Louis Claude de Saint MartinDer Dienst des Geist-Menschen – Der Mensch

Louis-Claude de Saint-Martin

Zweiter Teil

Um das Erhabene unserer Rechte zu begreifen, muss man bis auf unseren Ursprung zurückgehen. Bevor wir aber die Natur des Geist-Menschen betrachten, wollen wir erst darlegen, was man im Allgemeinen, in welcher Art es auch sei, Geist nennen kann; wir wollen die Grundquellen angeben, aus denen dieser Ausdruck abgeleitet ist, und gleich anfangs dieses Wort Geist in dem verschiedenen Sinne nehmen, in welchem es in unseren Sprachen betrachtet werden kann. Man kann den Geist einer Sache als die aktuelle, sei es teilweise oder vollständige Erzeugung der Kräfte seiner Ordnung betrachten. So gibt uns die Musik das, was sie ist, nur durch die aktuelle Ausströmung der Töne zu erkennen, durch welche sie sich unserm Gehöre mitteilt, und welche nur der wirkliche Ausdruck oder der aktive Geist der Entwürfe oder der Gemälde sind, die sie uns schildern soll. So ist der Wind die aktuelle Ausströmung der durch die Wolken oder durch die Kräfte der Atmosphäre zusammengedrückten Luft. Auch gibt es, was die elementare Ordnung betrifft, keinen Wind mehr, sobald der Druck aufhört; nun aber ist es bekannt, dass man in den alten Sprachen dasselbe Wort brauchte, um Wind, Hauch und Geist auszudrücken.

So ist der Atem des Menschen und der Tiere die aktuelle Ausströmung dessen, was in ihnen durch die Vereinigung der Luft mit ihren Lebenskräften hervorgeht; wenn ihre Lebenskräfte aufhören, so höret auch ihr Atem oder der Geist und der Ausdruck des Lebens sogleich auf. So ist auch das Sprudeln unserer Gedanken und was die Welt den Geist im Menschen nennt, eine aktuelle Ausströmung dessen, was eine verborgene Währung in den Kräften unseres Erkenntnisvermögens entwickelt hat, und dieses Sprudeln ist folglich die Frucht ihrer aktuellen Erzeugung. Wenn diese verborgene Gärung in uns unterbrochen wird, so sind wir, als hätten wir keine Gedanken mehr, als fehlte uns, was man Geist nennt, obgleich wir in uns immer die Keime haben, die ihn hervorbringen können. Nach dieser Darlegung dürfen wir kein Bedenken tragen, die fortwährend aus den ewigen höchsten Kräften oder aus deren allgemeiner Einheit hervorgehenden Kraft als Geist anzusehen, weil sie der aktuellen Erzeugung wegen, aus welcher diese Frucht ohne Unterbrechung hervorgeht, vor allen andern Ausströmungen den Namen Geist tragen muss, welchen wir allem demjenigen geben, was uns den Charakter einer aktuellen Ausströmung oder eines aktuellen Ausdrucks darstellt. Hier sind wir genötigt zu erinnern, dass die ewigen erzeugenden Kräfte dieses allgemeinen Wesens, sowie alles, was existiert, auf zwei Fundamental-Grundlagen beruhen, die wir in der Schrift vom Geist und Wesen der Dinge, unter dem Namen Kraft und Widerstand bezeichneten und die Jakob Böhme, sie auf die Gottheit anwendend, unter dem Namen der doppelten Begierde, welche sie hat, in ihrem eigenen Zentrum zu bleiben und dort dennoch ihren allgemeinen Glanz zu entwickeln, vorstellt, unter den Namen Herbigkeit und Milde, Finsternis und Licht; sogar unter den Namen Angst und Entzücken, Grimm und Liebe, obgleich er fortwahrend sagt, dass es in Gott weder Herbigkeit noch Finsternis, weder Angst noch Grimm gebe, und dass er sich dieser Ausdrücke nur bediene, um Kräfte zu bezeichnen, die verschieden, aber in Eintracht wirkend, die vollkommenste Einheit darstellen und ewig darstellen werden, nicht nur untereinander, sondern auch noch mit dem allgemeinen ewigen Geist, den zu erzeugen sie niemals aufgehört haben und nie aufhören werden.

Auch scheint es mir kein unfruchtbarer und nichtssagender Begriff, den wir hier von der Eigenschaft dieser ewigen Frucht der aktuellen Erzeugung der allgemeinen Einheit erhalten, deren Kräfte fortwährend in der notwendigen und ausschließlichen Abhängigkeit von einander sind, und wenn die Forscher dieser Art diese produktive Einheit in ihrer Eigenschaft als aktuelle und notwendige Ausströmung betrachtet hätten, so würden sie aus ihren Forschungen über das allgemeine göttliche Wesen größere Vorteil gewonnen haben, als wenn sie von vorne herein, wie dies geschieht, die Natur dieses Wesens erforschen, dabei aber sorgfältig ihre Blicke von seiner Tätigkeit abwenden, während seine Tätigkeit vielleicht seine ganze Natur ausmacht. Auch ist es eine Folge ihrer falschen Taktik, dass sie dieses allgemeine Wesen, welches sie ungeschickt aufsuchten, nicht allein nicht fanden, sondern, dass sie sogar so weit gekommen sind, sich zu überreden, dass das, was sie nicht gefunden, auch nicht existiere. Dies würde einer der vorzüglichsten Vorteil sein, die wir erlangt haben würden, hätten wir das allgemeine Wesen nach seinem wahren Charakter, oder als die geistige, göttliche und aktuelle Frucht der Kräfte der ewigen Einheit betrachtet. Ebenso wie die Frucht aller Erzeugungen, die unserm Anblick unterworfen sind, alles das wiederholt und darstellt, was ihre erzeugenden Kräfte ausmacht, ebenso kann das, was wir den Geist in dem Zeugungsakte der ewigen Einheit nennen, nur der aktuelle und offenbarte Ausdruck alles dessen sein, was ohne Ausnahme jener ewigen Einheit angehört; mithin muss dieser allgemeine Geist sie uns erkennbar machen und sie uns ganz darstellen, so wie der Mensch zeitlich alle Eigentümlichkeiten seiner Vorväter darstellt, deren vollkommenes und lebendiges Ebenbild er ist.

Ja, wenn wir unser geistiges Auge auf diese aktuelle und beständige Frucht der ewigen Einheit richten, dann erkennen wir, da die Kräfte dieser ewigen Einheit beständig in notwendiger und ausschließlicher Abhängigkeit von einander sind, und die Frucht ihrer Einigung eine aktuelle Erzeugung sowohl ohne Ende als ohne Grenze ist, dass diese Frucht wirklich der aktuelle und vollständige Ausdruck ihrer wechselseitigen Vereinigung sein muss; dass es notwendig ist, dass sie alles in sich habe und wirklich und allgemein alles das darstelle, was der wechselseitigen Anziehung dieser Kräfte untereinander als Grundlage dienen kann. Auf solche Weise ist es daher notwendig, dass die Frucht dieser Erzeugung oder dieses allgemeinen Wesens uns fortwährend und in allen Punkten ein solches Übermaß und eine solche Fortdauer von Liebe und Leben, von Stärke und Kraft, von Schönheit, Gerechtigkeit, Harmonie, Maß, Ordnung und von allen andern Eigenschaften jeder Art enthüllt und vorstellt, dass unser Gedanke überall der lebendigen Wirkung ihrer Fülle begegnet, und niemals der Mittel entbehren kann, die Oberhoheit ihrer universellen Einheit anzuerkennen. Hauptsächlich muss diese Frucht, die sie hervorbringt, ohne Zweifel mit ihr genau nur eins und dasselbe ausmachen, da sie das alles haben und sein muss, was diese Einheit einschließt, und da man zwischen der Liebe dieser Kräfte und zwischen dem Akte ihrer Erzeugung weder eine Unterbrechung noch auch einen Unterschied in den Stufen dieser Liebe und dieser Erzeugung annehmen kann, so ist es auch nicht möglich, eine Differenz in ihrem wesentlichen Sein und in ihrer konstitutionellen Natur wahrzunehmen. Aber auch nur dieses allgemeine Wesen oder diese wirkliche und beständige Ausströmung der ewigen Einheit kann uns diese Erkenntnis darbieten, so wie auch nur die Frucht aller unserer sichtbaren Erzeugungen die Erkenntnis der Kräfte, die sie erzeugten, darbieten kann.

Deswegen mussten auch diejenigen, welche dieses notwendige Wesen, oder diese aktuelle und beständige Frucht der Erzeugung der ewigen Einheit verkannt haben, natürlich damit endigen, die ewige Einheit selbst nicht mehr anzuerkennen, da es durchaus nur diese aktuelle Frucht war, welche ihnen dasselbe mit allen ihren Qualitäten und Eigentümlichkeiten, woraus sie besteht und die ihr Wesen ausmachen, vorstellen konnte. Gleicherweise verlieren wir, wenn wir unsere Blicke von den Früchten der Erde abwenden, sehr bald die Erkenntnis der mannigfach kräftigen und erzeugenden Qualitäten der Natur, und ebenso, wenn wir den Menschen nur als unbeweglich und stumm betrachten, verlieren wir sehr bald die Idee der erstaunlichen Beweglichkeit seines Körpers und der außerordentlichen Ausdehnung seiner Intelligenz und seines Gedankens. Wenn die Kräfte der ewigen Einheit notwendig Eins in ihrer Erzeugung sind, wenn das allgemeine Wesen oder die Frucht, die aus ihrer Erzeugung entsteht, notwendig auch Eins mit ihnen ist, so ist dies ohne Zweifel ein Hauptgrund, weshalb ihre Erzeugung uns verborgen ist, weil wir sie nicht getrennt von ihren erzeugenden Quellen betrachten können. Wenn es aber anderseits notwendig ist, dass eine stufenweise fortschreitende Einigung der ganzen allgemeinen Einheit mit allen möglichen Hervorbringungen stattfindet, so müssen wir uns darüber nicht mehr wundern, dass wir nie bis zur Erzeugung der Wesen eindringen konnten, da nicht bloß in diesen partiellen Erzeugungen die zeugenden Kräfte auch das Gesetz einer Einheit, ein jedes in seiner Art befolgen, sondern sogar ihre Frucht nach dem Vorbilde der allgemeinen Einheit durchaus Eins mit ihnen ist, wenigstens in der Wurzel und im Zeugungsakte, obgleich in der Folge diese Frucht sich von ihren erzeugenden Quellen ablöst, weil sie dann der darauf folgenden Region angehört.

Wer möchte fürchten, hier stehen zu bleiben und zu betrachten, welch eine bewunderungswürdige, eine Art religiöser Ehrfurcht gebietende Sache, dieses tiefe Gesetz sei, nach welchem der Ursprung alles dessen, was hervorgebracht wird, verborgen und selbst denen unbekannt bleibt, die hier das Dasein empfangen. Unter diesem undurchdringlichen Schleier verbinden sich die Wurzeln aller Erzeugungen mit der allgemeinen Quelle. Erst nachdem diese verborgene Verbindung bewerkstelliget ist und die Wurzeln der Wesen im Mysterium ihre belebende Zubereitung empfangen haben, gewinnt die Sache äußerlich Gestalt, Farben und Eigenschaften. Diese Verbindung ist selbst in der Zeit mit den Sinnen nicht wahrnehmbar, sie verliert sich in der Unendlichkeit, in dem Ewigen und Bleibenden, als ob sie uns lehren wollte, dass die Zeit nur der Bereich der sichtbaren Tätigkeit der Wesen, dass aber das Bereich ihrer unsichtbaren Tätigkeit das Unendliche sei. Ja, die ewige Weisheit und die ewige Liebe trägt zu gleicher Zeit für ihre Ehre und für unsere Intelligenz Sorge; es scheint, als befürchte sie, wir möchten glauben, nichts habe angefangen und es gebe nichts anderes als das Ewige, weil wirklich kein Wesen und insbesondere kein Mensch für sich selbst die Idee eines Anfanges hat, es sei denn die seines Körpers; und noch dazu kommt ihm diese Erkenntnis eben so sehr aus dem Unmut, den dieser Leib seinem Geiste verursachet, als aus den täglichen Beispielen seiner physischen Erneuung; denn in der Tat, nur das Böse und die Unordnung können einen Anfang haben. Überdies, da der Mensch auch mit der Einheit oder mit dem Zentrum, welches die Mitte aller Dinge ist, zusammenhält, so glaubt er sich trotzdem, dass er leiblich altert, in der Fülle seiner Tage. Also ist der verborgene Ursprung der Dinge ein sprechendes Zeugnis ihrer ewigen und unsichtbaren Quelle und wir fühlen, dass nur der Tod und das Böse einen Anfang haben, dass aber das Leben, die Vollkommenheit, das Glück nicht sein könnten, wären sie nicht ewig gewesen. Dieses bestärkt uns in den oben angeführten Prinzipien. Wenn in allen besonderen Beispielen, die wir anführten, nur das den Namen Geist führen kann, was uns die Erscheinung einer aktuellen und immer möglichen Ausströmung darstellt, so ist es wohl gewiss, dass das allgemeine Wesen nur denselben Charakter haben kann, und dass es folglich unserm Erkenntnisvermögen die wirkliche und notwendige Fülle einer Existenz, die ohne Unterbrechung und ohne Anfang ist, enthüllt. Glückselig derjenige, der seine Gedanken zu diesem hohen Ziele erheben und sich dort zu halten vermag! Durch dieses Mittel wird er dazu gelangen, seine Intelligenz der Art aufzuklären, dass die Grundlage dessen, was im Bereich der unsichtbaren, sowie im Bereich der sichtbaren Dinge existiert, ihm einfach, tätig, fortdauernd und sozusagen durchsichtig erscheint; angenommen, dass das allgemeine Wesen durch seine lebendige und fortdauernde Tätigkeit (aetuglits) überall das Licht und die Klarheit verbreiten muss, dessen ewiger Herd es ist. Wenn wir aber die lebendige und fortdauernde Tätigkeit dieses höchsten und allgemeinen Herdes in allen sichtbaren und unsichtbaren Wesen auf diese Weise betrachten können, was wird dann geschehen, wenn wir uns selbst betrachten und wahrnehmen, was sie in unserm Wesen wirkt? Denn wir werden in Bezug auf uns einen auffallenden Unterschied entdecken, nämlich, dass wir durch Nachdenken in allen besonderen Wesen diese Tätigkeit wohl beobachten können, dass wir hingegen in uns diese Tätigkeit wirklich und gewissermaßen leibhaftig zu fühlen im Stande sind. Ja, so wenig wir auch immer unsere Blicke in die Tiefen unseres innersten Wesens senken mögen, so werden wir doch sogleich empfinden, dass alle göttlichen Quellen mit ihrem allgemeinen Geiste in der Wurzel unseres Wesens sich reichlich finden und strömen, dass wir ein beständiges und fortwährendes Resultat der Erzeugung unseres erzeugenden Prinzips sind, dass es mit seiner Tätigkeit immer in uns ist und dass wir also nach der Erklärung, die wir oben vom Geiste gaben, sehr leicht erkennen können, wie sehr ein Wesen, welches empfänglich ist, das Wallen der göttlichen Quelle fortwährend in sich zu fühlen, das Recht habe, den Namen Geist-Mensch zu tragen. Wir haben also jetzt eine feste Ansicht über den Ursprung des Menschen. Der Mensch ist und wird fortwährend in der ewigen Quelle geboren, die immer trunken ist von ihren eigenen Wundern und ihrer eigenen Freude. Deswegen wiederholten wir es so oft, dass der Mensch nur von Bewunderung leben könne, weil nach unserm Autor, den wir anführten, jedes Wesen sich nur von der Substanz oder von den Früchten seiner Mutter nähren kann. Aber der Mensch ist auch im Quell der Begierde oder des Sehnens geboren. Denn Gott ist ein ewiges Sehnen und ein ewiger Wille, offenbar zu werden, damit seine Magie oder der süße Eindruck seines Daseins sich fortpflanze und sich über alles ausbreite, was empfänglich ist, ihn aufzunehmen und ihn zu empfinden. Der Mensch muss folglich auch von dieser Sehnsucht und von diesem Willen leben, und seine Aufgabe ist es, in sich diese erhabenen Neigungen zu unterhalten. Denn in Gott ist das Sehnen immer Wille, wohingegen im Menschen die Sehnsucht selten zum vollkommenen Ziele gelangt, ohne welches nichts bewirkt wird. Und durch diese dem Menschen gegebene Macht, sein Sehnen bis zur Kraft des Willens zu erheben, sollte er wirklich ein Ebenbild Gottes werden. In der Tat, er kann es erlangen, dass der göttliche Wille selbst kommt, sich mit seiner Sehnsucht zu vereinigen, und dass er alsdann in Übereinstimmung mit der Gottheit arbeitet und wirkt, welche ebenso auch ihn würdigt, ihn einigermaßen an ihrem Werke, ihren Eigentümlichkeiten und ihren Kräften teilnehmen zu lassen; und wenn sie, indem sie ihm die Sehnsucht als die Wurzel der Pflanze gibt, sich dennoch den Willen wie eine Knospe oder eine Blüte vorbehalten hat, so bleibt er doch des Anblicks dieses göttlichen Willens und der Erkenntnis desselben nicht beraubt; im Gegenteil, es ist ihr Wunsch, dass er darum bitte, dass er ihn erkennen möge und dass er selbst ihn ausführe. Denn wenn der Mensch die Pflanze ist, so ist Gott der Saft oder das Leben. Was aber kann aus einem Baume werden, so lange der Saft nicht in seine Adern strömt? In diesem tiefen, eigentlichen und natürlichen Grunde des Hervorganges (Emanation) des Menschen findet sich der göttliche Bund, welcher die höchste Quelle mit ihm verbindet, ein Bund, wodurch diese höchste Quelle, indem sie auf den Menschen alle heiligen Keime überträgt, die ihr innewohnen, sie diese nur mit allen fundamentalen und unverletzlichen Gesetzen aussäen konnte, die ihr eigenes, ewiges und schöpferisches Wesen ausmachen, und von denen sie sich selbst nicht trennen könnte, ohne ihr Dasein aufzugeben. Auch verändert sich dieser Bund nicht, wie bei menschlichen Verträgen, nach dem Willen beider Parteien. Indem die höchste Quelle den Menschen schuf, hielt sie es für gut, ihm zu sagen: „Mit den ewigen Grundlagen meines Wesens und mit den Gesetzen, die ihnen ewig angehören, bilde ich dich zum Menschen. Ich schreibe dir keine andern Regeln vor als die, woraus meine ewige Harmonie natürlich hervorgeht; ich brauche dir nicht einmal Strafen aufzulegen, wenn du sie verletzest; alle Bedingungen unseres Bundes liegen in den Grundlagen, die dein Wesen ausmachen; erfüllst du diese Bedingungen nicht, so wirkst du dein Gericht und deine Strafe, denn du wirst aufhören Mensch zu sein.

Diesen Grundsatz kann man auf die ganze Kette der Wesen ausdehnen, wobei man sehen wird, dass alle Erzeugungen, welche sie auch sein mögen, ein jedes in seiner Art durch einen still schweigenden Vertrag mit ihrer erzeugenden Quelle verbunden sind, dass sie von dieser alle ihre Gesetze empfangen und dass sie durch eine einzige Tat in Disharmonie geraten, sobald die Gesetze verletzt sind, welche sie in ihren Essenzen tragen und welche sie von ihrer erzeugenden Quelle in dem Augenblicke empfangen, wo diese ihnen das Leben mitteilt. Beobachten wir die regelmäßigen und feststehenden Gesetze, nach welchen die Natur alle ihre Werke hervorbringt und regiert, und verfolgen wir sorgfältig Schritt für Schritt die Spuren, welche sie überall zurücklässt, so gewahren wir überall ein Gewicht, eine Zahl und ein Maß als ihre untrennbaren Diener, welche verkünden, dass dieses Gewicht, diese Zahl und dieses Maß ursprünglich in der höchsten Quelle existieren und jenen ewigen Ternar ausmachen, von welchem wir in uns selbst das Ebenbild wiederfinden, und worauf unser göttlicher Bund beruhet. Man sieht außerdem, dass diese drei inneren Grundlagen der höchsten Macht genügen, alle Werke der Natur zu gründen, so wie äußerlich alle Mannigfaltigkeit ihrer Erzeugnisse in eben dieser Natur zu charakterisieren, oder ihre Offenbarung der Gestalt, der Farbe, der Dauer, der Düfte, der wesentlichen Eigenschaften und Qualitäten u. dgl. m. Alles Dinge, die keine Zahlen sind, obgleich sie Zahlen zum Zeichen und Anzeiger haben. Diese Mittel sind es, durch welche der allgemeine Ternar sich ins Unendliche verschieden ausdrückt, durch welche er so sehr seine Schöpfungen vervielfältiget, wodurch er sie immer als im Unendlichen, wovon sie abhängen, wirksam erhält und weshalb der Mensch sie nimmer wird zählen noch sich ihrer bemächtigen können; und in der Tat, es ist für ihn ausreichend, dass er sie im Gebrauch habe; es ist ihm untersagt, sie als Eigentum zu besitzen, weil durch die Vervielfältigung der Mittel, welche die höchste Weisheit besitzet, um die Offenbarungen ihres allgemeinen Ternars zu wechseln, sie sich allein das Eigentum dieses hervorbringenden Aktes vorbehält, indem sie nicht aufhört, außer sich diese Unendlichkeit zu offenbaren, damit man sie bewundere. Ohne die entgegengesetzte Macht, welche die Unordnung in das Weltall brachte, würde die Natur niemals die Unordnung gekannt haben, und niemals von den Gesetzen, die ihr durch die ewigen Pläne vorgeschrieben sind, abgewichen sein. Sobald wir aber die Natur aus so vielen verschiedenen Werkzeugen und aus so vielen Organen zusammengesetzt sehen, welche dem überall verbreiteten Leben als Kanäle dienen, so werden wir trotz der Unordnung in ihren Werken eine Stufenleiter erblicken, die uns mit Bewunderung erfüllen wird, weil wir darin die wohltätige Weisheit schauen, die den harmonischen Lauf der Dinge lenkt. In der Tat, wir bemerken, dass in der Reihe der Werke der Natur jedes Wesen als Stufe dient, nicht nur um zur folgenden Stufe, sondern auch zu ihrer höchsten Stufe zu gelangen. Das Spiel und die Harmonie der Naturerscheinungen führt zur Erkenntnis ihrer Grundlagen und der Elemente, die ihr Wesen ausmachen und woraus sie besteht. Die Kenntnis ihrer Elemente, die ihr Wesen ausmachen und woraus sie besteht, führt zur Kenntnis der zeitlichen unmateriellen Kräfte, die sie bewirken. Die Kenntnis dieser zeitlichen unmateriellen Kräfte führt zum Geist, weil sie durch sich selbst keinen Schlüssel des allgemeinen Planes haben. Die Kenntnis des Geistes führt zur Kenntnis der Verbindung unseres Gedankens mit ihm, weil wir uns von da an im Verkehr mit ihm finden, und weil kein Verkehr mit einem Einzel-Wesen stattfinden kann, sondern nur unter mehreren analogen Wesen. Die Kenntnis von der Verbindung unseres Gedankens mit dem Geist führt uns zur Kenntnis des göttlichen Lichtes, weil allein dieses Licht der Mittelpunkt und der Hervorbringer alles dessen ist, was Licht und Tätigkeit ist. Die Kenntnis des göttlichen Lichtes führt uns durch die ungeheure Beraubung, in welcher wir uns in Betreff dieses Lichtes, das allein unser Leben sein kann, befinden, zur Kenntnis unseres eigenen Elendes. Die Kenntnis unseres Elendes führt uns zur Kenntnis der Notwendigkeit einer wiederherstellenden Kraft, weil die Liebe, welche die ewige Ordnung und die ewige Sehnsucht nach Ordnung ist, nicht aufhören kann, uns diese Ordnung und diese Liebe darzustellen, damit wir sie genießen. Die Kenntnis einer wiederherstellenden Kraft führt uns zur Wiederauffindung der Heiligkeit unseres Wesens und unseres Ursprunges, weil sie uns bis in den Schoß unserer ersten hervorbringenden Quelle oder bis zum ewigen Ternar zurückführt. In dieser Art hat alles, sowohl in der physischen als in der geistigen Natur, einen Vorwurf zum Wachstum und zur Verbesserung, der uns in unserem Labyrinth als leitender Faden dienen und uns behilflich sein kann, die Rechte unseres göttlichen Bundes geltend zu machen; denn abgesehen davon, dass in diesem göttlichen Bunde unser unersättliches Bedürfnis zu bewundern neue Nahrung finden würde, so würden wir außerdem darin einer der edelsten Funktionen im Dienste des Geist-Menschen zu erfüllen finden, nämlich die, dieses höchste Glück mit unseren Nebenmenschen teilen zu können. Wenn wir nach alle dem seit unserm Fall um die Erfüllung des göttlichen Willens bitten, so hat diese Bitte einen sehr tiefen und zugleich einen sehr natürlichen Sinn, weil es nämlich eine Bitte ist, dass der göttliche Bund seinen ganzen Wert wiedererlangen, dass jede von Gott herrührende Sehnsucht und Wille sein Ziel erreichen möge, und aus diesem Grunde eine Bitte, dass die Seele des Menschen wieder aufs Neue erblühe in ihrer wahren Sehnsucht und in ihrem ursprünglichen Willen, wodurch sie an der Enthüllung der göttlichen Sehnsucht und des göttlichen Willens Anteil nehmen würde, so dass wir den höchsten Wirker nicht bitten können, dass sein Wille zu uns komme, ohne zugleich durch dieses Gebet zu bitten, dass alle menschlichen Seelen in den Genuß ihres ursprünglichen Elements und in den Zustand zurückgeführt werden möchten, um in den Dienst des Geist-Menschen wieder eingesetzt werden zu können. Hier ist zu bemerken, dass in dem Gebete, das Gott den Menschen angeraten hat, er ihnen nicht sagt, dass sie um Dinge bitten sollen, die nicht allen gewährt werden können; im Gegenteile er trägt Sorge, ihnen nur das zu versprechen, was mit seiner allgemeinen Freigebigkeit verträglich ist, die sich ihrerseits auf die allgemeinen Bedürfnisse des Menschen und auf die allgemeine Ehre Gottes zurückbezieht. Bitten wir Gott um besondere Dinge, die nicht allen unsern Nebenmenschen gleicherweise zu Teil werden können, z. B. um Güter, Ehrenstellen und Würden, so verletzen wir dadurch wesentlich das Gesetz. Dies ist ein Beweis, dass wir ihn niemals um Dinge dieser Welt bitten müssen, weil darin alles der Art beschränkt und gezählt ist, dass es unmöglich ist, dass wir alle ein glückliches Los darin antreffen, und dass, wenn irgendeiner darin mit einem jener glücklichen Lose versehen ist, notwendig ein anderer dessen beraubt sein muss; woraus wir entnehmen können, wie sehr das besondere Eigentum dem ursprünglichen Gesetze fremd ist, und wie innig die Vorschriften des Evangeliums über die Entsagung der Güter auf den bestimmten fundamentalen Grundlagen der wahren Gerechtigkeit beruhen. Im Gegenteil ist es ein Beweis, dass wir ihn unaufhörlich um Dinge der wahren und unendlichen Welt, in der wir geboren sind, bitten müssen, weil aus jener Welt nichts auf einen einzelnen Menschen kommen kann, ohne dass hindurch der Weg sich öffnet, um eben so viel auf alle andern Menschen herabkommen zu lassen. In demselben Gebete, das Gott den Menschen empfohlen hat, betrifft das erste, warum man bittet, allein Gott und sein Reich; erst nachdem man gefleht, dass dieses Reich zu uns komme, denkt man an den Menschen. Das, was man für den Menschen bittet, steht mit nichts Irdischem in Verbindung. Denn das tägliche Brot, von dem darin die Rede ist, ist nicht unsere irdische Speise, weil jeder Mensch Hände und die Erde hat, um sie zu bebauen, und es uns verboten ist, uns um die leiblichen Bedürfnisse zu kümmern, wie dies die Heiden tuen; dies tägliche Brot, das man im Schweiße seines Angesichtes verdienen muss, ist das Brot des Lebens, was Gott täglich unter alle seine Kinder austeilt, und was allein dienen kann, das Wort zu fördern. Zuletzt bittet man um Verzeihung unserer Schulden und um Bewahrung gegen die Versuchung. In diesem Gebete ist nur Geist, nur göttliche Liebe, weil es durchgängig den göttlichen Bund zum Gegenstande hat, zu dessen Aufrechterhaltung wir alle beitragen müssten. Auch wenn man uns im Evangelium sagt: Suchet zuerst das Reich Gottes, das Übrige wird euch hinzugegeben werden, so kann man wohl glauben, dass in der Wirklichkeit der zeitliche Beistand, dessen wir bedürfen, uns nicht fehlen wird, wenn wir unsere Wohnungen mit den geistigen Schätzen geschmückt haben; aber dieses geht noch weiter; denn es bedeutet auch, dass wir zuerst das Reich Gottes suchen sollen, und dass das geistige Reich dazu gegeben werden soll, nämlich, dass, wenn wir unsere Wohnung in Gott haben, es keine Erleuchtung und keine kräftige Gabe geben kann, die uns verweigert würde.

Daher kommt es, dass diejenigen, die in den Wissenschaften nur Geist suchen, und nicht geradezu auf Gott gehen, den längsten Weg nehmen und sich oft verirren. Deswegen wird auch gesagt, dass nur eine Sache Not tue, weil sie die andern alle umfasst. Es ist in der Tat ein notwendiges Gesetz, dass eine Region das, was unter ihr ist, und ihr nachsteht, umfasst, beherrscht, besitzt und darüber bestimmt. Da nun die göttliche Region über alle Regionen erhaben ist, so ist es nicht auffallend, dass man, wenn man diese erreicht, eine Obergewalt über alle Dinge erhält. Lasst uns also Gott suchen, und lasst uns nur ihn suchen, wenn wir alles besitzen wollen. Denn zu diesem Zwecke sind wir aus der Quelle der ewigen Sehnsucht und des allgemeinen Geistes geboren. Die Tiere und die andern Geschöpfe der Natur haben auch eine Sehnsucht, aber der Wille, der diese Sehnsucht krönet, ist ihnen durchaus fremd und von ihnen getrennt; deswegen brauchen sie nicht wie der Mensch zu beten und brauchen nur zu wirken. Der Mensch hat aber seinen Ursprung nicht allein aus der Quelle der Bewunderung und aus der Quelle des Sehnens und Willens geschöpft, sondern auch aus der Quelle des Lichts, und deswegen bildete dieses Licht für ihn auch eine Grundlage des göttlichen Bundes. Daher kommt es, dass der Mensch der oberste Beziehungspunkt aller Verhältnisse ist, die zwischen ihm und den ihn umgebenden geistigen und natürlichen Gegenständen stattfinden; daher kommt es, dass, wenn er sich nicht Rechenschaft über sein eigenes Dasein zu geben weiß, er sich niemals über das Dasein irgendeines hervorgebrachten und emanierten Wesens wird Rechenschaft geben können. In der Tat, hat er seinen Ursprung aus der wirklichen Quelle der Bewunderung, der Sehnsucht, des Willens und des Lichtes, mit einem Worte aus der Quelle des Wirklichen geschöpft, so wird er in seiner Eigenschaft eines wirklichen Wesens hierdurch zur Stufenleiter aller Gegenstände und aller Wesen, die sich ihm nahen, und nur nach ihren Verschiedenheiten von ihm selbst kann er ihr Dasein, ihre Gesetze und ihre Tätigkeit messen: eine tiefe und wichtige Wahrheit, welcher viele Menschen nicht zu trauen scheinen, sie aber nur aus Trägheit verwerfen, während sie glauben, dies nur aus Bescheidenheit zu tuen. Übrigens bewährt sich diese Wahrheit durch die tägliche Erfahrung dessen, was unter den Menschen vorgeht. Denn auf welche Weise werden die Menschen Richter und Schiedsrichter in den Wissenschaften, in den Gesetzen, in der Kriegskunst, in allen ihren Einrichtungen, in allen ihren Künsten, kurz in allem, was ihr flüchtiges Leben erfüllt? Werden sie dieses nicht dadurch, dass sie, so viel als möglich, damit anfangen, sich durch die Kenntnis der Prinzipien zu bilden, die auf diese verschiedenen Gegenstände ihres Urteils oder ihrer Intelligenz Bezug haben, und wenn sie von diesen Prinzipien durchdrungen sind und sie sich dieselben angeeignet haben, so nehmen sie solche als Grundlage der Vergleichung, zu allem, was sich ihrer Prüfung darbietet. je mehr sie sich mit der Kenntnis dieser verschiedenen fundamentalen Prinzipien bereichert haben, desto geeigneter sind sie, richtig urteilen zu können und mit Genauigkeit den Wert und die Natur der Gegenstände zu bestimmen, die ihrem Urteile unterworfen sind. Das heilige Geschlecht der Menschen, das aus der Quelle der Bewunderung und aus der Quelle des Sehnens und des Geistes hervorgegangen war, ward also in die unermessliche Region der Zeit wie ein glänzender Stern hingestellt, damit er darin ein himmlisches Licht verbreite; kurz der Mensch war das Wesen, das zwischen Gott und zwischen den Widersacher gestellt ward, und das nach Belieben in der Region des Geistes die imposanten Geschosse des Donners und des Blitzes, und die Heiterkeit der mildesten Temperatur hervorbringen konnte; der die Schuldigen mit Ketten beladen, und sie in den Abgrund stürzen, oder den friedlichen Regionen die Zeichen der Liebe und der Tröstungen einprägen konnte. Denn der Mensch und Gott sind die beiden äußersten Punkte der Wesen-Kette. Also sollte der Mensch hienieden das exekutive Wort besitzen; aber Gott allein hat auf der Höhe seines Thrones das schöpferische Wort. Alles, was zwischen diesen beiden Wesen liegt, ist ihnen unterworfen, Gott, als von ihm hervorgebracht, dem Menschen, als ihm untertan. Auch würde alles vor uns zittern, ließen wir der göttlichen Substanz freien Zutritt: erstens, die Natur, weil sie niemals diese göttliche Substanz gekannt hat und sie niemals kennen wird; zweitens unser unversöhnlicher Feind, weil er sie nur noch durch den Schrecken ihrer unüberwindbaren Macht kennt. Wohl hat der Mensch das Dasein empfangen um in die Tiefe der Wunder und der Werke Gottes einzudringen, und um die Disharmonie in Schranken zu halten. Aber er empfing es auch, um immer bei Gott zu weilen, und von da aus immer einen Blick der Aufsicht und der Herrschaft auf den ganzen Umkreis der Dinge zu werfen, und die göttlichen Reichtümer unter den Augen der Weisheit selbst darin auszubreiten, und wir fühlen es, dass wir erst dann in Ruhe und Gleichgewicht kommen werden, wenn wir dies erhabene Amt erreicht, obgleich dieses nur von Zeit zu Zeit geschehen kann. Mensch, denke also an die Heiligkeit deiner Bestimmung! Du hast die Ehre, gewissermaßen zum Sitz, zum Altar und zum Diener des Segens unseres Gottes erwählt zu sein, und noch immer kann sich dein Herz mit diesen köstlichen Schätzen erfüllen, und sie zugleich in den Seelen deiner Nebenmenschen verbreiten. Je wichtiger aber dein Dienst, desto gerechter ist es, dass du von deiner Verwaltung Rechenschaft ablegst. Wenn die sichtbaren Himmel der Erde täglich ihre wirkenden Substanzen senden, damit sie diese dem Ziele ihrer Hervorbringung entgegenführen, so scheinen sie ihr zu sagen: es ist unser Plan, unser Verlangen, sowohl für die Nahrung der Wesen, als für die Ausbreitung der Wunder der Natur. Du bist uns eine genaue Rechenschaft von allem schuldig, was wir deinem Werke anvertrauen. Keine Substanz unterlasse es, sich in Tätigkeit zu setzen, und mit uns dahin zu wirken, den allgemeinen Tod zu verbannen, der das Dasein der Dinge verschlingt. Alsdann heget und brütet die Erde, um sich von ihrem eigenen Tode zu befreien, die Kräfte aus, welche der Himmel in sie gesäet. Sie entwickelt die verschlossenen und gleichsam erstarrten Kräfte und gibt ihnen durch diejenigen Wachstum, die sie in ihren Regungen aushaucht; dann gibt sie auf ihrer Oberfläche treue Rechenschaft von allem, was ihr übergeben ward, durch das unendliche Wachstum, das sie durch die Kräfte und durch die Mitwirkung ihrer eigenen Fähigkeiten hinzufügte. Geist-Mensch, dasselbe Gesetz ist dir für die Verwaltung deines Amtes im Bereich der Wahrheit vorgeschrieben. Du bist das Land Gottes, du bist ein göttlicher Diener im Weltall, Gott sendet dir täglich, vielleicht in jedem Augenblick, oder wenigstens in jeder geistigen Jahreszeit die Aufgabe, die er dir dem Rate seiner Weisheit und deinem Alter und deinen Kräften gemäß bestimmte. Er sendet dir diese Aufgabe, wünschend, du mögest bei der Sorge, die du anwendest, um sie zu erfüllen, deiner nicht schonen, und dich darauf vorbereiten, dass er strenge Wiedererstattung einfordern wird, die nichts Geringeres ist, als die Wiedereinsetzung der Ordnung, des Friedens und des Lebens in dem Teile seines Reiches, den er deiner Arbeit übergeben hat. Diese Sehnsucht und diese Mahnung, die er dir gibt, dürfen dich nicht befremden. Du darfst darin nichts anderes, als den Durst sehen, den selbst Gott nach der Gerechtigkeit und nach der Aufhebung der Unordnung hat; und wenn er dir seine Sehnsucht und seinen Durst in dieser Art sendet, so tut er mehr, als dich in seinen Rat zu lassen, weil er umgekehrt seinen Rat in dich eingehen lässt, dir den hohen und sanften Anblick seiner Weisheit mitteilt, dich mit denselben Beziehungen, worin er mit allem steht, was verdorben ist, durchdringt und erfüllet, und sich selbst dir hingibt, um so die Wiederherstellung zu bewirken, nämlich, dass er dir den Grund seiner eigenen Ehre anvertraut, und deinen Eifer durch die Hoffnung anzuregen sucht, die er dir lässt, mit ihm alle Früchte zu teilen.

Dieses Werk ist die Ergänzung der Arbeit des Gebetes, weil es die Aktion selbst, um nicht zu sagen, die lebendige Erzeugung der göttlichen Ordnung ist, die sich in dir betätigen will. Dieses Werk ist weit über eine theurgische Verrichtung hinaus, wodurch es geschieht, dass der Geist sich an uns heftet, über uns wacht, selbst für uns betet und Weisheit und Tugend für uns ausübt, ohne welchen wir weder weise noch tugendhaft sein würden, weil dieser Geist alsdann nur äußerlich mit uns verbunden ist, und diese Dinge oft sogar ohne unser Wissen wirkt, was uns in Hochmut und in Sicherheit erhält, die vielleicht gefahrvoller ist, als unsere Schwachheiten und unsere Verirrungen, die uns zur Demut führen. Hier muss im Gegenteil alles im Zentrum anfangen, und wir sind neu belebt, noch ehe unsere Werke von uns ausgehen, so dass wir zu sehr mit dem Genusse beschäftigt sind, als dass die Größe dieses Werkes uns aus uns hinausziehen und für das Nichtige und für das Eitle in uns Raum lassen könnte; und wenn ein Mensch gemacht ist, ein wirklicher Diener des Herrn zu sein, so muss ihm diese Seinsweise oder dieser hohe Stand so einfach und natürlich erscheinen, dass sein Gedanke nicht einmal einen andern begreifen kann. Denn, was kann wohl der Zweck der Aktion sein, wäre es nicht der, dass diejenigen, welche sich ihr hingeben, sich mit der allgemeinen Aktion verbinden können? Auch ist es nur im Wirken, dass wir endlich mit jener Aktion zusammentreffen und damit beschließen, nur Organ der beständigen und fortdauernden Aktion zu sein. Alsdann ist alles, was nicht diese Aktion ist, für uns ein Nichts und diese Aktion scheint uns allein natürlich. Der Mensch ist ein Wesen, welches beauftragt ist, Gott da fortzusetzen, wo er sich nicht mehr durch sich selbst erkennbar macht. Nicht in seiner radikalen und göttlichen Ordnung oder in seinem undurchdringlichen Ursprung setzt er ihn fort, weil Gott hier nie aufhört, sich durch sich selbst erkennbar zu machen, weil er dort seine geheime und ewige Erzeugung bewirkt, sondern im Bereich der Offenbarungen und Ausströmungen setzt er ihn fort, weil Gott sich hier nur durch seine Ebenbilder und seine Repräsentanten erkennbar macht. Er setzt ihn fort oder wenn man will, er beginnt ihn von Neuem, wie eine Knospe oder wie ein Keim einen neuen Baum anfangt, indem er unmittelbar ohne eine andere Vermittlung aus diesem Baume geboren wird. Er erneuert ihn, wie ein Erbe seinen Vorfahren erneuert, oder wie ein Sohn seinen Vater, das heißt: indem er alles besitzt, was seinem Vorfahr oder seinem Vater gehörte, ohne welches er ihn nicht vorstellen könnte; nur mit dem Unterschiede, dass in der geistigen Ordnung das Leben in der Quelle bleibt, die es mitteilte, weil diese Quelle einfach ist, wohingegen in der materiellen Ordnung das Leben nicht in der Quelle bleibt, die es erzeugt, weil diese Quelle gemischt ist und nur erzeugen kann, indem sie sich teilt. Auch in der materiellen Ordnung und besonders bei den Vegetationen finden sich die Frucht, welche der Keim oder das Leben ist, und das Samenkorn, welches der Tod ist, eins mit dem andern verbunden. Im Samenkorn ist das Leben im Tode verborgen; in der Frucht der Tod im Leben.

