Louis Claude de Saint MartinDer Dienst des Geist-Menschen – Die Natur

Louis-Claude de Saint-Martin

Erster Teil

Weil die menschliche Intelligenz sich nur aus die Dinge der äußern Ordnung richtet, von denen sie es nicht einmal erreicht, sich genügende Rechenschaft zu geben, so verschließt sie sich noch mehr über die Natur ihres eigenen Seins, als über die sie umgebenden sichtbaren Gegenstände; sobald jedoch der Mensch nur einen Augenblick ablässt, seine Blicke auf den wahren Charakter seines innersten Wesens zu lenken, wird er bald ganz blind werden in Betreff der ewigen göttlichen Quelle, von der er abstammt; denn wenn der zu seinen ursprünglichen Elementen zurückgeführte Mensch der vorzugsweise Zeuge und das positive Zeichen ist, an welchem diese höchste und allgemeine Quelle erkannt werden kann, so muss sie in unserem Geist erlöschen, sobald man den ächten Spiegel schwinden lässt, der die Eigenschaft hat, sie uns darzustellen. Wenn daher tüchtige Schriftsteller und ehrenwerte Verteidiger der Wahrheit versuchen wollen zu beweisen, dass ein Gott sei, und aus seinem Dasein alle Folgerungen abzuleiten, die sich daraus ergeben, und nun die menschliche Seele nicht mehr so harmonisch geordnet finden, dass sie ihnen als Zeugnis dienen könnte: dann nehmen sie ihre Zuflucht zur Natur und zu Spekulationen, die ganz aus der äußern Ordnung entnommen sind. Daher kommt es, dass in neuerer Zeit eine Menge ausgezeichneter Geister alle Hilfsmittel der Logik benutzt, und alle äußern Wissenschaften zu Hilfe genommen haben, um so mit vieler Mühe das Dasein Gottes gründlich zu beweisen; dennoch war trotz dieser zahlreichen Zeugnisse der Atheismus nie herrschender und sein Reich ausgebreiteter, als jetzt.

Es wäre dies nun schon ein großer Ruhm für unser Geschlecht und eine große Weisheit der Vorsehung, dass alle aus der äußern Ordnung dieser Welt entnommenen Beweise so mangelhaft sind. Denn hätte diese Welt ein vollständiges Zeugnis von Gott ablegen können, dann würde er sich mit diesen Zeugen begnügt, und nicht nötig gehabt haben, den Menschen zu erschaffen. In der Tat, Gott hat ihn nur erschaffen, weil das ganze Universum, trotz aller Herrlichkeit, die es vor unseren Augen ausbreitet, niemals die wahren göttlichen Schätze hatte offenbaren können. Welch‘ andere Färbung bemerkt man dagegen in den Argumenten der großen Schriftsteller, welche das Dasein Gottes verteidigen, sobald sie den Menschen selbst, wenn auch nicht so wie er ist, doch so, wie er sein sollte, als Bewährung und als Grundlage ihrer Beweisführung nehmen! Ihre Zeugnisse erlangen alsdann eine wirkliche Kraft, einen Reichtum und eine Fülle, die allen unseren Vermögen zugleich genügt. Diese Zeugnisse, die sie aus dem Menschen schöpfen, sind lieblich, und scheinen die Sprache unserer eigenen Natur zu reden. Diejenigen, die sie aus der äußeren Ordnung dieser Welt geschöpft haben, sind kalt und trocken, und erscheinen wie eine Sprache für sich, die wir mühevoll erlernen müssen; und über dies, je entscheidender und bestimmter diese kalten und trockenen Zeugnisse sind, um so mehr demütigen sie unsere Gegner, und veranlassen sie gewissermaßen, ihren Besieger zu hassen. Diejenigen hingegen, die aus der Natur des Menschen geschöpft sind, trügen sie auch einen vollständigen Sieg über den Ungläubigen davon, würden diesem doch keine Veranlassung zur Demütigung geben, weil sie ihn in den Stand setzen, die ganze Würde, die mit seiner Eigenschaft als Mensch verbunden ist, zu fühlen und zu teilen. Außerdem könnte derjenige, der durch diese hohen Zeugnisse nicht besiegt wäre, sie höchstens dann und wann bespötteln; zu andern Zeiten aber könnte er es wohl eben so sehr innerlich beklagen, dass er ihrer Überlegenheit nicht gewachsen, und gewiss könnte er niemals unwillig sein, noch murren gegen die Hand, die sie ihm dargeboten.

Dies reicht hin, uns zu zeigen, mit welcher Sorgfalt wir das Wesen des Menschen erforschen, und die hohe Würde seiner Natur dartun sollten, um die göttliche Wesenheit beweisen zu können, weil außerdem nichts in der Welt uns eine unmittelbare Beweisführung liefern kann. Auch gibt es, trotz des gefeierten Namens der schönen Geister, die das rühmliche Unternehmen gefasst haben, Gott durch die einfachen Naturgesetze zu beweisen, keinen einzigen aus dieser äußern Ordnung entnommenen Beweis, der nicht etwas zu wünschen übrig ließe, nicht sowohl durch die Untüchtigkeit derjenigen, die ihn vorbrachten, als durch die notwendig begrenzte Ordnung, aus der sie geschöpft, und weil sie von dem höchsten Wesen höchstens die Eigenschaft beweisen konnten, welche so zu sagen die am wenigsten hervortretende ist, nämlich die Macht. Ich nehme hiervon weder Leibnitzens geometrische Beweise aus, noch Newtons Fundamental-Grundsatz der Mechanik, noch Nieuventyls Abhandlungen über diesen Grundsatz, noch auch die stolzen Beobachtungen anderer ausgezeichneter Schriftsteller, sei es über die Kombination der bis ins Unendliche möglichen Zufälle («chances«), die dennoch nichts bewirken; sei es über die Bewegung, die auf alle Weise strebend sich auszubreiten in ihrer Richtung durch eine höhere Kraft bestimmt wird. Indessen will ich hier nur ein Beispiel dieser Art wählen, und zwar Crouzas Einwand in Betreff der regelmäßigen Kombination, die endlich in der unendlichen Folge der Zeiten eintreffen müßte, und die alsdann eine unendliche Regelmäßigkeit in die Verwirrung brächte, indem man so voraussetze, dass alle verschiedenen Kombinationen bis ins Unendliche nach der Ordnung einander gefolgt wären. Dieser Einwand ist ohne Zweifel stark, und obgleich er fern dem Ziele ist, wohin man den Ungläubigen führen möchte, so bin ich dennoch überzeugt, dass er ihn im Schach halten könnte; zugleich glaube ich aber auch, daß er seinen ganzen Vorteil nur aus der falschen Voraussetzung schöpft, worauf er beruht.

