen Wirksamkeit durchdringt, macht sie, dass er aus sich selber herausgeht. Der Keim gewinnt auf diese Weise, durch die Vereinigung seiner eignen Kräfte mit denen der Natur, Festigkeit und Bestand; nimmt nun allmählich die Gestalt an, zu welcher er bestimmt war, empfängt alle Charaktere und sinnliche Merkmale seiner Natur, alle Organe, durch die er in lebendige Wechselwirkung mit der ganzen Außenwelt, in den Genuss aller jener Vorzüge und Schönheiten derselben zu treten vermag, die sie ihm mitzuteilen, durch und an ihm zu offenbaren strebt.

Bei der Entwicklung des immateriell Empfindbaren in der Natur des Menschen, findet ganz das nämliche Gesetz statt. Auch dieses ist als Keim, selbst nach seinem Fall, noch in ihm enthalten, es ist die Trümmer seines ehemaligen Wirkungskreises. Es ist dieser Keim gleichsam ein Extrakt aus den Kräften einer ihm analogen Natur, welche deshalb vor ihn und um ihn vorhanden ist, obgleich er sie in seinem Embryonenzustand noch nicht zu erblicken vermag, sie die von innigem Verlangen glüht, alle Kräfte und Organe, wodurch er in Wechselwirkung mit ihr treten kann, zu erwecken und zu entwickeln, damit er mit allen seinen immateriellen Sinnen die Wunder, die sie vor ihm entfaltet, genießen, ihre Herrlichkeit betrachten, und hernach in der ganzen ihm anvertrauten Region offenbaren, und hierdurch das Reich jener weisen, immateriell-empfindbaren Natur weiter verbreiten könne.

Es sind dieses Fingerzeige, die uns auf dem Pfade der erhabenen, aber zugleich auch einfältigen, Wahrheit leiten können. Wir erkennen nun, auf welche Weise in einzelnen Freunden der göttlichen Weisheit Fähigkeiten erwachen konnten, wodurch sie einer unmittelbaren empfindlichen Offenbarung derselben, und jener Mitteilungen fähig wurden, wodurch sie die Gottheit zur Ausführung ihrer Absichten und zur Rettung und Heilung des Menschengeschlechts geschickt machen wollte.

Was die Weise betrifft, wie sich jenes immateriell Empfindbare, selbst unserm Körper mitteilen kann, ohne dass doch unser materielles Wesen in geistige Beziehung mit ihm treten kann; so dient in dieser Hinsicht zu wissen: dass jede Mitteilung, sie sei welcher Art sie wolle, ein körperlich Geformtes und ein in ihm enthaltenes Prinzip oder geistiges Wesen voraussetzt; dass unser irdischer Körper das Vermögen besitzt, alles das, was die körperlich Form der Mitteilung betrifft, zu empfinden, zu sehen, zu hören, dass aber bloß unser Geist den Geist derselben zu erfassen vermag. Auf diese Art lassen sich alle Schwierigkeiten heben, welche daraus entstehen, dass man nicht begreifen kann, wie eine geistige Einwirkung von der Materie, die doch gar nicht für sie empfänglich ist, könne empfunden werden.

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Teil 2
Teil 3
Teil 4

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