Ich habe hier den Menschen nur in Beziehung zu seinem ursprünglichen Zustande geschildert. Wollte ich ihn in Bezug des falschen und schuldigen Gebrauches schildern, den er von seinen Rechten gemacht, so würde das schöne Vorrecht, das er besaß, Gott zu erneuern, schwinden und wir müssten im Gegenteil sagen, dass seit jenem verhängnisvollen Zeitraume Gott genötigt war, den Menschen zu erneuern und dass er ihn täglich erneuert. Denn nicht allein im Augenblicke seines Falles war Gott genötigt, den Menschen aufs neue zu beginnen oder seinen göttlichen Bund mit ihm zu erneuern, sondern auch noch in allen Epochen der Gesetze, die er uns zur Wiederherstellung sandte und die alle gleichsam durch die geringe Achtung, die wir seinen Geschenken zollten, und durch die geringe Frucht, die wir daraus zogen, unbrauchbar wurden und die durch eine andere noch wichtigere Epoche, als die vorhergehende, ersetzt werden musste, die aber unserseits nur neue Entweihungen hervorgehen sah, und deswegen, statt uns zu fördern, uns nur eben so sehr aufhielt, und die göttliche Liebe aufs Neue auf forderte, uns zu erneuern. Ohne dies würde diese sichtbare Welt, in der wir eingekerkert sind, längst wieder von neuem in den Abgrund gesunken sein, aus welchem die höchste Liebe sie zog. Vom Verbrechen war der Mensch in die Finsternis übergegangen. Von der Finsternis ließ die höchste Güte ihn in die Natur übergehen. Von der Natur ließ sie ihn in den Dienst des Gesetzes übergehen. Vom Dienste des Gesetzes ließ sie ihn in den Dienst des Gebetes oder des Gesetzes der Gnade übergehen, das für ihn alles hätte wiederherstellen können. Da aber das menschliche Priestertum diesen Weg besteckte, oder ihn zunichte machte, so musste auch dieser aufgehoben und durch die lebendige und gewaltsame Aktion ersetzt werden, so wie das Gebet oder das Gesetz der Gnade das Gesetz ersetzte, was die Juden Missbraucht hatten; und in diesem immer wohltätigen Geiste der Weisheit lenkt die höchste Liebe alle traurigen Ereignisse, über welche der irdische Mensch murret, indem er vergisst, dass seine eigenen Verbrechen sie veranlassen und die Erde umkehren, da er doch geboren ward, um als Friedensfürst alles zu verbessern. Die französische Revolution hat wahrscheinlich von Seiten der Vorsehung den Zweck, den Dienst des Gebetes zu reinigen, wenn nicht gar ihn zeitweilig aufzuheben, so wie der Dienst des Gebetes seit seinem Ursprunge den Zweck hatte, den Dienst des Gesetzes der Juden aufzuheben. In dieser Beziehung könnten die Franzosen als das Volk des neuen Gesetzes angesehen werden, so wie die Juden das Volk des alten Gesetzes waren. Man darf sich über diese Auserwählung trotz unserer Verbrechen nicht wundern. Die zu ihrer Zeit auserwählten Juden waren nicht mehr wert, als die Franzosen. Außerdem findet eine bemerkenswerte Beziehung zwischen Tatsachen statt, nämlich dass der Tempel zu Jerusalem zweimal zerstört und verbrannt ward; einmal durch Nebukadnezar, das andere Mal durch Titus, und dass die beiden Tage, an welchen diese beiden Ereignisse sich zutrugen, dieselben waren, wo das Zepter Frankreichs zerbrochen ward und zwar am 10. August. (siehe Flavius Josephus Krieg der Römer lib. 6, Kap. 26. „Als Titus sich in die Burg Antonia zurückgezogen hatte, beschloss er den folgenden Morgen, den 10. August, den Tempel mit seinem ganzen Heere anzugreifen; und so war es am Vorabende jenes verhängnisvollen Tages, an welchem Gott seit langer Zeit diesen heiligen Ort verurteilt hatte, nach einer langen Reihe von Jahren verbrannt zu werden, wie er früher schon einmal an demselben Tage von Nebukadnezar, König von Babylon, verbrannt worden war.”) Diese lebendige Aktion, welche allem Anscheine nach den Dienst des Gebetes ersetzen muss, wird nur teilweise Siege erlangen im Verhältnis zu der großen Anzahl, die gar keinen Vorteil daraus ziehen, wenn man den Hang zum Missbrauch betrachtet, den der Mensch seit dem Ursprunge der Dinge an den Tag legte. Deswegen wird Gott genötigt sein, den Menschen durch das letzte Gericht oder das Ende der Zeiten noch einmal zu erneuern; weil aber alsdann der ganze Kreis völlig durchlaufen sein wird, so wird das Werk unabänderlich vollendet sein, nämlich, ohne dass die Befürchtung übrig bliebe, dass dann der Mensch noch wieder abweichen könnte, und folglich Gott genötigt wäre, den Menschen noch einmal wieder anzufangen. Im Gegenteil, der Mensch wird alsdann das hohe Recht wiedererlangt haben, Gott von neuem anzufangen, wie dies seine ursprüngliche Bestimmung war. Hier aber ist ein kleiner Unterschied. Ursprünglich stand der Mensch nur unter Aufsicht des Bundes; auch konnte er nach Gutdünken handeln; nach seiner Ergänzung aber wird er im Bunde selbst sein; folglich wird er nicht mehr wählen können, weil er durch den höchsten und ewigen göttlichen Lauf wird fortgerissen werden. Auf unserem irdischen Durchgange, zu dem wir alle verurteilt sind, und auf den verschiedenen geistigen Pfaden, die der Mensch während dieses Durchganges durchlaufen kann, haben wir alle eine besondere Pforte, durch welche die Wahrheit in uns einzugehen sucht und durch welche sie allein eingehen kann. Diese Pforte ist von der allgemeinen Pforte unseres Ursprunges, durch welche das radikale Leben in uns eingeht und uns zu einem Geiste konstituiert, unabhängig und hiervon unterschieden, weil diese allgemeine Pforte gleicherweise uns und dem Widersacher gemein ist. Aber die Pforte, welche uns eigentümlich ist, hat die Aufgabe, uns durch die Quelle des Lebens und durch das ewige Licht der Liebe neu zu beleben, und diese Pforte ist dem Widersacher nicht geöffnet. Sie ist so sehr dazu bestimmt, uns die Quellen der Liebe und des Lichts wieder auffinden zu lassen, dass wir ohne sie vergebens unsere Tage mit eitlen Wissenschaften und vielleicht selbst mit wahren Wissenschaften und mit Kämpfen zubringen würden; so lange die Quelle des Lebens diese Pforte in uns nicht geöffnet findet, wartet sie draußen, bis wir ihr dieselbe öffnen. Diese Pforte ist die einzige, durch welche wir unseren Unterhalt erhalten können. Unterlassen wir es, sie zu öffnen, so bleiben wir gänzlich entblößt; öffnen wir sie aber, so verschafft sie uns Nahrung im Überfluss; und wären wir weise, so würden wir uns keinem Werke hingeben, bevor wir nicht unsere täglichen Schulden abgetragen, nämlich, bevor wir nicht diese Pforte geöffnet und die Art der Aufgabe erfüllt hätten, zu welcher sie uns führt. Da aber diese Pforte auch von Gott angeordnet ist, damit wir durch sie in unseren Dienst eintreten, wenn wir unter die Zahl derjenigen gehören, die zum Werke berufen sind, so widerfährt es uns wohl, dass Sturm und Gewitter uns quälen, um dieses Werk aufzuhalten. Endlich aber begegnet die Quelle des Lebens dieser Pforte in denen, die geeignet sind, angestellt zu werden, und die Ehre Gottes siegt in ihnen zu ihrer größten Genugtuung. Obgleich Gott diese Pforte in denen öffnet, welche angestellt sind, so geht hieraus doch nicht hervor, dass diejenigen, die kein Amt haben, sich auf eine vorgeschützte Unmöglichkeit stützen dürfen, wenn sich in ihnen keine Pforte öffnen sollte, weil in allen Menschen eine Pforte für die Sehnsucht und für die Gerechtigkeit ist; und diese Pforte sollen wir alle in uns öffnen, und wir können es, wenn wir beharrlich sind. Was die andere Pforte anbelangt, die nur Bezug auf das Werk hat, so ist es recht, dass Gott allein sie öffnen könne. Aber diese Pforte beweiset auch nichts für unsere Fortschritte, wenn die andere durch unsere Gleichgültigkeit und durch unsere Trägheit verschlossen bleibt. Man kann in seinem Namen Teufel austreiben, und doch von ihm nicht gekannt sein. Was den Grund anbelangt, weswegen die auf äußern Wegen erworbenen Dinge so viel Mühe haben, uns wahrhaft nützen zu können, so kommt dies daher, dass sie wider diejenigen streiten, die aus unserer wahrhaften Pforte ein und ausgehen sollten. Es verhält sich damit, wie mit einer gepfropften Pflanze, deren Saft den Saft des Baumes bekämpft, auf welchen das Reis gepfropft wurde; und dieser Kampf dauert so lange, bis der Saft des Baumes, auf welchen das Reis gepfropft ist, seine natürliche Richtung genommen und die neuen Säfte in seinem Laufe mit sich fortgeführt hat. Zuweilen ist es aber auch der Saft des Wildlings, der ihn mit fortführt. Welches aber ist der wahrhafte Saft, der in seinem Laufe alles mit sich fortreißen muss? Dir ist es nicht unbekannt, du, der du danach strebst, unter die Arbeiter des Herrn aufgenommen zu werden. Du weißt es, dass er dein eigenes Wesen beleben muss, und dass er aus der ewigen göttlichen Erzeugung hervorquillt. Du weißt es, dass er dich nicht anders durchströmen kann, als indem er dieselbe ewige göttliche Erzeugung in dir nachbildet. Du weißt es, dass die unbedeutendsten Zweige deines Wesens durch diesen Saft neu belebt werden können. Du weißt es, dass er durch seine Kraft alle geistigen Regionen, auch die Gestirne, die Tiere, die Pflanzen, alle sichtbaren und unsichtbaren Elemente belebet und regieret. Du weißt es, dass alles, was er in allen Wesen wirkt, er auch in dir zu wirken das Recht hat, wenn du dich diesem nicht widersetzest.

Tritt daher vor das ewige Prinzip dieses fruchtbaren Saftes und sprich zu ihm: Höchster Urheber aller Dinge, lass dein Bild nicht länger in der Verworfenheit und in der Nichtigkeit. Die ganze Natur empfindet beständig und unmittelbar die Wirkungen deines kräftigen Saftes, und keinen Augenblick ist sie deiner belebenden Aktion beraubt. Gib nicht zu, dass der Mensch, dein Ebenbild, weniger günstig als die Natur und alle Wesen, die aus deiner Hand hervorgingen, behandelt werde. Lass ihn Anteil nehmen an den Begünstigungen, die du ihnen austeilest. Gestatte, dass er wieder mit deiner allgemeinen Einheit versöhnt werde; dann wird er sich nicht bewegen können, wie du dich bewegest, ohne dass zugleich die ganze sichtbare und unsichtbare Welt sich mit ihm beweget; er wird nicht anders wandeln können, als von zahlreichen Werkzeugen umgeben, die ihn zum Teilnehmer deiner Macht und deiner Ehre machen werden. Mensch der Sehnsucht, hier ist das Ziel, nach welchem alle deine Anstrengungen streben müssen. Du hast die Pforte in dir, durch welche dieser Saft eingehen muss. Wenn du bemerkst, dass dir alle Pforten entweder durch Hilfe des menschlichen Geistes oder durch Umstände oder durch das Schicksal verschlossen sind, freue dich! Denn dieses ist ein Beweis, dass dein Vater im Himmel dich hierdurch zwingen will, dein Augenmerk nach jener geheiligten Pforte zu wenden, wo er deiner wartet und durch welche er dir Eingang zu den Wundern gestatten will, die er dir bestimmt. Nun aber schließen diese Wunder nichts Geringeres als den allgemeinen Kreis der Dinge ein, welcher ehemals deinem Reiche zum Throne diente; und ein Beweis, dass alle sichtbaren und unsichtbaren Kräfte unserer ursprünglichen Geburt dargeboten wurden, ist, dass sie unserer Wiedergeburt fühlbar dargeboten werden, und dass eine jede derselben einen Teil davon bewirket.

Wenn Gott nun will, dass alles, was geheim ist, in den Menschen eindringe, welche Geheimnisse könnten uns noch unbekannt bleiben? Sobald wir den Gott, der in uns ist, betrachten wollten, würden wir in ihm alle Regionen schauen. Ohne Zweifel kennt Gott unsere innere Seinsweise, und er kennt alle ätzenden und verdorbenen Substanzen, die wir in uns tragen und täglich in uns anhäufen. Dennoch lässt er uns gehen oder er führet uns sogar in Verhältnisse, welche diese Seinsweise fühlbar verwirklichen und uns alle diese schädlichen Substanzen von innen nach außen offenbaren lassen. Indem er also jene falschen Einflüsse in uns ihren ganzen Kreislauf vollenden lässt, erscheint seine göttliche Ehre dadurch nur noch größer, weil dieser Kreis falscher Einflüsse sich immer hin vollführen mag und am Ende dennoch Nichts ist. Der Auserwählte aber, der diese Prüfung in ihrem ganzen Umfange erduldet, wird dadurch nur noch standhafter und gegen feinen Feind nur noch behutsamer. Mehr noch zu unserer Reinigung als zu seiner Ehre lässt er uns zu dieser schmerzlichen und demütigenden Stufe gelangen.

Er gibt es zu, damit die Heuchelei einst aufhöre; denn sie hat hienieden eine allgemeine Herrschaft. Wäre der Mensch aufmerksam auf seine Wege, so könnte er dazu gelangen, dieselbe Wirkung hervorzubringen oder auf eine andere Weise aus sich herauszugehen; nämlich, wenn er sich zum Falschen angetrieben fühlte, müsste er sich bestreben, nicht zu vergessen, dass das Wahre deswegen nicht aufhöre zu sein; er müsste zu Gott aus dem Grunde seines Herzens sagen, dass es noch etwas zur Verbesserung der Natur und der menschlichen Seele und zur Förderung des göttlichen Werkes der höchsten Weisheit zu tun gebe; er müsste ihm vorstellen, wie dringend dieses Werk sei und von ihm verlangen, ihn dabei anzustellen und ihn nicht müßig bei irgend einem andern Werke zu lassen, bevor die in Frage stehende Aufgabe erfüllt sei.

Es ist gewiss, dass der Mensch sich hierdurch schützen würde. Aber diese heilsame Vorsicht kann für ihn nur die Frucht langer Arbeit und großer Übung sein; es kann sozusagen nur die Belohnung seiner Weisheit sein. Er müsste zuvor alles Böse und alle Verunstaltung aus sich verbannt haben; denn so lange die geringste Spur davon zurückbleibt, ist die Heuchelei immer bereit, diese Missgestalt zu bedecken. Deswegen gibt es, um sich vor jeder Heuchelei zu bewahren, nur ein einziges Mittel, welches darin besteht, sich vor jeder Sünde zu bewahren. Wenn man sich im Gegenteil! vor jedem Unrecht wahret, so setzt der Mensch sein heiliges Öl in den Stand, sich zu entwickeln. Wenn nun aber dieses heilige Öl, das in uns ist, sich entwickelt, so nahet es sich dem Feuer, und indem es sich dem Feuer nahet, wird es notwendig entflammt. Alsdann sind alle unsere Wege erleuchtet, und die Heuchelei hat keinen Platz mehr. Unglücklicherweise ist es nur zu wahr, dass der Mensch durch irrig geleitete Handlungen, und indem er sich falschen Betrachtungen hingibt, in sich ein Feuer entzünden kann, das ihm und zugleich allen Regionen, worin er seinen Dienst auszuüben hat, nachteilig sein kann. Denn alles ist Kraft, und es ist die gegenseitige Gewalt dieser verschiedenen Kräfte, woraus die Gefahr, das Leiden und der furchtbare Widerstand aller Wesen entsteht, die sich hiernieden bekämpfen. Sobald wir also aufhören, von unserm wahrhaften Leben zu leben, sobald wir es nämlich vernachlässigen, uns auf die Grund-Basis unseres ursprünglichen Bundes zu stützen, empfinden wir sogleich das Dasein einer Art passiven Hölle, welche wir jedoch eine göttliche Hölle nennen könnten, weil sie für uns gleichsam der Widerstand des wirklichen Lebens gegen die Trägheit oder gegen die Nichtigkeit ist, in welche wir durch unsere Lassheit versinken.

Gehen wir aber noch weiter und verbinden wir uns mit unordentlichen und lasterhaften Grundlagen, statt uns auf die Grundbasis unseres ursprünglichen Bundes zu stützen, so gelangen wir bald zu einer aktiven Hölle, welche zwei Stufen hat. Die Eine, zu welcher man alle Leidenschaften rechnen kann, die uns mehr oder weniger an den Dienst unseres Feindes binden; die Andere, welche das Maß und die Lage des Teufels und derjenigen ist, die sich mit ihm identifizieren. Die erste Stufe dieser aktiven Hölle umfasst, sozusagen, das ganze Menschengeschlecht, und in dieser Beziehung gibt es vielleicht nicht einen einzigen Menschen, der nicht täglich den Dienst eines Teufels, vielleicht gar mehrerer Teufel zugleich, versähe, obgleich die Menschen auf dieser Stufe diesen Dienst, ohne es zu ahnden und zu wissen, verrichten. Denn es ist keine kleine Geschicklichkeit des Teufels, alle Menschen auf diese Weise in seinem Dienste festzuhalten, sie nach seinem Willen alle Rollen spielen zu lassen, die ihm genehm sind und sich doch so zu verstellen, dass, obgleich er sie nach seinem Belieben handeln lässt, er den Kunstgriff gebraucht, sich hinter der Leinwand zu verstecken, um sie zu überreden, dass er gar nicht existiere. Dieser Feind, der Geist ist, benimmt dem Menschen sogar die Idee eines Endes, indem er ihn in seinen Täuschungen umherführt, indem er den Menschen im Geiste beunruhigt, sich dabei das Ansehen gebend, als ob er ihn in der Ordnung der wandelbaren Dinge beunruhige, und indem der Mensch, der Geist ist, von Natur die Farbe seines unbeschränkten Daseins auf alles überträgt, was er empfindet, und auf alles, dem er sich nahet. Deswegen führt ihn der Feind, dessen Dienst er blindlings versieht, bis in sein Grab mit Planen und Leidenschaften herum, die ihm vorkommen, als könnten sie niemals enden. Deswegen täuscht er ihn auch über sein wirkliches und über sein vorübergehendes Sein. Deswegen ist endlich die ewige Weisheit, bei der wir immer hätten weilen sollen, genötigt, sich von dem verdorbenen Aufenthalte der Menschen so weit zurückzuziehen.

Wie könnte auch diese Weisheit unter ihnen weilen? Sie sieht das Betragen der Menschen; sie sieht, wie sie blindlings den Dienst eines Herrn versehen, den sie nicht kennen und an den sie nicht glauben; sie sieht, wie sie in ihrer Blindheit sich richten, sich einander verderben, sich berauben, sich schlagen, sich morden. Alle diese stürmischen Bewegungen erfüllen sie mit Schrecken, sie, die dazu bestimmt ist, mit der Eintracht, mit der Ordnung und mit dem Frieden zu wachen und zu wohnen. Auf der zweiten Stufe der aktiven Hölle verrichten die Menschen auch den Dienst des Teufels, aber sie tun es nicht unbewusst, wie auf der vorhergehenden Stufe. Auch ist ihnen seine Existenz weder unbekannt noch zweifelhaft, und sie nehmen wissentlich und tätig Anteil an seinen Missetaten. Glücklicherweise ist die Klasse dieser Übertreter die am mindesten zahlreiche, sonst würde die Welt schon längst der Last der Schandtaten ihres Feindes unterlegen sein. Die göttliche oder die passive Hölle ist aus allen schmerzlichen Regionen außer der der Sünde zusammengesetzt. Deswegen flutet hier die Angst wie Wasser-Wogen. Aber zur selben Zeit verschlingt hier eine Woge die andere, damit keine die allgemeine Herrschaft habe. Deswegen erscheint in dieser Hölle sogar von Zeit zu Zeit die Hoffnung. Auf der ersten Stufe der aktiven Hölle ist Anfangs geistig weder Angst noch Hoffnung, sondern nur Täuschung; aber unter dieser Täuschung ist der Abgrund, und bald verwirrt er sie dadurch, dass er sie die scharfen Stacheln seiner bitteren Pfeile fühlen lässt. Auf der zweiten Stufe dieser aktiven Hölle gibt es weder Hoffnung noch Täuschung; es gibt hier nur Sünde und der Verein des Bösen findet sich hier ohne Unterbrechung. Obgleich der Aufenthalt auf den mühsamen Wegen der göttlichen Hölle so schmerzhaft ist, so ist es nichts destoweniger eine Aufmerksamkeit der göttlichen Weisheit, dass sie diejenigen Menschen, die sich hineinstürzen, etwas darin weilen lässt. Hielte sie dieselben dort weniger lange zurück, so würden sie es bald nicht mehr wissen oder es doch vergessen, dass auch dieses göttliche Kräfte sind. Ja diese Hölle wird eine der Quellen unseres Heiles, in dem sie uns vor der Macht Gottes zu zittern und uns umso mehr zu freuen lehrt, wenn wir dazu gelangen, sie mit seiner Liebe zu vergleichen. Die höchste Weisheit lässt auch zu, dass nichts, was diese beiden Stufen der aktiven Hölle betrifft, dem Menschen der Sehnsucht verborgen sei, weil er sich von allen Zweigen, die zu seinem Dienste gehören, unterrichten muss. Seine Aufgabe ist es alsdann, den andern Menschen, und sogar denen zu Hilfe zu kommen, die, obgleich noch am Leben, sich schon im Voraus in diesen Abgrund, oder in diese aktive Hölle hineingestürzt und sich gleichsam dort eingebürgert haben. Denn das Dasein dieser wandelnden Gesellen des Teufels gehört auch unter die Zahl jener furchtbaren Abscheulichkeiten, welche der Arbeiter des Herrn kennen muss, weil er sie bekämpfen soll; und dieses ist der schmerzhafteste Teil seines Dienstes. Aber damit der Prophet eingesetzt werde, muss er nicht wie Ezechiel das ganze Buch von innen und von außen, bis auf den Deckel verschlingen? muss er nicht ganz erfüllt sein und sogar von Klagen überströmen? Ja Gott lässt sogar die Propheten durch den Bösen prüfen, damit sie über das Schicksal ihrer gefangenen Brüder gerührt werden, und ihren Eifer für die Verkündigung des Gesetzes verdoppeln. Damit also der Arbeiter des Herrn seine Bestimmung erfülle, die ihn dazu beruft, seinen Nebenmenschen geistig nützlich zu sein, muss er sich umso mehr fortwährend vor der Gefahr bewahren, in die aktive Hölle hinab zu steigen; aber muss er daran arbeiten, aus der passiven oder aus der göttlichen Hölle hinauszukommen, sollte er die Nachlässigkeit gehabt haben, sich ihr zu nahen, weil er, so lange er darin weilen wollte, gar nicht zur Förderung des Werkes gebraucht werden könnte. Nur in dem Maße, als er sich von dieser passiven Hölle befreit, durchdringen ihn die Schätze des göttlichen Bundes, und gehen von ihm aus, um die andern Menschen, sowohl die Toten als die Lebenden neu zu beleben. Hierdurch wird der Mensch nicht nur das Organ, sondern auch noch einigermaßen der Gegenstand der Bewunderung, indem er die unerschöpflichen Wunder offenbart, mit denen sein Herz sich erfüllen und anschwellen kann, die wirklich aus ihm hervorgehen können und die uns durch die glänzenden Wunder dargestellt sind, welche wir durch das Licht in dem Grade entdecken, als es aus seiner Feuerquelle hervorströmt. Gleichwohl soll der Mensch hinlänglich Mut und Ausdauer besitzen, damit er sich nicht auf eine bloße Erwählung der Reinigung beschränke, sondern er muss streben, die Erwählung der Berufung und des Unterrichts zu erlangen, damit er hierdurch zur Erwählung der Intention und des Willens fortschreite; eine Erwählung, welche noch nicht das letzte Ziel des Menschen sein soll, weil der Mensch noch nichts ist, solange er nicht zu einer Erwählung des Handelns und des Wirkens fortgerissen wird; und weil endlich selbst diese Erwählung des Handelns und des Wirkens, sozusagen, erst dann Wert hat, wenn sie anhaltend geworden ist, wie der Ewige. Denn der Ewige ist die geeigneteste Benennung um Denjenigen zu bezeichnen, welcher ist; weil sie ihn in der nicht zu störenden Ruhe der Tätigkeit seiner Aktion darstellt, wohingegen der Name: Der da ist, ihn in seinem Dasein bezeichnet. Nun aber steht sein Dasein uns ferner, als seine Aktion, und seine Aktion ist es, die ihm als Vermittlung dient. Auch sind wir nichts, und fallen der Vernichtung anheim, wenn göttliche Bewegung und die göttliche Aktion nicht beständig und allgemein in uns sind. Beobachten wir nicht, dass unser Blut alle groben Materien, mit denen wir es beschweren, fortwährend auflöset, reiniget und zersetzt? Ohne dieses würde die Last und Verdorbenheit desselben unserem Leben bald ein Ende machen. Sehen wir nicht, dass wenn die Natur in sich keine lebendige Basis hätte, die in Betreff ihrer die Funktion des Blutes verträte, sie längst der Zusammenziehung der fressenden Kräfte, die sie bedrängen und sie verderben, unterlegen wäre? Ebenso muss sich auch in der Ordnung unserer geistigen Region ein aktiver und belebender Herd befinden, der fortwährend alle falschen und giftigen Substanzen, mit denen wir uns täglich entweder durch uns selbst, oder durch den Umgang mit unseres Gleichen anfüllen, zersetzt und verbessert; sonst würden wir längst dem gänzlichen geistigen Tode anheimgefallen sein. Es ist dieses das allgemeine Prinzip des wirklichen und ewigen Lebens des Menschen, welches fortwährend den göttlichen Bund mit uns erneuert; es ist derjenige, der uns niemals als Waisen lässt, wenn wir seine Gaben annehmen; aber es ist auch jene belebende Kraft, die wir in jedem Augenblicke verkennen, obgleich sie immer die innigste Gemeinschaft mit uns schließt. Auch könnte sie hinsichtlich unserer von sich sagen, was bei Johannes 3, 18 gesagt wird: „der das Brot mit mir isst, erhebt wider mich seine Ferse. Ps. 49, I0.” Auch ist unsere Verbindung mit dieser lebendigen und belebenden Aktion ein Grundbedürfnis unseres Wesens; aber außerdem ist diese selbe lebendige und belebende Aktion das Einzige, was dieses Bedürfnis, womit sie uns drängt, befriedigen kann; auch ist sie dasjenige, was am umfassendsten zu unserm wahren Genusse beiträgt, indem sie uns in den Fall setzt, gleichsam eben so viele Weisheiten um uns herum hervor zubringen, welche uns die Früchte unserer Werke abspiegeln, und uns, so wie die ewige Weisheit es gegen Gott macht, die Freude gewähren, zu sehen, dass sie gut sind. Denn alle geistigen und sogar göttlichen Wesen bedürfen solcher Weisheiten, die ihrem eigenen Geiste als Spiegel dienen, so wie sie dem Geiste Gottes als Spiegel dienen, und nur die Klasse der Tiere und die der Materie bedarf nicht dieses Spiegels, weil sie keine Werke der Weisheit hervorzubringen hat. Nun aber erstreckt sich die göttliche und lebendige Aktion in uns auf nichts Geringeres, als in dem innersten Zentrum der Seelen unserer vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Brüder einen Eingang zu bahnen, damit wir alle zugleich den göttlichen Bund unterzeichnen; kurz uns das innere Zentrum aller geistigen und natürlichen Schätze, die in allen Regionen verbreitet sind, erschließen zu lassen, und uns gleichsam wie sie selbst zur Aktion der Dinge zu machen. Deswegen gibt es in dieser Welt so viele Menschen, die ohne Intelligenz sind. Denn es gibt keine, die daran arbeiten, wirklich die Aktion der Dinge zu werden: „non est usque ad unum, qui faciat bonum.“ Durch das Einbrechen des Geistes in uns und durch den Schwung unseres eignen Geistes können wir die Aktion der Dinge werden, weil wir durch diesen Schwung ein jedes Prinzip von seinen Hüllen befreien, und es seine Eigenschaften offenbaren lassen; ein Schwung, der in uns das bewirket, was das Atmen in den Tieren oder die Luft in der Natur bewirkt. Auch kann man strenge genommen sagen, dass alles durch den Geist und durch die Luft in allen einzelnen Teilen der allgemeinen Ordnung gewirkt wird. Auch ist es in der elementaren Natur die Luft allein, die nicht verschlossen ist, und die alles erschließt, so wie in der geistigen Natur nur der menschliche Geist hienieden dieses doppelte Vorrecht besitzet; und eben weil die Luft nicht verschlossen ist, so hat die Stimme des Geist-Menschen so große Rechte auf alle Regionen. Denn in den Konzerten, in welchen er sich anstrengt, alle Wunder der Musik zu entwickeln, repräsentieren die Begleitungen das Spiel aller natürlichen, geistigen, himmlischen und infernalen Korrespondenzen mit der Stimme des Menschen, der ein Recht hat, alle diese Regionen nach seinem Willen in Bewegung zu setzen, und sie an seinen Affekten Anteil nehmen zu lassen. Da aber der Geist des Menschen auch bis zum allgemeinen Zentrum eindringt, so darf man sich nicht wundern, wenn man die Menschen durch die verschiedenen Gaben und durch die verschiedenen Talente und Beschäftigungen, denen sie sich hingeben, so entzückt und so ganz hingerissen sieht. Alle diese Dinge führen zu einem und demselben Endziele, nämlich zum Magismus des Göttlichen, das Alles umfasst, Alles erfüllt und Alles durchdringt. So wenig auch die Menschen ihren geistigen Schwung nur mit einiger Beharrlichkeit auf einen der Wege hinlenken, wo dieser Magismus gerne weilet, und die zahllos sind, (so fruchtbar sind die göttlichen Quellen, sowohl im Geistigen als im Natürlichen) müssen sie doch notwendig zu einer dieser Quellen gelangen, die alle denselben Magismus zum Prinzip haben, und bald werden sie von dem Entzücken berauscht sein, welches sie hinreißet, und welches immer denselben Gott zur Basis hat, obgleich die Kanäle verschieden sind. Deswegen würden die Menschen in der Einheit ihrer mannigfachen Begeisterung alle Brüder sein, wenn sie ihre Augen zur Einheit dieses Fundaments und zum Ziele ihrer Genüsse erheben wollten, welches nichts anderes ist, als die Bewegung des ewigen Lebens und des ewigen Lichtes, und bald würden sie allen Neid, alle Eifersucht und alle die Vorzüge entfernen, die nur an der Form oder an der Art und Weise kleben, durch welche diese Genüsse zu ihnen gelangen. Es ist dieses dasselbe Prinzip, auf welches die Literaten unbewusster Weise versucht haben, alle schönen Künste zurückzuführen, und es ist dasselbe Prinzip, auf welches man alle Wissenschaften, alle Entdeckungen, alle Erfindungen, alle Geheimnisse, alles Erhabene des menschlichen Genies zurückführen muss, so wie jedes Entzücken und jede Freude, die wir durch jene Mittel in dieser untern Welt empfangen können; denn, wenn der Geist des Herrn die ganze Erde erfüllt, so können wir uns nicht bewegen, ohne auf den Geist des Herrn zu stoßen. Wenn wir uns aber, wenn auch noch so wenig, dem Geiste des Herrn nahen, sind wir dann nicht von Seligkeit durchdrungen? Und wenn es nur einen Geist des Herrn gibt, ruhet dann nicht alle und jede Glückseligkeit auf derselben Stätte, und ist sie nicht in der Wurzel immer dieselbe? Der Feind hat auch einen Schwung seines eigenen Geistes, oder einem Atem, vermittelst dessen er uns seiner falschen Gewalt zu unterwerfen sucht, weit davon entfernt uns den Sieg zu überlassen. Aber dieser Atem des Feindes oder sein Geist ist nicht offen, wie der des Menschen. Deswegen kann er, wenn wir wachsam sind, in der Ordnung des Geistes nichts ausrichten, nicht einmal in der Ordnung der Natur, weil er alsdann keinen Zutritt zu der Luft mehr hat, die obgleich offen, für ihn doch geschlossen bleibt. Daher kommt es, dass das Falsche und das Bildliche, welches er anwendet, uns wohl die Prinzipien oder die Entwürfe vormalen und sie uns zeigen kann; aber geben kann er sie uns nicht, weil er sie nicht besitzt; noch kann er sie verwirklichen, weil er nur die Kraft der Zerstörung und nicht die der Hervorbringung hat. Immerhin beweiset der Feind uns hiermit, dass sein ursprüngliches Verbrechen sicherlich darin bestand, dass er sich der Wurzel der Dinge und des Gedanken Gottes bemächtigen wollte, weil er sich fortwährend der menschlichen Seele, die der Gedanke Gottes ist, bemächtigen will. Blutbeflecktes Ungeheuer, wie konntest du ein Feind des Gedanken Gottes werden! Aber du, o Mensch, warst du nicht selbst ein Gedanke des Herrn? Und dennoch konntest du sündigen. Hier ruft der Mensch der Sehnsucht aus: Oh Schmerz! o Tränen! überflutet mich, bedecket mich, verberget mich vor dem Angesichte des Herrn, bis ich es erlange, den Menschen, der ein Gedanke des Herrn ist, verklärt zu sehen. Unser Geist ist mit sieben Siegeln verschlossen, und durch ihre wechselseitige Gegenwirkung gebrauchen sich die Menschen gegenseitig als Schlüssel, durch deren Vermittlung sie sich ihre geistigen Siegel einander öffnen. Aber Gott selbst muss unseren Gedanken verklären, damit er rein sei, weil wir nur von unserer Mutter leben können. Wenn Gott nun einen Menschen auf die erste Stufe im Dienste des Geist-Menschen stellt, so tut er dieses, um ihn zu einem durchdringenden und lebendigen Werkzeuge umzugestalten, dessen Aktion allgemein und fortdauernd wird. Denn nicht um gleichgültiger und vorübergehender Dinge willen offenbart sich der Geist Gottes auf diese Weise. Auch dürften alle Welten zusammen in unseren Augen den Wert einer ähnlichen Berufung nicht aufwiegen, sollten wir das Glück haben, dass sie uns dargeboten würde, weil wir alsdann mit Nutzen an der Erleichterung der menschlichen Seele arbeiten könnten. Im Werke Gottes ist alles Geist. Deswegen nehmen die leiblichen Trübsale dieser untern Welt, die Kriege, die Geißeln der Natur, die nicht direkt von Gott gesandt sind, nicht so sehr seine Wachsamkeit in Anspruch, als die Sorge für die Seele; und sogar, während die Menschen, die dem Strome der Welt folgen, sich würgen und leiblich das Opfer der Naturereignisse sind, ist Er hauptsächlich für die Leiden ihrer Seelen empfänglich; so sehr zielt seine Liebe und seine Aktion auf diesen ihm teuren Gedanken. Nur dem gereiften Menschen, nämlich dem geistigen Menschen, kurz nur seinen Dienern und seinen Auserwählten, nur 12 diesen hat er gesagt, dass alle Haare ihres Hauptes gezählt und dass nicht ein einziges ohne seinen Willen von ihrem Haupte falle. Diejenigen, die nur in den Regionen der untergeordneten, geistigen Kräfte sich befinden, lässt er durch diese untergeordneten geistigen Kräfte regieren. Diejenigen, die noch tiefer und in der bloßen Region der Materie sich befinden, fallen in die Klasse der Stiere und wie Paulus sagt, bekümmert sich Gott nicht um die Stiere, obgleich der Geist zur Zeit des Levitentums und in Beziehung auf die Juden, welche die vorbildlichen Apostel waren, sich darum bekümmert hat. Aber dieser Geist bekümmerte sich nicht darum rücksichtlich der andern Völker, die bei ihren Opfern nur den bösen Geistern folgten. Wir wollen noch hinzufügen, dass Gott sogar oft selbst für seine Auserwählten den mühseligen und widerwärtigen Lauf der Dinge hienieden nicht ändert, sondern dass er ihnen nur die Kräfte zu widerstehen gibt, was jedoch nicht hindert, dass in allen Fällen und auf welcher Stufe sich auch die Menschen befinden mögen, Gott sich mit einer Sorgfalt um ihre Seele und um ihren Geist bekümmert, die unsere schwache Vernunft nicht zu verstehen vermag und die keine Sprache aussprechen kann : so sehr sucht er uns vor den einzigen und wirklichen Gefahren zu beschützen, die uns umgeben und die wir fürchten sollten; so sehr wünschet er zu sehen, dass wir den göttlichen Bund verwirklichen, der unseren Ursprung begleitet, wie wir dieses soeben bemerkten. Ich kann nicht umhin, hier einen Augenblick inne zu halten, um dem Menschen in einem Alter zu betrachten, in welchem er uns noch keines der beklagenswerten Gemälde darstellt, die wir eben in ihm wahrgenommen, noch einen der strahlenden Schimmer, deren Behälter und Organ zugleich, wie wir bereits andeuteten, er sein sollte. In der Tat, wenn wir die sanften und einfachen Freuden der Kinder sehen, wie könnte man sich dann den ganzen Umfang der Tugenden und Laster vorstellen, die der erwachsene Mensch zu offenbaren fähig ist und die sich noch in der kindischen Hülle verborgen und eingeschlossen finden?