Die Ungläubigen und die Atheisten halten sich wenig bei dieser langen und schwankenden Reihenfolge der vorhergegangenen Kombinationen zur Bildung der Dinge auf. Ihr Geist, der eines festern Gesichtspunktes bedarf, würde sich nicht lange dieser dunkeln Wahrnehmung anbequemen, die sogar das Dasein einer Kraft schon voraussetzt, von der diese Reihenfolge ihre Macht, ihre Ordnung und ihren Lauf empfangen könnten. Auch kommen sie sogleich auf etwas Positiveres, nämlich auf die Ewigkeit der Welt, – gleich viel, ob sie ein oder mehr malen während ihrer langen Dauer die Gestalt verändert, oder nicht, weil sie die Ewigkeit der Welt nicht ohne die Ewigkeit der Bewegung annehmen können, die eines ihrer Hülfsmittel ist, und weil sie diese als bewirkende Ursache aller Formen und aller Naturerscheinungen betrachten wollen, die nach ihrem System in der Welt erfolgt sind, und sich ewig folgen werden. Sich auf diese Weise flüchtend in die Idee der Ewigkeit der Welt, wie sie es thun, erreicht die Reihenfolge der Combinationen sie nicht mehr, und verfehlt ihre ganze Wirkung. Man könnte sie also nur über die Natur dieser von ihnen angenommenen Bewegung angreifen, und doch wäre es keine leichte Sache, sie in diesem Punkte zu schlagen, da jede Bewegung der Welt selbst dann feste Gesetze hat, wenn ihr Lauf nicht gleichförmig, dies daher nach der Meinung dieser Ungläubigen nur eine Folge der ursprünglichen ewigen Bewegung, oder diese ewige Bewegung selbst sein könnte. Dennoch gestehe ich, dass es ihnen außerordentlich schwer, um nicht zu sagen unmöglich sein muss, zu begreifen und uns verständlich zu machen, wie diese materielle Welt, die wir sehen, so wie Alles, woraus sie zusammengesetzt ist, ewig und ohne Anfang sei, weil die erste Eigenschaft, wodurch uns die Idee einer ewigen Quelle, die Gott wäre, vorgestellt wird, das Sein einer vollkommenen Sache ist; wohingegen diese Welt, trotz der Wunder in ihr, uns die Idee einer Sache darbietet, deren Vollkommenheiten unvollständig und mit Mängeln und mit sehr widerstreitenden Gegensätzen vermischt ist, wenn gleich die Gelehrten sich darauf beschränken, diese Mängel zu leugnen oder sie zu verschleiern, wenn sie sie nicht erklären konnten. Uebrigens würden diejenigen, die an einen ewigen Gott glauben, besser im Stande sein, diese göttliche Ewigkeit zu begreifen und zu beweisen, wenn sie sich nur auf die aus der Zeit genommenen Zeugnisse stützten; und so stark immer ihre Beweiskraft sein möchte, würden sie sich nicht eine große Arbeit machen, wenn, sie mit so untergeordneten Mitteln den menschlichen Geist zu dem Gipfel dieser ehrfurchtgebietenden Höhe führen wollten? Ich denke, dass die Ungläubigen und die Atheisten ein ewiges Prinzip nicht leugnen, sondern dass sie es nur anders wohin rücken; sie wollen, dieses Prinzip sei in der Materie; die Verteidiger der Wahrheit wollen es außerhalb der Materie. Hierin besteht die ganze Schwierigkeit, wie ich dieses schon in meinem Briefe an einen Freund über die Revolution geschrieben habe. Aber ich glaube, dass, um sie zur Annahme des göttlichen ewigen, über das Universum erhabenen Prinzips zu vermögen, die Beweisführung aus der unendlichen Reihenfolge der Kombinationen unzureichend ist, weil sie durch diejenigen, welche sie angreift, zu leicht zu entkräften ist.

Ich könnte eben so viel von jener aus der unbestimmten Bewegung sagen, verglichen mit der regelmäßigen Bewegung, die uns den allgemeinen Lauf von Allem, was sich in der Welt bewegt, darstellt, weil diese unbestimmte Bewegung sich niemals unsern Augen zeigt. Endlich könnte ich eben so viel von der sagen, die aus der unendlichen Bewegung in gerader Linie entnommen ist, welche das Grundprinzip des Newton voraussetzt. Denn dieses Phänomen, obgleich es von den Mathematikern nicht geleugnet wird, eristirt dennoch nur metaphysisch, und es gibt in der ganzen Natur kein einziges Beispiel der Art, weil selbst der kleinste in die Höhe geworfene Körper in seinem Wege nicht fortschreiten kann, ohne eine Kegellinie zu beschreiben. Ich glaube also, ich wiederhole es, dass, um das fragliche Ziel zu erreichen, alle aus der Ordnung der Welt und der Natur entnommenen Beweismittel gewagt und unsicher sind. In der Tat, wie wir es so eben gesehen haben, leihen wir dieser Welt Voraussetzungen, um zu einem bestimmten Wesen zu gelangen, in dem alles wahr ist; wir leihen ihr abstrakte und bildliche Wahrheiten, um ein wirkliches und ganz positives Wesen festzustellen ; wir nehmen nichtintelligente Substanzen als Zeugen, um zu einem Wesen zu gelangen, welches die Intelligenz selbst ist; Substanzen, die nicht lieben, um den zu beweisen, der nur Liebe ist; Substanzen, die an Grenzen gebunden sind, um den erkennbar zu machen, der frei ist; endlich Substanzen, die sterben, um das Wesen dessen zu erklären, der das Leben ist. Fürchten wir nicht, indem wir uns diesem gewagten und unsichern Versuche hingeben, daß wir selbst alle die Mängel in uns aufnehmen, die den Mitteln ankleben, deren wir uns bedienen, statt unfern Gegnern alle Schätze desjenigen vorzuzeigen, den wir möchten verehrt sehen? Aus allem diesen werden wir eine Klarheit hervorgehen sehen, die vielleicht außergewöhnlich erscheinen mag, die aber dennoch nicht minder wirklich sein wird. Nämlich wenn der Mensch, (der wohlgemerkt nicht von dieser Welt ist) ein sicheres und unmittelbares Mittel ist, die göttliche Wesenheit zu beweisen; wenn die Beweise, die wir aus der äußern Ordnung dieser Welt schöpfen, mangelhaft und unvollständig sind; wenn endlich die Voraussetzungen und die abstrakten Wahrheiten, die wir dieser Welt borgen, aus der metaphysischen Ordnung geschöpft