Dieses Wesen, das eine Puppe in Entzücken setzet, das durch ein in die Luft geschleudertes Spielzeug zum lauten Lachen gebracht wird und das, wenn man ihm dieses Spielzeug wegnimmt, in Schmerz und in Tränen zerfließt; dieses Wesen, sage ich, kann sich einstens bis zu der Höhe entwickeln, seine Gedanken bis zum Himmel zu erheben, sein Haupt über dem Abgrunde zu wiegen, und durch seine Erkenntniskraft die gerechte Erfüllung der höchsten Aussprüche über das Geschlecht der Treulosen darin zu lesen, der Welt das lebendige Zeugnis des Daseins eines göttlichen Ebenbildes zu geben, den Augen der Menschen die tiefste Einsicht in die Wissenschaften und den größten Heldenmut in der Tugend zu zeigen, kurz dem Weltall ein vollendetes Vorbild jeder Art zu geben. Unglücklicherweise kann aber dieses selbe Wesen die entgegengesetzte Gestalt zeigen, sich in Unwissenheit und Verbrechen vergraben, sogar ein Feind desjenigen sein, der ihn erschaffen und zum aktiven Herde aller gesamten Entartungen und Scheußlichkeiten werden. Dieser Gegensatz ist so herzzerreißend, dass man nicht ohne Schmerz über die Aussicht nachdenken kann, dass so zarte und unschuldige Geschöpfe unter einem so einnehmenden Äußern für die Zukunft vielleicht alle Verdorbenheit und alle schimpfliche Entartungen der Seele, des Herzens und des Geistes verbergen; dass sie in ihren zarten Zweigen vielleicht einen verpesteten Saft nähren, dessen Ausbruch nur um so mörderischer ist, je langsamer er eintritt und je weiter er sich auf eine andere Zeit hinausschiebt; kurz, dass sie jetzt in ihrem Innern einen milden und wohltuenden Saft tragen, der aber einstens zum bittersten und fressendsten Gifte werden kann. Wie kann man den Gedanken ertragen, dass die edle Natur dieses Wesens, dem die geringste Sache eine unschuldige Freude gewährt, einstens die Grausamkeit eines Tigers erreichen könnte, dass es der Verfolger seiner Nebenmenschen, kurz dass es das Opfer und das Spielzeug jenes Feindes werden sollte, von dem ich oben glaubte sagen zu dürfen, dass wir hienieden alle seine Diener seien? Was aber die Leiden, welche der Mensch der Sehnsucht über diese schmerzliche Aussicht empfindet, lindern, wenn nicht gar heilen und ihm zugleich tröstliche Hoffnung für die Zukunft gewähren kann, ist, dass auch der göttliche Bund in das Wesen dieser schwachen Pflanze aufs Neue eingeschrieben ist und dass dieser göttliche Bund ein Heilmittel mit sich führt, welches nicht nur die in Unordnung geratenen Keime, von denen sie schon verderbt sein könnte, zurückhalten, sondern sogar die fruchtbaren und göttlichen Keime in ihr zur Blüte bringen kann, die ihr aus triftigeren Gründen durch das Recht ihres Ursprunges anvertraut wurden. Ja man wird die göttliche Weisheit nicht genug bewundern können, wenn man sieht, mit welch‘ einer milden Steigerung sie sich fortwährend bemühet, den Menschen dem hohen Ziel entgegenzuführen, wozu er Dasein und Leben empfing; und wenn einsichtsvolle Augen und Freunde des Guten mit Sorgfalt über die Jugend des Menschen wachten und mit der höheren Macht mitwirkten, in dieser jungen Pflanze die Schätze fruchtbar zu machen, mit denen der göttliche Bund sie bereicherte, so gäbe es kein Entzücken und keine Freude, woran sie nicht in allen Epochen ihres Daseins Ansprüche hätte. Alle Schritte dieses Menschen würden friedlich, alle seine Bewegungen innig verbunden, alle seine Fortschritte würden unmerklich miteinander vereinigt sein und die göttliche Freude würde sie alle begleiten, weil sie das Ziel derselben sein muss, wie sie deren Ursprung war, kurz er würde fast ohne Sorge und Mühe und ohne Anstrengung zu jener Höhe des Scharfsinnes, der Intelligenz, der Weisheit, der Tugend und der Macht gelangen, von welcher er in seiner Jugend so entfernt scheint, dass man sich zusammennehmen muss, um glauben zu können, dass er einstens hierfür empfänglich werden könnte. Nichts destoweniger würde es gut sein, dieser jungen Pflanze eine sehr lehrreiche Wahrheit zu lehren, wenngleich sie von einer düsteren Farbe ist. Nämlich, dass es leider notwendig ist, dass die Weisheit, die uns ehemals durch sich selbst so viele Freude gewähren musste, sich für uns hienieden in das Gewand der Trauer und der Betrübnis kleide, dass wir gegenwärtig unsere Weisheit darin setzen müssen, zu leiden, statt uns zu erfreuen, weil die Sünde alles getrennt und veranlasst hat, dass es eine zwiefache (zweifache) Weisheit gibt; die zweite oder die letzte Weisheit ist nicht das Leben, aber sie sammelt das Leben in uns und setzet uns hierdurch in den Stand, das ursprüngliche Leben oder die ursprüngliche Weisheit, die Quelle jeder Freude zu empfangen; auch ist es diese erhabene und ursprüngliche Weisheit, die alles erschafft und erhält; Deswegen ist sie ewig jung. Man müsste diese junge Pflanze nach Maßgabe, wie sie in ihrem Wachstum zunimmt, auch lehren, dass, wenn die höchste Weisheit sich nicht herablassen kann, uns hienieden das himmlische Jerusalem, so wie es ehemals in der Seele des Menschen existierte, zu zeigen, sie wenigstens zuweilen gestattet, dass wir dessen Entwurf überblicken und dass dies hinreicht, uns mit den süßesten Tröstungen zu erfüllen. Es würde gut sein, sie zu lehren und sie zu bewegen, sich durch ihre eigene Erfahrung zu überzeugen, dass das Gebet ein anhaltender, geistiger Bund sein muss; denn wir sollen nur mit Gott beten, und unser Gebet verdient nur insofern den Namen, als Gott in uns betet, weil man nur auf diese Weise im Reiche Gottes betet. Es würde gut sein, sie zu lehren, dass man den Ärzten zutraut, die Eigenschaften und die Natur der arzneilichen Substanzen zu kennen, deren sie sich zur Heilung der Krankheiten bedienen; dass man ihnen zutraut, alle Kräfte der Heilmittel durchschaut zu haben und dass sie folglich fähig seien, alle Übel heilen zu können; dass diese einfache Bemerkung ihr genügen könne, ihr die Augen über die ursprüngliche Bestimmung des Menschen zu öffnen, so wie auch, dass diese Bestimmung sich ohne Zweifel bis zu dem Vermögen ausdehnen müsse, alle Unordnungen wiedergutzumachen, dass sie sich ohne Zweifel bis zu dem Vermögen ausdehnen müsse, alle Übel zu heilen, endlich dass sie sich ohne Zweifel bis zu dem Vermögen ausdehnen müsse, die Eigenschaften der Substanzen der ganzen Natur und aller Regionen zu kennen, weil die ganze Natur und alle Regionen dem Menschen unterworfen waren. Dann würde es gut sein, ihnen zu zeigen, welch‘ eine schmachvolle Herabwürdigung dieser Mensch erlitten hat. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass der Mensch der Wahrheit sich nicht mit den Menschen, die dem Strome der Welt folgen, einlassen darf; dass er bei solchem Zusammentreffen zu viel verlieren würde und dass außerdem dasjenige, was er dem Verluste Preis gibt, nicht ihm, sondern seinem Herrn gehöre. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass der Mensch, der nicht wachsam, mehr in Gefahr unter dem verirrten Menschen sei, als er es zwischen den Teufeln sein würde; weil die Menschen gegenwärtig zwei Kräfte vereinigen, die sie nach Gefallen Missbrauchen, indem sie eine in die andere travestieren (verzerren), wogegen der Teufel nicht mehr als eine Kraft hat.

Übrigens hat der Teufel keine eigene Gestalt; er ist genötigt, sich in jedem Augenblicke eine zu schaffen, die ihm als Behälter seiner Kraft dient. Der Mensch aber trägt überall eine Gestalt mit sich, die Behälter und zugleich Werkzeug feiner beiden Kräfte ist. Es würde gut sein, ihr bei dieser Gelegenheit zu sagen, dass es eine Menge herumirrender Geister gebe, die da suchen, sich mit unserer Gestalt zu bekleiden, während wir selbst trotz unseres Leibes fast nackt sind und hienieden nichts anderes zu tun haben als zu streben, uns mit unserm ersten Leibe zu bekleiden, welches derjenige ist, in welchem die Gottheit wohnen will. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass die Keuschheit in sich fasset die Reinheit des Leibes, die Gerechtigkeit des Geistes, die Wärme des Herzens, die Tätigkeit der Seele und der Liebe. Denn sie verbreitet sich durchgängig über alles, was Tugend ist und ist die Abwesenheit eines jeden Lasters. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass die Tugenden, die wir üben, dass die Erkenntnisse, die wir erwerben, ebenso viele Lampen sind, die wir um uns anzünden, und die während unseres Schlafes um uns herum brennen. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass alle Typen sich wiederholen und dass eine in die andere greift, weil, da es nur eine Aktion gibt, diese sich unaufhörlich erneuern und überall ihre Einheit zeigen muss, dass aber, da diese Typen sich in der Zeit ausdrücken, sie dem Gesetze der Zeit und aller sukzessiven Dinge folgen müssen, welches Gesetz darin besteht, dass je mehr sie herabsteigen und sich vervielfachen, sie desto sinnfälliger und desto substantieller werden; dass auch deswegen, weil die Typen sich ähnlicher und sich entsprechender werden, sich dieselben auch mehr verwirren und schwerer zu unterscheiden sind; dass aus diesem Grunde auch die besten Dinge damit endigen, sich unter den Händen der Menschen zu verfinstern und sich zu vernichten, weil diese deren verschiedene Schattierungen nicht unterscheiden; kurz dass dieses der Grund ist, weswegen die Materie nicht weiß, was Sünde ist; denn da sie an sich selbst immer in der ihr entsprechenden Finsternis ist, so kann sie keinen Unterschied erkennen. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass es für den Menschen nur Typen der Demütigung in allen Wesen der Natur gebe, dass alle geschäftig, wachsam, geregelt seien und dass er allein untätig, gleichgültig, feige und gewissermaßen eine Art Ungeheuer sei. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass Gott so sehr von den sinnlichen Dingen unterschieden sei, obgleich er sie regieret, dass weder unsere irdische Natur, noch die materiell gewordenen Menschen nach der Art und Weise, wie wir ihn den Völkern verkünden müssen, etwas erkennen können, weil sogar unser geistiges Wort unseren Sinnen unverständlich ist. Auch müssen wir in Betreff der Sinne und der vorbildlichen Dinge gänzlich erneuert werden, wenn wir die geistigen Zeugen des Wortes werden und in den Dienst des Geist-Menschen eingehen wollen. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass seit dem Anfange der Dinge die Flüsse von ihrer Quelle zu ihrem Ausflusse strömen, ohne zu wissen, ob sie üppige Städte oder Dörfer, dürre Steppen oder fruchtbare durch die Natur oder durch die Hand des Menschen verschönerte Gegenden durchströmen werden; und dass der Mensch der Sehnsucht ebenso nach dem Ziele, das seiner wartet, streben müsse, ohne sich darnach zu erkundigen, womit sein irdischer Weg umzäunt sein wird; so lebendig muss die Sehnsucht in ihm sein, die ihn drängt. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass, wenn der Mensch der Sehnsucht an sich arbeitet, er wirklich für die andern Menschen arbeitet, weil er hierdurch sich anstrenget und wirklich mitwirket, ihnen in seiner eigenen Klarheit die Erkenntnis dieses Ebenbildes und dieser Ähnlichkeit mit Gott zu zeigen, und dass es die Kenntnis dieses Ebenbildes und dieser Ähnlichkeit ist, deren sie ausschließlich bedürfen. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass wenn die Deisten das Dasein eines höchsten Wesens anerkennen und dennoch nicht zugeben, dass es sich mit der Regierung der Welt, noch mit den Menschen, die sie bewohnen, beschäftige, ihr Irrtum daher rühret, dass sie sich zur Materie und zum unvernünftigen Tier gemacht haben, dass Gott sich in der Tat nicht um die Materie, noch um unvernünftige Tiere bekümmere, sondern dass er sie durch seine Kräfte lenken lässt; dass anderseits die Deisten ihre Seele in der Art einschlafen lassen, dass Gott sich ihr nicht mehr nahet und sie nicht mehr leitet, weil er sich nur in seinem Ebenbilde gefallen und sich nur um sein Ebenbild bekümmern kann, und dass dieses der Grund ist, weswegen sie sagen, dass Gott sich nicht um die Regierung des Menschengeschlechtes bekümmere, weil in dem Zustande der Entartung und Finsternis, in welchem sich die Deisten herabsinken lassen, er sich wirklich nicht mehr um sie bekümmert. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass die Menschen, die dem Strome der Welt folgen, es vergebens versuchen, sich als Ersatz für ihre Entfernung von dem Intellektuellen zu dem Sinnlichen zu wenden; dass es ihre falschen Systeme sind, die sie zu solchen Folgerungen und zu dieser heuchlerischen Lehre geführt; dass sie das, was sie Humanität nennen, nur deswegen so laut preisen, weil sie das Wohlsein des Leibes für das Wohlsein des wirklichen Menschen halten, welches Wohl sein nichts anderes ist, als der wiedergeborene Geist-Mensch; dass sie diese vorgeschützte Tugend sogar gegen die Tiere ausüben und hierdurch glauben, alles erfüllt zu haben, was ihnen auferlegt ist; dass sie endlich von allem, was zum Tierreich und zur Materie gehört, nicht eine so ausschließliche Sache machen würden, wenn sie nicht glaubten, derselben Natur anzugehören. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass der Beweis, dass der wahre Gedanke nicht von uns herrühre, darin bestehe, dass wenn wir dessen Schöpfer wären, wir nicht mehr in der Abhängigkeit Gottes ständen; dass der unwahre Gedanke eben so wenig von uns herrühre; dass wir ganz einfach zwischen den Einen und den Andern gestellt sind, um die göttliche Quelle von der höllischen Quelle zu unterscheiden; dass man beachten müsse, dass die Menschen sich untereinander nichts mitzuteilen vermögen, als nur, indem sie ihre Gedanken durch das Wort oder durch gleichbedeutende Zeichen sinnfällig machen; dass sich hieraus ergibt, dass jeder Gedanke, indem ‚ er uns von Außen kommt, sobald er sich uns mitteilt, sinnlich wahrnehmbar wird und folglich notwendig ausgesprochen ist, obgleich wir ihn nicht immer sinnfällig oder auf materielle Weise wahrnehmen; dass die Kinder uns hierbei als Beispiel dienen; dass wir es nicht leugnen können, dass sie Sinne haben; dass wir uns vergeblich bemühen würden, ihnen unsere Gedanken durch Worte mitzuteilen, weil wir gewiss sind, dass sie nicht einmal deren Laute vernehmen; dass sie, wenn sie etwas älter sind, die Laute hören, aber nicht den Sinn verstehen; dass sie endlich in einem vollkommeneren Zustande die Laute hören und den Sinn verstehen, und folglich hierdurch die innigste Mitteilung unserer Gedanken empfangen; dass man in der Tat bei kleinen Kindern weniger spricht als handelt, dass sie aber gewiss weder hören noch sehen; dass unsere Bewegungen und das Geräusch für sie verloren; dass sie anfänglich nur durch die gröbsten Sinne gerührt werden, nämlich durch das passive Gefühl, den Geruch und Geschmack; dass nach diesem beschränkten Zustande der Gebrauch des Gesichtes und des Gehöres folgt, dann endlich das Wort, welches Wort nur noch sehr langsamen Fortschritten unterworfen ist, wenn man annimmt, dass es mit dem Schreien beginnt, und dass hier der Mensch Gelegenheit hat, sich zu demütigen und seine Aufgabe zu lernen. Es würde gut fein, ihr zu sagen, dass die großen und herrlichen Gedanken, die Gott uns oft auf dem Wege unserer mühsamen Bußübungen sendet, ebenso viele Zeugnisse sind, deren man sich bei ihm bedienen kann, wenn man ihn anruft, und dass, wenn wir ihn mit Freude erfüllen wollen, wir sie nur anzuwenden brauchen, und ihn hierdurch an seine Verheißungen und an seine tröstliche Huld zu erinnern. Es würde gut sein, ihr zu sagen, dass, da Gott allein den Menschen gebildet, dieser Gott ihn auch allein unterrichten und ihn in seine göttlichen Tiefen eindringen lassen will. Es würde gut sein, ihr zu sagen, mit wie vieler Klugheit sie sich bei der Verwaltung der göttlichen Schätze benehmen müsse, die ihr von der höchsten Freigebigkeit können anvertraut werden, weil sie nicht lange auf dem Wege der Wahrheit zu wandern brauche, um zu fühlen, dass es zwei Dinge gäbe, die man nicht sagen könne, sogar dem Geiste nicht, weil sie über denselben erhaben sind. Es würde gut sein, ihr zu sagen, es gäbe eine Linie und eine Ordnung für den Unterricht, wovon sie sich niemals entfernen dürfe, wenn sie es versucht, das Erkenntnisvermögen ihrer Nebenmenschen zu leiten, und diese Ordnung des Unterrichts ist: Unterscheidung zweier Wesenheiten im Menschen; unser Gedanke, ein Spiegel Gottes; das Dasein eines höchsten Wesens, bewiesen durch diesen Spiegel, wenn er klar und rein ist; unsere Beraubung, die eine Gerechtigkeit beweiset; diese Gerechtigkeit, die eine freie und selbstgewollte Verderbnis beweiset; die höchste Liebe in ihrem Wiedererwachen; Gesetze der Wiedergeburt gegeben in den verschiedenen Bündnissen; ein Ziel der Rückkehr; ein geistiges Leben; Licht, Wort, Vereinigung, Eingang in den Ort der Ruhe; so muss der Gang des Unterrichts sein, wenn der Lehrer die Schüler nicht täuschen, nicht verwirren oder sie aufhalten will. Es würde gut sein, ihr zu sagen, sie dürfe sich niemals einbilden, die Weisheit in ihrem Gedächtnisse und durch die einfache Pflege der Vernunft zu besitzen; dass es sich mit dieser Weisheit wie mit der Mutterliebe verhalte, die man nur nach einer mühsamen Schwangerschaft und nach den Schmerzen des Gebärens wirklich empfinden könne. Endlich würde es gut sein, ihr zu sagen, dass es dem Menschen nichts nütze, wenn er die Fackel dieser Weisheit erwirbt, sondern dass er sie auch noch bewahren muss, was unvergleichlich viel schwerer ist. Fallen wir von einer Höhe herab, so schwindelt unser Kopf während des Sturzes so sehr, dass wir gar nichts wahrnehmen. Nur in dem Augenblicke des Stoßes durchdringt uns das lebendige Gefühl des Schmerzes. Oft noch bleiben wir ohne Bewegung und ohne Besinnung. Dies ist die Geschichte der menschlichen Seele seit der Übertretung. Sie verlor die herrliche Region aus den Augen, aus welcher sie sich durch ihren Fall herabstürzte, und der ganze Mensch fand sich wie tot und des Gebrauches aller Fähigkeiten seines Wesens beraubt. Aber auch das Heilverfahren war dasselbe, wie bei unserer menschlich ärztlichen Wissenschaft. Ebenso, wie wenn ein Mensch stürzt oder irgend einen andern Zufall erleidet, der ihn schwer verwundet, der vorsichtige Arzt ihn reichlich zur Ader lässt, um einer Entzündung zuvorzukommen; ebenso entzog die göttliche Weisheit dem Menschen nach dem furchtbaren Falle des Menschengeschlechts beinahe alles Blut, nämlich alle seine Kräfte und all sein Vermögen, weil sonst dieses Blut, wenn es keine Organe mehr gefunden, die im Stande gewesen, mit seiner Tätigkeit mitzuwirken, es sie vollends zerstört hätte. Es ist wahr, diese unerlässliche Vorsicht des Arztes kann in der Folge wohl das Leben des Kranken verkürzen, welches sonst vielleicht länger gewesen wäre; aus dieser selben Ursache hat Gott unsere Tage verkürzet, so wie er auch die Dauer der Welt zu Gunsten jener verkürzt, die man die Auserwählten nennt, weil sonst kein Mensch wäre gerettet worden. Dieser menschlich ärztlichen Vorschrift entsprechend hat man damit angefangen, uns geistige Getränke zu geben, um uns wieder zu uns zu bringen. Dann hat man uns heilenden Balsam aufgelegt, und zuletzt bat man uns nahrhafte und belebende Speisen verordnet, um uns unsere Kräfte ganz wiederzugeben. Als durch den zarten Erguss der höchsten Liebe die ersten Mittel bei der menschlichen Seele angewandt waren, ward ihm die Bewegung wiedergegeben; und diese Bewegung setzte ihn in den Stand, von der Bewegung, welche die Welt zu seiner Belehrung regiert, Nutzen zu ziehen; denn diese beiden Bewegungen sollten koordiniert sein. In der Tat, wir suchen täglich unsere Gedanken mit allem, was in dieser Welt wirkt, zu koordinieren, und es war wirklich eine der menschlichen Seele besonders gewährte Gunst, die ihm die Mittel verschaffte, noch in den Bildern dieser Welt die Wahrheit zu betrachten, nachdem sie sich aus dem Aufenthalte des wirklichen Schauens verbannt hatte. Diese menschliche Seele wusste während ihrer Herrlichkeit, dass sie keine andere Götter als den höchsten Gott haben durfte, und obgleich sie in Wirklichkeit die Vollendung dieser Herrlichkeit erst erkennen sollte, wenn sie die Vollendung ihres Werkes erfüllt, so sollte sie, so wenig sie auch in ihrem ursprünglichen Zustande den Zauber der göttlichen Süßigkeit und der göttlichen Wunder gekostet, dennoch wissen, dass nichts mit ihrem Prinzip verglichen werden könne. Nichts desto weniger ließ sie sich verderben durch die Kraft eines untergeordneten Prinzips, welches diese natürliche allgemeine Welt ist, wo die Himmelskörper und die Gestirne ein so wichtiges Amt ausüben, dass die menschliche Seele körperlich ihrer Herrschaft unterworfen wurde. Aber obgleich sie in dieses niedere Gebiet herabgesunken, das ihrer Entartung entsprach, so wollte die Quelle, welche die menschliche Seele erschaffen hatte, sie doch nicht aus den Augen verlieren, und übergab ihr in dieser neuen Ordnung der Dinge die Grundvorschrift ihres ursprünglichen Gesetzes. Auch in der physischen Welt ist die Sonne ein materielles Organ dieser erhabenen Offenbarung, die viel älter ist, als die Bücher; sie ist es, welche diese Offenbarung seit dem Anfange der Welt verkündete, wie sie nicht aufhören wird, sie allen Völkern bis zur Erfüllung der Dinge zu verkünden. Es ist während der Nacht, während der Abwesenheit der Sonne, wo die Sterne uns ihren Glanz zusenden; alsdann offenbart sich die Regierung dieser Götter der Völker.

Dann ist die Erde trotz des Lichts, was die Gestirne verbreiten, mit Finsternis bedeckt. Der Duft der Blumen lässt nach, die Vegetation zögert, man vernimmt den traurigen Schrei der Nachtvögel, die Verbrechen und die Laster der Bösewichter zeigen sich, und die ungerechten Anschläge und die Werke der Sünde werden ausgeführt; mit einem Worte, dann regieren und sie gen jene Höhen, auf welchen alle Völker der Erde Opfer darbrachten; anfangs irrtümlich, bald aber durch den verpesteten Einfluss des Fürsten der Finsternis sündhaft und abscheulich, wie wir dieses gleich sehen werden. Sobald sich aber der Tag verkündet, so erbleicht für uns das Licht dieser Gestirne; es erlöscht ganz und gar, wenn der Tag angebrochen und seine Kraft erlangt hat, und die Sonne, indem sie durch ihre bloße Gegenwart die eitle Vielheit dieser falschen Götter verscheucht, scheint der ganzen Welt zu sagen, was der menschlichen Seele gesagt wurde, als sie aus ihrer herrlichen Quelle hervorging: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.” Menschliche Seele, du vergaßest dieses höhere Gesetz, als du dich während deines glänzenden Zustandes durch eine falsche Lockung irre machen ließest. Aber dieses unauslöschliche Gesetz verfolgt dich bis in deinen irdischen Abgrund, weil der Urheber aller Dinge nichts hervorbringen kann, ohne überall die beredten Buchstaben seiner göttlichen Sprache einzuprägen. Trotz der Kraft dieses so belehrenden Zeichens haben die Völker dennoch nur den Buchstaben dieser Erscheinung genommen, statt den Geist aufzufassen; und dies ist einer der Gründe, woraus der abgöttische Dienst der Sonne sich erzeugte. Denn der Feuerdienst hat einen entfernteren Ursprung. Er konnte sich nur sofern erzeugen, indem durch eine Folge der ursprünglichen Rechte des Menschen, irgendeinige Sterbliche den Ursprung des natürlichen Feuers kannten, (was nicht allein darin besteht, den Blitz leuchten und den Donner einschlagen zu sehen) denn es ist eine Grundwahrheit, dass eine jede Sache sich selbst offenbaren muss, wie auch nichts im All der Wesen geschieht, was nicht einen Beweis hierfür lieferte. Seitdem also die höchste Liebe sah, dass du dich auch noch durch dasselbe Mittel verirrtest, welches sie dir gegeben, damit es dir diene, deine Wege gerade zu machen; als sie sah, wie du dich aufs Neue durch sinnliche Gegenstände verwundetest, die sie vor dir ausgebreitet hatte, damit sie dich in deinen Schmerzen zerstreuten, da konnte sie nicht umhin, deinen Ohren durch wirksamere Mittel diesen wichtigen Befehl zuzurufen: „Du sollst keine fremde Götter neben mir haben.” Da der Anblick der harmonischen Natur bei dir nur eine Wirkung hervorbrachte, die seiner Absicht entgegengesetzt war, so ließ er die Kräfte dieser selben Natur in Disharmonie auf dich wirken, und suchte dich durch Trübsale und durch Leiden in die Schranken zurückzuführen, in welche du dich durch deine Vernunft nicht zu halten vermocht hattest; und dieses ist der Schlüssel zu allen Geißeln, deren die Geschichte der Völker in allen Gegenden der Erde erwähnt. Es ist dieselbe Weise, wie eine Mutter mit ihrem Kinde verfährt, ein Lehrer mit seinem Zöglinge, indem sie dieselben eine Zeitlang die Folgen ihrer Missbräuche empfinden lassen, denen sie sich aus Schwachheit und aus Leichtsinn hingeben, und zwar aus dem Grunde, damit die Erfahrung sie in Zukunft zurückhaltender mache. Wenn diese Versuche aber nicht gelingen, wenn die Gefahr dringender wird, und der junge Wagehals, statt sich der Gefahr zu entziehen, sich so tief hineinstürzt, dass er sein Leben aufs Spiel setzt, dann nahen sich ihm die Mutter oder der Lehrer selbst, und wiederholen ihm auf eine eindrucksvollere Weise die wichtigen Vorschriften, die sie ihm zuvor gelehrt, damit die Furcht bewirke, was Sanftmut nicht vermochte, und dieses ist ein bestimmter und natürlicher Grund aller göttlichen und geistigen Offenbarungen, mit denen die Religions-Geschichte, sie sei nun geschrieben oder nicht, notwendig angefüllt sein muss. Ja, menschliche Seele, gewiss verfuhr auch die höchste Liebe also mit dir, als sie sah, dass die schweren Geißeln der Natur, die du durch deine Unachtsamkeit hervorriefest, dich nicht weiser gemacht haben. Sie näherte sich dir mit allen Zeichen eines besorgten Eifers, und einen drohenden Ton annehmend, erinnerte sie dich an die alten Gebote, auf denen dein Ursprung und der göttliche Bund gegründet war; die Gebote, die sie vor dir aussprach, nachdem sie dir das Leben gegeben; die sie aufs Neue in der Natur aussprach, nachdem du dich ihrer bildlichen Herrschaft unterworfen hattest, und dir in jedem Augenblicke in deinem innersten Wesen wiederhallen konnten, weil du ursprünglich das Organ der ewigen göttlichen Quelle bist, und weil das, was sie einmal ausgesprochen, nicht aufhören kann, sich unaufhörlich und in der Dauer aller Ewigkeiten auszusprechen. So lasst uns denn nicht zweifeln, dass alle Traditionen der Völker uns Spuren dieses aufmerksamen Verfahrens der höchsten Liebe gegen dich darbieten. Lasst uns nicht zweifeln, dass er seit dem Ursprunge der Dinge die Völker geführt habe, wie er noch täglich den einzelnen Menschen führt, indem er sich durch kräftige und verborgene Bewegungen bemühet, sie mitten in ihrer Trägheit zu wecken und sie den Gefahren zu entreißen, denen sie sich durch ihre Unvorsichtigkeiten ausgesetzt haben. Lasst uns endlich nicht zweifeln, dass es in diesem Geiste und durch diesen Geist geschah, dass Moses uns im zweiten Buche den Ausspruch Gottes im Blitze und im Donner als den gebieterischen und ausschließlichen Befehl Gottes schildert, den die Völker so sehr vergessen hatten: „Du sollst keine fremde Götter neben mir haben.” Unabhängig von tausend andern belehrenden Unterweisungen, welche die Natur täglich auf physische Weise der Seele zu vermitteln von der höchsten Liebe beauftragt ist, sind wir aufs Tiefste überzeugt, dass jede Sache, um nur bei den Menschen genannt werden zu können, sich selbst offenbaren muss. So lassen die religiösen Übungen, die man allgemein bei den Menschen in Gebrauche findet, keinen Zweifel übrig, dass diese höchste Liebe der menschlichen Seele auch auf diese Weise eine Art Weg der Wiederherstellung eröffnet habe, wenn gleich eine ungeheure Masse Schutt sich dergestalt auf die wiederherstellenden Quellen angehäuft hat, dass sie kaum erkennbar sind. Sogar wenn man den strengen Grundsatz beherzigt, dass es notwendig sei, dass eine Sache sich selbst offenbare, weil wir sie sonst niemals hätten, weder erkennen, noch wiederholen, noch sie uns aneignen können, so wird man sehen, dass wir sogar für Politik und für alle bürgerlichen Einrichtungen der Menschen ein Urbild außer uns und über uns vorfinden. Ja gäbe es nicht in der Höhe Legionen, verschiedene Stufen der Oberherrschaft, Oberhäupter und Regierungen, so würden wir keine dieser Einrichtungen unter uns haben. Und sogar hienieden wandert der Mensch unter den Augen und unter dem Schutze unsichtbarer Mächte, von denen er alles empfängt, die er aber nicht zu kennen sucht, und an welche zu glauben er nicht mehr geneigt ist, weil er sich in seiner eigenen Macht so sehr berauscht hat. Wenn er sich aber in seiner eigenen Macht so sehr berauscht hat, so kommt dieses daher, dass er in der Tat eine realere Macht, dass er ein Reich und treue und ergebene Untertanen besitzen sollte.

Wenn sich z. B. ein Fürst, ein General von seinem Heere umgeben findet, wenn militärische Oberen eine glänzende Heerschau über ihre Truppen halten, wenn sie bei dieser Gelegenheit eine innere stolze Freude empfinden, unter ihren Augen so viele ihrem Befehle unterworfene Krieger in so stattlicher Haltung zu sehen; kurz wenn sie gleichsam allen Zuschauern zu sagen scheinen: „Alle diese Kräfte, über welche ich verfügen kann, hangen nicht allein von mir ab, sondern sie sind auch für mich geschaffen und ich bin es, von dem sie alles empfangen, was sie sind,” so wiederholen diese Oberen nur in einer konventionellen und in einer sichtbaren Ordnung, was für den ursprünglichen Menschen in einer positiven und feststehenden Ordnung stattfinden sollte. Denn dieser ursprüngliche Mensch würde auch Legionen besessen haben, über welche er eine unumschränkte Gewalt besessen hätte, indem er ihnen ihren Geist mitgeteilt hätte, wie wir sehen, dass ein General, sozusagen, seinen Willen auf die hunderttausend Krieger, die er befiehlt, übergehen lässt, sie hierdurch mit sich Eins macht und ihnen gewissermaßen ihren eigenen Willen nimmt, um ihnen nur den seinigen zu geben, weil sonst seine Herrschaft über sie etwas Unerklärliches und Unmögliches wäre. Dieser ursprüngliche Mensch hätte sich alsdann auch in seinem Heerhaufen betrachten und hierdurch einen wahren Ruhm ernten können, weil er einigermaßen mit an den Vorteil Teil gehabt, welche sie in der Schönheit ihrer Waffen und in ihrem unüberwindlichen Mute, die Sache der Gerechtigkeit zu verteidigen, besessen hätten; alles Wunder, die er in der Tat aus sich hätte hervorgehen lassen und auch in seinen Untergebenen nach Gefallen hervorrufen können. Statt dessen führt man ihm hienieden vor seinen Augen diese ganz eingerichteten, bekleideten, gewappneten und eingeübten Legionen fort, und hier hat er nicht immer selbst gesät, was er alles erntet, weil er die Meisten, die er beaufsichtigt, vielleicht niemals gesehen hat und vielleicht nicht einmal den Namen kennt, den sie führen, eine Art Kenntnis, welche die wirkliche Kraft des ursprünglichen Menschen seinem furchtbaren Heere gegenüber ausgemacht haben würde. Was wir nun aber hier von der militärischen Ordnung gesagt, können wir von allen unseren politischen und sozialen Einrichtungen sagen, indem wir es sogar von der Naturordnung sagen könnten, insofern der Mensch in allen jenen Klassen mit allen Regionen, mit allen Kräften aller Regionen hätte mitwirken können, um sie die herrlichen Bilder und die entzückenden Schauspiele hervorbringen zu lassen, welche in jeder Art seine Augen entzückt und sein Herz mit einem gerecht erworbenen und verdienten Ruhme erfüllt haben würden, während in den engen Schranken, worin er sich jetzt befindet, es oft nur Kleinigkeiten sind, womit er sich umgibt, und deren er sich rühmt. Wenn aber der Mensch alles, was er für die Pflege und Leitung seiner Nebenmenschen am geeignetsten findet, von Oben empfangen hat, von woher ihm alles kommt, so müsste er doch bedenken, dass je mehr er oben lesen, er dort desto herrlichere Dinge für sein Wohl und für das Wohl der ganzen menschlichen Natur finden würde, so wie ihm auch von Oben alle Wege der Wiederherstellung zukommen mussten, welche die höchste Liebe ihm zu seiner Wiedereinsetzung seit seinem Falle darbieten konnte. Was die religiösen Wege anbelangt, die dem Menschen durch die höchste Liebe eröffnet wurden, so rate ich dem Leser, wenn er Gelegenheit dazu hat, aus einem der Werke Böhms „Mysterium magnum“ zu schöpfen. Er wird daraus zahlreiche Verzweigungen am Baume des Bundes ersehen, den die höchste Liebe mit dem Menschen seit seiner Erniedrigung erneuert hat. Er wird daraus ersehen, wie sich der Saft dieses Baumes anfänglich in seinen Wurzeln zeigt, sich dann allmählich in den verschiedenen Knospen in dem Grade entwickelt, als sie sich ausdehnen, und wie er endlich in den Blüten und in den Früchten dieses Baumes alle in seinem Keime enthaltenen und in seinen Kanälen zubereiteten Eigenschaften entfaltet; er wird den wirklichen Faden, der unter der Hülle des bildlichen Fadens sich hinzieht, immer verfolgen können und dennoch nur einen einzigen Saft, der diese beiden verschiedenen Linien gleichmäßig durchströmt, der sich darin auch in der Verschiedenheit der Eigenschaften, welche er annimmt, erkennen lässt und der auf diese Weise alle Epochen, welche er in seinem Laufe umfasst, in Harmonie bringt. Er wird aber auch einen gegenwirkenden Saft darin kennenlernen, der gleichsam hier auf Erden zirkuliert, seitdem wir hier eingekerkert sind, und der seit dieser ersten Epoche bis auf unsere Tage einen Altar des Gräuels neben dem Altare der Heiligkeit aufrichtet. Die Gemälde, die er bei diesem Autor finden wird, werden ihn über den Lauf der verschiedenen religiösen Wege, die sich auf Erden verbreitet haben, wichtige Aufschlüsse geben. Ich begnüge mich damit, diese Fundgrube anzugeben, die ich sonst beinahe ganz übersetzen und ausschreiben müsste. Unter den allgemeinen auf Erden eingeführten religiösen Gebräuchen, von denen wir die Spuren beinah ganz verloren haben, scheinen die Tier-Opfer und die von andern Natur- Erzeugnissen einen sehr wichtigen Platz eingenommen zu haben und es besonders zu verdienen, dass wir sie etwas ausführlich betrachten, um so mehr, da weder die Tradition noch der Forschungsgeist uns etwas Genügendes über diesen Gegenstand mitgeteilt haben, und selbst Jakob Böhme über diese Sache nichts Ausführliches gibt, obgleich er uns in dieser Hinsicht eine flüchtige, aber doch großartige Übersicht dargeboten hat. Nein, man kann es nicht leugnen, diese auf Erden allgemein üblichen Opfer bestätigen uns trotz ihres Missbrauches, vielleicht grade durch diesen Missbrauch, dass sie seit der großen Verderbnis und seitdem der schuldige Mensch wieder auf den Weg seiner Rückkehr zurückgeführt wurde, zu der Zahl unserer Vorrechte und zu den Hilfsquellen gehören müssen, die uns von der höchsten Weisheit bewilligt wurden, um unseren göttlichen Bund so viel als möglich neu zu beleben; und als solche betrachtet, müssen sie einen Platz in der Wissenschaft einnehmen, die auf den Dienst des Geist-Menschen Bezug hat. Trotz der wiederholten Versuche der falschen Philosophie, die erhabene Natur des Menschen zu verneinen, können wir nicht mehr zweifeln, dass er zu einer wichtigen Bestimmung erschaffen sei, und die unermesslichen Gaben, die er noch mitten in seinem Elende entdecken kann, deuten auf die Gaben, welche er ehemals in einem größeren Überfluss besitzen konnte. Befürchten wir also nicht, in Irrtum zu geraten, wenn wir den Menschen in Mitten der Welt als einen schuldvollen König betrachten, welcher der Macht aller seiner Untertanen preisgegeben ist, die er selbst durch die Ungerechtigkeit seiner Regierung zur Unordnung und zur Anarchie führte. Aber betrachten wir darin zugleich die ewige Vernunft der Dinge, wie sie über diesem bewegten Meere schwebet und durch das unerschütterliche Gewicht ihrer Weisheit dahin zielt, dass alle unsere in Disharmonie geratenen Fähigkeiten die Ruhe und das Gleichgewicht wieder in Besitz nehmen. Vielleicht gar könnte uns dieses zur Einsicht führen, dass in dem ursprünglichen Zustande und vor dem Falle, der Mensch auch den Dienst der Opfer zu versehen gehabt, zwar nicht den der Buß-Opfer, weil er rein war, wohl aber den der Preis- Opfer für seinen Schöpfer. Ebenso wenig den der Blutopfer, wohl aber den der Opfer der göttlichen Wunder, die in allen Wesen eingeschlossen lagen und die vor den Augen desjenigen Gottes, der ihm diesen Dienst anvertraut, er zu enthüllen das Vermögen besessen, weil der Mensch gleichsam in das Zentrum der allgemeinen Schöpfung hingestellt war. Während wir uns hier nur mit den hier auf Erden üblichen Opfern und mit ihrer besonderen, sei es geistigen, sei es natürlichen Bedeutung beschäftigen, werden wir den Menschen mit dem Blute verbunden sehen, welches das Organ und der verborgene Aufenthalt aller seiner Feinde hienieden ist, und welches mit einem Worte das Grab der Knechtschaft zu sein scheint, worin dieser götzendienerische König lebendig verschlungen ist, weil er sich den Geboten der Vorsehung widersetzen wollte und fremde Götter angebetet hat. Das Gesetz, welches den Menschen zu solcher Knechtschaft verurteilt, hat den Zweck, ihn in der Beraubung zu erhalten, damit diese Beraubung ihn zur Reue führe; die Reue zum Bekenntnis seiner Fehler, und das Bekenntnis seiner Fehler auf den Weg, auf welchem er die Verzeihung derselben erlangen kann; und da die höchste Weisheit in ihrem Eifer, der sie für diesen unglücklichen Verbannten belebt, unermüdlich ist, so musste sie ihm die Mittel verschaffen, sich von den Übeln zu heilen, die er täglich von der Hand seiner Feinde empfangen kann; sie musste ihm Mittel verschaffen, damit er sich gegen die Anfälle dieser selben Feinde schützen, kurz sie musste ihm Mittel verschaffen, damit er sich sogar Trost in seinem Elende erwirken könne, und wir wollen auf diese Weise zu zeigen versuchen, dass dieses der Sinn des Opferdienstes war, so abgeschmackt und gottlos dieser Kultus auf Erden auch werden konnte, in dem er durch die Hand der Menschen ging und indem er sich durch die Herrschaft derselben Feinde herabwürdigte, die zu entfernen seine Aufgabe war. Ein positives und bekanntes Gesetz, das ich hier den Freunden der Weisheit wiederholt als eine der nützlichsten Fackeln bezeichne, die ihnen auf ihrer Laufbahn leuchtet, ist, dass trotz der zahllosen Verschiedenheiten so vieler Wesen und so vieler Klassen, woraus das Weltall besteht, es besondere Einheiten der Aktion gibt, die ganze Klassen umfassen, und auf die Individuen dieser Klassen ihrer natürlichen Analogie gemäß einwirken. Daher kommt es, dass es bei allen Naturerzeugnissen, Geschlechter, Arten, Familien gibt, wo alles das Gepräge dieser Einheit der Aktion ihrer Klasse entsprechend trägt. Die Kräfte und die Fähigkeiten unseres Geistes würden ohne Zweifel dasselbe Gesetz darbieten, indem sie eine Art Gleichförmigkeit in den Bewegungen der Gedanken des Menschen zeigen, welche alle diese Systeme auf eine begrenzte Anzahl von Theorien und Axiomen, und alle seine Institutionen auf Grundformeln, die fast gar nicht voneinander abweichen, zurückführt. Die Arznei-Wissenschaft, die Moral, die Staats-Wissenschaft, die beratschlagenden und gelehrten Gesellschaften, endlich alles, was zur religiösen Ordnung gehört, und wenn ich es sagen darf, sogar das Reich der Hölle, alle würden in Scharen kommen, um zu Gunsten dieses Prinzips Zeugnis abzulegen. Diesem Gesetze entsprechend regiert nun dieselbe physische Aktion, die das Blut des Menschen regiert, auch das Blut der Tiere, weil der Leib des Menschen zu ihrer Klasse gehört. Wenn aber dieselbe physische Aktion das Blut des Menschen und das Blut der Tiere regiert, so ist es ohne Zweifel auch denselben Unfällen und denselben Störungen unterworfen, welche beide erfahren können; und dieses physische Gesetz, obgleich es nicht wie die anderen moralischen Gesetze auf die Freiheit gegründet ist, kann nichts desto weniger Störungen erleiden, der Hindernisse und des Widerstandes wegen, die alles umringen und bedrohen, was in der Natur existiert. Wenn diese verschiedenen Individuen denselben Gesetzen unterworfen sind, wenn bei der Unordnung, der sie ausgesetzt sind, sie sich auch der Vollkommenheiten erfreuen, die mit der Einheit der regelmäßigen Aktion, die sie regiert, verbunden sind; wenn die Störungen ihnen gemeinsam, so muss die Wiederherstellung ihnen ebenfalls gemeinsam sein; woraus man im Voraus auf den Geist und auf den verschiedenen Gebrauch der Opfer schließen darf; aber dieser Gesichtspunkt würde nicht ausreichen, könnten wir nicht entdecken, wie diese Opfer wirken und wie die Früchte, die daraus hervorgehen, sich bis auf den Menschen erstrecken können. Das Gesetz der Juden sagt uns, dass es reine und unreine Tiere gibt. Jakob Böhme gibt hiervon einen bestimmteren Grund in der Verschiedenheit der beiden Tinkturen an, die vor der Sünde im Menschen vereinigt waren und seit der großen Verderbnis getrennt sind. Die Natur gestattet, dass diese Unterscheidung uns nicht sehr befremde, weil wir unter den Tieren heilsame und schädliche erkennen. Hätte die Schrift also hier nur einen natürlichen Sinn untergelegt, so würde sie sich dabei von der Wahrscheinlichkeit nicht entfernt haben. Was würde wohl daraus folgen, wenn sie auch hier einen geistigen Sinn gehabt hätte? Und in Wahrheit, da die Materie nur ein abhängiges Leben, und da sie nur Dasein, Kräfte und Eigenschaften durch die verschiedenen spirituösen Aktionen hat, welche sie hervorbringen, zusammensetzen, konstituieren und unterscheiden; da sie außerdem der fortwährende Behälter solcher Kräfte ist, die der Ordnung fremd sind, und die nur danach streben, überall ihren Stempel der Unregelmäßigkeit und der Verwirrung aufzuprägen, so dürfen wir uns nicht wundern, dass die Materie uns die Typen und das Spiel aller dieser verschiedenen und entgegengesetzten Aktionen darbietet, von denen uns unser eigener Geist in uns selbst die traurigen Beweise zu lesen gibt. Wenn der Mensch folglich zulässt, dass sich irgendeine unregelmäßige Aktion an ihn heftet, so könnte also das reine Tier ein Mittel sein, jenen Menschen dieser unregelmäßigen Aktion zu entziehen, wo dann diese unregelmäßige Aktion durch die Basis, die man ihr darböte, angezogen würde, über welche diese Aktion Rechte und Gewalt hat. Damit aber diese Anziehungskraft auf eine Weise wirke, dass die Folgen und die Wirkungen dieser unregelmäßigen Aktion nicht verlängert werden, so ist erstens notwendig, dass das Blut des Tieres vergossen werde; zweitens, dass dieses Tier, obgleich seiner Natur nach rein, überdies eine Präservative Aktion empfange, weil es wie alle Materie, aus gemischten Elementen zusammengesetzt und dem zerrüttenden Einfluss des Feindes bloßgestellt ist. Nun aber ward die in Frage stehende Präservative Aktion bei dem hebräischen Volke durch das Handauflegen des Priesters auf das Haupt des Opfers vorgestellt, und dieser Priester soll uns den in seine ursprünglichen Rechte wieder eingesetzten Menschen vorstellen. Dies ist der Geist dieser beiden Gesetze. Durch das Vergießen des Tierblutes, wird die an der Materie des Menschen haftende unregelmäßige Aktion heftiger nach außen hin gezogen, als durch den Körper, und durch die bloße Gegenwart des Tieres, weil, je mehr man sich in jeder Klasse dem Prinzip nahet, desto energischer und wirksamer auch die Mittel jeder Art werden. Aber durch die priesterliche Vorbereitung oder durch die Vorbereitung des in die Wirkungskraft seiner Rechte wieder eingesetzten Menschen, befindet sich dasselbe Blut und dasselbe Opfer außerhalb des Bereichs dieser unregelmäßigen Aktion, dergestalt, dass sie die Materie des Menschen verlässt, weil sie durch die Anziehungskraft des Tierblutes angezogen wird, aber auch dergestalt, dass, da sie durch die starke Kraft, welche der Priester auf das Blut legt, zurückgestoßen wird, sie genötigt ist, sich in die Regionen der Unordnung, woher sie kam, zu stürzen und zu vergraben. Mich dünkt, man kann hieraus im Allgemeinen eine Vorstellung in Betreff des Geistes der Opfer-Einrichtung schöpfen. Dieselbe Beobachtungsweise kann uns behilflich sein, den besonderen Geist zu entdecken, der, wie man dafür hielt, alle Arten Opfer bei dem hebräischen Volke bestimmte, wie z. B. die Sünd- und Buß-Opfer, die Opfer, die man Friedensopfer nannte und sogar diejenigen, die eine heilige Wiederversöhnung mit Gott und eine Vereinigung des Menschen mit ihm, die durch sinnfällige Zeichen ihres Bündnisses bestätigt wurde, zum Zwecke hatten. Das einfache Gesetz der Transposition, von dem wir so eben gesprochen haben, reicht hin, uns begreiflich zu machen, welchen Geist das Sündopfer hatte, indem es die Befleckungen in die Region der Unordnung und auf den Feind stürzte, der sie veranlasst hatte. Das Friedensopfer scheint zum Zweck gehabt zu haben, dem Menschen Kraft zu geben, dem Feinde zu widerstehen, und sogar seinen Anfällen zuvorzukommen. Dasselbe Gesetz der Zurüstung des Opfers durch das Händeauflegen des Priesters reicht hin, diese Wirkung verständlich zu machen, weil sie ein reines Blut in Verbindung mit regelmäßigen Aktionen, neben einem von zerstörenden und schädlichen Aktionen umgebenem Blute hinstellt, und ihm hierdurch Ruhe und Frieden wiedergeben kann. Tausend Einzelheiten aus den Zeremonien der Opfer entnommen, berechtigen uns, dieser Vermutung nicht zu misstrauen. Das Blut, das um den Altar vergossen, und womit die vier Ecken bestrichen wurden; die Besprengungen mit diesem selben Blute, der Genuss dieses Opfers u. s. w., alles dieses bietet sehr auffallende Beziehungen mit einem Friedens- und Versöhnungsopfer dar. Was das fortdauernde Opfer und die Opfer anbelangt, die für die Heiligung des Priesters stattfanden, und deren geistiger Zweck darin bestand, den Priester mit Gott zu vereinigen, so würde es immer nur dasselbe Gesetz sein, durch welches wir in das Verständnis eindringen können; aber diese Art Opfer sollten nicht für alle Menschen stattfinden, und sie gingen nur diejenigen an, die Gott durch seine besondere Erwählung zu sich und zu seinem Dienste berief. Solche, durch ihre Erwählung selbst vorbereitete Menschen, standen mit den höheren Kräften in Verbindung. Diese höheren Kräfte, indem sie alles umfassen, sind immer mit den regelmäßigen Aktionen vereinigt, welche wachen, und allem nahe sind, was Blut ist, um die Unordnung daraus zu entfernen. Das nach allen diesen Vorbereitungen dargebrachte Opfer bot ein Blut dar, worauf diese regelmäßige Aktion ihre Kräfte entwickeln und zugleich die höheren Kräfte in den Stand setzen konnte, auch die ihrigen zu entwickeln, weil alles, was harmonisch ist, sogar bei den Tieren mehr oder weniger an den ehemaligen Eigenschaften des göttlichen Bundes Anteil nimmt. Es war damals nicht auffallend, dass dieselben höheren Kräfte auf den auserwählten Menschen wirkten, und ihm alle sichtbare Wirkungen offenbarten, deren Bedürfnis ihm seine Beraubung fühlen lässt, damit er sich in seiner Finsternis zurechtfinden könne; denn, so lange er noch nicht das Opfer seines eigenen Blutes dargebracht hat, kann er die Zeugnisse der Wahrheit nur durch Vermittlung empfangen. Was dem Abraham seit seinem Opfer der in zwei Teile geteilten Tiere widerfuhr, was dem Aaron acht Tage nach seiner Weihung widerfuhr; was dem David auf der Tenne von Ornan widerfuhr, was sich im Tempel nach den Opfern der Hohepriester zutrug, zeigt hinlänglich, welche Aufgabe und welche Macht die wirklich geheiligten Opfer hatten, die durch die Auserwählten des Herrn dargebracht wurden, welche nach Maßgabe der damaligen Zeit, den Dienst des Geist- Menschen versahen. Aus diesen wenigen Beobachtungen, die soeben über die blutigen Opfer im Allgemeinen vorgebracht wurden, geht hervor, dass die Entwicklung verschiedener reiner und regelmäßiger Aktionen ihre Aufgabe war, welche, sich mit dem Menschen verbindend, ihm behilflich sein konnten, sich aus seinem Abrunde zu erheben, und ihn zu der Region der Ordnung und der Regelmäßigkeit emporsteigen zu lassen. In einem entgegengesetzten Sinne, aber immer denselben Gegenstand betreffend, wirkte der Bann oder der Fluch, von welchem im letzten Kapitel des dritten Buches Moses die Rede ist. Alles, was durch diese Art Weihe der Gerechtigkeit des Herrn überliefert war, schien der Sitz der verdammlichsten, unregelmäßigsten Aktionen zu sein, die als solche für das auserwählte Volk die verderblichsten sein konnten. Auch mussten alle Gegenstände des Fluches vertilgt werden, damit die unregelmäßigen Aktionen, die darauf ruhten, wenn sie keinen Sitz mehr fanden, genötigt waren, sich zu entfernen, und damit sie nicht mehr im Stande seien, dem Volke zu schaden. Hierbei kann man lernen, nicht mehr so sehr die Strafe des Acham zu verdammen, den Tod des Agag durch Samuel, die Verwerfung Sauls, der diesen gottlosen und verfluchten König erhalten wollte, und sogar alle die auf Befehl vollstreckten Ermordungen, welche die Schrift erzählt, und welche ganze Städte samt allen ihren Bewohnern ohne Ausnahme trafen, und daher in den Augen der minder vorbereiteten und mit den tiefen Wahrheiten nicht sehr Vertrauten, hauptsächlich aber den Augen derjenigen so empörend erscheinen, für die der materielle Leib alles ist, während Gott nur die Seelen zählt. Denn diese Art Menschen sind weit davon entfernt, dieses große göttliche Geheimnis zu ahnen, (wovon in meinem Werke „Geist und Wesen der Dinge,” gehandelt worden ist), durch welches Gott zuweilen zulässt, dass unschuldige Geschöpfe das Opfer jener furchtbaren Geißeln und jener großen Naturereignisse werden, damit sie, indem sie mit den Schuldigen hinabgestürzt„ „ werden, diese durch ihre Reinheit vor einer noch größeren Verderbnis bewahren, so wie wir Sorge tragen, Nahrungsmittel, die wir aufbewahren wollen, mit reinigendem Salze zu bedecken, weil sie ohne diese Salze durch Verwesung zerstört werden würden. Mit einem Worte, es liegt in diesem Geiste, die vergifteten Basen zu entfernen, woraus man auch ersehen wird, warum dem jüdischen Volke bei der Eroberung des gelobten Landes so sehr empfohlen ward, alles, bis auf die Tiere, auszurotten, weil in diesem Falle durch den Tod der von den unreinen Aktionen dieser Völker verdorbenen Tiere das auserwählte Volk davor geschützt wurde, während beim Gebrauche der Opfer der Tod der reinen und der gereinigten Tiere auf dieses Volk schützende und heilsame Aktionen herabzog. So würde im Gegenteile die zu schnelle Ausrottung dieser Völker das israelitische Volk der unreinen Aktion aller dieser Tiere des Landes ausgesetzt haben, weil diese Völker ihnen als Behälter und als Basis ihrer Wirksamkeit dienten. Deswegen sagt Moses dem Volke im fünften Buche VII, 22. „Er wird diese Völker ausrotten vor deinen Augen, allmählich, Eines nach dem Andern. Du wirst sie nicht auf einmal vertilgen können, auf dass sich nicht etwa die wilden Tiere des Landes gegen dich mehren.” Hiermit wird nicht gesagt, dass die reinen und regelmäßigen Kräfte im Blute der Tiere eingeschlossen und eingehüllt seien, wie dieses viele gedacht und noch denken, indem es sogar einige gibt, wie die Inder, die da glauben, dass alle Arten von Geister darin gebannt seien, um sie zu bewohnen; sondern es gestattet nur die Vermutung, dass alle diese reinen und regelmäßigen Aktionen den Klassen und den Individuen der Tiere anhaften, und dass dieselben bei der Zersprengung der sie enthaltenden Basen dem Menschen nützlich werden können; in diesem Sinne muss man die Stelle bei Moses verstehen, „dass das Blut zur Versöhnung für die Seele gegeben sei;” denn man muss die Seele des Fleisches und folglich die Seele der Tiere nicht mit den regelmäßigen und äußeren Aktionen, die sie regieren, verwechseln.
Aber aus dieser Art Knechtschaft und Zwang, worin sich solche Aktionen befinden, geht eine andere Folgerung hervor, die schon im Voraus durch den mühseligen Zustand des Menschen, und durch diese Art der Verwerfung, die auf ihm haftet, gerechtfertigt ist, und die ihn sichtlich als einen Schuldigen bezeichnet. Diese Folgerung ist, dass, wenn der Mensch das Bedürfnis hat, dass alle seine Aktionen wieder freigelassen werden, damit er selbst den Anfang mache, die seinigen wieder zu erwerben, wenn er mit einem Worte der Gegenstand ist, um dessentwillen das Gesetz sie ins Werk setzt, er doch in etwa an der Revolution, die sie unterwürfig gemacht, beteiligt sein muss. Die Kenntnisse, die der Leser jetzt über den Menschen erlangt haben kann, machen diese Folgerung sehr natürlich. Wenn wir denselben als König betrachten konnten, wenn er seinen Ursprung in der Quelle des Lichts geschöpft; wenn wir es eingesehen, dass er nach dem Bilde und nach der Ähnlichkeit Gottes und als dessen Stellvertreter, der er in der Schöpfung sein sollte, erschaffen ward, so müsste er über alle diese verschiedenen Aktionen, die gegenwärtig mit der Erhaltung der Dinge beschäftigt sind, erhaben sein. Wenn er es nun aber wäre, von dem diese verschiedenen Aktionen erwarten, dass seine weise Verwaltung sie in ihrer Ordnung und in ihrem ursprünglichen Dienste aufrechterhalten werde, dass er nämlich die göttlichen Wunder, die in ihnen niedergelegt, und die als Preis-Opfer dienen sollten, in ihnen entwickeln und offenbaren sollte, so musste, da er selbst auf Abwege geraten, sein Fall wohl alle diese verschiedenen Aktionen und Kräfte in einem Zustande der Dienstbarkeit und des Zwanges, wofür sie nicht geschaffen waren, und der für sie eine Art von Tod ist, mit fortreißen. So sehen wir in den Überlieferungen der Hebräer, die als die Erstgeburt unter den Völkern anzusehen sind, dass die Übertretung und Verhärtung des Pharao die Gerechtigkeit zwangen, nicht nur ihn selbst zu schlagen, sondern auch alle Erstgeborne seines Reiches, von den Menschen bis zu den Tieren, von dem Sohne desjenigen, der auf dem Throne saß, bis auf den Sohn der Magd und des Sklaven. In Folge dieses furchtbaren gegen die Ägypter geübten Beispiels von Rache sehen wir, dass die Hebräer den Befehl erhalten, Gott alle Erstgeborne zu weihen, von Menschen bis zu den Tieren. Diese Zusammenstellung ist eine Hindeutung mehr zu Gunsten der Meinung, die wir über den Zweck und über den Geist der Opfer vorlegten. Denn die Weihe des Priesters, die an sich selbst den Sinn einer jeden andern Weihe anzuzeigen scheint, geschah nie ohne das Opfer eines Widders. Wollte man nun diese Zusammenstellung verfolgen, so würde man sehen, dass durch die Sünde des Menschen alle Erstgebornen, alle Prinzipien, die in jeder Art hervorgebracht wurden, mit ihm in seinen Abgrund herabgezogen wurden, dass aber durch die unerschöpfliche Liebe der höchsten Weisheit, er das Vermögen empfing, alle diese Prinzipien allmählich in ihren Rang wieder einzusetzen, wie nicht minder in der Folge auch seinen Nebenmenschen und den Seelen eine Sabbatruhe zu verschaffen, wie er das Vermögen empfangen hatte, der Natur eine Sabbatruhe zu verschaffen. Kurz man wird sehen, dass die blutigen Opfer den doppelten Zweck hatten, dass sie entweder allen reinen und regelmäßigen Aktionen die ursprüngliche Freiheit wiedergaben, welche die Treulosigkeit hinabsinken und sich an die verschiedenen Klassen der Tiere und an anderen Wesen, welche die Natur ausmachen, befestigen ließ, oder dass sie diese Aktionen in den Stand setzten, dem Menschen Erleichterung zu verschaffen, und ihn von seinen Fesseln zu befreien, worin wir ihn täglich schmachten sehen. Denn in dem Beispiele, das wir eben anführten, muss man immer den Menschen zum Gegenstande nehmen, man muss nur aufmerksam sein, dass die zweifachen ihn betreffenden Typen, an zwei verschiedene Völker verteilt sind, an die Ägypter und an die Hebräer, wovon das Eine den Menschen in seinem Falle und in seiner Verwerfung darstellt, das Andere in seinem Gesetze der Befreiung und der Rückkehr zu jener erhabenen Stellung, der er entstammt ist. Dennoch führen wir die Gesetze und die Zeremonien der Hebräer nicht an, damit sie als Grundlage und als Fundament der Theorie dienen, die wir aufgestellt haben. Diese Theorie beruht hauptsächlich auf der Natur des Ur-Menschen und des gegenwärtigen Menschen; nämlich auf unserer Größe und auf unserm Elend. Findet sie in der Folge auf Erden Zeugnisse, die sie unterstützen und sie aufrechterhalten, so bedient sie sich ihrer nicht als Beweis, sondern nur als Bestätigung. Nach diesem Grundsatze brauchen wir unsere Zuflucht nicht zur heiligen Schrift zu nehmen, um zu entdecken, bis zu welcher Zeit der Ursprung der Opfer hinaufsteige. Was die Preis-Opfer betrifft, so erstrecken sie sich bis in die Zeit vor dem Abfalle des Menschen. Die Blut- und die Sühn-Opfer bis zu dem Moment, wo der mit Schuld beladene Mensch anfing, den Weg wahrzunehmen, der sich ihm zu seiner Befreiung öffnete, und dieser Augenblick ist derselbe, wo es ihm erlaubt war, die Erde bewohnen zu dürfen, weil er zuvor wie ein Kind in einen Abgrund vergraben war, und über keinen Opfer-Gegenstand verfügen konnte, und sogar des Gebrauches seiner eigenen Fähigkeiten nicht mächtig war. Seine ursprüngliche Bestimmung war, mit der ganzen Natur verbunden zu sein während der ganzen Dauer des Werkes, das er zu erfüllen hatte, wenn er sich in seiner Stellung behauptet hätte. Trotz seines Falles fand er sich immer an diese Natur gebunden, aus welcher er nicht ausgehen konnte, und deren schmerzliche Last noch durch die Herrschaft vermehrt wurde, die der Mensch seinem Feinde über die Natur und über sich selbst gestattete. Folglich war der Mensch damals an diese Natur nur durch die Strafe, die sie ihm verursachte, gebunden, indem er mit der Kraft der Finsternis sozusagen identifiziert war. Als ihm endlich der Weg der Rückkehr eröffnet war, konnten diese heilsamen Mittel nur durch die Organe und durch die Kanäle dieser Natur wirken, in welcher er sich statt sie zu beherrschen, vergraben hatte. Folglich sind seine Beziehungen mit den Tieren unzerstörbar, so lange die Natur ihren Lauf nicht erfüllt haben wird. Aber diese Beziehungen wechseln den Charakter nach den verschiedenen Epochen, in welchen der Mensch sich befindet. Zur Zeit seiner Herrlichkeit herrschte er als König über die Tiere, und wenn unser Nachdenken selbst in dieser Zeit die Existenz der Opfer zu vermuten gestattet, so konnte die Wiederherstellung des Menschen nicht ihr Gegenstand sein, wie wir dieses schon gesagt haben, weil derselbe nämlich nicht schuldig war. Zur Zeit seines Falles wurde er das Opfer dieser Tiere und das Opfer der ganzen Natur. Zur Zeit seiner Befreiung besaß er die Erlaubnis und das Vermögen sie zu seiner Förderung zu gebrauchen, wie wir nach allen vorhergehenden Beobachtungen nicht mehr zweifeln dürfen. Da nun diese Grundlagen, wie wir gesehen, auf diese Weise auf einem sichern Fundamente ruhen, so ist es tröstlich die Bestätigung hiervon größtenteils in der heiligen Schrift zu finden. Der erste Mensch in seinem Stande der Glorie erscheint in derselben geschmückt mit einer gänzlichen Herrschaft über die Natur, und vorzüglich über die Tiere, weil ihm sogar die Gabe zuerteilt war, ihnen die gehörigen und konstitutiven Namen beizulegen, die ihnen zukommen; nach seinem Falle ward die Erde verflucht und Feindschaft ward gesetzt zwischen dem Weibe und zwischen der Schlange. Aber kaum ist er zum Anbau der Erde bestellt, kaum fängt sein Geschlecht an sich zu vermehren, so sehen wir auch die Tier-Opfer in seiner Familie üblich; ein starkes Anzeichen, das uns mit Grund vermuten lässt, er habe sie selbst ausgeübt, und diese Ausübung seinen Kindern übertragen, von wo aus sie sich später über die ganze Erde verbreiteten. Ebenso wenig schwierig ist es zu fühlen, wie diese Einrichtung, die so heilsam in ihrem Prinzip und in ihrem Gegenstande war, dem Menschen große Vorteil gebracht haben würde, wenn er ihrem wahren Geiste gefolgt wäre. Es würde genügen dieser halb die Blicke aufs Neue auf die von Moses wieder eingeführten Opfer zu richten, und zu erkennen, dass, wären sie treu befolgt, das Volk niemals wäre verlassen worden und alle Güter auf sich herabgezogen hätte, weil die göttlichen Kräfte und die göttlichen Erleuchtungen es immer umgeben hätten. Das zuerst Bemerkenswerte, das sich in den Anordnungen vorfindet, die sich auf die Opfer beziehen, ist, dass sie an den drei großen Festtagen der Hebräer zahlreicher und beträchlicher waren, nämlich am Paschafeste, am Wochenfeste oder am Feste der Erstlinge und am Lauberhüttenfeste. Diese drei feierlichen Zeiten, so lehrreich durch die Tatsachen, deren Gedächtnis sie auffrischen sollten, durch die feststehenden Zeiten, wo sie gefeiert wurden, und durch die Verbindung, welche sie mit der geistigen Geschichte und mit der Wiedergeburt des Menschen haben, zeigen hinlänglich, von welcher Wichtigkeit die dabei dargebrachten Opfer gewesen sein müssen, weil es scheint, als hätten sie bei der Entwicklung so großer Gegenstände natürlich mitwirken müssen. Um besser die Beziehungen dieser drei Hauptfeste zu der geistigen Geschichte der Wiedergeburt des Menschen einzusehen, muss man den Blick unausgesetzt auf die eigene Natur gerichtet halten und erkennen, dass, da wir geistig durch drei Regionen oder durch drei vorzügliche und konstituierende Vermögen charakterisiert sind, welche in einer jeden dieser drei Ordnungen, der erdhaften, der geistigen und der göttlichen, die wir durchmachen müssen, eine so große Entwicklung erforde in, es gewiss ist, dass alle Mittel und Gesetze, die zu unserer Wiedergeburt mitwirken, ein Verfahren befolgen müssen, welches mit dieser selben Zahl übereinstimmt und welches mit der Art Hilfe, die wir bedürfen, analog sein muss und zwar wegen der Beziehungen, die sich zwischen unseren verschiedenen Entwicklungen und dem Werke der ihnen entsprechenden Epoche findet. Damit aber das Wort Zahl den Leser nicht erschrecke, so will ich einen Augenblick anhalten, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass die Zahlen, obgleich sie in der natürlichen Ordnung feststehen, an und für sich nichts sind, weil sie nur dazu dienen, die Eigenschaften der Wesen auszudrücken. Ebenso dienen in unseren Sprachen die Worte nur zum Ausdrucke der Ideen und haben an und für sich keinen Wert. Nichts desto weniger hat der Geist des unaufmerksamen Menschen geglaubt, dass die Zahl, indem sie die Eigenschaften des Wesens ausdrückt, diese Eigenschaften wirklich in sich enthalte. Dieses verschaffte der Wissenschaft der Zahlen missbräuchlich so viel Glauben und zugleich so viel Ungunst, weil bei ihr, wie bei tausend anderen Dingen, der Inhalt über die Form verloren ging, während doch eine Zahl ohne die Eigenschaften, die sie vorstellt, eben so wenig Existenz und Wert haben kann, als ein Wort ohne die Idee, deren Zeichen es ist. Hier aber findet ein Unterschied statt, da nämlich unsere Ideen wechseln, so können die Worte, die wir gebrauchen, um sie auszudrücken, auch wechseln; während, da die Eigenschaften der Wesen feststehen, die Zahlen und die Zeichen, welche dieselben angeben, dem Wechsel nicht unterworfen sein können. Gleichwohl gibt die Mathematik, obschon sie sehr weit davon entfernt ist, diese feststehenden Zahlen zu kennen und anzuwenden, uns davon eine Idee in den
freien oder willkürlichen Zahlen, deren sie sich bedient; denn allerdings wendet sie fortwährend diese freien und willkürlichen Zahlen auf den Wert der Gegenstände an, die sie ihrer Spekulation unterwirft; und wenn gleich sie dieselben an ihren Wert gebunden hat, so sind sie doch nur noch dessen Zeichen und Repräsentanten; wollte man sie davon trennen, so würden sie nichts mehr sein. Wir aber haben die reine Mathematik oder die aus aller Anwendung gewonnene Abstraktion erfunden. Die Natur kennt diese Art Mathematik nicht. Die Natur ist die fortwährende Vereinigung der geometrischen Gesetze mit feststehenden Zahlen, die wir nicht kennen. Der Mensch kann in seinem Gedanken diese Gesetze unabhängig von ihren feststehenden Zahlen betrachten; die Natur aber ist die wirkliche Ausführung dieser Gesetze und ist aller Abstraktion fremd. Da sich aber die Gelehrten nur mit den Dimensionen und mit dem äußern Spiel der Wesen und nicht mit ihren innersten Eigenschaften befassen, so ist es gewiss, dass sie nicht nötig haben, sich mit den feststehenden Zahlen zu befassen, die nur die Zeichen dieser Eigenschaften sind. In der Tat, da sie sich nur mit den sichtbaren Dimensionen der Wesen oder auch nur mit ihrer Schwere, ihrer Geschwindigkeit und ihrer unmittelbaren Attraktion beschäftigen, so ist es klar, dass sie, um ihr Ziel zu erreichen, mit ihrer gewöhnlichen Zählung ausreichen. Da das über die Zahlen Gesagte hinreicht, um den Vor- urteilen zu begegnen, die diese Art Wissenschaften mit sich führen, so komme ich auf die Opfer zurück. Die erste Stufe unserer Wiedergeburt ist nur unsere Berufung aus dem Lande der Vergessenheit oder aus dem Reiche des Todes und der Finsternis. Dieses erste Werk ist unumgänglich, damit wir nachher auf dem Wege des Lebens wandern können, so wie es unumgänglich ist, dass das Korn in der Erde aufgäre und seine Wurzeln treibe, um sodann dem Fortgange seines Wachstums zu folgen und Früchte zu bringen. Auch sehen wir, dass die Wiedergeburt des hebräischen Volkes mit dem großen Werke beginnt, wodurch es aus Ägypten geführt und auf den Weg gebracht wurde, der dasselbe in das gelobte Land leiten sollte. Am auffallendsten aber ist, dass sogar die Zeit beiträgt, um bei diesem wunderbaren Werke den Tribut der Korrespondenz zu zollen, indem es in dem ersten Monate des Heiligen Jahres der Hebräer dargebracht ward, welches, da es im Frühling anfängt, der Zeit nach den Übergang ausdrückte, den die Natur von dem Schlummer und von dem Tode des Winters zu den geschäftigeren und fruchtbareren Tagen macht. Zwar brachten die Hebräer damals keine Brandopfer, weil nach dem Bilde des Menschen im ersten Akt seiner Befreiung sie noch ohnmächtig und über ihr Gesetz unwissend waren, welches ohne ihr Wissen auf dieselbe Weise auf sie wirkte, wie es auf das Kind wirket, das zur Welt kommt. Nichts desto weniger opferten sie in jedem Hause ein Lamm; und wenngleich dies nicht in der Form der Opfer geschah, die seitdem eingeführt ward, so war doch in dieser Zeremonie eine wirksame Kraft und eine Initiation für alles, was sie in der Folge wirken sollten, dergestalt, dass wir in dieser berühmten Epoche vier wichtige Dinge mit einander Schritt halten sehen, nämlich die Berufung des Menschen zum irdischen Leben, die Befreiung des auserwählten Volkes, die Wiedergeburt der Natur und das Vergießen des Blutes. Diese vier Dinge konnten nicht auf eine so hervortretende Weise zusammentreffen, wenn sie nicht eine innige Beziehung zu einander hätten. Man muss sogar nicht außer Acht lassen, dass das Schlachten des Lammes der vorbereitende Akt war und der Befreiung der Hebräer vorausging. Dieser Umstand lässt vermuten, wie rein und geordnet die an dieser Art Tiere haftenden und durch ihre Darbringung wieder in Freiheit gesetzten Aktionen sein mussten, weil sie vom Würgengel anerkannt und das Schutzmittel wurden, dessen Gott sich bediente, um das hebräische Volk vor allen Geißeln seiner Gerechtigkeit zu bewahren. Dies zeigt klar genug, was wir oben gesagt haben, dass nämlich das Blut das Grab des Menschen sei, und dass er notwendig davon befreit werden müsse, um den ersten Schritt auf der großen Bahn des Lebens zu beginnen. Dies zeigt uns auch, dass das Lamm unter allen Tieren die umfassendsten und die Vorteilhaftesten Beziehungen auf die Wiedergeburt oder auf die Befreiung des Menschen hat, und dass gerade dessen Darbringung ihm am meisten frommen konnte, indem es ihn selbst durch die verborgenen Kräfte des Opfers dazu vorbereitete, ruhmreicher und sicherer aus seinem eigenen Blute ausgehen zu können. Man kann sogar einige Zeugnisse zu Gunsten dieser Wahrheit in der bloß materiellen Ordnung finden, in welcher wir sehen, dass diese Art Tiere, zu denen das Lamm gehört, diejenigen sind, welche unserem Körper die meisten Wohltaten gewähren und für unsere ersten Bedürfnisse allein hinreichen, indem sie uns mit Nahrung, Kleidung und Licht versehen. Es ist nicht überflüssig hinzuzufügen, dass diese Art Tiere nur unseren passiven Bedürfnissen abhelfen, nur den Bedürfnissen, die man mit den Bedürfnissen der Kindheit oder den Bedürfnissen des Menschen in der Beraubung vergleichen kann; dass sie aber keine der aktiven Dienste leisten, deren wir in einem andern Alter bedürfen, und die uns durch die Vermittlung anderer Tierarten geleistet werden. Auch sehen wir hier einen Grund, warum beim Auszuge aus Ägypten bloß das Lamm geopfert wurde, weil das auserwählte Volk erst zu jener Zeit geboren ward und zeitlich die leibliche und geistige Kindheit des Menschen darstellte; ebenso wie die Zeit des Frühlings die Geburt und die Kindheit der Natur darstellte. Diese Erst- Epoche zeigte drei Eigenschaften zugleich: sie erinnerte an die Berufung des ersten Menschen zum irdischen Leben; sie war die wirkliche Berufung des auserwählten Volkes zum Gesetze des Geistes und sie war das prophetische Vorzeichen unserer zukünftigen Wiedergeburt im Gesetze Gottes. Und dieser dreifache Charakter findet sich in allen Epochen, die wir durchgingen, weil sie in der Erfüllung der Zahl, die sie darstellen, alle miteinander verbunden sind, und weil sie auf diese Weise der Reihe nach werden: erstens, commemorativ, erinnernd; zweitens, Aktuell oder wirklich; drittens, sigurativ, vorbildlich, oder prophetisch. Auch sehen wir, dass dieser Erst- Epoche eine zweite folgt, in welcher das hebräische Volk das Gesetz auf dem Berge Sinai empfängt. Alle vorhergehenden Beziehungen finden sich in dieser Epoche wieder. Nachdem wir zum irdischen Leben berufen, gibt es ein Alter, wo der Geist seine erste Verbindung mit uns eingeht und uns seine ersten Strahlen mitteilt. Nachdem der erste Mensch dem Abgrund entrissen war, in den ihn die Sünde gestürzt und er durch den Tod Abels und durch die Buße Einlass zum Wege der Gerechtigkeit erlangt hatte, empfing er Tröstungen, die uns durch die Geburt seines Sohnes Seth angekündigt werden, der auf seine Familie die erste Gnadenverheißung herabzog, welche die höchste Barmherzigkeit dem menschlichen Geschlecht noch jetzt zu gewähren sich würdigt. Wenn es uns gleich unbekannt wäre, in welch‘ einer Epoche der erste Mensch, der niemals ein Kind war, den ersten Beistand der Gnade empfing, so wissen wir doch, dass bei jedem einzelnen Menschen die ersten Keime des Geistes sich gegen das siebente Jahr zeigen, und so die Früchte dieser Keime sich auf natürlichem Wege in Zeiträumen entwickeln könnten, die einem Multiplum dieser Zahl entsprechen. Auch wissen wir, dass dem hebräischen Volke neunundvierzig Tage nach seinem Durchzuge durch das rote Meer das Gesetz gegeben ward. Wir wissen, dass diese Epoche mit der Hervorbringung der ersten Früchte zusammentrifft und dass das Fest, welches bei dieser Veranlassung gestiftet ward, das Wochenfest oder das Fest der Erstlinge genannt wurde. Endlich wissen wir, dass dieses Gesetz mit dem Blute der Brandopfer und der Friedens-Opfer benetzt wurde, und dass die Opfer aus dem großen Herdenvieh oder aus den Kälbern gewählt wurden. (Zweites Buch Moses 24, 5.) Alle Zusammenstellungen, die hieraus hervorgehen, sind nach den hier oben aufgestellten Grundsätzen leicht zu folgern. Indem wir hier an die allgemeine Grundlage oder Basis der sieben Formen der ewigen Natur erinnern, bezeichnet uns die Zahl sieben, die in neunundvierzig enthalten ist, das Spiel und die Einwirkung dieser sieben geistigen Kräfte auf das auserwählte Volk, um demselben die Bahn der lebendigen Werke zu eröffnen, wie auch diese Einwirkung in dieser selben Epoche durch die Hervorbringung der ersten Früchte der Erde oder durch die Erstlinge bezeichnet wird; und es unterliegt keinem Zweifel, dass dieses Gesetz durch die Kräfte dieser Zahl auf den ersten Menschen gewirkt habe, wie es dieses noch auf jeden Menschen insbesondere tut und es gewiss noch auf eine fühlbarere und bestimmtere Weise tun würde, wenn wir uns trotz des Beistandes, womit die Weisheit uns seit unserem Ursprung überhäuft, nicht täglich mit falschen Substanzen anfüllten, die uns gemeiniglich in falschen Schranken halten und die wahren Substanzen hindern, auf uns einzuwirken. In dieser Epoche war es, wo das Blut der Kälber vergossen ward, in der ersten war es nur das der Lämmer. In der ersten Epoche, welche nur die der Befreiung war, diente das Blut des Lammes zum Organ für das Werk der Barmherzigkeit, das damals zum Besten des Volkes gewirkt ward und welches durch die Sanftmut, deren Sinnbild dieses Tier ist, angedeutet wurde. Denn bei der Erforschung der hervortretenden Charaktere der verschiedenen Tiere können wir einige Aufschlüsse erhalten in Bezug auf die Aktionen, von denen sie beherrscht werden; und auf die Werke, bei denen sie dem Plane der Weisheit gemäß mitwirken müssen. In der zweiten Epoche, wo das Volk mitten in der Wüste war und sich auf dem Wege der Heimkehr nach seinem Vaterlande befand, bedurfte es einer beträchtlicheren Kraft, seinem Feinde widerstehen zu können, und alles bewegt uns zu dem Glauben, dass das bei dieser Veranlassung vergossene Blut der großen Tiere ein hinlängliches Zeichen ist, dass dieses die Aufgabe der Darbringung dieser Art Opfer war. In der ersten Epoche hatte das Volk nichts zu tun; es brauchte nur dem Geiste zu folgen, der alles für dasselbe tat, wie eine Mutter oder eine Amme alles für die noch kleinen Kinder tut. Auch hatten sie noch kein Gesetz. In der zweiten Epoche wird, das Volk als durch sich selbst wirken könnend betrachtet, und nun erst wird ihm das Gesetz gegeben, nun erst werden ihm alle Vorschriften gelehrt, damit es während der mühseligen Reise, die ihm noch zu machen übrig blieb, sein Verhalten nach diesen Vorschriften ordnen könne. Es war daher natürlich, dass dieselbe Weisheit, die ihm Gesetze vorschrieb, ihm auch hinlängliche Kraft mitteilte, sie zu erfüllen, und dieses wird uns durch das Opfer der Kälber angezeigt, ohne hier der geistigen Kräfte zu erwähnen, die es durch die, in seiner Gegenwart, auf dem Berge Sinai bewirkten Wunder empfing, noch derjenigen, die es durch die Einweihung seiner Priester empfangen konnte, welche erst nach der Verkündigung des Gesetzes und sozusagen nach der Befreiung des Volkes und nur deswegen geschah, um diese zweite Epoche zu ergänzen und zu befestigen. Denn Moses war unmittelbar und ohne Einmischung des Amtes eines Menschen ordiniert, weil er gleichsam der Gott des Pharao sein und den Aaron zu seinem Propheten nehmen sollte. (Zweites Buch Moses 7.)