sind, und in der Natur nicht bestehen: so ist es augenfällig, dass wir nichts von der Welt verstehen, in der wir sind, als durch den Schimmer der Welt, in der wir nicht sind; dass es uns sehr viel leichter ist, das Licht und die Gewissheit, welche in der Welt glänzen, in der wir nicht sind, zu erreichen, als uns mit der Nacht und Finsternis zu befreunden, die die Welt umfängt, in der wir sind; endlich, da es gesagt werden muss, dass wir dem, was wir die andere Welt nennen, viel näher sind, als dieser Welt. Es ist selbst nicht schwer, darin übereinzukommen, dass wir die Welt, worin wir nicht sind, missbräuchlich die andere Welt nennen, und diese Welt in Wahrheit für uns die andere Welt ist. Denn wenn streng genommen zwei Dinge Andere sein können, bezüglich des Einen für das Andere, so ist doch zwischen ihnen beiden ein Vorrang, mag es nun ein wirklicher oder durch Übereinkunft angenommener sein, der nötigt, das Zweite als das Andere in Bezug auf das Erste anzusehen, und nicht das Erste als das Andere in Bezug auf das Zweite, weil dasjenige, welches das Erste ist Eins ist, und keine Differenz darbieten kann, weil es vor sich keinen Vergleichungspunkt hat, wogegen das, was das Zweite ist, diesen Vergleichungspunkt vor sich findet. So verhält es sich mit den beiden Welten, wovon hier die Rede ist. In der Tat, ich überlasse es dem Leser, das Licht und die Gewissheit, welche wir in der metaphysischen Ordnung, oder darin finden, was wir die andere Welt nennen, mit den Finsternissen, mit den Bruchstücken von Wahrheiten und den Ungewissheiten zu vergleichen, die wir in der finden, die wir bewohnen, und ich werde ihm gleichfalls die Entscheidung überlassen, ob die Welt, in der wir nicht sind, nicht einiges Recht des Vorranges vor derjenigen habe, in der wir sind, so wohl durch die Vollkommenheiten und durch die Erkenntnisse, die sie uns bietet, als durch den Vorrang des Alters, den sie vor dieser Welt von einem Tage, worein wir eingekerkert sind, zu haben scheint. Denn nur SKlaven der Unwissenheit und der Vorurteile, können es sich einfallen lassen, den Geist von der Materie abstammen zu lassen, und folglich das, was wir die andere Welt nennen von dieser hier, während diese hier im Gegenteil von der anderen abgeleitet zu sein und nach ihr zu kommen scheint.

Wenn also die Welt, in der wir nicht sind, kurz wenn das, was wir die andere Welt nennen, in jeder Art den Vorrang vor dieser hat, so ist in der Tat diese Welt, oder die Welt, in der wir sind, die andere Welt, weil sie etwas vorsich hat, womit sie verglichen wird, und wovon sie das Zweite ist; und weil das, was wir die andere Welt nennen Eins oder das Erste ist, so führt es notwendig alle seine Beziehungen mit sich und kann nur ein Urbild und nicht eine andere Welt sein. Dies zeigt uns gleichfalls, wie sehr herabgesunken sich der Mensch finden muss, da er in materielle Elemente eingekerkert ist, und wie unzureichend diese materiellen Elemente oder diese Welt ist, um die Gottheit zu beweisen; auch verlassen wir streng genommen niemals die andere Welt, oder die Welt des Geistes, obgleich so wenig Menschen an ihr Dasein glauben. Wir können diese Wahrheit nicht bezweifeln, weil wir sogar, um den Beweisen Geltung zu geben, die wir aus der Materie oder dieser Welt entnehmen, genötigt sind, ihnen Eigenschaften des Geistes oder der andern Welt zu borgen. Der Grund hiervon ist, das alles vom Geiste abhängt, und alles dem Geiste entspricht, wie wir dieses in der Folge sehen werden. Also ist der einzige Unterschied, der zwischen den Menschen stattfindet, der: dass die Einen in der anderen Welt sind, und es wissen, und die andern darin sind, ohne es zu wissen. Nun aber siehe hierin eine Stufenleiter: Gott ist in der andern Welt es wissend und er kann es nicht nicht glauben, und es nicht nicht wissen, da er selbst der allgemeine Geist, und es unmöglich ist, dass zwischen ihm und der anderen Welt irgend eine Trennung sei. Die reinen Geister empfinden es wohl, dass sie in der andern Welt sind, sie empfinden es fortwährend und ohne Unterbrechung, weil sie nur von dem Leben dieser andern Welt leben; aber sie empfinden, daß sie nur Bewohner jenes anderen Lebens sind, und daß dieses einem Andern gehört, als ihnen. Der Mensch obgleich in diese, irdischen Welt, ist zwar immer in jener andern Welt, die Alles ist, aber bald empfindet er ihren sanften Einfluss, bald empfindet er ihn nicht, oft sogar empfindet und folgt er nur dem Impulse der gemischten und dunklen Welt, die sich wie geronnen in Mitten jener anderen Welt befindet und die im Verhältnis mit dieser anderen Welt, wie eine Wunde, eine Beule oder ein Geschwür ist. Daher kommt es, dass so wenig Menschen an diese andere Welt glauben. Endlich die verirrten Geister, deren Dasein sich der nach denkende Mensch durch das einfache Licht der Vernunft und ohne Hilfe der Tradition unwiderleglich beweisen kann, wenn er bis auf den Grund die Quelle des Guten und die Quellen des Bösen untersucht, die in ihm und in seinen Gedanken sich bekämpfen, diese verirrten Geister, sage ich, sind auch in dieser anderen Welt, und sie glauben an diese andere Welt. Aber nicht allein empfinden sie nicht ihren sanften Einfluss; nicht allein genießen sie nicht mehr die Ruhe und die Erquickung, welche selbst die sichtbare Welt dem Meschen darbietet, sondern sie erkennen diese andere Welt nur durch die unerschöpfliche Strafe, welche ihnen der herbe, strenge Quell verursacht, den sie geöffnet haben, und diesen kennen sie nur durch den Druck, den ihre Mächte auf sie ausüben. Wenn der Mensch durch seine Nachlässigkeit sie einen Augenblick Erholung schöpfen lässt, so ist dieses nur für eine Zeitlang, und jeden Augenblick müssen sie hundertfach die schlecht erworbenen, oder angemaßten Güter ersetzen. Welch‘ eine Vorstellung müssen wir uns also von dieser Natur, oder von diesem Universum machen, die uns für jene andere Welt, oder jene, geistige Welt blind macht, sei sie nun gut oder böse, aus der wir nicht heraus können. Man kann dies mit zwei Worten bezeichnen. Ohne die geistige böse Welt wäre die Natur eine ewige Fortdauer von Regelmäßigkeit und von Vollkommenheit; ohne die geistige gute Welt wäre die Natur eine ewige Fortdauer von Gräuel und Verwirrung. Die höchste Weisheit oder Liebe hielt es für angemessen, um die falsche Ewigkeit zu mildern, ihr einen Strahl der wahren Ewigkeit entgegen zu setzen. Die Vermischung dieser beiden Ewigkeiten bildet die Zeit, die weder das Eine, noch das Andere ist, und die dennoch ein abwechseln des Bild von der Einen und von der Andern darbietet, durch das Gute und das Böse, durch den Tag und die Nacht, durch das Leben und den Tod u.s.w. Die höchste Liebe konnte zu diesem Werke nur Kräfte anwenden, die von der wahren Ewigkeit abstammen, und des wegen ist einerseits Alles in der Zeit gemessen, andererseits muss die Zeit, sowohl im Allgemeinen als im Besondern, notwendig vorübergehen. Da aber die wahre Ewigkeit, so zu sagen, aus sich selbst herausgegangen ist, um die falsche Ewigkeit in sich zu beschließen, und im Gegenteil die falsche Ewigkeit dadurch genötigt ist, zurückzuweichen, deswegen haben wir so große Mühe in der Zeit, diese beiden Ewigkeiten wieder zu erkennen, von denen keine von beiden auf ihrem Platz ist; deswegen ist es so schwer, Gott vollständig durch die Natur zu beweisen, in der alles zerstückelt und gemischt ist, und in der beide Ewigkeiten sich nur unter dem äußern Schleier der verweslichen Materie zeigen. In dem Zustande der Gefühllosigkeit, worin der Mensch sich durch seine täglichen Täuschungen und durch seine nur auf die äußere Ordnung der Natur gerichteten Bestrebungen stürzt, sieht er nicht in ihr die Quelle seiner erscheinenden Regelmäßigkeit, noch die verborgene Quelle seiner Unordnungen; er identifiziert sich mit dieser äußeren Welt; er kann es sich nicht erwehren, sie für eine Welt zu halten, und sogar für eine ausschließliche und allein bestehende Welt. Auch ist in diesem Stande der Dinge die Idee, die am schwierigsten Aufnahme bei dem Menschen findet, die von der Gesunkenheit unseres Geschlechts, so wie die von der Verdorben heit der Natur selbst, worin er sich versetzt findet und rücksichtlich deren ihm die Rechte, die er ausüben sollte, nicht mehr gehören, weil er sie verjähren ließ; und so endigte er damit, diese blinde und dunkle Natur mit sich selbst und mit seiner eigenen Wesenheit zu verwechseln. Wollte er indessen einen Augenblick die äußere Ordnung von einer richtigern und vorteilhaftern Seite betrachten, dann würde ein einfacher Blick hinreichen, um ihn mit einem Male sowohl die wirkliche Gesunkenheit seines Geschlechts, als auch die Würde seines Seins und seiner Erhabenheit über die äußere Ordnung erkennen zu lassen. Würden die Menschen die Gesunkenheit ihres Geschlechts leugnen können, wenn sie sehen, dass sie nur bestehen, leben, wirken, denken können, indem sie einen Widerstand bekämpfen? Unser Blut hat den Widerstand der Elemente zu bekämpfen; unser Geist den des Zweifels und der Finsternis der Unwissenheit; unser Herz den der falschen Neigungen; unser ganzer Leib den der Trägheit; unser geselliges Leben den der Unordnung u.s.w.

Ein Widerstand ist ein Hindernis; ein Hindernis im Bereich des Geistes ist eine Antipathie und eine Feindschaft; eine Feindschaft aber in Tätigkeit begriffen, ist eine feindliche und kämpfende Macht. Nun aber breitet diese Macht ihre Kräfte unaufhörlich um uns aus und hält uns dadurch in einer gewaltsamen und peinlichen Lage, in der wir nicht sein sollten, und außer welcher diese Macht für uns gleichsam unbekannt und als nicht eristirend sein würde, weil wir es innerlich fühlen, dass wir für den Frieden und für die Ruhe geschaffen sind. Nein, der Mensch ist nicht in dem Zustande, der ihm eigen sein sollte; er befindet sich offenbar in einer Verderbnis. Ich sage dieses nicht, weil dieser Satz in der Schrift steht, weil diese Idee unter allen Völkern verbreitet ist , sondern weil der Mensch überall jenen Ruhepunkt für seinen Geist suchet, weil er alle Wissenschaften, selbst die des Unendlichen, erringen will, obgleich sie ihm unaufhörlich entflieht und er sie lieber entstellen und seinem dunklen Erkenntnisvermögen anpassen, als sie entbehren will; weil während seines vorübergebenden Daseins auf dieser Erde er mitten unter seines Gleichen einem reißenden Löwen zwischen Lämmern gleich sieht, oder einem Lamme zwischen reißenden Löwen; weil unter der großen Anzahl Menschen kaum einer ist, der für etwas anderes erwacht, als um das Opfer oder der Henker seines Bruders zu sein. Nichts desto weniger ist der Mensch ein großes Wesen; denn wenn er nicht groß wäre, wie hätte er es finden können, dass er herabgesunken sei? Aber unabhängig von diesem Beweise der ehemaligen Würde unseres Wesens, könnte das Nachdenken des Menschen folgendes in seinem Gedanken hervorgebracht haben, um ihm selbst heute noch seine Erhabenheit über die Natur zu zeigen. Die astrale und die irdische Natur bewirkt die Gesetze der Schöpfung. Sie urstandet und besteht nur kraft dieser Gesetze. Die Pflanzen und Mineralien haben die Wirkung dieser Gesetze an sich; denn sie beschließen die Eigentümlichkeiten aller elementaren, der astralen und anderen Essenzen und zwar wirksamer und entwickelter, als die Sterne selbst, die nur die