Es ist gewiss, dass diese zweite Epoche zugleich erinnernd, aktuell und vorbildlich war, wie die erste Epoche es gewesen war. Nur muss man beachten, dass eine jede dieser Beziehungen um eine Stufe steigt, weil die zweite Epoche von einem Punkte ausgeht, der eine Stufe höher ist, als die erste Epoche, was man berücksichtigen muss, wenn man die folgenden Epochen betrachtet, welche, indem sie durch allmähliche Schattierungen fortschreiten, sich stets zu einer höheren Wirkung steigern, ihren Charakter aber immer beibehalten. Die dritte Epoche in dem engeren Sinn, woran wir uns für den Augenblick halten, ist uns durch keine historische Tatsache der Heiligen Schrift bekannt. Sie wird uns nur durch die Feierlichkeit des Festes angezeigt, das angeordnet ward, um sie zu begehen und das Fest der Lauberhütten genannt wurde. Da dieses Fest keine wirkliche Tatsache zu heiligen hatte, so wird es uns in der Schrift (drittes Buch Moses 23, 43.) auch nur als auf ein früheres Ereignis hindeutend vorgestellt, nämlich um das Volk zu erinnern, dass Gott es habe unter Zelten wohnen lassen, nachdem er es aus der ägyptischen Dienstbarkeit befreit hatte. Aber es wäre kein Irrtum, wollte man sagen, dass die Entwicklung der Wiedergeburt damals nicht hinlänglich fortgeschritten war, damit diese Epoche dem Geiste des Volkes alles hätte darbieten können, was sie enthielt; insbesondere den Aufenthalt, den der Mensch eine Zeitlang in der Mittel-Region zwischen seiner primitiven und seiner wirklichen Wohnung nehmen muss, wenn er seine leibliche Hülle verlässt, die für ihn sein Ägypten ist und wo sein Blut wohnt, das in Betracht seiner ein wirklicher Pharao ist. Nun aber war dieses Fest, welches durch die Menge der Opfer, die man darbrachte, das größte von allen war, der prophetische und vorbildliche Ausdruck aller Güter, die das Volk in zukünftigen Zeiten noch zu erwarten hatte, von denen es aber noch keine Idee haben konnte, weil noch keine dieser Zeiten für dasselbe herangekommen waren. Die Größe dieser Güter können wir nach dem Zeitpunkte des Jahres, wo dieses Fest gefeiert ward, ermessen; es war im siebenten Monate, es war nach der Ernte aller Früchte, beim Beginne des bürgerlichen Jahres, obgleich in der Mitte des Heiligen Jahres. Man kann also mit Zuversicht dem Ende des Kreislaufes der zeitlichen Dinge, der Ankunft des geistigen Reiches und der Unermesslichkeit der Gaben und Schätze, die aus der Entwicklung aller dieser Kräfte hervorgehen, entgegensehen und zwar in allen folgenden Epochen, welche zwischen dem Moment der Einsetzung dieses Festes und zwischen der Erfüllung des großen Kreislaufes lagen. Es bedarf selbst nicht einmal einer Erinnerung an die hervortretenden Eigenschaften der Siebenzahl; es reicht aus sie zu nennen, um gewiss zu sein, dass das Fest mehr prophetischer als commemorativer Natur für die einsichtigen Menschen jener Zeit war, wenngleich es für das Volk mehr commemorativ als prophetisch war. Wir wollen nur zur Belehrung derjenigen, die eine freie Einsicht in die Prinzipien haben, deren Zeichen die Zahlen sind, hinzufügen, dass die Siebenzahl in dieser dritten Epoche vollständiger wirkt, als dies in der zweiten der Fall war, die nur eine Initiation zum Gesetze, wohingegen die dritte Epoche die Erfüllung der Zeit dieses Gesetzes war. Auch in der zweiten Epoche wirkt die Siebenzahl sozusagen nur noch in sich selbst und in ihrem eigenen Kreise, während sie in der dritten Epoche ihre Wirkungen in den ganzen Kreislauf der Dinge durch das Mittel der sechs Mond-Monate eindringen ließ, über deren Verlauf sie ihre Kräfte erstreckte und entwickelte, wodurch die Wirkungen der sechs Schöpfungs-Tage, die der Sabbat beschloss, bildlich geschildert und die große Sabbattsepoche vorgebildet wurde, in der der große Kreislauf des Weltalls sein Ziel erreichen und den Geschöpfen die Freiheit wiedergeben muss. Eine zweite Grundwahrheit, die wir hier aufstellen können und die sich an jene knüpft, die wir schon früher aufgestellt haben, ist: dass während der Herrschaft des Opfergesetzes alles durch Transposition gewirkt ward, weil der Mensch von der Wahrheit zu entfernt war, als dass sie sich hätte unmittelbar mit ihm verbinden können. Die eherne Schlange, die Darbringungen, die Opfer, selbst die Züge des hebräischen Volkes, das von einem Lande in das andere übersiedelte, sind genügende Zeugnisse, uns begreiflich zu machen, dass dies die Natur dieses Gesetzes war, und überdies tritt dieses Gesetz uns näher, wenn wir bedenken, dass der Mensch, da er durch die Sünde an geteilte, wenngleich analoge Aktionen gebunden ist, nur durch die Wiedervereinigung dieser analogen von dem mühsamen Joch ihrer Trennung befreit werden konnte. Aber dieses Gesetz scheint in eben dem Masse, als es fortschreitet, dem auserwählten Volke, welches als der Typus des Menschen angesehen werden muss, mehr und mehr heilsam zu werden. Auch sieht man, dass eine Steigerung der Gnaden, der Einwirkung und der Gunstbezeugungen, der Steigerung der Feste und der Epochen folgt, wie wir dieses schon bemerkten. Auch das fortdauernde Opfer, indem es ganz zum Gedächtnis an die Befreiung aus Ägypten dargebracht ward, zeigte dennoch zugleich die fortdauernde Fürsorge der höchsten Liebe für das Volk, welches sie niemals verlassen will. Auch die außerordentlichen Brandopfer, die damals mit den drei größten Festen verbunden waren, hatten zum Zwecke, auf das Volk tätigere Kräfte, die mit dem Plane dieser verschiedenen Epochen korrespondieren konnten, herabzuziehen; denn es kommen dabei Stiere, Widder und sieben Lämmer vor, abgesehen von allen Gaben, die sich überhaupt den Opfern anschlössen. So wurden in diesem Volke die Keime gesät, welche ihre Erstlinge der folgenden Epoche überliefern sollten, und für die es während seines Aufenthaltes in Ägypten noch nicht empfänglich war, weil es zuvor gereinigt werden musste, indem die Wohnung des Todes nicht fähig ist, die Aussaat des Lebens in sich aufzunehmen. Wäre nicht über die Natur und über die Eigenschaften der Tiere ein so dichter Schleier ausgebreitet, wie dieses der Fall ist, so würden wir ohne Zweifel den letzten und positiven Grund, warum die Stiere, die Widder und die Lämmer vorzugsweise vor andern Tieren bei allen Opfern gebraucht wurden, klar und deutlich einsehen. Wir würden bis ins Einzelne jenes fundamentale und allgemeine Prinzip rechtfertigen, dass durch ihre Verbindung mit den äußeren Aktionen diese Art Opfer durch das Vergießen ihres Blutes auf das Volk die verschiedenen Aktionen, deren Sinnbild und Typen sie sind, herabziehen musste, und dass es sich hierdurch Kräfte zugesellte, welche die Stelle jener vertraten, die es einstens vom Geiste selbst empfangen solle, von denen es damals noch zu weit entfernt war. Wir besitzen aber nicht mehr die ursprünglichen Namen dieser Tiere, deren Kenntnis allein eine lebendige und lichtvolle Klarheit über die verschiedenen Tiergattungen, die als Opfer zulässig waren, verbreiten würde, so wie auch über die verschiedenen Gattungen der Vegetabilien, die als Opfergabe bei den Opfern dienten. Denn wenn die wahren Zahlen die Eigenschaften der Wesen ausdrücken, so drücken die- wesentlichen Namen sie noch genauer aus, weil sie deren aktives Organ sind. Eben dieses war es, was einst den Vorrang des ersten Menschen bezeichnete, und eben dasselbe muss gegenwärtig, wenigstens teilweise den Vorrang des wahren Weisen oder des wahren Ausspenders der göttlichen Dinge bezeichnen, damit sie den Dienst des Herrn mit Nutzen und auf wirksame Weise vollbringen.
Selbst die hebräischen Wörter gewähren eine geringe Hilfe, diesen wichtigen Gegenstand aufzuklären, Sie sind nur für die Namen der Menschen auf eine tätige Weise fortgeschritten, nämlich in Beziehung auf die Nachkommen des auserwählten Volkes und dessen Diener, wie man dies an den bezeichnenden Namen der Patriarchen und der Propheten sieht, weil es sich auf diesem Wege der Erwählung und der Wiederherstellung hauptsächlich um den Menschen handelt; wohingegen, da die Zeit der großen Wiederherstellung der Natur noch nicht gekommen, die Namen der Pflanzen und der Tiere in der hebräischen Sprache ebensowenig als in allen andern Sprachen fortgeschritten, und deren wahre Namen noch in der Sprache vergraben liegen, die Jacob Böhme die Sprache der Natur nennt; und dies währet, bis die Siegel gelöst werden. Man braucht nur die allgemeine Idee, die wir früher aufgestellt haben, zu wiederholen und weiter auszudehnen, nämlich die Idee, dass seit der furchtbaren Umwälzung, welche die Natur nach dem ersten verbrecherischen Abfall der ersten Übertreter erlitten, es Substanzen und Gattungen gab, sowohl von Mineralien, als von Vegetabilien und Tieren, von denen sich die einen besser als die andern erhielten, die nämlich einer größeren Menge lebendiger und kräftiger Eigenschaften des ursprünglichen Zustandes der Dinge bewahrten, und dass ohne Zweifel diese Substanzen vorzugsweise bei den Opfern und bei allen andern zeremoniellen Teilen des religiösen Kultus angewandt wurden, da sie dem Menschen die größten Dienste leisten konnten, insofern sie dem ersten Bunde näher standen. Aber diese Idee würde erfordern, dass ihr eine ausgedehntere Kenntnis dieses ursprünglichen Zustandes der Dinge voranginge; auch deuten wir dieses nur an. Wir wollen zu einem Einwande übergehen, den man gegen den Schlüssel machen kann, von dem wir sagten, dass er dazu dienen müsse, die Opfer zu erklären.

Wenn die Opfer zum Vorteil des Menschen durch Vermittlung ihrer Korrespondenzen wirkten, wenn das Vergießen des Blutes der Opfer das eingeführte Mittel war, um diese Aufgabe zu erfüllen, woher kommt es dann, könnte man fragen, dass die Beschneidung nicht statt aller andern Opfer diente? Denn da bei dieser Beschneidung das Blut des Menschen selbst vergossen ward, so scheint es, als müsste dieses wirksamer für ihn sein, als alle andern Opfer, und zwar wegen des Vorranges seiner Korrespondenz. Wir könnten darauf folgendes erwidern: Wenn die blutigen Opfer durch ihre Korrespondenzen wirkten, so wurzelte doch ihre Kraft in der Sehnsucht des Dieners und in der des Gläubigen, der sich mit ihm vereinigte. Denn alsdann kam die göttliche Sehnsucht, selbst sich mit der ihrigen zu verbinden. Da nun aber unter keinen Umständen diese Sehnsucht, die der wahre Glaube ist, einer Basis entbehren kann, so vertrat das Blut der Tiere deren Stelle, und war ihnen behilflich, höher zu steigen, insofern diese Sehnsucht sich auf die vollständige Basis und auf das göttliche Herz stützen konnte, das im Verborgenen alle diese Opfer lenkte, und ihnen die Vollendung geben musste. Denn man kann im Vorübergehen bemerken, dass die Notwendigkeit einer Basis, worauf unser wahrer Glaube oder unsere Sehnsucht ruhen kann, der Schlüssel zu allen verschiedenen Opfern ist, sie mögen blutig oder unblutig sein, so wie auch der verschiedenen Idole und Kulte, denen auf Erden gehuldigt wird: alles Dinge, bei denen man sieht, dass die Völker im Grunde desselben Glaubens und nur über die Basen im Irrtum sind; dass aber, da die Wahl dieser Basis so sehr wichtig ist, weil sie durch feststehende Korrespondenzen mit einem wahren Zentrum, sei es nun mit einem natürlichen, geistigen oder göttlichen zusammenhängen muss, bei den großen Irrtümern der Völker in dieser Beziehung es nicht auffallend sein kann, wenn ihre Finsternis so allgemein ist.

Nun aber konnte die Beschneidung dieser Sehnsucht, oder diesem Glauben nicht als Basis dienen, weil sie in den ersten Tagen nach der Geburt geschah; bei Abraham geschah sie erst, als er schon erwachsen, weil dieser Patriarch nicht wohl als Kind erwählt werden konnte, um der Stammvater des auserwählten Geschlechtes zu werden, und weil er über dem freiwillig in diesen Bund eingehen musste. Auch repräsentierte er hierdurch nur die ersten Stufen seiner Wiederversöhnung. Aber obgleich das Kind keine wahre Sehnsucht, noch einen wahren Glauben haben kann, so hatte doch das bei der Beschneidung vergossene Blut der Kinder eine Wirkung. Diese Wirkung beschränkte sich indessen sozusagen auf eine Art Abwaschung, als sonderte sie dieselben gleichsam einiger Maßen von der Herrschaft des Blutes, in welche die Sünde des ersten Menschen uns alle herabgestürzt hat, und weihte sie hierdurch zu dem aktiven und wirksamen Werke, zu welchem ihre Sehnsucht oder ihr Glaube sie eines Tages freiwillig bestimmen sollte. Auch war es mehr eine vorbildliche Wirkung der großen Beschneidung oder ihrer leiblichen Befreiung, als eine Wirkung der Wiederbelebung und der Wiedergeburt, wie dieses bei den Brandopfern der Fall war, wo der Glaube wenigstens eine Art Aktion hatte, wo das reine Opfer dargebracht ward, und wo die vollständige Entwicklung aller Korrespondenzen der regelmäßigen Aktionen vermögend war, den Menschen wieder in einen Teil seiner Rechte und seines Genusses einzusetzen. Außerdem hat man oben schon gesehen, dass der Tod des Menschen das einzige blutige Opfer war, das ihn in die Fülle seiner Beziehungen und auf den vollkommenen Weg der Rückkehr zu seinem Prinzip wieder einsetzen konnte. Da auch durch die Beschneidung das Prinzip des animalischen Lebens nicht abgeschnitten war, so konnte die Beobachtung dieses Gesetzes auf den Menschen nur kräftige und restaurierende Aktionen herabziehen, und wenn das Blut der Tiere dem seinigen nicht substituiert wäre, so würde er Zeit Lebens in derselben Beraubung und in derselben Knechtschaft geblieben sein. Immerhin war, wir wiederholen es, die Beschneidung nicht nutzlos, weil sie eine Art Einweihung zu höheren Stufen war, die der Mensch noch nicht einnehmen konnte. Aber gerade deshalb, weil sie eine Art Einweihung war, war es notwendig, dass sie ihn dafür empfänglich machte, deren progressiven Früchte zu empfangen, und sie bewirkte dieses wirklich zu seinem Vorteil, indem sie sein Blut allen geregelten Aktionen öffnete, welche die Tieropfer auf ihn herabziehen konnten. Dies ist der Grund, weshalb diese Zeremonie so streng anempfohlen wurde, als die göttliche Macht diesen Gebrauch, der vielleicht schon bei andern Völkern Sitte war, aber nicht zu seinem wahren Zwecke angewandt wurde, heiligte und unter die Zahl der heiligen Gesetze des jüdischen Volkes aufnehmen ließ. Deswegen waren auch alle Unbeschnittenen von den Opfern ausgeschlossen, weil die regelmäßigen Aktionen, welche diese Opfer an sich zogen, wenn sie den Weg nicht geöffnet fanden, um in das Prinzip des Lebens einzudringen, statt für ihr Heil zu wirken, mit Kraft und Gewalt gegen die Übertreter des Gesetzes gewirkt und sie aus der Mitte des Volkes ausgerottet haben würden. Nach diesem Grundsatze könnte es scheinen, dass, da die Beschneidung erst nach der Sintflut stattgefunden, alle vorher dargebrachten Opfer nutzlos gewesen und gar keine Früchte hätten bringen können. Erstens, wenn wir auch keinen Beweis haben, dass dieser Gebrauch schon vor der Sintflut ausgeübt wurde, so haben wir doch ebensowenig einen für das Gegenteil; zweitens, wenn wir zugeben, dass er in der Tat erst nach der Sintflut entstand, so schwindet die Schwierigkeit, sobald man über den Unterschied des Zustandes, in welchem sich das menschliche Geschlecht in diesen beiden Epochen befand, nachdenkt, was man ebenfalls auf die Tiere anwenden muss. Vor der Sintflut war der Mensch im Genuss aller Kräfte seiner animalischen und leiblichen Natur; diese vergängliche Hülle, die ihm gegeben ward, damit sie ihm als Organ der höheren Aktionen und Kräfte diente, deren er bedarf, stimmte mehr mit dem Plane der Wiederherstellung überein, der für ihn entworfen war, und da er folglich den wiederherstellenden Einflüssen mehr geöffnet war, so würde es nach dieser wahrscheinlichen Vermutung der Beschneidung nicht bedurft haben, damit dieselben bei ihm Eingang finden konnten. Da anderseits die Tiere sich damals einer beträchtlicheren Lebenslänge erfreuten, als nach der Sintflut, so mussten sie durch das Vergießen eines kräftigeren Blutes die Wirkung verstärken, und den Beistand, den diese Verrichtung von der Beschneidung in der zweiten Epoche zu erwarten schien, um so viel weniger notwendig machen. In dieser zweiten Epoche hat sich alles verändert. Die ganze Natur ist von der Geißel der Sintflut heimgesucht und alteriert worden. Das Menschengeschlecht, dessen Missetaten diese Geißel herbeigeführt hatten, fühlte sich in den Fesseln seiner Materie weit mehr eingeschränkt. Sogar die Tiere verloren an ihrer Lebenskräftigkeit durch die Umwandlung, welche mit ihrem Geschlechte vorging und wodurch sie unter das herabsanken, was sie waren, ehe die höchste Gerechtigkeit ihre Rache erscheinen ließ. Kurz, was kann man nicht alles aus den ungeheuren Skeletten der Mammuts vermuten? Hätte die Weisheit dem Menschen nicht ein Mittel verliehen, diesen traurigen Folgen der Gerechtigkeit zu steuern, so wäre er ohne irgendeinen Weg der Rückkehr zu seinem Prinzip geblieben, und der Plan der göttlichen Liebe zum Vorteil des Menschengeschlechtes wäre nicht erfüllt worden, weil die erste Einweihung zu diesem Wege der Rückkehr nicht hätte stattfinden können. Nun aber erscheint uns nach allem, was wir oben gesehen, die Beschneidung als das heilsame Mittel, welches seit der Sintflut die Vorteile ergänzte, deren sich die Menschen und die Tiere vor dieser denkwürdigen Katastrophe erfreuten. Es wäre sogar möglich, dass, wenn die Völker die Gesetze und die Einrichtungen treu befolgt hätten, welche Noah ihnen als Erwählter und Vorgesetzter des Herrn übergeben hatte, sie sich vielleicht in Beziehungen erhalten hätten, die hinlänglich mächtig gewesen wären, dass sie des neuen Mittels nicht bedurft hätten. Aber durch die Übertretungen des Cham und des Chanaan und durch die in der Ebene Sennear begangenen Gräuel fügten sie den Fesseln, die sie als Folge der Sintflut empfangen hatten, neue hinzu und schärften hierdurch die Hindernisse, die sich ohnehin schon ihrer Vereinigung mit ihrer Quelle entgegensetzten. Es wäre daher nicht auffallend, wenn die unerschöpfliche Liebe, die sie erschuf, ihnen bis in den Abgrund gefolgt wäre, in welchen jene sich gestürzt, und ihnen einen neuen Weg eröffnet hätte, um sich ihr wieder zu nahen. Wir wollen jetzt zu den drei Epochen zurückkehren und bemerken, wie sie uns in der Geschichte der Beschneidung der Hebräer im Kleinen dargestellt werden. Unter Abraham ist in der heiligen Schrift zuerst von der Beschneidung die Rede; durch sie bestätigt der Herr seinen Bund mit ihm und mit seinen Nachkommen. Bei welch‘ einer Veranlassung wird diese Beschneidung vom Herrn angeordnet? Es ist in dem Moment, wo er dem Abraham, so wie seinem Weibe einen andern Namen gibt, indem er ihrem Namen einen einzigen Buchstaben jenes geheiligten Namens zufügt, unter welchem er sich das erste Mal dem Moses erkennbar macht. Es ist in seinem Alter von neunundneunzig Jahren, es ist in dem Momente, wo Gott soeben im Opfer einen Bund mit ihm geschlossen hat und wo er ihm den Besitz des gelobten Landes verheißet; kurz es ist der Moment, wo er zum ersten Mal ein Volk erwählt, in welchem alle Geschlechter sollen gesegnet werden. Alle diese Punkte zusammengenommen zeigen uns auf’s Neue, dass die Beschneidung eine einweihende Kraft für alle Güter verlieh, die Gott seinem Volke bestimmte, und dass alle diese Verheißungen nichtig gewesen wären, hätte er ihnen nicht diesen Weg zu deren Erfüllung eröffnet. Abraham empfing indessen diese göttlichen Begünstigungen vor dieser Zeremonie, weil er aus seinem Lande gerufen ward, wo die Gottlosigkeit ihren Sitz aufgeschlagen, weil er dem Herrn in Bethel und Membra Altäre errichtet hatte und seinen Namen anrief, weil er von Melchisedech gesegnet wurde, weil er in dem blutigen Opfer, das er auf Befehl Gottes darbrachte, ein evidentes Zeugnis der Gegenwart des Geistes empfing. Alles dieses widerspricht aber keineswegs den aufgestellten Prinzipien. Abraham war der Auserwählte des Herrn, obgleich er unter Götzendienern geboren war, und obgleich einige ihn beschuldigen, mit Götzen verkehrt zu haben. Sein Herz vermochte es sich rein zu erhalten, obgleich sein Geist den Finsternissen damaliger Zeit preisgegeben war. Folglich konnten die göttlichen Begünstigungen auch ohne das sekundäre Mittel der Beschneidung bei ihm Eingang finden. Außerdem muss man die Wege, die angewandt wurden, um eine Erwählung von Seiten Gottes zu offenbaren, wesentlich von denen unterscheiden, welche dazu dienen sollten, diese Erwählung zu ihrem Ziele zu führen. Wir werden sehen, wie sie fortwährend bei allen Erwählungen und in allen Epochen zwei Klassen bilden; wir haben den sichersten Beweis davon bei der Erwählung des Abraham, weil trotz aller Begünstigungen, als deren Gegenstand wir ihn vor der Beschneidung sehen, er doch erst nach der Erfüllung dieses Gesetzes an ihm und seinem ganzen Hause, die drei Engel bewirtet, die Zeit für die Geburt des Isaak deutlich bestimmt ward und er endlich nach Verlauf eines Jahres den Sohn erhielt, durch welchen der in Abraham begonnene Bund sich erfüllen und verwirklichen sollte. Es bedarf weiter nichts, um uns zu überzeugen, dass in dieser Epoche, in welcher zum ersten Male von der Beschneidung die Rede ist, ihre Aufgabe eine Art von Einweihungsweg zu allen den Gütern war, die durch die Auserwählung verheißen worden, und als solche hat sie hier unverkennbare Beziehungen mit dem, was wir über das Pascha, oder über die erste Epoche des Weges der Rückkehr des hebräischen Volkes in das gelobte Land gesagt haben. Das zweite Mal wird der Beschneidung in der Heiligen Schrift unter Moses Erwähnung getan (2. Buch Mose 4, 25.), wo zu vermuten ist, dass diese Zeremonie vernachlässigt worden, und dass dieses die Ursache des Zornes des Engels war, umso mehr, da die Beschneidung mit allen andern Gesetzen und Vorschriften, die auf dem Berge gegeben, aufs Neue war anbefohlen worden (3. B. M. 12, 3.), weswegen wir dieses auf dem Berge gegebene Gesetz der Beschneidung und die am Sohne des Moses vollzogene Beschneidung als zu Einer Epoche gehörig betrachten. Der Moment, wo dieses Gesetz wieder zum Vorscheine kam, ist durch dessen Übereinstimmung mit dem, was sich unter Abraham zutrug, merkwürdig. Nachdem Moses den brennenden Dornbusch gesehen und er von Gott die Verheißung der Befreiung des Volkes empfangen hatte, nachdem er selbst war erwählt worden, um als Werkzeug dieser Befreiung zu dienen und er die außergewöhnlichsten Zeichen seiner Sendung empfangen hatte, ist die göttliche Rache bereit, seinen Sohn zu treffen, die nur durch die Unterwerfung der Ziphora aufgehalten wird; kurz, es ist in dem Momente, wo Moses nach Ägypten zurückkehrt, um seine Sendung zu beginnen, wo diese Zeremonie an seinem Sohn vollzogen wird.

Diese Zusammenstellung zeigt uns deutlich genug, dass diese Zeremonie als Initiation zu dem Genuss der Früchte der verheißenen Befreiung dienen sollte, wie sie unter Abraham in gleicher Art für die Früchte der Auserwählung gedient hatte, so wie auch dass weder die einen noch die andern ohne Blutvergießen konnten geerntet werden. Man darf selbst an dem Unterschied keinen Anstoß nehmen, dass hier das Blut des Sohnes, des Erwählten, vergossen ward und nicht das des Erwählten selbst. Obgleich die beiden Individuen unterschieden sind, so kann man doch ihr Blut als eins und dasselbe betrachten; und außerdem gibt es unter dieser scheinbaren Verhüllung tausend Beziehungen mit andern Wahrheiten, die ein scharfsinniges Auge ohne Mühe entdecken wird. Ohne dass ich also selbst diese Wahrheiten auseinandersetze, wird man hierin eine Mittel-Epoche sehen, eine doppelte Beschneidung, eine Erinnerung an das Opfer des Sohnes Abrahams und eine Prophezeihung von einem andern Opfer, von dem hier zu handeln jetzt nicht die Zeit ist. Wir müssen uns also daran halten, anzudeuten, dass die Erwählung des Moses und die sie begleitende Beschneidung, indem sie die Erstlinge der lebendigen Früchte, die dem Abraham nach seinem Bündnisse mit Gott verheißen worden, zum Gegenstand hatte, sich ganz natürlich an die zweite Epoche oder an das zweite Fest der Hebräer anschließt, wo die Erde ihre ersten Früchte darbot, und wo das Volk die Erstlinge des Geistes, das Gesetz, empfing; weil man bei dieser Zusammenstellung es niemals vergessen darf, dass jeder Ternar von Epochen einen Kreis bildet, und dass der vorhergehende Kreis immer auf einer minder erhabenen Stufe als der folgende Kreis steht. Das dritte Mal endlich, wo dieser Befehl der Beschneidung in der heiligen Schrift vorkommt, ist unter Josua, wo das Volk bereit ist, in das gelobte Land einzuziehen, Josua 5, 2. 3. Der erneuerte Befehl auf dem Berge „Sinai” hinsichtlich der Beschneidung, war während der vierzig Jahre, wo das Volk in der Wüste umherirrte, nicht befolgt worden, und alle in Ägypten Beschnittenen waren während der langen Reise umgekommen. Gott erneuerte damals seinen Befehl für alle noch Unbeschnittenen, „damit die Schmach Ägyptens von dem Volke genommen würde,” und das ganze Volk ward zu Galgala beschnitten. Man kann nicht umhin, auf den Moment zu merken, in welchem diese Beschneidung mit den vielen Wundern, die ihr folgten, vorkommt. Dieser Moment war der des Einzuges in das gelobte Land, wie der Moment der Beschneidung des Abraham der des Eintrittes in den Bund oder in die Erwählung war, und wie der Moment der Beschneidung des Sohnes Moses der des Eintrittes in den Weg des Gesetzes und des Werkes war, und in dieser Hinsicht schließt sich diese Epoche an das dritte Fest der Hebräer, welches das des Überflusses des Genusses ihrer Ernten und das Ende aller ihrer Arbeit war. Sie schließt sich indessen demselben nur in der zeitlichen und irdischen Ordnung an und auf eine erinnernde Weise, denn nur prophetisch schildert sie die zukünftige Ruhe, deren das Volk sich erfreuen sollte, wenn es die Einwohner Kanaans unterworfen und zerstöret hätte, weil sein Eintritt in das gelobte Land es nur zu den Kämpfen brachte, die es führen sollte; die Siege, die ihnen folgen sollten, waren demselben durch diejenigen angezeigt, die es über die Völker in der Wüste davongetragen hatte. Ebensowenig ist es nutzlos, zu bemerken, dass dieser Einzug in das gelobte Land im ersten Monat erfolgte, sowie sich auch im ersten Monate der Auszug aus Ägypten oder die Befreiung ereignete, weil sich hier die beiden Kreise wieder auf demselben Punkte fanden; obgleich der zweite sodann zu einer Ordnung von großartigeren und tätigeren Dingen führte, als der erste. Aber was uns einen Beweis gibt, wie sehr vorheilhaft die damals bei diesem Ereignisse stattfindende Beschneidung dem Volke war, ist, dass nach dieser Zeremonie das Manna zu fallen aufhört, dass das Volk die Früchte der Erde wieder genießen darf, dass Josua unter dem unmittelbaren Schutze des sichtbaren Anführers der himmlischen Heerschaaren einzieht, dass die Jubel-Posaune die Hauptwaffe des Volkes wird, und dass beim bloßen Schalle seiner Posaunen, der sich mit dem des Wortes verbindet, die Mauern Jerichos zusammenstürzen und jeder frei in die Stadt an den Ort, der ihm zunächst liegt, einziehen kann; alles bildliche und prophetische Zeichen dessen, was dem Menschen für spätere Epochen aufbewahrt ward und was unser wartet, wenn wir aus unserem gemischten und irdischen Kreise werden ausgeschieden sein. Hier offenbarten die Opfer ihre Kraft und ihre Wirksamkeit hauptsächlich; denn allen diesen Wundern, die wir soeben anführten, ging nicht nur die Beschneidung voraus, sondern auch die Brandopfer des Pascha, die das Volk zu Galgala darbrachte, und wahrscheinlich auch die Opfer, welche Moses und die Ältesten (5. B. M. 27, 2-7.) ihm bei ihrem Einzuge in das gelobte Land darzubringen anempfohlen hatten, und deren das Buch Josua erst nach der Eroberung von Hai (Josua 8, 30. 31.) Erwähnung tut. Man darf aber annehmen, dass sie nach dem Übergange über den Jordan geopfert wurden, wie Moses es angeordnet hatte. Wir wollen nicht noch einmal alles vor unsern Augen vorübergehen lassen, was wir über die Wirksamkeit der Opfer gesagt haben, die durch ihre wunderbaren Erfolge bestätigt wurde. Es reicht hin, die Korrespondenzen des Blutes mit den regelmäßigen Aktionen und die dieser regelmäßigen Aktionen mit den höheren Aktionen einmal in ihrem Prinzip aufgestellt zu haben, um den Nutzen einzusehen, den der Mensch oder das auserwählte Volk von diesen Zeremonien in Beziehung auf seine Befreiung und seine stufenweise Entwicklung zum Ziele seiner wahren Freiheit empfangen konnte. In diesem Geiste muss man alle Opfer betrachten, welche bei den Hebräern seit ihrem Einzuge in das gelobte Land, bis zur Zerstörung ihres letzten Tempels durch die römische Herrschaft dargebracht wurden, und es ist für unsern Plan nutzlos, dass wir deren Kette und Epochen verfolgen, weil sie alle auf dieses feststehende Prinzip zurückkommen, und weil wir uns hier hauptsachlich mit diesem Prinzip oder mit dem allgemeinen Schlüssel beschäftigen; fest überzeugt, dass wenn er der Wahrheit entnommen ist, er uns behilflich sein wird, alle Schwierigkeiten zu lösen. Wir wollen daher zu einem andern Kreise von Beobachtungen in Betreff der Opfer übergehen, nämlich, woher es kommt, dass diese Institutionen sich auf der ganzen Erde gebräuchlich finden, und zwar auf eine so verschiedene und oft so missbräuchliche und strafbare Weise. Es ist augenscheinlich, dass man weder der jüdischen Religion, noch allen den Opfern, worauf sie beruhte, den Gebrauch dieser Zeremonie bei den andern Völkern zuschreiben kann, weil das jüdische Volk ein konzentriertes Volk war, und mitten zwischen den andern Völkern gleichsam wie isoliert stand; weil es nicht mit ihnen verkehrt hat, weil es seine Existenz erst seit dem Anfange unserer jetzigen Zeitrechnung verloren, und weil es seitdem erst die Ausübung seiner Zeremonien und Opfer verloren hat. Da außerdem die Opfer seit Anbeginn der Welt und seit ihrer Wiedereinführung nach der Sintflut üblich waren, so ist die Einrichtung der Opfer bei allen Völkern nicht auffallender, als die Zerstreuung dieser Völker, welche die Gebräuche und die Zeremonien ihrer Väter mit sich geführt haben werden. Es ist also nicht mehr die Allgemeinheit dieser Opfer, die uns befremden und uns beschäftigen muss, weil, da deren Quelle uns bekannt ist, und auf natürlichen Basen beruhet, alle Bäche und alle Flüsse, die ihr entspringen, keinen andern Ursprung haben können, sondern die Störungen, welche diese Flüsse und Bäche in ihrem Laufe erlitten, müssen für jetzt Gegenstand unserer Untersuchungen und unseres Nachdenkens sein. Diese Störungen hätten nie stattfinden können, wenn nicht zuerst die reine Quelle existiert hatte, und diejenigen, die den Gebrauch der Opfer nur der Unwissenheit und dem Aberglauben des Volkes zuschreiben, haben den Missbrauch und deren Folgen mit dem Prinzip verwechselt, und sich hierdurch das Mittel abgeschnitten, das Prinzip und die Folgen zu erkennen. Vergessen wir nie die unglückliche Lage des Menschen auf dieser Erde des Jammers und der Finsternis), eine Lage, die durch die Qualen aller Sterblichen und durch die Tränen aller Jahrhunderte bestätigt wird. Vergessen wir es nie, dass, wenn wir von regelmäßigen Aktionen umgeben sind, deren Vermittler die reinen Tiere sind, wir auch von unregelmäßigen Aktionen umgeben sind, die fortwährend streben, ihre Unregelmäßigkeiten und ihre Unordnungen bei allem einzuführen, was sich uns nahet, um diese bis zu uns gelangen zu lassen, und dadurch unsere Rückkehr zum Lichte zu verzögern. Diese für uns leider nur zu wahre Schilderung wird es noch mehr, wenn wir uns der priesterlichen Zurüstungen erinnern, welche die Opfer nach den Gesetzen der Hebräer empfingen, und hauptsächlich, wenn wir uns erinnern, dass über die toten Tiere nach dem Opfer des Abraham die Vögel herstürzten, und dass dieser Patriarch sie davon vertrieb. Wie kann man denn annehmen, dass bei der großen Anzahl der dargebrachten Opfer, sowohl in der Familie des Noah, als unter seinen Nachkommen, welche die Erde bevölkerten, bei den priesterlichen Zurüstungen niemals wäre etwas unterlassen worden, und dass die Vögel immer davon vertrieben worden; wie kann man es annehmen, sage ich, wenn man sogar aus dem Schoße der Familie Noah den Gräuel hervorgehen, und seine Nachkommenschaft sich bis in den Grad mit Finsternis umgeben sieht, dass sie die höchste Weisheit zu einer neuen Erwählung nötigt? Und dennoch war eine einzige Nachlässigkeit bei diesen wichtigen Zeremonien hinreichend, der unregelmäßigen Aktion und allen Unordnungen, womit sie zusammenhing, und die sie fortwährend erzeugte, freien Zutritt zu gestatten. Entnehmen wir hieraus, was erst geschehen musste, wenn der Opferer zu den Nachlässigkeiten noch Befleckungen hinzufügte, zu den Befleckungen noch Gottlosigkeit, und zu der Gottlosigkeit noch verbrecherische Absichten; kurz wenn er selbst der unregelmäßigen Aktion die Wege eröffnete, und sich mit ihr verband, um gemeinschaftlich mit ihr zu wirken, statt sie zu bekämpfen ? Gewiss ist dieses hinreichend, um hieraus Ströme von Gräueln und Missetaten hervorgehen zu sehen, die, indem sie täglich in nicht zu berechnender Progression wachsen, die Erde mit ihren unreinen Gewässern überfluten und sie mit Verbrechen bedecken mussten. Die unregelmäßige Aktion, welcher etwa der Darbringer den Eingang bei sich gestattet, konnte ihn auf mehrfache Weise auf Abwege führen. Bald konnte sie ihm die Idee einflößen, die Art der Opfer zu ändern , und gewiss würde sie die reinen Opfer nur durch solche ersetzt haben, welche die meisten Beziehungen mit ihren abscheulichen Planen hatten; weswegen es nicht auffallend ist, auf Erden so viele verschiedene Arten Tiere bei den Opfern im Gebrauche zu sehen; bald konnte sie, wenn sie dem Opferer die reinen Tiere gelassen, ihn drängen, den Geist und die Intention seines Kults auf sie zu richten, indem sie ihm größere Vorteil bei sich verhieß, als bei einem eifersüchtigen und strengen Gotte, der ihnen seine ganze Gunst wegen der kleinsten Nachlässigkeit bei den Zeremonien entzog; und vorzüglich, wenn sie allen seinen Begierden geschmeichelt, wodurch sie es vermochte, ihn an sich zu fesseln, hätte sie ihn hierdurch zu den gefährlichsten Missbräuchen und zu den schauderhaftesten Gräueln verführen können. Bald indem sie alle diese Gottlosigkeiten zusammenhäufte, hatte sie, um sich deren Erfolg zu sichern, es verstanden, sie mit dem Scheine einer Frömmigkeit zu übertünchen, unter deren Vorwand sie den Menschen zu den empörendsten und unmenschlichsten Gebräuchen verleitete, indem sie ihn überredete, dass er durch den Wert und durch die Menge der Opfer der Gottheit sich umso wohlgefälliger bewiese. Da sie außerdem ebenso, wie die regelmäßige Aktionen mit allen Substanzen und mit allen Opfergegenständen verbunden war, so vermochte sie alle ihre falschen Vorspiegelungen durch sichtbare Manifestationen zu unterstützen und zu bestätigen, und dieses umso wirksamer, als sie mit den inneren Empfindungen und den geheimen Bewegungen, der Darbringer schon in sich aufgenommen hatte, übereinstimmte. Betrachten wir daher das Menschen-Geschlecht unter dem Joche eines listigen und wachsamen Feindes, der nur atmet, um es von einem Irrtume zum Andern zu führen, und der die Menschen immer dazu verleitete, das Knie vor ihm zu beugen, sogar durch das Mittel, welches sie besaßen, um ihn von sich zu entfernen. Wir können jene Irrtümer in drei Klassen einteilen, nämlich erstens, die Gräuel der ersten Art, worin alle Vermögen des Menschen verdorben werden. Zweitens die frommen Gräuel, die für ihn ohne Zweifel ebenso angefangen, wie die vorhergehenden, nämlich mit seiner eigenen Verderbnis, die aber in der Folge bloß über seine Schwachheit die Herrschaft ausübten. Drittens endlich der bloße Aberglaube der Abgötterei, welcher von den Missbräuchen und den Irrtümern der beiden ersten Arten herrührt, der aber nicht deren Wirkungen und Folgen hatte.
Denn man könnte sogar glauben, dass der kindische Aberglaube und die sekundären Missbräuche, wozu die Schwachheit und die Leichtgläubigkeit den Menschen oft hinrissen, ihn auch oft schützen und bewahren konnten, noch bedeutendere Verbrechen zu begehen, wie ihm dieses wiederfahren sein würde, wenn er größeres Licht besessen und der Inhaber größerer Kräfte gewesen wäre. Und in Wahrheit, er braucht sich nicht so sehr der Götzen zu erwehren, die einen Mund haben, aber nicht reden, als derjenigen, die einen Mund haben, und reden; die Augen haben und sehen, die Ohren haben und hören usw. Die Gräuel, die mit dieser zweiten Art Götzen zusammenhängen, und die man denen der ersten Ordnung beizählen muss, sind diejenigen, die, indem sie die Gerechtigkeit im höchsten Grade verletzen, auf die Übertreter der verschiedenen Epochen eine Menge bekannter und unbekannter Zuchtruten herabzogen. Denn wie viele Verbrechen wurden samt denen, die sie begangen, in den Abgrund gestürzt? Was uns hierüber in der heiligen Schrift aufbewahrt worden ist, reicht hin, die übrigen Gräuel, die sie uns verborgen hat, zu vermuten. Man erinnere sich der Übertretung des ersten Menschen, deren Folgen eine gänzliche Veränderung für ihn herbeiführten, und ihn von der Region des Lichtes in die Wohnung der Finsternis versetzten, die wir gegenwärtig bewohnen. Man erinnere sich der Gräuel seiner Nachkommenschaft bis zur Sündflut, und urteile nach der Anzahl der Schuldigen, die von dieser Flut verschlungen wurden, wie viel ungeheure Verbrechen hierdurch unserer Kenntnis entzogen sind. Man erinnere sich der Gräuel der Ägypter und der Völker Palästinas, die auf jene Länder den Zorn Gottes bis zu dem Grade herabzogen, dass sie ihn nötigten, alle Elemente gegen sie zu rüsten, alle Kräfte der Natur, ja sogar das Feuer des Himmels, um sie auszurotten. Endlich entschließe man sich einen Blick auf unsere Erdkugel zu werfen, wo man vielleicht nicht einen einzigen Punkt finden wird, der nicht noch Spuren der göttlichen Rache gegen die Unglücklichen darbietet, die töricht und vermessen genug waren, um sich mit dem Gegner der Gottheit zu verbinden, und dieses Bild der Erdkugel wird eine noch sprechendere und zuverlässigere Geschichte sein, als die, welche die Bücher uns überliefert haben, und uns die Allgemeinheit jener Verbrechen zeigen, von denen die Bücher uns nichts sagen, oder sie uns nur im Abrisse und Auszugsweise schildern. Auch scheinen seit der Offenbarung dieser Zuchtruten die Gräuel der ersten Art sich vermindert zu haben, und wenn sie auch nicht ganz aufgehört, so scheinen sie doch nicht mehr ganzen Völkern eigen zu sein, und nur von einzelnen Individuen verübt zu werden. Aber die Gräuel der zweiten Art haben ihre Stelle eingenommen, und folgendes war ihr Ursprung. Durch den reinen Dienst der rechtmäßigen Opfer empfingen der opfernde Gläubige und sein Volk sichtbare Zeichen des Wohlgefallens der höchsten Macht.