eine Hälfte dieser Eigenschaften enthalten, und als die Erde, welche die andere Hälfte davon enthält. Das Tier hat den Gebrauch dieser Gesetze der Schöpfung, weil es ihm obliegt, sich zu nähren, sich fortzupflanzen und sich zu erhalten, und weil es alle Prinzipe in sich hat, deren es bedarf, um zur Erhaltung seines Daseins beizutragen. Der Geist-Mensch aber hat zugleich die Wirkung, den Gebrauch, die freie Verwendung oder die Handhabung aller dieser Dinge. Von diesem allen will ich nur ein Beispiel der Art anführen, und zwar ein sehr gewöhnliches, wodurch der Gedanke sich bei dem wird höher erheben können, der dafür empfänglich ist. Dieses Beispiel sei 1. ein Kornfeld, das in sich selbst die Wirkung aller dieser Naturgesetze trägt; 2. ein weidendes Tier, welches den Gebrauch dieses Kornes hat, und sich davon er nähren kann; 3. ein Bäcker, der in sich die Verwendung und die Verarbeitung dieses Korns hat, und davon Brot machen kann. Dieses beweiset auf eine sehr handgreifliche Weise, dass alle Kräfte der Natur nur einzeln für die Wesen sind, aus denen sie besteht, dass aber der Geist-Mensch die Allheit dieser Kräfte in sich beschließt. Was alle diese materiellen Rechte betrifft, die der Mensch besitzt, und die wir auf die Verrichtung des Bäckers beschränkt haben, so werden wir, wenn wir uns in Gedanken in die wirkliche Region des Menschen versetzen, ohne Zweifel ahnden, dass alle diese Rechte sich auf eine ausgedehntere und auf eine kräftigere Weise bewähren würden, wenn wir die bewunderungswürdigen Eigentümlichkeiten erforschten und entdeckten, aus denen der Mensch besteht, und was die hohe Handhabung ist, die daraus hervorgehen könne. Denn wenn der Mensch so augenfällig das Vermögen besitzt, Arbeiter und Handhaber der Erzeugnisse der Erde zu sein, warum könnte er denn nicht auch Arbeiter und Handhaber der Erzeugnisse einer höhern Ordnung sein? Er muss eben so die göttlichen Erzeugnisse mit ihrer Quelle vergleichen können, wie er das Vermögen besitzt, den Totaleindruck der Natur mit der Ursache, die sie gebildet hat, und sie lenkt, zu vergleichen, und er ist der Einzige, der dieses Vorrecht besitzt. Jedenfalls kann nur die Erfahrung die Idee dieses hohen Rechtes geben, und dabei muss die Idee demjenigen unaufhörlich neu erscheinen, der am meisten daran gewöhnt ist. Aber leider! Der Mensch kennt seine geistigen Rechte, und er genießt sie nicht! Bedarf es noch eines anderen Beweises, seinen Verlust zu bestätigen, und folglich auch seine Gesunkenheit? Mensch, öffne also einen Augenblick die Augen! Denn mit deinen schlusswidrigen Urteilen wirst du deine Vorrechte nicht verdecken, und sie noch viel weniger vernichten können. Selbst die physischen Wesen hören nicht auf, dir Unterricht zu geben, der dich belehren muss. Die Tiere sind ganz Herz, und es ist wohl klar, dass, obgleich sie keine Maschinen sind, sie doch keinen Geist haben, weil er von ihnen unterschieden, außerhalb und bei ihnen ist. Aus diesem Grunde haben sie nicht, wie wir, einen Bund mit sich und ihrem Urheber zu schließen. Sieht man aber die Regelmäßigkeit ihres Ganges, so kann man zur Schande des Menschen nicht leugnen, dass alle unfreien Wesen einen Bund offenbaren, der treuer befolgt wird, und vollständiger ist, als der, den wir mit unserm Urheber zu schließen vermögen. Man könnte selbst soweit gehen, zu sagen, dass mit Ausnahme des Menschen alle Geschöpfe uns als eben so viele Herzen erscheinen, deren Geist Gott ist. In der Tat die Welt, oder der gefallene Mensch will ganz Geist sein, und glaubt, sein wahres Herz, oder sein geheiligtes, göttliches Herz entbehren zu können, wenn er seinem tierischen Herzen und seinem Stolze den Vorzug gibt. In Gott ist auch ein geheiligtes Herz und ein Geist, denn wir sind sein Bild; aber sie machen, wie alle Eigenschaften und Kräfte dieses höchsten Wesens, nur ein Ganzes aus. Nun aber können unsere Vorrechte so weit gehen, dass wir, wie es bei der höchsten Weisheit der Fall ist, einen ewigen und unauflöslichen Bund zwischen unserem Geiste und unserm geheiligten Herzen schließen, indem wir sie in dem Urgrunde, der sie gebildet hat, vereinigen, und sogar können wir nur unter dieser unerlässlichen Bedingung hoffen, uns von neuem zu Ebenbildern Gottes zu machen, und indem wir hieran arbeiten, bestärken wir uns in der schmerzlichen Ueberzeugung unserer Gesunkenheit, und in der Gewissheit unserer Erhabenheit über die äußere Ordnung. Indem wir aber daran arbeiten, uns von neuem zu Ebenbildern Gottes zu machen, erlangen wir den unaussprechlichen Vorteil, dass von Zeit zu Zeit unser Verlust und unsere Gesunkenheit schwinden, und wir uns sogar demjenigen nahen, und wirklich das genießen, was die Ruhmsüchtigen Unsterblichkeit nennen. Denn das unbestimmte Verlangen des Menschen, der dem Strome der Welt folgt, in dem Geiste anderer zu leben, ist von allen Beweisen, die der gemeine Haufen für die Würde der menschlichen Seele vorbringt, der schwächste und falscheste. In der Tat, obgleich der Mensch Geist ist, obgleich er in allen seinen Handlungen, sie mögen geregelt oder ungeregelt sein, immer irgendeine geistige Triebfeder hat, und er in dem, was aus ihm ausfließt, niemals arbeiten kann, als durch den Geist und für den Geist: so wird er doch zu diesem Sehnen nach Unsterblichkeit nur getrieben durch eine Bewegung der Eigenliebe und durch das unmittelbare Gefühl eines Vorranges vor den andern, und eine Bewunderung von ihrer Seite, deren aktuelles Bild ihn rührt und bewegt, und wenn er den Tag nicht erlebt, dieses Bild zu verwirklichen, so kommen sein Sehnen und seine Werke, die oft Folgen davon sind, in Gefahr, in Stocken zu geraten.