Sie erhielten Anweisungen für ihr Fortschreiten auf dem Wege der Heiligung, und Antworten auf ihre Fragen in Betreff der Weisheit und der Gerechtigkeit; sobald sich aber die Nachlässigkeiten oder die Befleckungen bei den Opfern einfanden, fand sich die unregelmäßige Aktion zu gleicher Zeit bei ihnen ein; sie zeigte sich darin sichtbar unter jeder ihr beliebigen Form; sie gab sogar Antworten dabei, und führte sich als Orakel und als wahre Arche des Bundes ein. Wie viele ihrer Diener wurden nicht betrogen und das Opfer dieser lügenhaften Erscheinungen, und wie viele dieser Diener beherrschten nicht das Volk durch ihre lockenden Verführungen, nachdem sie sich selbst davon hatten beherrschen lassen? Diese unregelmäßige Aktion teilte ihnen Wahrheiten mit, weil es einige gibt, die ihr durch die Unvorsichtigkeit der Menschen bekannt geworden; sie sagte ihnen Dinge voraus, die geschehen würden, sie gab auf ihre Fragen oft richtige Antworten, und dieses genügte, dass sie sich aufrichtig glaubend vor ihr niederwarfen, wie auch immer die Form war, die sie annahm, und wie auch die Befehle sein mochten, die sie ihnen vorschrieb. Die Art ist ohne Zweifel der Ursprung mehrerer Religionen und Kulte hier auf Erden, so wie auch der sie begleitenden frommen Grausamkeiten. Denn man muss sorgfältig diese sekundären Gräuel von denen der ersten Klasse, die wir schon betrachteten, und die freiwillig die Gottheit im höchsten Grade angriffen, unterscheiden; wohingegen die zweiten keine andere Wirkung zu haben scheinen, als den Menschen irrezuführen, und ihn der Frucht des Planes dieser Gottheit zu berauben, wodurch man die Gottheit nur in einem niederen Grade angreift. Indessen scheinen sie durch ihre Zahl und durch ihr Übermaß das zu ersetzen, was ihnen an Wichtigkeit abgeht. Denn zu dieser Ordnung muss man alle Lehrer von geheimen Wissenschaften rechnen, denen der unwissende Haufen ohne weiteres den Namen Illuminaten gibt; alle diejenigen, die den Zaubergeist des Python hatten und noch haben, welche den Spiritus familiaris um Rat fragen und davon Antworten empfangen. Man muss alle Orakel dazu rechnen, von denen die mythologischen Überlieferungen angefüllt sind, alle die zweideutigen Aussprüche der Sibyllen aller Völker, deren sich die Dichter als Grundlage und als Knoten ihrer Dichtungen bedienten, indem sie sich bestrebten, unser Interesse für ihre Helden zu gewinnen, und indem sie dieselben als Opfer des Fatums schildern, um nicht zu sagen als Betrogene eines doppelsinnigen Wortes, und sie in einem damit unvereinbaren Streben auftreten lassen, statt sie uns unter dem Schutze der Wahrheit und der leuchtenden Weisheit wandelnd vorzustellen. Man muss hierzu die meisten jener Wunder rechnen, die während der Einschläferung der leiblichen Sinne und nicht durch die Wiedergeburt unserer wahren Sinne gewirkt werden, und die auf diese Weise den Geist-Menschen allen sich darbietenden Regionen preisgeben, umso mehr, da wir zu glauben Grund haben, dass das Verbrechen des Menschen mit dem Schlafe seinen Anfang nahm und dass er, weil er ehemals seine wahren Sinne einschlafen ließ, in Täuschung und in Finsternis herabgestürzt ward. Man muss hierzu alle die falschen und zwitterhaften Wege rechnen, die sich zu allen Zeiten öffneten, und die unter dem Scheine der Wahrheit die Menschen von der einigen und alleinigen Wahrheit entfernten, die sie alle zum Führer hätten nehmen sollen. Man muss, sage ich, zu dieser Klasse alle Missbräuche rechnen, weil trotz der Einstellung der Opfer auf einen großen Teil der Erde es genügte, dass sie ihren Ursprung aus der alten Verderbnis der Opfer nahmen, um sich von Jahrhundert zu Jahrhundert fortzupflanzen, und sogar täglich neue Irrtümer zu erzeugen, insofern als diese verbrecherische Quelle, die sie erzeugt hat, lebendig ist und alle Gelegenheiten ergreift, welche die Menschen ihr bieten, um ihre Herrschaft auszubreiten und ihre Absichten zu verwirklichen. Außerdem muss man bedenken, dass, wenn auch die meisten Menschen aus Unwissenheit und aus Mangel an Unterricht in gutem Glauben unter dem Joch dieser Täuschungen und dieser Sünden leben, es wenigstens eine ebenso große Menge gibt, die ihre Leidenschaften und ihre Gelüste statt ihre Tugend dahin mitbringen und welche, indem sie sich dadurch den Gräueln der ersten Art nähern, uns zeigen, wie sehr zu allen Zeiten die Klagen der Propheten gegründet waren und sein werden. Endlich umfasst die dritte Klasse dieser Gräuel jede Art Aberglauben und Abgötterei. Die Gestalten jeder Art, welche die unregelmäßige Aktion anzunehmen verstand, um die Opfer zu verderben und den Menschen zu verwirren, waren die Hauptquellen des materiellen Götzendienstes, weil die Darbringer, welche diese Manifestationen empfingen, natürlich geneigt waren, diejenigen lebenden Tiere und alle andern natürlichen Substanzen zu verehren, welche mit den Gestalten in Beziehung standen, unter welchen die unregelmäßige Aktion sich ihnen gezeigt hatte. Daher ist bei so vielen Völkern die Anbetung verschiedener Wesen und verschiedener Gegenstände ihres Kultus entstanden. Von hieraus bis zur bildlichen Abgötterei oder Anbetung der Bilder ist nur ein Schritt, weil, da oft tausend Umstände nötigten, das Bild des Götzen dem Götzen selbst zu substituieren, die Ehrfurcht des Volkes leicht vom Götzen zu dessen Bilde oder zu dessen Statue überging. Der Ursprung der Vergötterung eines Menschen findet sich gleichfalls in dieser Quelle, weil der Priester oft für das Wesen selbst genommen ward, das Gegenstand der Verehrung war. Also findet man fast bei allen Völkern eine sichtbare und eine unsichtbare Gottheit. Im Norden findet man zwei Odins; der eine der höchste Gott; der andere ein Eroberer. Ebenso findet man bei den Persern zwei Zoroaster, bei den Griechen zwei Jupiter, bei den Thraziern zwei Zamolris usw. Die Quelle des Volksaberglaubens ist nicht mehr verborgen, und es ist nicht die Schuld ihrer Propheten, wenn die Juden in Abgöttereien aller Art verfielen. Denn der höchste Gott ist bestimmt und klar in ihren Schriften, besonders in den Psalmen, von allem unterschieden, was die Menschen seitdem für Gott annahmen. Aber wenn der Mensch sich den Opfern sowohl den verderbten als den nicht verderbten und allen den Zeremonien nahte, die, bei den Gräueln der zweiten Art ausgeübt wurden, wird er gesehen haben, dass bei gewissen Umständen, bei gewissen Zurüstungen der Opfer, kurz bei gewissen Einrichtungen und Anordnungen des Opfergegenstandes ein gewisses Resultat erfolgte; er wird nicht unterlassen haben, von allen diesen Formen den Geist zu trennen, der sie lenken und ihnen ihren ganzen Wert verleihen musste, und er wird von dieser Form, von dieser isolierten Substanz, von dieser Zeremonie erwartet haben, was sie leisteten, als sie noch durch ihre Triebfedern bewegt wurden. Man sieht, wie die Völker dazu kamen, die Eingeweide ihrer Opfertiere um nachzufragen, sogar die geringste Bewegung, die das Tier machte, wenn man es darbrachte; den Flug der Vögel, die Talismane, die Zahlen, die Amulette, das Begegnen dieses oder jenes Gegenstandes, kurz die Unzahl natürlicher Zeichen, denen die Meinung, die Unruhe und die Begierlichkeit eine Wichtigkeit und einen Wert beilegten, die sie nicht mehr besaßen. Alle diese traurigen Schilderungen sind hinreichend, zu zeigen, welchen Verirrungen der Geist des Menschen sich Preis gibt, wenn er aufhört, sich vor der unregelmäßigen Aktion zu wahren, die, nachdem sie ihn zur Zeit seiner Glorie irregeführt, ihn auch noch nach der Einsetzung der zu seiner Wiederherstellung eingeführten Opfer irre führte und seine Unordnungen in der Art fortpflanzte, dass der Mensch den Ort des Friedens nicht wiedererkennen kann, als bis seine Wohnung sich ganz und gar erneuert haben wird. So muss man zu diesen Beobachtungen die Geschenke rechnen, die man immer dem Seher darbrachte, nach dem Vorbilde der Opfergaben, die man im Tempel in die Hände der Darbringer legte. Diese Geschenke und diese Opfer wurden zuerst gebracht, um Teilnehmer an der Kraft des Opfers zu sein; dann wurden sie niedere Organe der Korrespondenz und zuletzt bloße Gegenstände des Gewinnes für den Geiz und für den Betrug. Alle dem Menschen seit seinem Falle gegebenen Gesetze hatten seine Förderung zur Absicht. Deswegen steht das Gesetz auch immer tiefer als die Stufe, wohin es den Menschen führen will, obgleich es höher steht als die Stufe, wo es ihn erfasst. Deswegen würden diese verschiedenen Gesetze auch immer im Wachsen gewesen sein, wenn der Mensch ihren Fortgang nicht oft durch seine Verkehrungen gehemmt hätte; da er aber selbst seinen Fall und seine Finsternis fortwährend vergrößerte, so zog er strenge und harte Gesetze in einer Zeit auf sich herab, wo er sanfte Gesetze voller Tröstungen hätte empfangen müssen. Nach der ersten Buße der ersten Schuld empfing der Mensch ein Gesetz, und gewiss war es größer und lichtreicher als dasjenige, was den Israeliten nach der Sintflut gegeben ward. Wir können dieses aus der Verschiedenheit des Namens entnehmen, der an der Spitze dieser beiden Gesetze stand. Es ist Gottes eigener Name, der das erste beherrscht; es ist nur der repräsentative Name, der das zweite beherrscht, siehe Paulus an die Galater 3, l9. wo uns gesagt wird, dass dieses Gesetz uns durch die Engel durch Vermittlung eines Mittlers gegeben ward. Daher war Adam, obgleich er schuldig war, nur noch in der Beraubung seiner ursprünglichen Vorrechte; er war nicht mehr in der Verunreinigung der Sünde, die durch die Taufe seiner Befreiung aus den Händen seines Feindes, oder durch das, was man seine große Beschneidung oder seine geistige Beschneidung nennen konnte, hinweggenommen worden war. Kurz die leibliche Hülle, mit welcher er bekleidet ward, war ein reiner Auszug der lebendigsten Substanzen in der Natur, die noch nicht den sekundären Ereignissen erlegen waren, die sie seitdem erfuhren. Man darf sich daher nicht wundern, dass bei dieser Wiederverbindung von Umständen das Gesetz der Rückkehr, das dem Adam gegeben ward, stärker und vermögender war, als das jüdische Gesetz. Wir können uns damit begnügen, nur einen einzigen Zug hervorzuheben, um den Unterschied bemerkbar zu machen. Es war dem hebräischen Volke verboten, sich mit den Völkern, die sie im gelobten Lande bekämpfen sollten, zu verbinden und die Übertretung dieses Gesetzes brachte es nur in die verschiedenen besonderen Dienstbarkeiten, denen es unterlag. Was Adam und seine Nachkommen betrifft, so ist ihnen die ganze Erde angewiesen, um sie zu bebauen und die Disteln und Dornen auszurotten; und weil er sie im Gegenteil mit Missetaten angefüllt, so entzog der Herr seinen Geist den Menschen, und schwang über sie die furchtbare Zuchtrute der Sintflut. Von der Größe der Sünde können wir auf die Größe der Macht schließen, und von der Größe der Macht auf die Größe des Gesetzes. Dieses Gesetz konnte dem Adam nicht gegeben werden, als er noch im Abgrunde und unter dem unumschränkten Joch desjenigen war, der ihn verführt hatte. Es war bloß die Gnade, die in diesem furchtbaren Augenblicke auf ihn wirkte, um denjenigen vom ewigen Tode zu retten, der das Bild und das Gleichnis des Gottes der Wesen war; damals war der Mensch unfähig, sich irgendein Gesetz zu Nutze zu machen. Als aber die erste Stufe erstiegen war, ward der Mensch für ein wiederherstellendes Gesetz empfänglich. Nun aber besaß dasjenige, was er empfing, ohne Zweifel die drei Eigenschaften, die wir oben aufgestellt haben; verhehlen wir es nicht, es war ein Urteil gegen den Feind, der damals gestürzt ward; es war eine Mahnung, die den Menschen veranlasste, die Gefahren zu erkennen, die ihn umgaben und sich vor neuem Falle zu bewahren; kurz es war für ihn ein Heiligungsmittel durch die Wege der Rückkehr, die ihm vorgezeichnet waren; durch die Opfer, die wir bei der Erstgeburt eingerichtet und gebräuchlich finden und deren er sich bedienen konnte. Als das schändliche Betragen seiner Nachkommen dieses wiederherstellende Gesetz vernichtet hatte, ward der doppelt schuldige Mensch aufs Neue in den Abgrund gestürzt und nur ein einziger Sprosse ward erhalten. Noah (Noah) war den Befehlen des Herrn treu geblieben, und wenn man ihn nach der Sintflut dem Herrn ein Opfer von „angenehmen Geruche” darbringen sieht, so darf man ihn nicht als Stifter dieses Opfergesetzes, sondern nur als den Erhalter und den Diener eines Gesetzes betrachten, das so alt ist, als der Ursprung der Dinge selbst, was in der Tat ein Anzeichen zu Gunsten der Opfer des ersten Menschen ist. Hätte sich die, Nachkommenschaft Noahs in der Weisheit und Heiligkeit dieses Patriarchen erhalten, so würde das Werk fortgefahren haben, auf diesem Wege fortzuschreiten, und sich seinem Ziele genähert haben, ohne dass es der Einführung eines neuen Gesetzes oder der Erwählung eines besonderen Volkes bedurft hätte, weil, da die Zuchtrute der Sintflut alle die Missetäter von der Erde abgesondert hinweggenommen hatte, die erhaltene Familie und deren Nachkommen das lebendige Bild des ersten Menschen auf seinem Wege der Rückkehr und in dem Gesetze, das diese Rückkehr begünstigen musste, gewesen sein würde. Da aber diese Nachkommen des Noah, sich allen Verbrechen hingebend, jenes wiederherstellende Gesetz zunichte machten, so war es notwendig, dass für den Menschen das erneuert wurde, was sich im Anfange begeben, weil alle Sprachen verwirrt waren und weil nicht eine einzige Familie, wie zu Noahs Zeiten übrig blieb, welche die lautere Sprache bewahrt hätte. In diesem Zustande allgemeiner Finsternis wurde Abraham erwählt, das Haupt eines auserwählten Volkes zu werden; alles ward ihm im Prinzip und sozusagen prophetisch verliehen, sogar die Geschichte seines eigenen Volkes, die er nur im Traume sah. Aber Nichts wurde ihm in der Erfüllung verliehen. Er besaß das Land nicht, was ihm gezeigt wurde; er musste sogar die Höhle des Ephron kaufen, welche der Sara als Grab dienen sollte. Er sah nicht die ihm verheißene zahlreiche Nachkommenschaft, er sah nur den Sohn der Verheißung und sah selbst nicht einmal die Söhne dieses Sohnes der Verheißung, weil er vor der Geburt des Jacob und Esau starb; er ward zu gar keinem Zeremoniellen Kultus verpflichtet, denn selbst das Opfer, das ihm Gott gebot, wurde ihm nur befohlen, um als Zeugnis des Bundes zu dienen, und Gott gab es ihm nicht als Einsetzung. Indem uns die Schrift sagt, dass das Maß der Sünden der Amoriter noch nicht erfüllt war, gibt sie uns eine Art Grund an, warum nicht Abraham das Gesetz empfing. Man kann aber einen näheren Grund angeben, nämlich weil das Gesetz, das gegeben werden sollte, auf ein Volk und nicht auf ein einziges Individuum fallen musste, wie zur Zeit des Adam, und weil dieses Volk noch nicht geboren war. Es musste auf ein Volk fallen, weil Völker es waren, die sich dem Verderben ergeben und vom Gesetze abgewichen waren; weil die Zeremonien des Gesetzes eine große Anzahl Diener verlangten, weil dieses Gesetz sich auf die verlorene Zahl oder auf die alte Zählung der Völker stützen musste, um sie ihnen zurückzugeben; endlich weil dieses Gesetz eines aufnehmenden Gefäßes bedurfte, das vermöge seiner Subdivisionen sich mit allen Zweigen des Gesetzes verbinden konnte, während alle diese Zweige in einem einzigen Stamme noch vereinigt waren, als sie dem Adam gegeben wurden, der leiblich die Wurzel und der Stamm des menschlichen Geschlechtes ist. Die Erwählung des Abraham konnte ihre Erfüllung nicht eher erreichen, als bis die zwölf Söhne Jacobs durch ihre Zahl ein Gefäß darbieten konnten, das empfänglich war, die wiederherstellende Aktion, die dieser Zahl entsprach, in sich aufzunehmen. Und selbst die Söhne Jacobs empfingen nur noch das Prinzip dieser Aktion in den Segnungen ihres Vaters, und erst auf Sinai empfingen die zwölf Stämme die Entwicklung dieses Gesetzes, dessen sie bedurften, und deren Erstlinge ihre Vorfahren empfangen hatten. Dieses Gesetz wirkte indessen für sie nur eine Art Vorbereitung zum Gesetze des Geistes, das ihrer wartete, wenn das bildliche Gesetz der materiellen Opfer seinen Lauf erfüllt haben würde. Denn dieses bildliche Gesetz musste die spirituösen Basen und Essenzen entwickeln, welche sie in sich trugen, damit sie ihrerseits dem Geiste ein Gefäß seiner Art darbieten könnten, worauf er sich bleibend niederlassen könnte. Endlich sollte sogar dieses Gesetz des Geistes nur eine Vorbereitung zum göttlichen Gesetze sein, das allein das wahre Ziel des Menschen, weil er ein göttliches Wesen ist. Nun aber kann man bei dieser langsamen, aber sanften Progression aller von Gott der Erde gesandten Hilfen im Allgemeinen von allen Gesetzen sagen, was der heilige Paulus vom Gesetze der Hebräer im Besonderen sagt (Galater 3, 34.), nämlich, dass es ihnen als Führer gedient, um sie als Kinder zu leiten. Denn es gibt kein einziges zeitliches Gesetz, das man nicht als einen Führer in Beziehung zu dem Gesetze betrachten könnte, zu welchem es uns hinführt, und dem gegenüber wir wirklich Kinder sind, bis uns der Zutritt dazu gestattet wird und wir die nötigen Kräfte besitzen, es auszuüben. So war die göttliche Ökonomie in allen diesen Epochen beschaffen. Da der Priester während des levitischen Gesetzes oder der blutigen Opfer nur in der natürlichen Region war, so empfing er seinen Unterhalt vom Volke, und das Gesetz erkannte ihnen Städte und den Zehnten zu, um ihre geistliche Armut zu ersetzen. Unter der Herrschaft der Propheten ernährte Gott seine Diener auf besondere Weise, wenn auch in der Ordnung natürlicher Agenten, wie bei Eljas und bei Daniel zu sehen ist. Unter der Herrschaft des Gesetzes der Gnade ist die Absicht des Stifters, dass die Priester sich um nichts mehr kümmern sollen; die Nahrung muss ihnen, wie dem heiligen Petrus vom Himmel gegeben werden, wie dieses das Bild und die Verheißung der Vorteil bezeugen, die mit den lebendigen Wassern verbunden sind.

Aber nur für die gelehrigen und untergebenen Kinder bewahren diese verschiedenen Gesetze einen ähnlichen Charakter, und sie zeigen uns mehr das, was der Mensch sein könnte, als das, was er wirklich ist. Auch ist die Hand, die diese heilsamen Gesetze lenkt, oft genötigt, diese mehr zur Bestrafung der Menschen als zu ihrer Belohnung zu entfalten. Wir haben gesehen, dass dieses der Weg der göttlichen Weisheit von der Sünde des Menschen her bis zum Gesetze des Moses war, während doch, wenn die Nachkommen Adams dem Beistande treu geblieben, der ihnen in allen Epochen, die wir durchgingen, gesandt wurde, sie ihre Rückkehr zur Wahrheit um vieles gefördert und nur die Milde der göttlichen Wege gekannt haben würden, statt beinahe immer nur deren Strenge und Bitterkeit zu erfahren. Dasselbe ist auch noch der Fall beim hebräischen Volke in der Epoche, in welcher wir es noch betrachten wollen, nämlich in der Epoche der Herrschaft der Propheten. Hätte das Volk die Gebote des Herrn, die den Oberhäuptern des Priesterstammes anvertraut waren, treu erfüllt, so würden dieselben Begünstigungen, die dasselbe in der Wüste begleiteten, es in dem gelobten Lande nicht verlassen haben, und das Gesetz der Tieropfer würde sie zum Gesetze des Geistes geführt haben, in welchem es unmittelbar den Beistand erhalten hätte, den es unter dem Gesetze dieser Opfer nur durch Vermittlung empfing. Da aber das Volk, die Oberhäupter und die Priester nicht aufhörten, Missetat auf Missetat zu häufen, da sie alle Opfergesetze verletzten, wie man dieses aus dem Betragen der Kinder Heli schließen kann; da sie die theokratische Regierung verließen, um sie durch eine Regierung wie bei den andern Völkern zu ersetzen, von denen ihre Auserwählung sie durchaus unterschieden hatte, so ist es nicht auffallend, dass das Volk, statt fortzuschreiten, in seiner Entwicklung zurückblieb; kurz es ist nicht auffallend, dass, um mit der Schrift zu reden, das Wort Gottes selten geworden war. Wenn aber auch der Mensch durch seine Sünden in seinem Laufe zurückbleibt, so bleibt doch die Zeit in dem ihrigen nicht zurück, und als die Stunde des Gesetzes des Geistes für die Juden gekommen war, so konnte es nicht umhin, sich vor ihren Augen zu erfüllen, selbst auf die Gefahr sie nicht vorbereitet zu finden. Nur nahm es damals einen doppelten Charakter an, der mit dem doppelten Typus der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit, den es auf Erden auszuüben hat, übereinstimmte; und da das Licht, das seit der Erwählung der Juden angezündet war, nicht mehr erlöschen konnte, so offenbarte es damals die ersten Strahlen seiner Klarheit und zugleich die Schrecken des göttlichen Zornes. Deswegen unterscheiden wir auch deutlich zwei Klassen von Prophezeihungen, die eine, welche das schuldige Volk durch Drohungen erschreckt, die andere, die den friedlichen Seelen die Tage des Trostes, die der Erde verheißen waren, verkündet. Auch bemerken wir, wie in jener Epoche der Gegenstand der Prophezeihung sich erweitert und sich jener Wiedergeburt der menschlichen Seele nahet, die immer das Ziel aller vorhergegangenen göttlichen Offenbarungen gewesen, sich aber in den bildlichen Befehlen des Herrn verhüllt gehalten hatten. In den Propheten sehen wir, wie der Charakter des auserwählten Menschen sich entwickelt, um Priester und Opferer des Herrn sein zu können; wir sehen, wie das Opfer unserer Sündhaftigkeit das Opfer der Tiere ersetzt; wir sehen, dass die Beschneidung des Geistes und des Herzens als wahrer Weg zur Wiederversöhnung des Menschen mit Gott empfohlen wird; wir sehen die Vorwürfe, die den falschen Propheten und den schlechten Hirten gemacht werden, die, nachdem sie die Seelen des Volkes betrogen, sie hinterher versichern, dass sie lebendig seien; kurz wir sehen, wie die Morgenröte der göttlichen und geistigen Herrschaft aufgeht, um niemals wieder unterzugehen, wodurch dem Menschen damals schon, obgleich in zerstreuten Zügen gezeigt ward, dass er in der Region der Heiligkeit und des Geistes geboren sei, und dass er sein wahres Gesetz und den Ort der Ruhe nur in der Region des Geistes und der Heiligkeit finden könne. Wir sagten, dass diese Wahrheiten ihm in zerstreuten Zügen gezeigt wurden, weil unabhängig vom allgemeinen Menschen, den diese Propheten erwecken wollten, sie auch auf die verschiedenen, besonderen Völker, die noch nicht aus dem bildlichen und aus der repräsentativen Ordnung ausgetreten waren, wirken und weissagen mussten. In allen diesen Beziehungen aber konnte der Prophet sich immer als ein Opfer betrachten, sei es durch den gewaltsamen leiblichen Tod, den die meisten unter ihnen erlitten, oder mehr noch durch die Arbeit des Geistes, von der sie beseelt waren. In der Tat, die erloschene Kraft der Opfer ging damals in die Stimme der Propheten über, und sie nahmen in den Augen des Geistes die Stelle der Opfer ein, die nur noch der äußeren Form nach und ohne den Glauben des Darbringers geopfert wurden. Das vergossene Blut dieser Propheten ward zum versöhnenden Brandopfer, worauf die Aktion des Geistes auf eine furchtbarere und zugleich heilsamere Weise einwirkte, als sie auf das Blut der Tiere eingewirkt hatte. Erstens wirkte der Geist auf eine furchtbarere Weise, weil dieses ungerecht vergossene Blut ein sprechender Beweis der Verbrechen und der Blindheit des Volkes war. Außerdem zog dieses Blut die unregelmäßigsten geistigen Aktionen an sich, womit dieses verirrte und verbrecherische Volk befleckt war und zwar jenen Gesetzen der Transposition entsprechend, die oben auseinander gesetzt wurden. Auch trugen die Geister der Propheten in ihren Leiden und in ihren Arbeiten die Sündhaftigkeit Israels, damit, indem sie alle unregelmäßigen auf dem Volke haftenden Aktionen zerteilten, die Mitteilung der regelmäßigen Aktionen leichter und Vorteilhafter würde. Hätte das Volk alle die Hilfe benutzt, welche die höchste Weisheit und Liebe ihm sendete, so würde es seinerseits dem Blute und Geiste der Propheten die Last aller dieser unregelmäßigen Aktionen, die sie beschwerten, erleichtert haben, indem es ihnen die Wirkung dieser Kräfte und dieser heilsamen Aktionen, welche ihr leibliches und geistiges Opfer auf sie herabzog, ihnen mitgeteilt und mit ihnen geteilt haben würde. Aber indem es sich immer mehr und mehr verhärtete, so verlängerte es noch nach dem Tode der Propheten die Arbeiten und die Schmerzen, die es ihnen während ihres Lebens verursacht hatte; es erschwerte durch seine Widersetzlichkeit das Gewicht seiner eigenen Missetaten, welche sie durch die heiligen Bewegungen ihrer göttlichen Liebe auf sich geladen hatten. Hierdurch lud es selbst den doppelten Vorwurf auf sich, das Wort der Weisheit, das zu ihm geredet, nicht gehört und diejenigen in schmerzlichen Schranken zurückgehalten zu haben, welche diese Weisheit zu ihrem Werkzeuge gemacht; und deswegen wird man von ihnen das Blut der Propheten zurückfordern, das seit Abel bis auf Zacharias vergossen wurde. Denn vergessen wir es nicht, das hebräische Volk ist nur der Repräsentant des Menschen und aller Nachkommenschaft Adams. Zweitens wirkte das Blut der Propheten für das Volk auf eine heilsamere Weise, als das Blut der levitischen Opfer, weil, da das Blut und das Leben des Menschen dem eigenen Bilde der Gottheit als Wohnung dient, es nicht vergossen werden konnte, ohne die heiligen Einflüsse frei zu machen, welche die Seelen der Gerechten von Natur um sich verbreiten; und wenn das Opfer der Tiere dem hebräischen Volke die Region des Geistes eröffnen konnte, so konnte das Blut und die Stimme der Propheten ihnen die Vorhallen der göttlichen Region öffnen. Durch diese doppelte Kraft erfüllten die Propheten die Wirkung des Geistes, der sie sandte. Als diese Wirkung ausgeführt war, hörten die Prophezeihungen bei den Hebräern auf, weil der gemischte Aufenthalt, den wir bewohnen, den Wirkungen des Geistes sogar Unterbrechungen und geteilten Ausführungen unterwirft, obgleich es für den Geist keine Zeit gibt. Auch scheint nach der babylonischen Gefangenschaft, welche die Drohungen der Propheten bestätigte und verwirklichte, das Werk der Propheten geschlossen, und sie verbreiteten nur noch einige Strahlen, die sich sogar darauf beschränkten, den Bau des zweiten Tempels zu beschleunigen; das Volk ist für einige Zeit sich selbst überlassen, um die Gerechtigkeit der rauen Wege, durch die es gegangen, einzusehen. Indem es aber so sich selbst überlassen wurde, ließ der Geist ihm das Wort der Propheten und die Erinnerung an die Ereignisse, die sich zugetragen, als Führer zurück, so wie ihm nach seiner Erwählung und nach seinem Auszuge aus Ägypten das levitische Gesetz, die Geschichte seiner Befreiung und die seines mühsamen Durchzuges durch die Wüste gelassen worden; wie auch nach der Sintflut den Kindern Noahs die Lehren ihrer Väter und die Überlieferung dessen gelassen war, was sich seit Adam unter ihnen ereignet hatte; endlich, wie man dem Adam nach seinem Falle die Erinnerung seiner Sünde und die des Liebesopfers ließ, das die höchste Liebe zu seinen Gunsten bringen wollte, um ihn dem Abgrunde zu entreißen. So ist seit dem ersten göttlichen Bunde und seit der lauteren Region, worin die Wahrheit ihre Wohnung nimmt, eine ununterbrochene Kette von Erbarmungen und Erleuchtungen, die immer bis zum Menschen reichen, in welcher Epoche man ihn auch betrachtet, und die nicht aufhören wird, sich bis zum Ende aller Zeiten zu verlängern, nämlich bis sie wieder zum Aufenthalte eingeht, von wo sie ausgeht; bis sie alle Seelen des Friedens dahingeführt, welche sie in ihrem Laufe gesammelt haben wird, und so der Mensch erfährt, dass die Liebe es ist, die den Kreis der Dinge begonnen, fortgeführt und geschlossen habe. Das Blut und die Stimmen der Propheten hatte das hebräische Volk nur bis in die Vorhallen des Tempels und der göttlichen Region geführt, weil der Zeitpunkt noch nicht gekommen war, wo der Mensch in den Tempel selbst eintreten konnte. Auch gab es eine große Anzahl Propheten, welche in diesem vorbereitenden Werke angestellt waren; und die Hand, die sie führte, zeichnete ihnen verschiedene Pfade in jenen Wüsten, die sie zum ersten Male betraten. Deswegen, da jeder seinen eigenen Pfad verfolgte, erkannten sie nicht immer das Schlussziel, worauf ihre Prophezeihungen deuteten, und welches ihnen nur zum Teile und gleichsam aus der Ferne entschleiert wurde. Auch erkannte das Volk, das in den levitischen Zeremonien das Gesetz des Geistes nicht erkannt hatte, wenngleich es darin enthalten war, eben so wenig das göttliche Gesetz, das ihm in dem Gesetze des Geistes oder in der Prophetie angekündigt ward; und da es fortfuhr, in der Finsternis zu wandeln, gelangte es zur Epoche der allgemeinen Erlösung, von welcher nicht nur die Propheten nicht aufgehört hatten zu reden, ein jeder nach Maßgabe dessen, was ihm zu wissen bewilligt war, sondern auch noch was in den Büchern Moses, vorzüglich in den Segnungen Jacobs angekündigt worden. Denn hätte das Volk diese Bücher wirklich sorgfältig erforscht, so hätte es ernstliche Betrachtungen angestellt, als es die zeitliche Macht Judas in die Hände des Idomäers Herodes übergehen sah. Die innige Vereinigung aller dieser Gesetze, von denen das eine in das andere gehüllt, ist eines der erhabensten Geheimnisse der heiligen Weisheit, die sich hierdurch immer als dieselbe zeigt, ungeachtet der Verschiedenheit und der Zwischenräume, welche sie zwischen ihren Offenbarungen stattfinden lässt. Das jüdische Volk war zu roh an Geiste, um in diese einfache und tiefe Erkenntnis einzudringen. Überdies mit allen den Missetaten belastet, mit denen es sich ehedem durch seine Nachlässigkeit in Befolgung der Gesetze und der Verordnungen Moses und durch das Vergießen des Blutes der Propheten befleckt hatte, wirkte das Gesetz der Gnade, dessen Zeitpunkt für das menschliche Geschlecht gekommen war, zur Verwerfung des Volkes, welches mit so geringem Erfolge Repräsentant desselben gewesen war. Statt sich von seinen Verbrechen in dem Glauben an dieses neue Opfer, das sich ihnen darbot, zu reinigen, häufte es seine Missetaten, indem es dasselbe als seinen Feind betrachtete, und es verdichtete sich auf diese Weise selbst den Schleier, der für die ganze Nachkommenschaft Adams zerrissen wurde. Die Schrift tableau naturel, indem sie die Notwendigkeit eines versöhnenden Gottmenschen vor Augen legt, hat die Tiefe des Geheimnisses dieses Opfers gezeigt, wo das Opfer sich selbst darbrachte, ohne ein Selbstmörder zu sein, und wo die blinden Opferer, indem sie einen Schuldigen zu opfern glaubten, der Welt, ohne es zu wissen, einen allgemeinen Friedensfürsten gaben, welcher deren Wiedergeburt bewirken sollte. Im L’homme de desir ist gezeigt worden, dass das Blut dieses Opfers Geist und Leben ist, und dass folglich die Juden, indem sie verlangten, dass es über sie und über ihre Kinder kommen möge, die Barmherzigkeit, die sich in ihm mit der Gerechtigkeit vereinigt fand, nicht trennen konnten. Wir erinnern hier nur im Vorübergehen an diese tröstlichen und tiefen Wahrheiten, die der menschliche Geist sich nicht genug vergegenwärtigen kann. Wir haben gesehen, dass seit der Sünde das Blut die Schranken und das Gefängnis des Menschen ist, und dass das Vergießen desselben notwendig war, um demselben stufenweise die Freiheit wieder zu geben durch das Mittel der Transposition, welche durch dieses Blutvergießen zu feinen Gunsten gewirkt wurde. Wir haben aber zu gleicher Zeit gesehen, dass jedes Gesetz, das ihm zu seiner Wiedergeburt gegeben wurde, nur eine Art Initiation zu einem höheren Gesetze war, das jenem folgen musste. Auch hatten alle diese vorbereitenden Gesetze nur den Zweck, den Menschen dahin zu führen, sich selbst als ein freies und williges Opfer darzubringen, dessen Stelle alle früheren Opfer nicht vertreten konnten, weil er sich ohne Vergießen seines eigenen Blutes von dem Gefängnisse, dass das Blut um ihn errichtet, nicht wirklich befreit finden konnte. Was konnte diese heilsame Wahrheit ihn nun aber lehren? Nicht die Tieropfer, weil diese von Sittlichkeit entbundenen Tiere ihm gar keine Vorstellung von einer freiwilligen Opferung darboten; und da sie auf dem Altare der Brandopfer nur ihren natürlichen Körper darbrachten, so konnten sie den Menschen nur von seinen äußeren und leiblichen Fesseln, die den ihrigen gleich waren, entbinden. Ebenso wenig war es das Opfer und der Tod des Propheten, weil sie nicht freiwillig zum Martertode gingen, obgleich sie mit Ergebung hingehen konnten, weil dieser Martertod für diejenigen, die ihn erlitten, nur eine ungewisse Folge ihrer Sendung und nicht ihre Sendung selbst war, weil sie nur gesandt waren, die Morgenröte des ewigen Tages der Erlösung des Menschen anzukündigen, nicht aber, um ihn vollständig in Freiheit zu setzen, endlich weil sie sich selbst sehnten, in jenen großen Tag einzudringen, den sie, ohne ihn zu kennen, verkündeten, und den sie nur in zerstreuten Strahlen und gleichsam in Geistesblitzen vorhersahen. Also, obgleich die Stimme und das Blut der Propheten dem Menschen nützlicher waren, als die Opfer des levitischen Gesetzes, obgleich sie ihn zu einer höheren Stufe erheben konnten, weil sie seinen Geist befreien konnten, so führten sie ihn doch nicht zu jener hohen Idee eines gehorsamen und zugleich freiwilligen Opfers, welches auf der Erkenntnis des Abgrundes, worin das Blut uns zurückhält, und auf der ermutigenden Hoffnung unserer gänzlichen Erlösung, wenn dieses Opfer unter den Augen des Lichtes und in den Bewegungen unserer ewigen Natur dargebracht wird, beruhte. Es musste daher ein anderes Opfer sein, das, indem es in sich alle Eigenschaften aller vorhergegangenen Opfer vereinigte, noch die hinzufügte, den Menschen durch Lehre und Beispiel von dem wahren Opfer zu unterrichten, das ihm zu wirken und darzubringen noch übrig blieb, um dem Geiste des Gesetzes vollständig zu genügen. Dieses Schlachtopfer musste den Menschen lehren, dass, um den wesentlichen Zweck des Opfers zu erreichen, es nicht hinreichend sei, wie die Widder und Stiere leiblich zu sterben, ohne irgend eine geistige Teilnahme, die ihnen ihrer Natur gemäß versagt ist; dass es für ihn sogar nicht einmal hinreichend sei, leiblich zu sterben, wie die durch die Ungerechtigkeiten und Leidenschaften der Völker, denen sie die Wahrheit verkündeten, geopferten Propheten, weil diese glaubten, sich der Gewalt entziehen zu dürfen, ohne gegen ihre Sendung zu fehlen, wie Eljas, wenn sich ihnen die Möglichkeit darbot. Aber dasselbe musste ihn lehren, dass er mit eigener Willensbewegung, mit völligem Wissen und mit gänzlicher Heiterkeit in das, Opfer seines natürlichen und Tierischen Seins eingehen müsse, als das einzige Opfer, das ihn wirklich von den Abgründen scheiden konnte, worin er durch das Blut zurückgehalten wird, das für ihn das Werkzeug und der Diener der Sünde ist; kurz dass er zum Tode wie zu einer Eroberung eilen müsse, die ihm den Besitz der eigenen Güter sichere, und ihn aus den Reihen der Missetäter und der Sklaven ausscheide. Dies war das erhabene Geheimnis, das der Erlöser den Sterblichen zu offenbaren kam; dies war der leuchtende Tag, den er sie in ihrer Seele auffinden ließ, indem er sich sogar durch diejenigen gefangen nehmen ließ, die vor dem Hauche seines Wortes zurückgesunken waren, und indem er für diejenigen bat, die seinen Leib töteten. Es war das Vergießen seines Blutes, das allen diesen Wundern die Vollendung gab, weil der Erlöser, indem er sich in den Abgrund unserer finsteren Region stürzte, alle Gesetze der Transposition befolgte, die sie beherrschen, und woraus sie zusammengesetzt ist. In der Tat, die Vergießung des Blutes des Opfers muss nach Maßgabe des Ranges und der Eigenschaften dieses Opfers wirken, und wenn das Blut der Tiere nur die leiblichen Fesseln der Sünde im Menschen lösen konnte, weil sie nichts besitzen, was über das Elementare erhaben wäre, wenn das Blut der Propheten die Fesseln seines Geistes löste, indem es ihn die Strahlen des Sternes Jacobs vorhersehen ließ, so musste das Blut des Erlösers die Fesseln unserer göttlichen Seele lösen, weil dieser Erlöser selbst der Urheber der menschlichen Seele war, und dieser hinlänglich die Augen öffnete, damit sie die Quelle selbst wahrnehmen könne, aus welcher sie ihr Dasein geschöpft, und fühle, dass wir nur durch die innere und willige Opferung alles dessen, was in unserm Blute schwimmt, und am Blute klebt, dem Verlangen und den wesentlichen Bedürfnissen genügen können, welches wir tragen, uns wieder mit unserer göttlichen Quelle zu vereinigen. Es ist nicht auffallend, dass diese Art Offenbarung alle andern Opfer und Darbringungen aufhob, weil dasjenige, was dargebracht ward, den Menschen in den einzigen Rang erhob, der für ihn bestimmt war; auch hat sich seit diesem Zeitpunkte der Geistmensch zum Range eines wahrhaften Opferers erhoben, und es hängt von ihm allein ab, wieder auf den Weg seiner Wiedergeburt sich zu begeben und deren Erfüllung wenigstens in der Erkenntnis, selbst schon in dieser Welt zu erreichen, wenn er es versteht, sich mit Herz, mit Geist und Tat mit demjenigen zu vereinigen, der ihm die Pfade öffnete und vor ihm das Ziel erreichte. Ebenso wenig ist es auffallend, dass, in Übereinstimmung mit allen vorhergehenden Offenbarungen, diese durch einen Menschen zu uns gelangt ist, weil sie den Menschen zum Gegenstande hatte; was sie aber von allen andern ganz bedeutend unterscheidet, ist, dass sie gepredigt, bewiesen und vollständig erfüllt ward in einem Gottmenschen, während es unter den andern nicht Eine gibt, die diesen universellen Charakter an sich trüge. Der Tod Abels war nicht freiwillig; er konnte zur Förderung Adams dienen durch die Transposition, welche das Vergießen dieses Blutes hinsichtlich der unregelmäßigen Aktionen bewirken konnte, welche an dem schuldigen Vater des menschlichen Geschlechtes hafteten; aber er vollendete nicht das Werk unseres Bundes mit Gott, weil Abel nur ein in Sünden empfangener Mensch war, und weil sein Bruder Seth an seine Stelle gesetzt ward, um den Menschen die Fortsetzung und den Lauf der geistigen Gnaden zu übertragen, welche der Tod in seinen Händen gehemmt hatte. Die von Noah empfangene und unter seinen Augen an der menschlichen Nachkommenschaft ausgeübte Offenbarung der Gerechtigkeit, stellte ihn ohne Zweifel in die Reihe der ersten Auserwählten des Herrn zur Ausführung der Pläne göttlicher Weisheit; aber er erscheint in diesem großen Ereignisse mehr als ein Würgengel, denn als ein Erlöser des menschlichen Geschlechtes, und daher brachte er als Brandopfer nur Opfer, die ihm fremd waren und die dem Menschen nur Hilfen bringen konnten, welche mit ihrer Klasse analog waren. Abraham vergoss sein Blut durch die Beschneidung zum Zeichen seines Bundes mit Gott und zum Zeichen seiner Erzählung; aber er vergoss nicht das Prinzip selbst dieses Blutes, worin das Tierische Leben wohnet, und wir haben nicht nötig, noch etwas zu dem hinzuzufügen, was wir früher schon von diesem Patriarchen gesagt haben. Sein Sohn Isaak nahte sich dem Opfer, aber er vollendete es nicht, weil der Mensch erst in der Epoche des Bildlichen war, und weil der Glaube des Vaters die Wirkung zur Befestigung des Bundes hervorbrachte, ohne dass es notwendig gewesen wäre, ihn durch die Grausamkeit eines Kindermordes zu beflecken. Moses diente als Werkzeug des Gesetzes der Erwählung des hebräischen Volkes und als auserwählter Mensch, um auf den Menschen oder auf dessen Repräsentanten zu wirken; da er aber nur auf die Repräsentanten des allgemeinen Menschen wirkte, so ward er auch nur dazu berufen, äußerliches Opfer und figürliche Opfergaben zu gebrauchen und zwar des fortbestehenden Grundes wegen, dass, da der Mensch nur noch im Alter der Figuren und der Bilder war, das Gesetz der Transposition nur in dieser Beziehung auf ihn wirken und sich nicht höher erheben konnte. Die Propheten kamen, ihr Blut und ihre Worte hinzugeben, um zur Erlösung der Menschen mitzuwirken. War es notwendig gewesen, dass Menschen kamen, um die Rache der Gerechtigkeit auszuüben und die Wege, welche die Wiedergeburt vorbildeten, zu bezeichnen, so war es noch viel notwendiger, dass Menschen kamen, um die ersten Pforten der wirklichen Wege des Geistes zu öffnen; auch waren die Propheten gleichsam die Werkzeuge, die Sprache und der Ausdruck des Geistes selbst, während Moses das Gesetz nur auf steinerne Tafeln geschrieben empfing und dem Volke übergab; kurz Moses nahm vor den Zauberern Pharaos die Schlange nur bei dem Schweife und es bedurfte eines mächtigeren Wesens, um sie beim Haupte zu fassen, weil der Sieg sonst nicht vollständig errungen wäre. Alles zeigt uns, was den Propheten fehlte, um den Menschen zur Offenbarung seiner eigenen Größe den Zutritt verschaffen zu können; und wir können zu alledem, was wir schon sagten, noch einen einfachen und schlagenden Grund hinzufügen, nämlich, dass diese bevorzugten Menschen nicht das Prinzip des Menschen waren.

Wir können hier sogar zum Teil die Erklärung der Stelle des Johannes (10, 8.) finden: „Alle, so viele ihrer gekommen, sind Diebe und Mörder, und die Schafe haben auf sie nicht gehört,” obgleich diese Stelle viel mehr die Hohepriester als die Propheten trifft. Diese Stelle zeigt wohl, dass alle diese Häupter und alle diese Gesandten dem Volke nicht Zutritt zu dem Reiche verschaffen konnten, weil sie nur durch den Geist wirkten, dieses Reich aber göttlich ist; allein sie zeigt auch, dass sie nicht die wahren Hirten dieses Volkes waren, weil sie nicht freiwillig ihr Leben für dasselbe hingaben und weil sie, statt es sorgfältig vor der Hand des Feindes zu schützen, oft die ersten waren, die es seiner Wut preisgaben. Dieses ist es, was Gott ihnen bei Ezechiel (22, 24. 31.) streng vorwirft, wo er, nachdem er die Verbrechen der Fürsten und die Gräuel der Propheten geschildert, ihnen sagt: (V. 30.) „Ich suchte unter ihnen einen Mann, der sich als Zaun dazwischen stellte und mir entgegenstände für das Land, damit ich es nicht verdürbe, aber ich fand keinen.” Es war also einzig demjenigen, der das Prinzip des Menschen war, vorbehalten, alle diese Bedingungen den Menschen gegenüber zu erfüllen. Nur das schöpferische Prinzip, das lebendig und belebend ist, konnte der wahre Erlöser desselben sein, weil das freiwillige Vergießen seines Blutes, mit dem kein Blut der Erde sich vergleichen kann, die gänzliche Transposition der fremden Substanzen bewirken konnte, die im Blute des Menschen schwimmen. Nur dieses göttliche Prinzip, welches in Folge dieser Verrichtung die Seele des Menschen aus ihrem Abgrund ziehen und sich, sozusagen, mit ihr identifizieren konnte, um sie das Entzücken ihrer wahren Natur kosten zu lassen, nur dieses allein, da es Aufbewahrer des Schlüssels Davids war, konnte einerseits den Abgrund schließen, und anderseits das Reich des Lichtes öffnen, und dem Menschen die Stelle wiedergeben, die er immer hätte einnehmen sollen.
Auch kennt man von dem Erlöser nichts, wenn man ihn nur in seinen äußeren und zeitlichen Farben betrachtet, ohne durch die Stufenleiter der Erkenntnis bis zum göttlichen Zentrum einzudringen, dem er angehört. Lasst uns daher aus der Verschiedenheit der Eigenschaften, mit denen er sich bekleidet, einige Mittel schöpfen, um unserem schwachen Lichte seine geistige Menschwerdung anzueignen, die seiner leiblichen Menschwerdung um vieles vorausging. Zuerst war es notwendig, dass er, der das ewige Prinzip der Liebe war, die Eigenschaften des immateriellen Menschen, der sein Sohn war, annahm; und um ein solches Werk zu vollenden, reichte es hin, sich in dem Spiegel der ewigen Jungfrau oder der Sophia zu betrachten, in welchen sein Gedanke von Ewigkeit her das Urbild aller Wesen eingegraben. Nachdem er immaterieller Mensch geworden durch den einzigen Akt der Beschauung seines Gedankens im Spiegel der ewigen Jungfrau oder Sophia, war es notwendig, dass er sich mit dem lauteren Elemente bekleidete, welches jener glorreiche Leib ist, der seit der Sünde mit unserer Materie verschlungen ist. Nachdem er sich mit dem lauteren Elemente bekleidet, musste er das Prinzip des leiblichen Lebens werden, indem er sich mit dem Geiste der großen Welt oder mit dem Weltall vereinigte. Nachdem er das Prinzip des leiblichen Lebens geworden, musste er irdisches Element werden, indem er sich mit der elementaren Region vereinigte; und von hieraus musste er Fleisch werden im Schoße einer irdischen Jungfrau, indem er sich in das Fleisch hüllte, das von der Sünde des ersten Menschen herrührte, weil er uns vom Fleische, von den Elementen und vom Geiste der großen Welt zu erlösen kam. In Betreff dieses kann ich nur auf Jacob Böhme hinweisen, der über diese Gegenstände hinlängliches Licht verbreitete, um die Leser für alle Mühe zu entschädigen, die sie vielleicht hierzu anwenden müssten.
Man sieht nun, warum das Opfer, das der Erlöser gebracht, so auf allen Stufen von der Höhe her, von der wir gesunken, sich allen unsern Bedürfnissen und allen unseren Schmerzen angepasst fand. Auch ist es das einzige Opfer, das mit den tröstlichen und zugleich schrecklichen Worten „consummatum est” beendigt ward; tröstlich, durch die Gewissheit, die sie uns geben, dass das Werk vollbracht ist und dass wir den Fuß auf den Nacken unserer Feinde setzen werden, so oft wir in die Fußstapfen desjenigen treten wollen, der jene überwunden hat; schrecklich, weil, wenn wir sie durch unsere Undankbarkeit und Trägheit vereiteln und vernichten, uns keine Hilfsquelle mehr übrig bleibt, weil wir keinen andern Gott mehr zu erwarten, noch einen andern Erlöser zu hoffen haben. Es ist nicht mehr die Zeit, wo wir durch die Darbringung von Tieropfern unsere Fehler sühnen und uns von unseren Befleckungen reinigen können, weil er selbst die Schafe, die Ochsen und die Tauben aus dem Tempel vertrieb. Es ist nicht mehr die Zeit, wo Propheten kommen müssen, uns den Weg des Geistes zu öffnen, weil sie jene Wege offen ließen, und dieser Geist fortwährend über uns wacht, so wie Jeremias (Machabäer 11, 15. 14.) immer über das jüdische Volk wachte. Kurz es ist nicht mehr die Zeit, wo wir noch warten müssen, dass Christus, das Heil der Völker, zu uns herabkomme, weil er einmal herabgekommen ist und weil, da er selbst der Anfang und das Ende ist, wir, ohne ihn zu beleidigen, uns nicht so benehmen können, als wenn es nach ihm noch einen andern Gott gebe und wir demjenigen, der sich uns zu erkennen gegeben hat, nicht einen unbegrenzten Glauben und ein allgemeines Vertrauen schenkten, das wirklich und natürlich nur auf ihm ruhen kann, da er allein die Universalität ist.

Wir haben von nun an kein anderes Werk, keine andere Aufgabe als uns zu bemühen, in dieses, Es ist vollbracht, einzugehen und jedes zu entfernen, was uns hindern kann, alle Vorteil daraus zu ziehen. Wenn der Versöhner, kraft des einfachen aber fruchtbaren Gesetzes der Transpositionen, eine jede unserer Wesenheiten wieder an ihre Stelle gebracht hat, und für den Menschen die Unordnung und Finsternis schwinden ließ, indem er ihn auf seinen Posten wieder einführte, so ist leicht einzusehen, dass das Böse kein ewiges und wesentliches Prinzip ist, das durch die Notwendigkeit seiner Natur dem Prinzip des Guten entgegengesetzt wäre, wie dieses die Manichäer glaubten; (ein System, dem man mich ergeben glaubte, während ich dessen Gegner bin;) es ist, sage ich, leicht einzusehen, dass, da die Freiheit die unterscheidende Eigenschaft ist, die das moralische Wesen zwischen Gott und die Materie stellt, es hinreicht, ihm den Gebrauch dieser Freiheit zu lassen, die der Urheber der Dinge ihm nicht zugleich geben und nehmen konnte, um den Ursprung des Bösen in den moralischen Wesen und zugleich das Untergeordnete seiner Natur zu begreifen. Zugleich ist es leicht, nach der Erklärung dieses Bösen, das wir, als nur auf Transpositionen von Substanzen beruhend darstellen, die verschiedenen Eigentümlichkeiten und den mannigfachen Nutzen der Opfer zu entdecken, deren Lauf und Wirkung zu erklären wir uns bemühten. Kurz es ist leicht einzusehen, um wieviel das Opfer des Versöhners alle jene, die demselben vorangegangen waren, überwiegen musste, da es eine Transposition bewirken sollte, die sogar den Fürsten der Finsternis, der die Menschen beherrschte, in den Abgrund stürzte, und nur dem höchsten göttlichen Oberhaupte des Lichtes, der Kraft und der Macht ein solcher Sieg aufbewahrt sein konnte. Indessen ist es nicht nutzlos, hier nebenbei zu bemerken, dass seit dem großen Opfer, bis zur Zerstörung ihrer Stadt, bei den Juden die blutigen Opfer fortwährten; aber sie besaßen seit lange nur noch deren Form; der Geist war für sie verlorengegangen; seit der Darbringung des göttlichen Opfers entfernte er sich nur noch mehr von ihnen. Deswegen konnten sie nur in der Ausartung fortbestehen, und diese Periode, an deren Ende die große Rache über dieses verbrecherische Volk ausbrach, zeigt das Ende der schützenden Aktion des Geistes, der sie verließ, und zugleich die furchtbaren Wirkungen der Gerechtigkeit, welche der Geist der Rache an ihnen vollstreckte; ein hartes Gericht, das in dem Moment der versöhnenden Handlung des Erlösers nicht hätte zur Ausführung kommen können, weil er nur gekommen war, das Werk der Liebe und der Barmherzigkeit zu wirken. Obgleich das Opfer des Versöhners die Menschen bis zu dem Vermögen führte, so viel, als es hienieden möglich ist, die erhabene Aufgabe ihrer Wiedergeburt zu erfüllen, dadurch dass sie sich mit ihm vereinigten und ihm im Geiste und in der Wahrheit dienten, so wollte er doch auf Erden, ehe er sie verließ, ein Zeichen des Bundes zurücklassen, das uns täglich an seine Offenbarungen und an seine Hingebung für uns erinnern sollte, wie wir ehedem Zeichen und Zeugnisse zurückbleiben sahen, nach den verschiedenen Manifestationen der Gesetze, der Gerechtigkeit, nach den levitischen Geboten und nach den prophetischen Offenbarungen, die seit dem Anfange der Welt bekannt gemacht wurden. Er wollte, dass dieses Zeichen des Bundes für uns eine Entwicklung jenes göttlichen Samens sein sollte, den er auf unsere verdorbene und unfruchtbare Erde auszustreuen gekommen war; und da wir gemischte Wesen sind, so hat er dieses Zeichen mit verschiedenen wirkenden Substanzen verbunden, da mit alle Substanzen, die uns gegenwärtig konstituieren, ihre Nahrung, ihr Schutzmittel und ihre Stütze fänden, eine jede in ihrer Art und nach ihrem Bedürfnisse. Aber er wollte zugleich, dass diese Einsetzung ihren Wert aus dem Geiste schöpfe, der alles hervorgebracht hat und der alles heiligt; und in dieser Hinsicht werden wir die großen Vorteile sehen, welche diese Einrichtung uns verschaffen kann, wenn wir uns bis zu dem erhabenen Sinne erheben, der ihr von demjenigen gegeben wurde, der sie eingesetzt hat. Denn wenn geschrieben steht, dass man heilig sein müsse, um sich dem zu nahen, der heilig ist, so muss man auch Geist sein, um sich dem zu nahen, der Geist ist. Deswegen kann der irdische Mensch nur einen Blick der Finsternis und der Entweihung hineinwerfen, während der Geist-Mensch sich von allem Rechenschaft ablegen muss, was seinem Gebrauche und seinem Nachdenken angeboten wird. Erinnern wir uns daher, dass der Geist seit der Befreiung aus Ägypten auf dem Lamme geruht hatte, und dass dieser dem Opfer seinen ganzen Wert gab. Erinnern wir uns auch, dass das göttliche Leben auf den Substanzen des neuen Bundes ruhte und noch ruht, weil der Geist der Wahrheit sich nicht vergebens ergossen, und weil er in seinen Planen und in seinen Wirkungen nicht getäuscht werden kann, so wie wir seit dem neuen Bunde (vielleicht seit dem Anfange der Dinge) das Brot und den Wein als mit dem Geiste des Lebens bezeichnet, der auf sie ausgegossen wurde, betrachten können. Wir hätten sogar zu keiner Zeit unser Brot essen und unsern Wein trinken sollen, ohne uns der geheiligten Bedeutung zu erinnern, die ihnen gegeben wurde, statt dass wir sie nur unter die Kraft des Elementaren, die nicht heilig ist, herabsinken ließen. Diese Substanzen sind mit dem lauteren Element verbunden, das lautere Element mit dem Geiste, der Geist mit dem Worte, und das Wort mit der ursprünglichen und ewigen Quelle, und durch diese harmonische Ordnung wirkt die Einsetzung des neuen Bundes mit Erfolg auf die Prinzipien, aus denen wir zusammengesetzt sind.

In der Tat, sie wirkt im Geist und in der Wahrheit auf unser ganzes Sein, nämlich, das ungesäuerte Brot zur Reinigung unserer Materie; der Wein zur Reinigung unseres animalischen Lebens-Prinzips; der glorreiche Leib oder das lauterere Element, um uns unser ursprüngliches Gewand wiederzugeben, das wir durch die Sünde verloren; der Geist auf unsere Erkenntnis; das Wort auf unsere tätigen Worte; das Leben auf unsere göttliche Essenz; und dieses, in dem sie eine jede Abteilung unseres Seins, auf welche sich die Aktion erstreckt, die sie uns erteilt, um eine Stufe höher erhebt. Auch hat diese Einsetzung des neuen Bundes zum Zeichen vier große Einheiten der Einwirkung auf uns, nämlich: Die doppelte elementare Beziehung, die uns durch die beiden Substanzen mitgeteilt wird. Die Gemeinschaft und Verbindung mit allen Auserwählten, die seit dem Anfange der Welt dem Opfer beiwohnten; die am heiligen Tische sitzen und von da aus auf unser Herz die heiligen Worte zurückströmen lassen, deren Zeugen sie waren und die wahrscheinlich noch höher sind, als jene bekannten Worte bei der Wandlung. Das lautere Element oder das wahre Fleisch und das wahre Blut, welches alle unsere Kräfte der Erkenntnis und Tätigkeit beim Werke bekräftigt. Endlich der göttliche Agent selbst, der unter den Augen des Vaters die Heiligung überall verbreitet, deren Siegel und Eigenschaft er empfing und der, da er zugleich der Urheber, der Verwalter und der Stifter dieses Zeichens seines Bundes war, hierdurch das Gewicht, die Zahl und das Maß in uns wieder herstellte. Denn warum ist dieser göttliche Agent der einzige, der auf diese Weise diese allgemeine Taufe geben kann? Warum ist er das Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, wäre es nicht deshalb, weil seine bloße Gegenwart alle Prinzipien wieder an ihre Stelle bringt, und weil die Unordnung nur in der Transposition liegt? Aber dem Gesetze der Zeit unterworfen, die für uns alles zerteilt hat, ließ er von Neuem seine Virtualität auf die materiellen Zeichen seines Bundes nur auf eine passive Weise ruhen, die Reaktion des wiedergeborenen Menschen abwartend; so wartete er selbst, um seine Kräfte zu entwickeln, während des ganzen Verlaufs seiner Wirksamkeit auf Erden, auf die Reaktion des Wortes seines Vaters. Deswegen übergab er jene Einsetzung den Händen der Menschen, die er wiedergeboren hatte, während er selbst zu seiner Quelle zurückkehrte, um dort die neue Frucht des himmlischen Weinstockes zu trinken, und unaufhörlich im unsichtbaren Reiche Worte des Lebens auszusprechen, die mit den sakramentalen Worten in Verbindung stehen. Hierdurch können die wiedergeborenen Menschen, die diese Einsetzung verwalten müssen, mit ihm und mit seinem Werke der Wiedergeburt in Verbindung treten und diejenigen, die Teil daran nehmen und sich im Geiste und in der Wahrheit damit vereinigen wollen, mit diesem selben Werke verbinden. Erinnern wir uns , dass wir tot waren , und dass der Versöhner in den Tod eingehen musste, um sich uns gleichzumachen; zugleich aber, dass er, indem er in den Tod ging, nicht aufhörte, das Leben zu sein; ebenso wie er dadurch, dass er sich uns gleich machte, nicht aufhörte, unser einziges Prinzip zu sein; folglich konnte er auch nicht sterben, ohne wiederaufzuerstehen, und ohne uns mit sich auferstehen zu lassen, um uns ihm ähnlich zu machen. Diese Auferstehung war notwendig, damit wir das Leben kosten, das Leben loben und es feiern konnten, was der Zweck des Daseins aller geistigen Wesen war, die nach dem Gleichnisse des Schöpfers gebildet sind, und es auch ewig bleiben wird.