Auch kann man versichern, dass diese Bewegung mehr auf einer Willensbewegung nach Unsterblichkeit, als auf einer wirklichen Überzeugung beruht, und der Beweis, den man hierfür anführen kann, ist, dass diejenigen, welche sich dieser Bewegung überlassen, gewöhnlich die sind, welche, um sie zu verwirklichen, nur zeitliche Werke hervorzubringen vermögen, was hinlänglich dartut, dass die Grundlage, worauf sie sich stützen, in der Zeit liegt, weil aus den Früchten der Baum erkannt wird. Hätten sie eine wahrhafte Ueberzeugung von dieser Unsterblichkeit, so würden sie in dem Bestreben im wahren Gotte und für den wahren Gott zu wirken, folglich in dem Vergessen ihrer selbst einen schlagenden Beweis dieser Überzeugung liefern. Zugleich würden ihre Hoffnungen, in der Unsterblichkeit zu leben, nicht getäuscht werden; denn sie würden alsdann auf einen Acker säen, in welchem ihr Korn wiederzufinden, sie ganz sicher sein könnten, wohingegen, wenn sie nur in der Zeit wirken, und nur auf den Geist der Menschen säen, von denen ein Teil bald ihre Werke vergessen, und der andere Teil vielleicht niemals davon Kenntnis nehmen wird, dieses die unvorteilhafteste und ungeschickteste Weise ist, um sich, wie sie sich schmeicheln, in den Wohnungen der Unsterblichkeit einen Platz zu bereiten. Wollten wir ein wenig nachdenken, so würden wir sehen, daß sich uns entscheidende Beweise unserer Unsterblichkeit ganz nahe darbieten. In der Tat, man bedenke nur die stetige und fortwährende Verwahrlosung, in welcher der Mensch seinen Geist lässt; und dennoch erlöscht dieser Geist nicht. Er erhitzet sich, weicht aus seiner Bahn, gibt sich den Irrtümern hin, wird böse, wird wahnsinnig, er tut das Böse statt des Guten, das er tun sollte, aber er stirbt eigentlich nicht. Behandelten wir unseren Leib mit derselben Ungeschicklichkeit, und mit derselben Nachlässigkeit, ließen wir ihn ebenso sehr und so durchaus fasten, so würde er nichts Böses, nichts Gutes tun, er würde nichts tun, er würde sterben. Ein anderes Mittel, wenigstens Anzeichen unserer Unsterblichkeit aufzufinden, wäre, zu beobachten, wie unter allen Verhältnissen der Mensch hienieden täglich am Rande seines Grabes wandelt und wie es nur von einem gewissen Gefühl seiner Unsterblichkeit herrühren kann, dass er in allen Fällen sich über diese Gefahr zu erheben sucht. Man kann dieses von den Kriegern sagen, die jeden Augen blick den Todesstreich empfangen können. Man kann dasselbe vom körperlichen Menschen sagen, der wirklich in jedem Augenblick von der Welt kann abgerufen werden; zwischen beiden ist kein anderer Unterschied, als dass der Krieger nicht notwendig das Opfer dieser Gefahr ist, und mehrere ihr entgehen, wo gegen der natürliche Mensch allgemein ihr unterliegt, ohne dass es möglich wäre, sich davor zu schützen. Aber bei Beiden ist dieselbe Ruhe, um nicht zu sagen dieselbe Sorglosigkeit, die den Krieger wie den natürlichen Menschen veranlasst, zu leben, als ob die Gefahr für ihn nicht da wäre. Das heißt, ihre Sorglosigkeit selbst ist ein Anzeichen, dass sie gleichsam von der Idee ihrer Unsterblichkeit erfüllt sind, obgleich beide am Rande ihres Grabes wandeln. In geistiger Beziehung ist die Gefahr für den Menschen noch größer, und seine Sorglosigkeit noch ausgedehnter; der Geistmensch wandelt fortwährend am Rande seines Grabes, weil er immer nahe daran ist, von der Quelle der Lüge, die nicht stirbt, hinabgerissen oder verschlungen zu werden. Gibt es nicht sogar viele im Menschengeschlechte, die fortwährend in ihrem Grabe wandeln? Und der verblendete Mensch bekümmert sich selbst nicht einmal um die Mittel, aus demselben heraus zu kommen und fragt nicht einmal, ob er je hinaus kommen werde. Hat er das Glück, für einen einzigen Augenblick zu gewahren, dass er in diesem Grabe wandelt, dann hat er einen geistigen ganz unwiderlegbaren Beweis seiner Unsterblichkeit, weil er geistig den Beweis seiner furchtbaren Sterblichkeit hat, und selbst von dem, was wir bildlich seinen Tod nennen. Wie aber könnte er die Qual und den Abscheu seiner geistigen Sterblichkeit empfinden, hätte er nicht zugleich das kräftige Gefühl seiner Unsterblichkeit! Nur in diesem Gegensatze beruhet seine Strafe, so wie man die physischen Leiden nur durch den Gegensatz der Unordnung und der Zerrüttung mit der Gesundheit fühlt. Aber diese Art von Beweis kann man gleichfalls nur durch die Erfahrung erlangen, und er ist einer der ersten Früchte der Arbeit der Wiedergeburt; denn fühlten wir nicht unfern geistigen Tod, wie könnten wir nur daran denken, vom Leben zu sprechen? Hier erfahren wir auch aufs Neue, daß es ohne Zweifel ein noch unglücklicheres Wesen gibt; dieses Wesen ist der Fürst der Lüge, weil wir ohne ihn nicht einmal die Idee von ihm haben würden, indem jedes Ding nur durch sich selbst kann offenbart werden, wie man dieses im »Geiste und Wesen der Dinge« finden kann. Nicht nur wandelt er immer in seinem Grabe, er bemerkt nicht einmal, dass er in diesem Grabe wandelt, weil er hierzu des Beistandes eines Lichtstrahls bedürfte, sondern indem wir uns diesem Grabe nahen, fühlen wir, daß er darin in einem fortdauernden Zerfall und in einer fortdauernden Verwesung ist; nämlich, dass er unaufhörlich in dem Beweise und in dem wirklichen Gefühle seines Todes ist; dass er niemals die leiseste Hoffnung hat, hiervon befreit zu werden, und dass also das Gefühl seiner Unsterblichkeit seine größte Qual ist. Übrigens haben meine frühern Schriften die Würde unseres Seins, trotz