Die Einsetzung des Abendmahls hatte also zum Zweck diesen Tod und diese Auferstehung schon vor der Zerstörung unserer körperlichen Essenzen in uns aufzufrischen, uns nämlich zu lehren, mit dem Erlöser zu sterben und mit ihm aufzuerstehen. Also kann diese religiöse Zeremonie in ihrer Erhabenheit betrachtet, in Wirklichkeit, eine Erzeugung, eine Emanation, eine Schöpfung, eine Wiedergeburt oder eine allgemeine, fortwährende Auferstehung in uns werden; sie kann, sage ich, uns in ein Reich Gottes umgestalten, und machen, dass wir mit Gott nur eins sind. Es würde auch wohl dienlich sein, wenn der Ausspender den Gläubigen die Worte des Erlösers unablässig wiederholte: „Das Fleisch und das Blut ist zu nichts nütze, meine Worte sind Geist und Leben.” Denn wie sehr hat der Buchstabe der anderen Worte die Geister getötet! Es ist notwendig, dass sowohl beim Ausspender als bei uns die Idee und die Worte von Fleisch und Blut aufgehoben werden, dass wir uns nämlich wie der Erlöser bis zur Region des lauteren Elements erheben, das unser erster Leib war, und dass in sich die ewige Sophia, die beiden Tinkturen, den Geist und das Wort, enthält. Nur unter dieser Bedingung können die Dinge, die im Reiche Gottes vorgehen, auch in uns vorgehen. Erhebt man sich nicht zu dieser erhabenen Einheit, die durch unsern Gedanken alles umfassen will; verwechselt man die Einsetzung mit dem Werke, das wir an uns selbst wirken sollen, kurz, verwechselt man den Zweck mit dem Mittel, das Hilfsmittel mit der Hauptsache, so ist man weit davon entfernt, den Geist der Einsetzung selbst zu erfüllen. Denn dieser Geist will, dass wir den Tod Christi unsern Sünden verkünden, damit wir sie weit von uns verbannen; den Menschen Gottes aller Zeiten, damit sie bei unserm Werke tätig gegenwärtig seien; der Gottheit, um sie daran zu erinnern, dass wir dem Leben wieder erkauft sind, weil sie selbst ihr Siegel und ihre Eigenschaften demjenigen aufdrückte, den sie wählte; endlich will er, dass wir diesen Tod dem Feinde verkünden, damit er von unserm Sein weiche; denn dieses war der Zweck des leiblichen Todes des Erlösers. Nun aber ist die Einsetzung des Abendmahls uns nur zur Hilfe gegeben, um wirksam an diesem lebendigen Werke mitzuarbeiten, das wir alle, ein jeder ins Besondere für sich, verrichten müssen. Denn bei diesem lebendigen Werke schwinden in Bezug auf uns alle Transpositionen, jede Sache tritt an ihre gehörige Stelle zurück, und wir erlangen das lautere Element oder unsern ursprünglichen Leib wieder, der uns nur in dem Masse wiedergegeben werden kann, als wir Gottes Ebenbilder werden, weil das wahre Bild Gottes nur in einem ähnlichen Leibe wohnen kann. Wenn die Künstler uns unter menschlichen Formen, seien es männliche oder weibliche, alle Tugenden, sowohl die himmlischen als die irdischen darstellen; wenn die Dichter alle Götter und Göttinnen des Empyreums und alle Kräfte der Natur und der Elemente personifizieren; wenn endlich die Sektierer der verschiedenen Religionen und die Götzendiener ihre Tempel mit menschlichen Standbildern anfüllen, so rührt der Ursprung aller dieser Gebräuche nicht von Täuschung und Missbrauch her, welches nur Folgen sind, die erst später daraus entstanden. Die ursprüngliche menschliche Gestalt musste in der Tat in allen Regionen sich zeigen und herrschen. Da der Mensch das Bild und der Auszug des erzeugenden Zentrums von allem dem ist, was existiert, so war sein Bild der Sitz, wo die Kräfte aller Regionen ihre Tätigkeit ausübten und offenbarten; mit einem Worte der Punkt, wo alle Eigenschaften und alle Kräfte der Dinge zusammentrafen. Alle Darstellungen, die er sich daher durch die Kunst von sich selbst schafft, schildern ihm nur Gemälde desjenigen, was sein könnte und sein sollte, und führen ihn nur auf eine bildliche Weise gleichsam auf das Maß zurück, in welchem er sich in Wirklichkeit nicht mehr befindet. Denn, im Vorbeigehen sei es gesagt, wenn die Gelehrten den menschlichen Körper mit dem Körper der Tiere vergleichen, und dieses die vergleichende Anatomie nennen, so kommt unser wahrer Leib dabei gar nicht in Betracht, da dieselbe uns in der Tat nichts lehrt, als dass wir den andern Tieren ähnlich sind. Im Gegenteil müsste unser höherer Leib und nicht unser Tierischer Leib mit unserm Tierischen Leibe verglichen werden, wollte man in Betreff unserer die wahre vergleichende Anatomie anwenden, weil es nicht hinreicht, die Sachen in ihren Ähnlichkeiten zu betrachten, sondern es ebenso wesentlich ist, sie in ihren Verschiedenheiten zu betrachten. Aus dieser Vergleichung der gegenwärtigen Gestalt des Menschen mit seiner ursprünglichen würden wir über unsere ursprüngliche Bestimmung nützliche Kenntnisse schöpfen. Aber in Ermangelung dieser wichtigen Vergleichung, die in der Tat für die große Menge nicht erreichbar ist, könnten wir wenigstens aufklärende Anzeichen über unseren ehemaligen Zustand auffinden, wenn wir die außerordentlichen Wunder betrachten wollten, die wir noch jetzt durch unsere Industrie aus den gegenwärtigen leiblichen Organen unserer Gestalt hervorgehen lassen; lauter Dinge, die trotz unseres herabgesunkenen Zustandes und der künstlichen Mittel, worauf wir beschränkt sind, uns die Augen über die natürlichen Wunder öffnen müssten, die wir hätten hervorbringen sollen, hätten wir alle Rechte bewahrt, die zu unserer früheren leiblichen Gestalt gehörten. Was den Missbrauch des religiösen Anthropomorphismus anbetrifft, durch welche sich die Tempel mit menschlichen Statuen anfüllten, die für einfältige Menschen so leicht Gegenstand der Abgötterei werden, so rühren selbst diese von der Bewegung her, die im Augenblicke unseres Falles im Herzen Gottes zur Wiederherstellung unseres Geschlechtes vorging, eine Bewegung, durch welche dieses göttliche Herz sich in den Geist-Menschen hinübersetzte. Da nun aber dieser Bund der Wiederherstellung sich in alle Menschen ihrer zeitlichen Abkunft wegen gesät findet, so fühlen sie sich immer geneigt, diesen Keim in sich erweckt zu sehen, und die menschlichen Götzen, die man ihnen vorstellt, als den Ausdruck und die Erfüllung dieses Bundes, wozu das Bedürfnis sie drängt, anzusehen, obgleich das geheime Gefühl, welches es ihnen verursachet, so verworren ist. Ja, was noch mehr ist, sie sind immer ganz bereit, sich selbst sowohl innerlich als äußerlich sichtbare Vorbilder zu schaffen, wodurch sie ihrem Wunsche gemäß dieses große Werk ausgeführt und für sie erfüllt zu sehen hoffen. Also ist das Bedürfnis, den Gott-Menschen sich nahezubringen, und die Leichtigkeit zu glauben, was man wünscht, der Ursprung der Schöpfung menschlicher Götzen, und der Verehrung, die man ihnen dargebracht. Indem nun in der Folge der Betrug auf die Schwachheit und die Unwissenheit einwirkte, war es nicht schwer, den Aberglauben zu verbreiten, sei es nun ein solcher, der abgeschmackt, oder einer, der auch zugleich verbrecherisch war, ohne dass man deshalb den wirklich geistigen Ursprung auszuschließen braucht, welchen auch der Anthropomorphismus haben konnte, wie ich dieses eben schon gesagt habe. Nur die Erneuung unsers Seins hienieden verschafft uns in Wirklichkeit das, was die Menschen vergebens von ihrem Aberglauben und von ihren Götzen erwarten; und doch ist diese Erneuung nur die Vorbereitung unserer vollständigen Wiedergeburt, welche, wie wir gesehen, nur bei der Trennung unserer leiblichen Bestandteile oder bei dem Vergießen unseres Blutes stattfindet. Auch sind wir nach unserm Tode gleichsam aufgehängt am großen Ternar oder am allgemeinen Triangel, welcher sich vom ersten Wesen bis auf die Natur erstreckt, und von dem ein jeder seiner drei Aktionen eines unserer konstitutiven Prinzipien, nämlich das göttliche, geistige und elementare an sich zieht, um, nachdem wir geläutert sind, sie wieder in den vorigen Besitz einzusetzen, und unserer Seele die Freiheit wiederzugeben, zu ihrer Quelle zurückzukehren. Und dieses war es, was Christus durch seinen Tod und in seinem Grabe physisch an sich geschehen ließ. Wenn wir nicht geläutert sind, so widersetzt sich der Feind, welcher sich der Trennung der leiblichen Teile, die nur Form sind, nicht widersetzt, der Wiedereinsetzung in den vorigen Besitz der Bestandteile, über welche die Seele ihn Herrschaft gewinnen ließ, und er behält alles unter seiner Gewalt zum größten Schaden der unglücklichen armen Seelen, die sich zu seinem Opfer machten. Nun aber können wir diese Wiedereinsetzung der Bestandteile in ihre Rechte in dem Masse erleichtern, als wir in unserer Seele eine ewige Jungfrau geboren werden lassen, in welcher der Sohn des Menschen mit seinen Kräften und seinen Vermögen sich verleiblichen kann, so wie diese ewige Jungfrau in uns nur wiedergeboren werden kann, wenn wir unseren ursprünglichen Leib oder das lautere Element in uns neubeleben. Und hier ist es, wo wir im Menschen alle Gesetze der vorbildlichen Opfer, mit denen wir uns bis jetzt beschäftigten, und deren Gegenstand der Mensch ist, selbst wenn er nur ihr Organ und Werkzeug scheint, beobachten und im Menschen eingeschrieben sehen werden. Da der Mensch in sich selbst ein kleiner Auszug der beiden Welten, der natürlichen und der göttlichen ist, so ist es gewiss, dass sein Leib Essenzen alles dessen enthält, was in der Natur ist, wie seine Seele die Essenzen alles dessen enthält, was in der Gottheit ist. Folglich muss sein Leib Korrespondenzen mit allen Substanzen des Weltalls haben, mit den reinen und unreinen Tieren und mit allem, was in der Anordnung der Opfer einbegriffen sein konnte; und obgleich wir in uns diese Essenzen nicht unterscheiden, so können wir doch an die Wirklichkeit ihrer Korrespondenzen mit der Außenwelt glauben, durch die Gestalten und sinnfälligen Bilder, welche diese Wesenheiten unseren Gedanken vorstellen, und durch alle Symbole und Bilder, welche die guten und die bösen Geister täglich und natürlich zu unserer Belehrung und zu unserer Prüfung annehmen. Ohne dass es also notwendig wäre, die Dinge physisch zu kennen, um das Opfer verrichten zu können, reicht es hin, dass unsere Absicht rein und tätig sei, damit diese erste Stufe des materiellen Gesetzes in uns erfüllt werde; es reicht hin, dass wir durch die Redlichkeit unseres natürlichen geistigen Sinnes das uns belebende Prinzip der Wahrheit wirken lassen, weil es seine Opferer unter sich hat, welche in uns die reinen Tiere darbringen werden, deren Darbringung uns nützlich sein kann und welche die unreinen Tiere, die nicht mit in die Opfer eingehen, von uns trennen werden. Dieses ist das Gesetz, welches sich, sozusagen, ohne unser Wissen erfüllt; welches aber von uns keine größere Kenntnis fordert, als es selbst besaß, wenn es sich diesen Zeremonien nahte: Es ist das Gesetz der Kindheit, das uns mit Sicherheit zum lauteren Gesetze des reifen Mannes führen muss. Bezweifeln wir nicht, dass die Darbringung dieser reinen Tiere in uns Wege heilsamer Korrespondenzen eröffnet, wie wir gesehen haben, dass es für das hebräische Volk seit der Darbringung seiner äußeren Opfer geschah. Die Wirkung selbst würde für jeden Menschen insbesondere umso gesicherter und bestimmter sein, wenn diese Ordnung nicht fortwährend umgestoßen würde durch die fremden Völker, die wir dem Opfer beiwohnen lassen, und durch die unreinen Tiere, denen wir es gestatten, sich unter die Messer des Darbringers zu legen und die uns Korrespondenzen öffnen, die denen entgegengesetzt sind, deren wir bedürfen, weil dann alles in den Prinzipien des Menschen vor sich gehen würde, wohin gegen im vorbildlichen Gesetz der Hebräer alles im Äußern vor sich ging. Da aber dieses vorläufige Werk die Kräfte des Menschen in seinem ersten Alter übersteigt, so liegt es seinen Stiftern und seinen zeitlichen Führern ob, dasselbe in ihm zu leiten und sogar für sein Schicksal verantwortlich zu sein, wenn er bei der folgenden Epoche „anlangt. Ist er bei dieser Epoche mit den Vorbereitungen angelangt, von denen wir soeben sprachen, dann verbindet sich in ihm das geistige Gesetz mit dem äußeren Gesetz, abwartend bis es dessen Stelle ganz einnimmt. Dieses geistige Gesetz kündigt sich in uns mit einer furchtbaren Majestät an, wie es sich dem hebräischen Volke auf dem Berge Sinai ankündigte; es verkündigt laut in uns das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Lande Ägypten befreie, aus dem Hause der Knechtschaft; du sollst keine andere Götter neben mir haben.” Seine Stimme hallt in unserm ganzen Sein wieder: nicht nur fliehen vor ihr alle falschen Gottheiten, die gestürzt wurden durch den Schrecken dieser Worte, sondern sie vertilgt auch alle fremden Völker oder die abgöttischen Neigungen in uns, mit denen wir bei den Chaldäern lebten, bis wir in das Land Kanaan gerufen wurden. Dann spricht sie laut alle andern Vorschriften der zehn Gebote aus, die nur eine notwendige Folge dieser ersten Vorschrift sind. Da sie nun aber dieses heilsame und zugleich furchtbare Gesetz erst zu der Epoche ausspricht, wo wir für geeignet gehalten werden, aus dem Lande Ägypten auszugehen und unsere Freiheit zu genießen, so sind wird von da an dem Gesetze des Geistes verpflichtet, und wir werden an unser eigenes Betragen gewiesen unter dem Lichte dieses Gesetzes, das uns vorgeschrieben ist. Deswegen wird es uns im Deuteronomium (4, 9.) anempfohlen: „Dieses Gesetz in unser Herz einzugraben und es auf unsere Stirn zu schreiben,” usw. In diesem neuen Zustande ist das Gesetz der Opfer uns ohne Zweifel fortwährend notwendig; aber alsdann sind wir die Leviten und Opferer, weil der Zugang zum Altar uns geöffnet ist, und weil wir nach levitischem Brauch dem Herrn täglich die Opfer darbringen müssen, die er sich bei uns als Brandopfer und als Opfer eines angenehmen Geruchs auserwählt hat. Wir sind ihm verpflichtet, sage ich, unseres eigenen Vorteiles wegen und zwar wegen des Fundamentalgrundes der Korrespondenzen; denn indem wir eine heilige Anwendung von den Prinzipien machen, die unser Wesen begründen, so verbinden wir uns mit wiederherstellenden Aktionen, die ihnen gleichartig sind; auch müssen wir es fortwährend, um uns dem Geiste gleichförmig zu machen, der sich in uns niedergelassen hat, weil der Akt des Geistes nicht unterbrochen werden darf, sondern immer wachsen muss. Dieser wichtigen Beschäftigung ist dasjenige gewidmet, was wir das erste Alter des Gesetzes des Geistes nennen können; und diese Verpflichtung ist für uns so strenge, dass wenn wir hier etwas fehlen lassen, wir alsbald in verschiedene Dienstbarkeiten fallen, die unsern Sünden entsprechend sind; wenn wir aber andererseits beladen von dem Joche unserer Tyrannen die höchste Hand in Anspruch nehmen, dann erweckt sie auch verschiedene Befreier, die uns auf unseren Weg zurückführen. Diese Hilfen gründen sich auf Funken des Lebens und des Lichtes, welche unsere Berufung zum Gesetz des Geistes in uns gesät hat und die trotz unserer Verirrungen nicht ganz in uns erlöschen, sondern durch den Widerstand und die Qualen unserer verschiedenen Sklavereien nur noch mehr in Gärung geraten und durch dieses Mittel einige Strahlen sprühen, welche Gott als die seinigen anerkennt und wodurch er bewogen wird, herabzusteigen zum Beistande seines elenden Geschöpfes. So machte er es mit den Hebräern, als die Zeit ihrer Befreiung aus Ägypten für sie herangerückt war. Denn man darf es nicht vergessen, dass sie die Söhne der Verheißung waren und dass sie den Geist der Erwählung ihres Stammvaters in sich trugen; ebenso machte er es mit ihnen unter der Regierung der Richter, wo sie den Menschen unter dem Gesetze der Emanzipation oder der Freiheit darstellten. So gelangen wir endlich durch einen fortwährenden Wechsel von Abfall und Wiederherstellung zum zweiten Zeitalter des Gesetzes des Geistes oder zum Zeitalter der Propheten. Denn man muss sich erinnern, dass dem Stammvater der Juden gesagt wurde, in ihm würden alle Völker der Erde gesegnet werden; nun aber lebte das hebräische Volk bis zur Zeit der Propheten von allen andern Völkern getrennt und hatte keine andere Beziehungen mit ihnen, als die, sie zu bekämpfen; sein Gesetz verbietet ihm, sich mit Fremden zu verbinden und befiehlt ihm, den Kultus und die Zeremonien, zu deren Aufbewahrung es gewählt war, nur bloß seines eigenen Vorteils wegen auszuüben; ein Vorbild dessen, was wir im ersten Alter des Gesetzes des Geistes zu verrichten haben, wo wir uns von Allem trennen müssen, was uns am Wachstum und an der Erwerbung der notwendigen Gaben hindern könnte, damit einstens die Völker in uns gesegnet werden. Als aber das Zeitalter des Gesetzes gekommen war, wurden die ersten Keime der Liebe in Israel gesät, so wie die Einführung der Opfer in ihm die ersten Keime des Geistes gesät hatte. Dieses Volk, was bis zur Zeit der Propheten sich allein geschätzt und alle andern Völker verachtet hatte, fing an, in der Seele seiner Propheten den Eifer zu fühlen, den die andern Völker für die Rückkehr zur Wahrheit empfanden. Damals fühlten sich die Propheten gedrückt durch den Schmerz der Leiden, welche nicht nur das Volk Israel bedrohten, sondern auch alle pflichtvergessenen Völker, von denen es umgeben war. Damals war es, wo sie beauftragt wurden, Ninive, Ägypten, Babylon und allen Inseln der Völker den Zorn des Herrn zu verkünden. Man kann hiervon leicht den Grund einsehen; es war der Augenblick, wo die Verheißung des Bundes Abrahams in Erfüllung zu gehen begann; da aber das hebräische Volk in der Erfüllung dieser Verheißung weiter als die übrigen Völker fortgeschritten war, so empfand es damals die ersten Schmerzen der Liebe, während die übrigen Völker nur erst Anmahnungen davon empfingen. So fängt auch der besondere Mensch, der die ersten Jahre des Geistes durchgemacht hat, an, für die Finsternis seiner Nebenmenschen mitzuleiden, und fühlt sich von dem Verlangen gedrängt, sie zur Wahrheit zurückzurufen. In diesem neuen Alter fährt ohne Zweifel der Mensch fort, das Gesetz der Opfer zu erfüllen, weil es nur dann ganz vollbracht sein kann, wenn er sein Blut vergossen hat. Aber es begründet sich in ihm eine kräftigere Aktion, als die des ersten Alters des Geistes und diese Aktion regiert und beherrscht ihn, weil es die göttliche Aktion selbst ist, die ihre Erscheinung auf Erden beginnt; jedenfalls lässt sie ihn frei, weil es nur ein initiatives und ankündigendes Gesetz und kein Gesetz der Ausführung ist. Auch sahen wir mehre Propheten, die den Befehlen widerstrebten, die sie empfangen hatten, wie wir auch wohl Menschen im zweiten Alter des Geistes sehen, die nicht, wie sie sollten, Gebrauch von all den Hilfen machen, die er ihnen mitteilt, woher es denn kommt, dass es so viele Auserwählte gibt, welche die Fülle ihrer Erwählung nicht erreichen. Ebenso wahr ist es, dass im zweiten Alter des Geistes, oder wenn man will, in diesem ersten göttlichen Alter, der wahre Geist der Opfer, deren einziges Ziel von Anbeginn die Liebe und das Glück der Wesen war, sich zu erfüllen anfangt. Auch erleichterte dieser göttliche Geist, indem er auf die Propheten herabkam und die Last der Völker auf sie lud, diese selben Völker von einem Teile des Gewichts, das sie zermalmte, und so geschah es, dass sie ihrerseits die ersten Strahlen der Klarheit, die sie auf ihren Weg zurückführen sollten, leichter empfangen konnten; kurz, sie konnten durch die Leiden und durch die Angst des Propheten geistig an sich verwirklicht sehen, was wir durch die materiellen Opfer sinnfällig bewirkt sahen. Dieses ist auch das Amt für jeden einzelnen Menschen, der zu dieser zweiten Epoche des Geistes gelangt; und man kann sagen, dass dann wirklich das Alter des Menschen oder der wahre Dienst des Geist-Menschen beginnt, weil er alsdann erst anfängt, seinen Brüdern nützlich zu sein, während er in dem früheren Alter nur der Natur und sich selbst nützlich war. Als die große Epoche des Heiles gekommen war, erlangte der wahre Geist der Opfer noch größere Ausdehnung; er beschränkte sich nicht mehr, wie im ersten Zeitalter des Geistes, auf den Vorteil eines besonderen Volkes; er beschränkte sich sogar nicht einmal auf bloße Ankündigungen für andere Völker wie zur Zeit der Propheten, sondern er umfing das ganze Menschengeschlecht, indem er alles an sich zog zur Erfüllung der dem Abraham gemachten Verheißungen, dass alle Völker in ihm würden gesegnet werden. Auch versetzt diese große göttliche Epoche des Erlösers denjenigen Menschen, der es versteht, sie sich zu Nutzen zu machen, auf den Weg seiner wahren Wiederherstellung, indem sie ihm die Mittel verschafft, die Sklaven aus dem Hause der Knechtschaft zu befreien, und in allen Regionen und in allen Klassen die Glorie, die Gerechtigkeit und die Macht des höchsten Wesens zu offenbaren, dessen Siegel und Eigenschaft der Erlöser auf ihn überträgt. Hier enthüllt sich auch der wahre Sinn der an Jeremias gerichteten Worte: (l, IN.) „Ich setze dich heute über die Völker und über die Reiche, dass du ausreißest und niederreißest, zerstörest und zerstreuest, aufbauest und pflanzest.” Denn Jeremias war nur über die irdischen Reiche gesetzt, wohingegen die Herrschaft Christi den Menschen über alle geistigen Reiche einsetzt. Wir haben gesehen, dass der Mensch, als er in das Gesetz des Geistes einging, die ersten Vorschriften der zehn Gebote empfing; Ich bin der Herr, dein Gott usw. Wenn er in das Gesetz des Versöhners eingeht, so empfängt er ein neues Gebot: Seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben; und dieses Gebot ist der Schlüssel zum Werke Christi. Denn welcher Mensch würde in der Knechtschaft nicht alle Anstrengungen machen, die Freiheit wiederzuerlangen? Er muss daher auch alle Anstrengungen machen, um auch seinen Nächsten die Freiheit zu verschaffen, wenn er ihn liebt, wie sich selbst, und wenn er ihn nicht wie sich selbst liebt, so ist er nicht in den Geist des Erlösers eingeweiht, der uns so sehr geliebt hat, dass er sich mit uns in den Abgrund stürzte, um uns mit ihm zu befreien. Obgleich wir nur in einem beschränkten Masse für unsere Nebenmenschen das ungeheure Werk wiederholen können, das der Erlöser für das ganze Menschengeschlecht wirkte, als er vor demselben die Pforten des Todes und ihres Kerkers sprengte, so können wir doch nur durch seinen Geist den Anteil, der uns davon vorbehalten ist, wirken; und wenn vermittelst der Tieropfer das Gesetz auf die Menschen regelmäßige, zeitliche Aktionen herabzog; wenn vermittelst der Stimme der Propheten die Weisheit auf die Völker regelmäßige, geistige Aktionen herabsandte: so können wir vermittelst der Stimme der Liebe und Heiligkeit des Erlösers sowohl auf uns, als auf unsere Brüder sogar göttliche Kräfte herabziehen, die ihnen den Frieden, die Ordnung und die heilige Eintracht in dem Masse verschaffen, als uns dies hienieden zugestanden ist. Denn wenn unsere vergängliche Hülle aufgelöst, wenn die Zeit für uns wie ein Buch aufgerollt sein wird: dann werden wir den Geist des Lebens vollkommen genießen, und mit dem Erlöser den neuen Saft des ewigen Weinstockes trinken, der unsere ursprünglichen Fähigkeiten in ihr volles Maß zurückführen wird, um alsdann nach dem Plane verwendet zu werden, den er uns nach seinem Wohlgefallen vorschreiben wird. Aber vergebens werden wir uns einen solchen Genuss für die Zukunft versprechen, haben wir hienieden nicht alle unsere Opfer treu vollbracht, sowohl die, welche mit unserer eigenen Erneuerung, als die, welche mit dem freiwilligen Opfer unseres ganzen irdischen und sterblichen Seins zusammenhängen, und dies durch unsere tägliche Sorgfalt, uns zu einem ordentlichen Opfer ohne Makel zu bereiten. Denn in der unsichtbaren Region, in welche wir bei unserm Austritte aus dieser Welt eintreten, finden wir keine Erde mehr, um die verschiedenen Arten von Blut aufzunehmen, welches wir zur Erlangung unserer Freiheit notwendig vergießen müssen, und trügen wir die Verdorbenheit, wofür diese verschiedenen Arten Blut empfänglich sind, mit uns hinüber, dann würde es für uns nur Angst und Schmerz geben, weil die Zeit und der Ort der freiwilligen Opfer vergangen wäre. Lasst uns also an unser wahres Leben denken! Lasst uns an das lebendige Werk denken, dem wir alle unsere Augenblicke schuldig sind, und wir werden nicht einmal Musse haben, zu wissen, ob für uns eine zukünftige Angst zu fürchten sei oder nicht, weil wir dann zu sehr von dem Eifer für die Gerechtigkeit erfüllt sein werden. Nur das Verbrechen bringt solche trostlose Ideen im Geiste des Menschen hervor, und nur seine Untätigkeit führt ihn zum Verbrechen, weil sie ihn zur Geistesleere führt. Auch lässt ihn die Geistesleere in Mutlosigkeit sinken, in dem sie ihn glauben macht, dass man die verlorene Zeit nicht wiedergutmachen könne. Dies kann für solche Dinge wahr sein, die nur für die Zeit und durch die Zeit geschehen; aber verhält es sich wohl so mit den Dingen, die nur durch den Geist und für den Geist geschehen? Wenn der Geist keine Zeit hat, und keine Zeit kennt, kann dann ein einziger durch den Geist und für den Geist gewirkter Akt der Seele nicht alles geben, was sie einzusammeln vernachlässigt, oder sogar alles, was sie durch ihre Nachlässigkeit etwa verloren hatte? Hierbei müssen wir uns hauptsächlich der elften Stunde erinnern; man muss aber auch bemerken, dass derjenige, der zu derselben berufen ward, sogar mehr als seinen Lohn empfing, weil er wenigstens während dieser elften Stunde gearbeitet hatte, da er sonst nichts würde empfangen haben, und so würden wir an diesem Lohn nichts zu fordern haben, wenn wir die noch übrige elfte Stunde, nachdem wir die anderen müßig verbracht, nicht, wie jene, verwendeten, um an dem Geisteswerke zu arbeiten. Seit dem Falle können wir alle nur Arbeiter der elften Stunde sein, die in der Tat erst in dem Augenblicke anfing, als wir unserer Rechte entsetzt wurden. Die zehn Stunden, die dieser Epoche vorausgingen, sind uns fern, und gleichsam für uns verloren, in der Art, dass unser ganzes irdische Leben in Wirklichkeit für uns nur die elfte Stunde unseres ewigen und wahrhaften Tages ist, der den allgemeinen Kreis der Dinge umfasst. Hieraus können wir urteilen, ob uns ein Augenblick zu verlieren übrig bleibt. Es ist uns aber auch alles in Überfluss gegeben, was wir gebrauchen, um mit Nutzen und Vorteil die Arbeit dieser elften Stunde zu erledigen; der Entwurf, das Material, die Werkzeuge, nichts ist uns verweigert. Sogar die Hindernisse und die Gefahren, die uns bei der Arbeit aufstoßen, und die uns zum Kreuze werden, wenn wir ihnen entgegentreten, werden Leiter und Mittel zu unserer Erhebung, wenn wir sie überwinden; denn die Weisheit, die uns diesem aussetzt, hat keine andere Absicht, als die unseres Sieges. Ja wenn wir treu unseren Posten bewahrten, so würde der Feind niemals die Festung einnehmen, wäre er auch noch so mächtig. Man muss aber auch alle Zugänge mit einer so ausdauernden Tätigkeit bewahren, dass, wo er sich auch zeigen möchte, er uns wachsam und zum Widerstand gewaffnet fände. Eine augenblickliche Fahrlässigkeit unserseits ist für den Feind, der nie schläft, hinreichend, eine Bresche zu öffnen, um einen Sturm zu versuchen, und sich der Festung zu bemächtigen. Beleben wir also unsern Mut aufs Neue! Wenn unsere geistige Wiederherstellung in Wahrheit alle unsere Sorgfalt erheischt, so können wir sie auch als gesichert betrachten, wenn wir uns nur irgend entschließen, sie zu unternehmen. Denn die Krankheit der menschlichen Seele, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, ist nur eine Art unterdrückter Ausdünstung; und die höchste Weisheit hört nicht auf, heilsame und kräftige schweißtreibende Mittel in uns übergehen zu lassen, die fortwährend streben, die Zirkulation und die Ordnung in unsere Säfte wiedereinzuführen. Selbst der Tod, der auch mit zu unserm Werk gehört, wird mit derselben Weisheit, die alle göttlichen Wirkungen beherrscht, gelenkt und herbeigeführt. Unsere materiellen Bande lösen sich allmählich und auf eine fast unmerkbare Weise. Die kleinen Kinder, die noch gänzlich unter der Last ihrer Materie stehen, haben noch gar keine Vorstellung vom Tode, weil in der Tat die Materie nicht weiß, was der Tod ist, weil sie ja eben so wenig weiß, was das Leben oder der Geist ist. Diese jungen Leute, bei denen dieser Geist oder das Leben durch diese Materie durchzudringen beginnt, fürchten sich mehr oder weniger vor dem Tode, je nachdem sie von diesem Geiste oder von diesem Leben mehr oder weniger durchdrungen sind, und der Gegensatz ihres Geistes und ihrer Materie sich ihnen mehr oder weniger fühlbar macht. Die Menschen im reiferen Alter und die Greise, bei denen der Geist oder das Leben sich entwickelt hat, und die treu dem Gesetze ihres Daseins gefolgt sind, finden sich, wenn sich das Ziel ihrer Laufbahn naht, von den Früchten ihres Werkes so sehr erfüllt, dass sie nicht nur ohne Schauder und ohne Leidwesen, sondern sogar mit Freuden der Zerstörung ihrer materiellen Hülle entgegensehen. Da ihrerseits diese materielle Hülle fortwährend von den Früchten ihres Werkes ganz durchdrungen wurde, so erliegt sie fast unmerklich der täglichen Auflösung ihrer Gefäße, und wären die Pläne der Wiederherstellung befolgt worden, so würde sie durchgängig ohne Schmerz ihrer eigenen letzten Zerstörung erlegen sein. Kann man sich also wohl etwas sanfteres denken, als alle diese Stufen, welche die höchste Weisheit zur Wiederherstellung des Menschen einrichtet? Wenn dieses der Genuss ist, den die Hingebung an den Dienst des Geist-Menschen uns schon hienieden bietet: was verheißt denn diese Hingebung der menschlichen Seele, wenn sie ihre sterbliche Hülle ablegt? Wir sehen, dass hienieden unsere Körper zum Genuss aller ihrer Fähigkeiten, und um sich untereinander mitzuteilen, bestimmt sind. Genießen sie keine ihrer Fähigkeiten, so teilen sie sich auch nichts mit, wie man dieses bei kleinen Kindern sieht. Wenn von allen diesen Körpern die einen den Genuss ihrer Fähigkeiten haben, und die andern nicht, so können diejenigen, welche im Genusse sind, mit denen verkehren und sie kennen, die nicht im Genusse sind, während diese von den Ersteren nichts kennen.
Wenden wir dieses auf die Gesetze der Seele an. Diejenigen, die hienieden nicht im Genusse ihrer Fähigkeiten sind, sind gegenseitig in einer gänzlichen Nichtigkeit; vergebens sind sie neben einander gestellt, sie wohnen beisammen, ohne sich zu kennen und ohne sich einen Eindruck mitzuteilen. Dieses ist der Fall bei den meisten Weltmenschen, um nicht zu sagen vielleicht bei dem ganzen Menschengeschlechte; denn während unserer irdischen Reise sind unsere Seelen untereinander wie die Kinder in der Wiege, und sie teilen sich im Vergleich zu den tätigen Schätzen, mit denen sie sich gegenseitig würden bereichert haben, wären sie in ihrer ursprünglichen Harmonie geblieben, wirklich ebenso wenig mit. Wenn irgendeine dieser Seelen aus diesem Zustande der Kindheit hinaustritt, das heißt, wenn sie ihren Leib verlässt, und, nachdem sie sich hier dem wahren Dienste des Geist-Menschen gewidmet hat, sich nach ihrem Tode im Genuss ihrer Fähigkeiten befindet, so ist es nicht auffallend, dass sie irgendetwas von ihren Schätzen den noch eingekörperten Seelen mitteilen kann, obgleich diese weder den Grund, noch die Mittel der Mitteilung begreifen, wenngleich sie die Wirkungen davon verspüren. Gerade so kann der Leib eines kleinen Kindes die wohltätigen Eindrücke empfinden, welche ein im Genusse seiner Fähigkeiten sich befindender Körper ihm verursachen kann, obgleich es die Quelle weder wahrnimmt, noch zu kennen vermag. Kurz wenn mehrere dieser wiedergeborenen Seelen im Genuss ihrer aktiven Fähigkeiten sind, nachdem sie ihren Körper verlassen haben, so ist es nicht auffallend, dass sie alsdann untereinander alle ihre Beziehungen gegenseitig entwickeln, und dies scheint so einfach, dass es überflüssig ist, in der natürlichen Ordnung Zeugnisse dafür aufzusuchen. Wenn wir nun aber trotz unserer Gesunkenheit und des wenigen Guten, das wir uns auf Erden einander mitteilen können, dennoch so entzückt sind, sobald wir nur in der Tugend unserer Nebenmenschen ahnen, was die Schönheit einer Seele und was ihre erhabene Würde sei, kurz, wenn wir die schwachen Reben gewahren, die der Mensch jetzt noch obgleich nur mit Unterbrechungen offenbaren kann, so können wir von den Freuden urteilen, die unser in der wahren Region warten, wenn unsere in Harmonie gebrachten und vom Körper befreiten Seelen sich alle zusammenfinden, und sich gegenseitig alle Wunder mitteilen, die sie während ihrer elften Stunde erworben, und alle diejenigen, die sie nicht aufhören werden, in der Region des Unendlichen zu entdecken. Mensch, der du wünschest, schon in dieser Welt in den glorreichen Dienst des Herrn einzutreten, stelle dir täglich das Bild jener wiederherstellenden Wasser vor, welche die höchste Weisheit seit der Sünde nicht aufhörte, in die verschiedenen Epochen der einander folgenden Geschlechter zu ergießen; denn du hast die Wege des Herrn rücksichtlich unser hinlänglich erforscht, um zu wissen, dass er sich nicht nur mit dem ganzen Menschengeschlechte beschäftigt, sondern auch noch mit jedem Menschen insbesondere, als ob er nur für diesen einen zu sorgen hätte. So erleuchtet eine Fackel in einem Kreise von Menschen einen jeden Umstehenden mit ihrem ganzen Lichte. So zeigt die Sonne ihr ganzes Antlitz allen Sterblichen, die sich ihrem Anblicke hingeben. So auch ist die göttliche Quelle der Bewunderung allgemein, und sucht in alle Seelen einzugehen, die sich ihrem Lichte nur hingeben wollen. Wenn du aber diese unerschöpfliche Quelle bewundert hast, deren Schätze an den Menschen seit seinem Ursprunge und durch den göttlichen Bund verschwendet worden, und die sich seit seinem Falle angehäuft und noch immer um uns anhäufen, welch‘ schmerzlichen Eindruck wirst du dann empfinden, wenn du den Menschen trotz dieser Schätze in solch‘ einem Elende und in solch‘ einer Beraubung wirst schmachten sehen, dass es scheint, als ob seine finstere Wohnung nur auf zwei Elementen beruhe, auf der Verzweiflung und dem Tode. Der Mensch hat die höheren Gaben, die ihm zur Zeit seiner Glorie gegeben wurden, missbraucht; nach seiner Sünde missbrauchte er sogar die Liebe, die da kam, um ihn in seiner Schmach aufzusuchen. je mehr die Begünstigungen sich für ihn vermehrten, je mehr vermehrte er seine Undankbarkeit; und wenn man diese ungeheuren Gemälde flüchtig überschaut, so entdeckt man die beiden die Erkenntnis und das Gefühl der Menschen am meisten überraschende Wunder. Das erste ist das Wunder der Liebe Gottes für den Menschen trotz unserer Verbrechen und unserer Ungerechtigkeiten; das zweite ist unsere Unempfindlichkeit und unsere Verachtung gegen Gott trotz seiner Liebe und Hingebung für uns. Nein, nichts übertrifft diese beiden Wunder. Aber was war für den Menschen auch die Folge dieser unbegreiflichen Undankbarkeit? (An alle meine unglücklichen Brüder kann ich diese Trauerklagen richten). Statt dieser Oberherrschaft, die uns in jeder Art angehören musste, und durch welche wir in allen Gegenden des göttlichen Bereiches als Zeugen auftreten könnten, in welchem Zustande befinden sich die verschiedenen Herrschaften oder die verschiedenen Welten, die unser Wesen ausmachen? Es ist überflüssig zu sagen, dass seit unserer Herabsetzung unsere Körper die tägliche Beute der Elemente sind, die sie verschlingen, wie der Geier unaufhörlich die Eingeweide des Prometheus zernagt. Wir wissen es, dass der Leib des Menschen gleichsam eine immer eiternde Wunde ist und dass seine Kleider ein Verband sind, den man fortwährend abnehmen und wieder auflegen muss, soll nicht die Wunde einen pestartigen Charakter annehmen. Selbst wenn diese Wunde äußerlich keinen solchen Charakter annähme, so wissen wir doch, dass wir im Innersten dieser Substanzen, die uns seit der Sünde konstituieren, ein verderbendes Gift tragen, das heimlich all unser Fleisch verzehrt, und dass der Mensch sich dieses Giftes nicht entledigen, dass er dessen Bosheit nicht verbessern, dass er dessen Fortschritte auch nicht für einen Augenblick hemmen kann; denn dieses Gift ist eben jenes fressende Feuer, worauf unser Dasein gegenwärtig beruht und welches von der menschlichen Wissenschaft wenigstens seiner Wirkung nach als das Prinzip unserer Zerstörung angesehen wird, weil sie eingesteht, dass unser Tierisches Ahmen nur ein langsames Verbrennen sei. Wer wüsste es nicht, dass alle Wesen, die auf dieser Erdfläche herumirren, nur ebenso viele notwendige Werkzeuge ihres eigenen Todes sind; dass sie nur einen Hauch des Lebens genießen können, welchen sie um den Preis des Lebens selbst erkaufen müssen, und dass sie durch dieselbe Verrichtung ihre Zerstörung und ihr Dasein bewirken? Ist das das Gewand des Todes, das der Mensch an die Stelle jener lauteren und unsterblichen Form stellte, die er ewig aus den göttlichen Schätzen hätte schöpfen können? Es ist überflüssig zu sagen, dass, um das Feuer, das uns verzehrt, einzuschließen, wir zu unserm Gebrauch nur fressende und ihm ähnliche Bestandteile haben, die täglich ihren Bodensatz in uns niederlegen, und uns, eben wie jenes Feuer, das Leben nur geben, indem sie uns den Tod bringen. Welche Unterstützung finden endlich die Krankheiten nicht und die Gebrechen, die sich in uns jenem natürlichen Mangel zugesellen, bei denen, die es unternehmen, uns zu heilen? Wir wissen es, dass die Heilmittel, die sie anwenden, verdorben sind, wie unser eigener Leib und wie die Natur. Sie sind uns nur in dem Grade nützlich, als sie um einige Grade weniger verdorben sind, als unser armes Selbst; in ihnen sowohl als in uns ist nichts lebendig, wenigstens hat hier alles nur ein relatives Leben und eine relative Kraft. Der Tod ist es, der mit dem Tode unterhandelt. Abgesehen von diesem herrschenden Elende macht der Zustand der Natur uns insofern Schande, als wir genötigt sind, unsere Bedürfnisse auf eine Weise zu befriedigen, die nicht mehr mit der Würde unserer Natur übereinstimmt; insofern unser Verlangen nicht mehr dazu hinreicht und unser tätiges Wort sich darin nicht mehr zeigt; insofern als alle diese zeitlichen Sorgen und alle vorübergehenden Vorteile, die wir uns fortwährend zu verschaffen suchen, ein Beweis unserer Verwerfung und zugleich unseres Misstrauens gegen unser Prinzip sind, von dem wir seit unserm Falle nicht mehr die belebende und schöpferische Hilfe verdienen; endlich insofern, als wir gewissermaßen die höchste Wahrheit schmähen, weil wir nur darauf bedacht sind, sie für den Unterhalt unseres Daseins entbehrlich zu machen, während sich doch allein in ihr und durch ihre lebendige Kraft das Dasein, die Bewegung und das Leben dessen, was sie erschaffen und aus ihrem allgemein erzeugenden Herde hervorgehen ließ, erhalten muss. Was aber noch schlimmer, obgleich es weniger beachtet ist, sind die zerstörenden Aktionen und jene Keime einer verbrecherischen und zerstörenden Kraft, die wir in unserer Wesenheit durch alle unsere Sinne und durch alle unsere Poren eindringen lassen und die damit endigt, sich all unserer Organe zu bemächtigen und unsere Körper zugleich zum Behälter und zum Werkzeug der Frevel zu machen, wie dies beinahe beim ganzen Menschengeschlechte der Fall ist, was umso beklagenswerter, da wir das Recht und die Macht haben, uns derselben zu erwehren, während wir dieselbe Herrschaft über die Gebrechlichkeit unserer Essenzen nicht haben und sie nicht hindern können, sich aufzulösen und uns in dem Grade den Tod zu bringen, als sie uns das Leben geben.
Was ist aber jedes Mal die Ursache des Blendwerkes dieser Täuschungen, die damit beginnen, uns zu verführen und damit endigen, uns in einen so traurigen Abgrund zu stürzen? Es rührt leider von einer Quelle her, die uns nur deswegen so nachteilig ist, weil sie unsere Glorie hätte ausmachen müssen, hätten wir es verstanden, sie in ihrem Masse zu erhalten. Es rührt immer von einem obgleich untergeordneten Geiste her, der uns bearbeitet, wenn wir in uns der Stimme und den Lockungen einer falschen Neigung Gehör geben. Dieser Geist wirkt auf den unserigen und malt ihm unter sinnlichen Gestalten eine Basis, auf welcher wir uns einbilden, Genüssen zu begegnen, die er uns verheißt. Hierdurch führt er sich in unsere Essenzen ein und verursacht ihnen Eindrücke, die uns bezaubern und entzücken. Nur weil alles in diesem Verkehr Geist ist, finden wir diesen Verkehr so entzückend. Aber wir nehmen uns nicht die Zeit, zu unterscheiden, wer dieser Geist ist. Wir beeilen uns, dieses lebendige Bild, von dem wir eingenommen sind, auf einen irdischen Gegenstand zu übertragen, der sich daran zu knüpfen immer bereitfindet. Hier schwindet die Aktion des Geistes, die Aktion der Natur nimmt dessen Stelle ein und da diese begrenzt ist, so lässt sie uns bald ihre Grenzen und ihr Nichts empfinden. Man kann hieraus drei Lehren entnehmen. Die erste, dass der niedere Geist uns hierbei doppelt betrügt, weil er uns geistig Genüsse zeigt, die wir in Wirklichkeit nur durch die Materie kennen können, und weil diese Materie uns diese Genüsse, die man uns geistiger Weise zeigt, nicht erreichen lässt. Nun aber kann nur der schlecht geordnete Geist bei diesen Unordnungen und Missverhältnissen wirksam sein. Der wohl geordnete Geist würde uns, wenn gleich immer unter Bildern, zeigen, was das Maß der Genüsse ist, das unserem Geist in irdischer Beziehung zukommt und was an den Genüssen, die unserer Materie angehören, Täuschung ist. Durch dieses Mittel würden unsere beiden Seinsweisen nie Missbraucht werden, weil alsdann die Ordnung in der einen und andern herrschen würde. Die zweite Lehre ist die, welche uns sagt, warum hier die gealterten Menschen, die sich aber zum Spielball ihrer Sinne machten, noch in ihrem entarteten Geiste alle Genüsse kosten, wofür ihre Materie nicht mehr empfänglich ist. Denn es ist nur eine Verlängerung ihrer ersten Affektion oder der Wirksamkeit des niederen Geistes. Endlich die dritte Lehre ist die, welche uns sagt, woher der Ekel kommt, der unsern Täuschungen folgt; denn wir sollten nicht durch die Materie genießen. Der Mensch mag sich in Beziehung auf seine Erkenntnis oder in Beziehung auf seinen Geist betrachten, immer wird er auf neuen Anlass zu klagen stoßen; denn er wird sehen, wie er systematischen und mutmaßlichen Kenntnissen hingegeben ist; fortgesetzten Anstrengungen, um nur aufzufinden, wie er das Namenverzeichnis seiner Wissenschaften anlegen soll; kurz, einem Gewölke von Ideen, die sich unaufhörlich bekämpfen und aus seinen Gedanken ein tausendmal mehr bewegtes und stürmisches Meer machen, als die Atmosphäre es mitten in ihren heftigsten Stürmen ist. Was wird er denn finden, wenn er bis in sein innerstes Wesen eindringt? Er wird ihn nicht nur in die göttliche, sondern häufig auch in eine mehr aktive Hölle versunken finden, die nur den Bruch seiner irdischen Bande abwartet, um seine volle Vereinigung mit dieser tätigen Hölle zu bewirken, deren Werkzeug und Diener er auf sichtbare Weise hier auf Erden ist. Was wird er endlich finden, wenn er sich in diesen beklagenswerten Zustand von Erfahrungsgegenständen aller Art umgeben sieht, die, indem sie ihm niemals die Augen über die Quelle seines Unrechts öffnen, ihn hierdurch hindern, das Mittel dagegen zu finden; was sage ich, die ihm sogar die wirksamsten Mittel zu Nichte machen und nur lindernde und unwirksame oder schädliche unterschieben? Und der Mensch könnte noch unempfindlich sein bei seinem Elend und unbesorgt bei den Gefahren, die ihn umgeben? Welch’ anderes Los oder welche andere Belohnung könnte er noch erwarten, nachdem er, wie er es getan, alle Gaben und alle Schätze der ewigen Freigebigkeit mit Undank erwidert hat? Auch fordert der Mensch, der geschaffen wurde, den Zorn Gottes zu besänftigen, diesen Zorn fortwährend heraus, indem er die Finsternis an die Stelle des Lichts stellt und tausend falsche Aktionen an die Stelle der wahren Aktion, die er in sich trägt. Er hatte hienieden keinen näheren Freund als sein innerstes Wesen, um sich darauf zu stützen, um von Gott reden zu hören und um an den Früchten und an den Wundern der Anschauung Anteil zu nehmen. Statt sich diese Quelle sorgsam zu bewahren, machte er sich selbst zu seinem nächsten und tödlichsten Feinde. Er glaubte nach seiner Weisheit, dass er mit den Tieren eins sei; er beging alle Gräuel, welche Folgen dieses Systems sind und schaffte sich hierdurch eine tätige Hölle, die er nur hätte erblicken müssen und dieses noch nur während seiner Prüfungszeit. Denn in der Zeit ist er nur von Hilfen umgeben. Die Natur bietet ihm nur den Überfluss ihrer Ernten; die Elemente nur ihre heilsame Gegenwirkung; der Geist des Weltalls nur seinen Anhauch und sein Licht; die nützlichen Tiere nur ihren Dienst und ihre Wohltaten; er hat sogar die Mittel, die schädlichen Tiere und die Gifte zu besiegen und sie sich unschädlich zu machen und doch arbeitet er selbst nur daran, sich zu vergiften. So stehst du nun, du König der Erde, in einem so verworfenen und höllischen Zustande, dass du nicht einmal dein eigener König bist, und dass du bei allem, was dein Gebiet ausmacht, nur über dich selbst zu schaudern hast und dich selbst nicht ohne Abscheu betrachten kannst! Denn die Transposition deines Willens ist es, die alles umgestoßen hat und die allgemeinen Dinge schmerzen nur deshalb so sehr, weil die Menschen fortwährend ihren falschen und veränderlichen Willen an die Stelle des wahren und ewigen Willens setzen, und weil sie nicht nur auf eigene Art die allgemeinen Dinge regieren, sondern sie sogar selbst noch gestalten wollen, statt sich einfach ihrer Aktion hinzugeben. Wenn nun ein Mensch der Sehnsucht verlangte, ein Arbeiter des Herrn zu werden, welches würden dann die Mittel sein, um seine Nebenmenschen in diesem Zustande des geistigen Elendes und in der entsetzlichen Gefahr, die fortwährend ihr innerstes Wesen bedroht, zu Hilfe zu kommen? Er würde ihnen nur Tränen zu bieten haben, er würde darauf beschränkt sein, über ihren beklagenswerten Zustand zu schaudern und nur durch Schluchzen könnte er ihnen Hilfe leisten. Mensch der Sehnsucht, erinnere dich, dass die Grundessenz des Menschen von Natur ein erhabenes und ein sie näherndes Wort aussprechen würde, wenn sie zu ihren ursprünglichen Elementen zurückgeführt wäre. Heilig, heilig, heilig, dieses Wort würde sie ohne Unterbrechung während der ganzen Dauer der Ewigkeit aussprechen. Gegenwärtig unterliegt die Sprache des Menschen, wie der Mensch selbst einer furchtbaren Verderbnis; und bevor diese ursprüngliche Sprache, die ausschließlich die Sprache der Heiligkeit und des Glücks war, wiedererlangt ist, können die Essenzen des Menschen nur das Wort Schmerz aussprechen, weil es die Hauptempfindung ist, für die sie gegenwärtig empfänglich sind. Vernimm das Wort Schmerz mit rechter Aufmerksamkeit, wenn es sich in dir aussprechen wird; vernimm es als die erste hilfreiche Stimme, die du gegenwärtig in der Wüste des Menschen hören kannst; sammle sorgfältig dieses köstliche Heilmittel als den einzigen Balsam, der die Völker heilen kann. Seit der großen Verderbnis der Dinge ruht das Leben der Natur nur auf dieser Basis. Seit der Erniedrigung des Menschen haben wir kein anderes Mittel, unser eigenes geistiges und göttliches Dasein zu fühlen, wir haben kein anderes, um es unseren Nebenmenschen fühlen zu lassen. Es ist nicht der Schmerz der Mystiker, welche die Liebe so weit führte, dass sie in den Trübsalen ihre Wonne fanden; es war ihr eigenes Heil, ihr eigenes Glück, das sie in ihren Leiden anschauten. Hier wirst du sogar nicht einmal Zeit haben, an deine eigene Heiligkeit zu denken, weil du fortwährend geplagt und gleichsam unter dem Gewichte dieses Wachstums der Kräfte erdrückt sein wirst, das in allen Wesen das Leben hervorsprudeln lässt. Ohne Zweifel wird dieses einfache Bild hinreichen, deinen Mut zu entflammen und deinen Eifer zu erregen. Denn gibt es eine schönere Triebfeder, als die, welche den Menschen antreibt, daran zu arbeiten, der menschlichen Seele eine Sabbatruhe zu bereiten? Aber diese Triebfeder wird dringender und tätiger werden, wenn du bedenkst, dass dein Werk sich nicht auf die ganze Nachkommenschaft, die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige des ersten Menschen beschränkt, dass sie sich bis auf den ersten Menschen selbst ausdehnen kann durch die Beziehungen, welche diese Nachkommenschaft mit ihm bewahrt. Denn so sehr hat er durch die Berührung der aus der Harmonie gewichenen Atmosphäre, die wir bewohnen, gelitten, dass er den Anstoß bis jetzt nicht hätte aushalten können, hätte die höchste Hand nicht den ersten Stoß gemildert. In der Tat, als der erste Mensch sich hatte verderben und die glorreichen Vorzüge verschwinden lassen, die er ewig durch das Recht seiner ursprünglichen Herkunft hätte genießen müssen, kam das ewige Wort ihm an diesem Orte des Entzückens, wohin ihn die höchste Hand gestellt hatte, zu Hilfe. Dieses Wort versprach ihm, dass der Sprosse des Weibes der Schlange den Kopf zertreten würde. Durch diese einzige Verheißung säte es in Adam den Keim seiner Wiederherstellung. Es hörte nicht auf, diesen Keim durch alle geistigen Begünstigungen zu begießen, welche es der Welt durch den Dienst seiner Auserwählten mitteilte, bis es selbst kam, ihn mit seinem eigenen Blute zu netzen. Aber der Baum oder der Mensch bleibt immer damit beauftragt, seine Früchte unter der Mitwirkung aller seiner Nachkommen hervorzubringen. Es konnte nichts mehr, als sich selbst für ihn hingeben, es konnte das Gesetz nicht vernichten, wonach dieser Baum selbst frei offenbaren musste, was er in seinen Essenzen empfangen hatte. Auch lässt es ihn täglich der Endepoche näher rücken, wo, vorausgesetzt, dass alle seine Zweige die wohltätigen Absichten ihrer versöhnenden Quellen erfüllt haben, dieselben bestimmt sind, in den letzten Zeiten den majestätischen Baum des Menschen so darzustellen, wie er im Garten Edens erschien, und überdies mit den glänzenden Reben seiner ganzen Nachkommenschaft geschmückt, die ihn aus allen Kräften unterstützen musste, weil das Werk dem einen und dem andern den Kindern wie ihrem Vater gemein ist. Aber statt dieser wichtigen Mitwirkung seitens der Nachkommenschaft des ersten Menschen, welch‘ eine Zunahme von Verbrechen und Unordnung, die sie nicht müde wird, auf die Wurzeln dieses alten Baumes, der ihr so heilig sein musste, anzuhäufen! Welche Fortschritte kann diese Nachkommenschaft des ersten Menschen in ihrem geistigen Wachstum machen mit diesen so fremdartigen und zerstörenden Substanzen? Welche Zweige, welche Blüten kann sie hervorbringen? Und welche Frucht kann man seit der Zeit ihrer Fruchtbarkeit von ihr erwarten?

Arbeiter des Herrn, euer Schmerz, so groß er auch sei, wird hier immer gerecht erscheinen; hier sammeln sich aber auch die rührendsten Beweggründe in Menge, um euren Eifer durch den Adel und durch die Wichtigkeit der Unternehmung zu beleben, weil es sich um nichts geringeres handelt, als zur Ruhe des Familienhauptes beizutragen, indem man allen seinen Kindern die Erhabenheit des Dienstes des Geist-Menschen verkündet. Sehet also den ersten Menschen, ausgestreckt auf seinem Schmerzenslager, obgleich er mehr für euch als für sich leidet; sehet ihn, wie er mit den Blicken des Leidens alle Glieder seiner Nachkommenschaft, der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen betrachtet; höret ihn während des ganzen Laufes der Jahrhunderte, wie er mit anhaltenden demütigen Bitten von ihnen verlangt, seine Wunden durch ihre Verbrechen doch wenigstens nicht zu vermehren, wenn sie ihn durch ihre Tugenden nicht zu heilen verstehen. Bestrebet euch, euch eine Vorstellung von seiner Betrübnis zu machen, wenn ihr sehet, wie von der großen Nachkommenschaft, an die er sich wendet, nicht einer seine Klage anhört, nicht einer das Werk mit ihm zu teilen suchet, ja nicht einmal einer über den schmerzhaften Zustand, in welchem er schmachtet, gerührt ist, was sage ich! vielleicht nicht einer, der nicht an jedem Tage Gift und Galle in seine Wunden gösse. Gedrückt von eurem eigenen Schmerze verschließet ihr euch in euch selbst; aber aus dem Schoße eurer geheimsten Zufluchtsstätte wird euch euer Eifer zu euren verirrten und unempfänglichen Brüdern führen, sei es nun zu ihren eigenen Leiden, sei es zu denen, die sie dem ehrwürdigen Stammvater des menschlichen Geschlechts zufügen. Hier werdet ihr euch beharrlich bei ihrem innersten Sein aufhalten, wie Jeremias an den Pforten des Tempels zu Jerusalem. Ihr werdet es bestürmen, indem ihr nicht aufhört, seinen Geist auf die Ausübung seiner erhabenen Kräfte und auf die Wichtigkeit der Gerechtigkeit hinzulenken. Ihr werdet diesem innersten Sein sagen, dass die Frucht seines Ackers zur Erhaltung des Überflusses mitwirken müsse, dass, wenn es in der Trägheit beharre und nicht seinen Teil an Vorrat liefere, die allgemeine Subsistenz darunter leide; dass der Acker, der Unfruchtbarkeit überlassen, sich bald mit Disteln und Dornen bedecken könnte, welche die Hand verletzen, wenn man ihnen nahen wollte, oder mit Giften, die überall Verderben bereiten; dass es sogar nicht ausbleiben wird, dass dieser Acker den giftigen und reißenden Tieren, die immer bereit sein werden, ihren eigenen Herrn zu verschlingen, eine Zuflucht gewähren werde. Ihr werdet ihm sagen, dass, wenn der Faden, der uns mit Gott verbindet, zerrissen worden, Gott immer bereit sei, ihn wieder anzuknüpfen und zu beweisen, dass im göttlichen Bunde allein das Leben zu finden sei, das Licht und alle Schätze, die dazu bestimmt sind, diesen Hunger nach Bewunderung, den wir haben, zu befriedigen, sowie auch, dass alle Früchte sich auf den höchsten Urheber beziehen mussten; denn Gott allein kann Scheuern darbieten, die fähig sind, seine eigenen Ernten aufzunehmen. Ihr werdet ihm sagen, dass, sobald wir in den Abgrund hinabgestiegen, Gott den großen Regenbogen oder jene unzählbare Menge siebenfacher Stufenleitern aufstellte, die uns umgeben und die immer bereit sind, uns behilflich zu sein, aus unserm Abgrunde emporzusteigen; dass Gott selbst mit diesen mächtigen Hilfen seine Streiter waffnet, wie dieses die Großen der Erde tun; dass er aber ebenso wie sie einen jeden gemäß seinen Waffen dienen lässt, und sie gemäß ihrem Lichte, ihren Kräften und ihrer Erkenntnis verwendet. Ihr werdet sie bewegen, in das Heer des Herrn einzutreten, indem ihr sie überzeugt, dass seine mächtige Hand uns niemals größeren Gefahren aussetzt, noch uns größere Arbeit aufgibt, als wir ertragen können.

Widerstehet man euch, so werdet ihr eure Anstrengungen verdoppeln, ihr werdet sogar alle Rechte gebrauchen, die mit eurem Dienste verbunden sind, um es zu unterjochen und im Namen eures Wortes alle Feinde von ihm zu entfernen, die täglich danach streben, es zu verführen und es zu verwirren; ihr werdet euch keine Frist gestatten, bis ihr es erlangt, das selbe auf die Wege der Gerechtigkeit zurückzuführen und bis ihr es dem Herrn der Wesen und dem Liebhaber der reinen Seelen als ein Opfer von angenehmem Geruch darbringen könnt. Es ist also nicht bloß für das einzige Interesse eures Bruders, dass ihr euch dem geheiligten Werke widmen werdet, den Seelen Sabbatruhe zu verschaffen, sondern es wird auch für das Interesse des höchsten Gottes sein, deren Diener zu sein ihr erstrebt. In der Tat, seine liebsten Diener sind die, welche sich damit beschäftigen, diejenigen Seelen seinem Herrn einzuverleiben, die seinen Ruhm verbreiten können, wenn sie sich in seinem Dienste hervortuen. Außerdem wird es der traurigen Wohnung des Menschen zum Vorteil gereichen. Denn wenn Gott hienieden keine menschliche Seele findet, worin er eingehen und durch welche er wirken kann, dann treten die Unordnungen hervor und folgen auf Erden einander auf eine herzzerreißende Weise für die, welche das Gute lieben und dieses zeigt, dass die Sünde des ersten Menschen darin bestanden, sich leer von Gott gemacht zu haben, um nur dem eigenen finsteren Geiste zu folgen. Aber diese Missbräuche, denen seine Nachkommen sich hingaben, veranlassen, dass, wenn der Geist des Menschen sich auf eine Seite neigt, die göttliche Kraft sich ihrerseits ganz auf die andere Seite neigt und sich durch ihr großes Gewicht endlich in einigen menschlichen Seelen Licht schafft, von wo sie sich später nach Außen verbreitet, um das Übermaß des Bösen zu verhindern und der Unordnung Einhalt zu tuen; ohne dies wäre das Weltall schon untergegangen. Jene menschlichen Seelen, welche diesen Eifer Gottes unterstützen, haben alsdann große Lasten zu tragen und große Arbeiten zu verrichten, aber sie haben auch großen Lohn zu erwarten und dürfen auf große Unterstützung bei ihrem Werke hoffen; denn sie werden dabei durch ein großes ordnendes Wort getragen, das, wenn es über sie ausgesprochen wird, alle ihre Vermögen und alle ihre Kräfte in Tätigkeit setzt. Dieses Wort sollte täglich die Stütze, das Leben und das Licht des Menschen ausmachen, wie bei der militärischen Ordnung das Wort ihres Befehlshabers die Sicherheit der ganzen Armee ausmacht. Sind außerdem die Seelen nicht reichlich durch das Glück bezahlt, Zeugen sein zu können? Denn diejenigen, die Zeugen gewesen, werden in den kommenden Zeiten als treue Diener angesehen werden, ganz besonders aber ist es die menschliche Seele, worin wir Zeugnis ablegen müssen. Diese Zeugnisse, die wir in die menschlichen Seelen gesät haben, werden mit ihnen auferstehen und ihrerseits als Zeugnis für uns dienen, damit nicht nur unsere eigene Schuld vergessen und getilgt, sondern damit uns auch noch unser Lohn zuteil werde. Arbeiter des Herrn, wendet alle eure Kräfte an, damit man euch aussende, Zeugnis zu geben, und damit ihr nicht ohne Trost und ohne Hoffnung für die kommende Zeit bleibet. Glückselig, wenn ihr euch täglich sagen könnt: „Ich habe meinen Tag nicht verloren; ich habe in eine menschliche Seele ein Zeugnis niedergelegt, (und dieses im Innersten eures Seins und sogar ohne dass das sinnliche Auge des Menschen es bemerkte) und hierdurch den Zustand meiner künftigen Ansprüche verbessert. Ihr könnt sogar hoffen, dass Gott euch zu Gunsten dieser Zeugnisse schon in dieser Welt lohnen werde, nicht bloß durch die Freuden, die er in eure Seele ergießen, sondern auch noch durch den merkbaren Beistand, den er euch senden wird, und durch die göttlichen und wunderbaren Werke, die er durch eure Hände wird hervorgehen lassen, wie eine Art Lohn oder Tausch oder Wechsel für die Dienste, die ihr ihm zuvor im Dienste des Geist-Menschen erwiesen habet. Ja, wollte der Mensch nur mit einigem Mut den Faden des wahren Dienstes des Geist-Menschen verfolgen, so würde er bald erkennen, dass er viel weniger Mühe und Zeit anzuwenden braucht, um ein Wunder zu tuen, als um die unbedeutendste Wissenschaft, womit sich die Menschen beschäftigen und der sie ihre Tage und ihren Schweiß widmen, in ihren Einzelheiten zu erlernen. Arbeiter des Herrn, sehet da die Freuden und die Belohnungen, womit Gott so gerne eure Hoffnung nährt: Wechselseitige Erregung aller göttlichen Kräfte in uns verbunden, um daselbst die Buße zu bewirken. Erregung dieser selben Kräfte in uns, um die Ergebung zu bewirken; Erregung, um die Stärkung zu bewirken; Erregung, um das Flehen im Verein mit allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Wesen zu bewirken; Erregung, um darin die innigste und vollständigste Überzeugung zu bewirken; Erregung, um die Richtung aller unserer Gedanken, aller unserer Wünsche und aller unserer Schritte zu bewirken; Erregung, um das Gnadengeschenk des Wortes zu empfangen; Erregung, damit wir Mut erlangen, zu dem Worte zu reden, da das Wort zu uns redet; Erregung, damit wir das Wort bitten können, sich selbst zu erhören in den Seufzern, die es ausstößt in der Tiefe unseres Elendes und unserer besonderen körperlichen und geistigen Gebrechen; Erregung, um die tätige und wirksame Weihe und Ausheilung der regierenden, der richtenden, der bewirkenden, der lossprechenden und der rechtfertigenden Gewalt zu erlangen, welche dieses lebendige Wort, bewegt durch sein eigenes Gebet, auf den Herd und den Sitz, wo es weilt und wo die Fermentation bewirkt wird, herabsteigen machen kann. So können die Diener des Herrn wirken, die in den Seelen ihrer Nebenmenschen Zeugnis abgelegt haben; so können wir es anfangen, damit Gott an allen unseren Werken Anteil nimmt und wir hienieden an allen seinen Werken Anteil nehmen. Arbeiter des Herrn, erlanget ihr dergleichen Begünstigungen, dann könnet ihr mit Vertrauen dem Schmerzenslager nahen, auf welchem jetzt noch das Haupt des Menschengeschlechtes durch die Verirrungen und die Befleckungen seiner Nachkommenschaft festgehalten wird. Ihr werdet es in seinen Leiden trösten, ihr werdet ihm durch erhabene und heilige Werke Erleichterung schaffen, und es wird sich freuen, einige seiner Kinder zu sehen, die an seiner zärtlichen Sorgfalt teilnehmen.

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