unserer Versunkenheit in jener Region der Finsternis hinlänglich festgestellt. Sie haben hinlänglich gelehrt, den Menschen, diesen erhabenen Unglücklichen von der ganzen Natur, die sein Gefängnis und zugleich sein Schutz ist, zu unter scheiden. Sie haben hinlänglich den Unterschied der wechselseitigen Gewalt angegeben, die das Physische und Moralische auf einander haben, indem sie bemerkten, dass das Physische über das Moralische nur eine passive Gewalt hat, die nur darin besteht, es zu hemmen, oder es bloß in seinem natürlichen Zustande zulassen, während das Moralische über das Physische trotz unserer Herabgesunkenheit eine aktive, oder so zu sagen die Gewalt hat, in diesem Physischen tausend Gaben, tausend Talente zu erschaffen, die es seiner Natur nach nicht haben würde. Obgleich ich mir nicht mit dem Glücke schmeichle, viele meiner Nebenmenschen von unserer beklagenswerten Herabgesunkenheit überzeugt zu haben, seitdem ich mich damit beschäftige, die Natur des Menschen zu vertheidigen , habe ich dennoch oft in meinen Schriften dies Unternehmen versucht, und ich hoffe, in dieser Hinsicht die Aufgabe meinerseits gelöst zu haben, wenn gleich dieses nicht geschehen sein mag seitens aller derer, die mich gelesen haben. Diese Schriften haben hinlänglich gezeigt, wie sehr die höchste Weisheit, von der der Mensch abstammt, für ihn die Mittel vervielfältigte, durch die er zu seiner ursprünglichen Region zurückgelangen könnte; und nachdem sie den Grund hierzu auf das noch ganze und ursprüngliche Sein des Menschen in der Art gelegt hat, daß er sie nicht verdächtigen, und er sie im Gegenteil jeden Augenblick selbst durch seine eigenen Erfahrungen beurkunden kann, haben sie ihm das ganze Weltall geschildert, das des Himmels und der Erde; die Wissenschaften jeder Art, die Sprachen, die Mythologien und die allgemeinen Traditionen der Völker, als eben so viele Aufbewahrungen, die er nach Belieben zu Rate ziehen kann, und die ihm ein authentisches Zeugnis von allen diesen Grundwahrheiten liefern können. Sie haben sich hauptsachlich auf eine unumgängliche, obgleich allgemein vernachlässigte Vorsicht gestützt, alle traditionellen Bücher, gleich viel welche, nur als späteres zu diesen wichtigen Wahrheiten Hinzugekommenes zu betrachten, welche auf der Natur der Dinge, und auf der Grundwesenheit des Menschen beruhen. Sie haben wesentlich empfohlen, damit zu beginnen, sich selbst und in sich selbst, jener ersten und unbestreitbaren Wahrheiten zu versichern, vorbehaltlich, dass man später in den Büchern und in der Tradition alles sammle, was diese Wahrheiten unterstützen könnte, ohne sich jemals so sehr verblenden zu lassen, die Zeugnisse mit der Tatsache zu verwechseln, die in ihrem eigenen Dasein muss bestätigt werden, bevor man die überlieferten Zeugnisse zulässt, weil da, wo es keine erwiesene Tatsache gibt, Zeugen weder ein Vertrauen, noch irgend eine Zulassung verlangen können. Ich brauche dem Menschen nicht mehr seine furchtbare Verbannung zu beweisen. Ich habe gesagt, ein einziger Seufzer der menschlichon Seele sei in diesem Punkte ein bestimmteres und entscheidenderes Zeugnis, als alle Lehrsätze der äußeren Ordnung und als alles Geschwätz und lärmende Geschrei der Philosophie des Scheines. Ihr indische Priester, ihr könnt euch wohl Mühe geben, durch eure fanatischen Lieder und durch das lärmende Geräusch eurer Instrumente das Rufen der Witwe zu übertönen, die ihr auf euren Scheiterhaufen verbrennet; ist sie darum weniger der furchtbarsten Todesart geopfert? Wird sie über eure Betrügereien und euren grausamen Beifallsruf ihre Schmerzen vergessen? Nein, nur diejenigen, die sich zur bloßen Materie machen, glauben in ihrem natürlichen Zustande zu sein. Nach dieser ersten Verirrung ihres Geistes entwickelt sich die zweite wie eine notwendige Folge, denn die Materie weiß wirklich nichts von einer Herabgesunkenheit; in welchem Zustande sie sich auch befindet, hat sie nur den Charakter der Trägheit. Sie ist das, was sie sein soll. Sie stellt keine Vergleiche an; sie gewahrt weder ihre Ordnung, noch ihre Unordnung. Die Menschen, die sich zu bloßer Materie machen, unterscheiden nicht besser, wie die Materie selbst jene Gegensatze, die so auffallend und so schroff mit ihrem Dasein verbunden sind. Aber die Natur ist etwas anderes als die Materie, sie ist das Leben der Materie; auch hat sie einen andern Trieb, und eine andere Sensibilität, als die Materie; sie gewahrt ihre eigene Entartung und seufzet über ihre Knechtschaft. Daher kommt es, dass, wenn die verirrten Menschen sich begnügten, sich zur Natur zu machen, sie ihre Herabgesunkenheit nicht bezweifeln würden ; aber sie machen sich zur Materie. Auch haben sie nur noch zum Führer und zur Fackel die blinde Gefühllosigkeit der Materie und deren finstere Unwissenheit. Übrigens liegt der Grund, dass jenes goldene Zeitalter, von dem uns die Dichtung und die Mythologie so schöne Beschreibungen darbieten, in das Gebiet der Fabeln gewiesen wird, darin, dass es schien, als ob diese Beschreibungen uns Genüsse schilderten, an denen wir ehemals Teil genommen hätten, was nicht der Fall ist: wogegen sie uns nur die Rechte schildern, die wir in Bezug auf diese Genüsse noch jetzt wieder erlangen könnten, wenn wir die Hilfsquellen geltend machten, die immer noch in unserer Wesenheit liegen. Und ich selbst, wenn ich so oft von der Sünde des Menschen rede, verstehe darunter nur den allgemeinen Menschen, von dem das ganze Geschlecht abstammt.

Auch hegen wir, wie ich es im tableau naturel auseinandergesetzt habe, Leidwesen über unsere traurige Lage hienieden; aber wir haben keine Reue wegen der Erbsünde, weil wir nicht Schuld daran sind; wir sind beraubt, aber wir sind nicht bestraft, wie der Schuldige selbst. Auf ähnliche Weise können ja auch die Kinder eines Großen der Erde und eines vornehmen Verbrechers, die nach feinem Verbrechen geboren werden, ihrer Reichtümer und ihrer zeitlichen Vorteile wohl beraubt werden, nicht aber wie ihr Vater unter dem Gesetz der leiblichen Verdammung stehen und sie dürfen selbst durch ihr gutes Betragen immer hoffen begnadigt zu werden und einstens die Würde ihres Vaters wieder zu erlangen. Auch habe ich in meinen früheren Schriften hinlänglich gezeigt, dass die menschliche Seele noch viel sensibler ist, als die Natur, die in der Tat nur sensitiv ist. Deswegen habe ich gesagt, dass diese zu ihrer erhabenen Würde zurückgeführte menschliche Seele der wahrhafte Zeuge des höchsten Urhebers sei, und dass diejenigen, die Gott nur durch den Anblick des Weltalls zu beweisen wissen, eine gewagte und leichtfertige Beweisführung anwenden, weil das Weltall in Knechtschaft ist, und der Sklave nicht als Zeuge zugelassen werden kann. Ich habe genugsam gezeigt, dass der Gedanke des Menschen nur von Bewundern leben kann, so wie sein Herz nur leben kann von Liebe und Anbetung. Hier füge ich noch hinzu, dass diese heiligen Anrechte auf die beiden Geschlechter der Menschen sich verteilen, auf den Mann, der sich mehr zum Bewundern, und auf das Weib, welches sich mehr zum Anbeten neigt, und sie so die beiden Individuen, eins durch das andere in ihrer heiligen Gesellschaft vervollkommnen, dadurch dass sie der Intelligenz des Mannes den ihm fehlenden Teil von Liebe geben, und die Liebe des Weibes durch die herrlichen Strahlen der Intelligenz krönen, deren sie bedarf, so dass hierdurch Mann und Weib augenscheinlich durch das unaussprechliche Gesetz der unteilbaren Einheit sich verbunden fühlen. Dieses würde, beiläufig gesagt, erklären, warum das Eheband überall einen so ehrwürdigen Charakter trägt, außer in den Augen derjenigen, die ausgeartet sind; und warum dieses Band trotz unserer Herabgesunkenheit die Grundlage des Staates sowie aller moralischen Gesetze, der Gegenstand so vieler großen und, kleinen Ereignisse hier auf Erden und zugleich der Gegenstand beinahe aller literarischen Werke, sowohl im Epos, als im Drama und im Romane ist; endlich warum die Achtung, die man diesem Bande zollt, so wie die Angriffe, die man darauf gemacht, in allen bürgerlichen und religiösen Verhältnissen eine Quelle von Eintracht oder von Unordnung, von Segen oder Fluch werden, und an der Ehe des Menschen, den Himmel, die Erde und die Hölle zu knüpfen scheinen. Denn es wäre auffallend, wie so große Wirkungen daraus hervorgingen, hatte diese eheliche Vereinigung nicht ursprünglich durch ihre Wichtigkeit die Macht gehabt, über das Glück und Unglück im Bereich der Dinge und über Alles, was Bezug auf den Menschen haben kann, zu entscheiden. Auch ist die Ehe durch die Sünde sehr traurigen Folgen für den Mann und für das Weib unterworfen worden. Diese Folgen bestehen darin, dass, indem für das geistige Wesen beider, alles von der rechten Bahn abgeirrt ist, dies ihren Geist nötigt, aus sich selbst hinauszugehen, wenn sie beiderseits zu jener heiligen Einigkeit gelangen wollen, zu der sie durch ihr Band bestimmt sind. Und so gibt es nichts bis zu den Unterhaltungen, Ermunterungen und Beispielen hinab, was sie nicht bedürften, um sich aufrecht zu erhalten, damit durch dieses Mittel das Weib wieder in den Mann eingehe, von dem sie ausgegangen ist, und damit der Mann das Weib durch die Kraft stütze, von der sie getrennt worden, und er selbst jenen Antheil der Liebe wiederfinde, den er aus sich entließ. Wüßte das Menschengeschlecht, was die Ehe ist, so würde es zugleich ein außerordentliches Verlangen und eine entsetzliche Furcht davor haben; denn durch sie ist es den Menschen möglich, sich Gott wieder ähnlich zu machen, oder aber mit einem gänzlichen Untergange zu enden. In der Tat, wenn Ehegatten beteten, sie würden sich in das Paradies wieder einführen, und wenn sie nicht beten, so weiß ich nicht, wie sie sich ertragen können; so groß ist die Ansteckung und die Verderbtheit, die jetzt unser Wesen ausmachen, sowohl im Moralischen als im Physischen, vornehmlich, wenn sie zu ihrer eigenen moralischen und physischen Unvollkommenheit das ätzende und zerstörende Nichts der Athmosphäre der leichtfertigen Welt hinzufügen, die fortwährend Alles nach außen zieht, weil sie nicht in sich selbst und durch sich selbst leben kann. Ich habe hinlänglich darauf hingewiesen, dass wir die einzigen auf Erden sind, die des Vorrechts zu bewundern und anzubeten sich erfreuen, worauf die Ehe des Menschen beruhen muß, daß diese einzige Idee zugleich unsere Erhabenheit über alle Geschöpfe der Natur zeige, und die Notwendigkeit einer fortdauernden Quelle von Bewunderung und Anbetung, damit unser Bedürfnis anzubeten und zu bewundern sich befriedigen könne; und endlich unsere Beziehungen und unsere wesentliche Verwandtschaft mit dieser Quelle, damit wir unterscheiden und fühlen können, was in ihr fähig ist, unsere Bewunderung und unsere Huldigung auf sie zu lenken.

Ich habe mich hinlänglich über die Bücher erklärt, indem ich sagte, dass der Mensch das einzige Buch sei, von der Hand Gottes geschrieben; dass alle auf uns gekommenen Bücher von Gott angeordnet, oder dass er sie habe anfertigen lassen; dass alle anderen Bücher, gleich viel welche, nur Entwickelungen und Erklärungen dieses Urtertes sein können; dass es daher unsere erste und unerlässliche Aufgabe war, im Menschen zu lesen, oder in dem Buche, das von Gottes eigener Hand geschrieben ist. Ich habe mich gleichfalls über die Traditionen ausgesprochen, indem ich sagte, dass jedes Ding sich selbst offenbaren müsse; dass also statt die Religion durch die geschriebenen oder nicht geschriebenen Traditionen zu beweisen, was die einzige Hilfsquelle der gewöhnlichen Lehrer ist, wir Recht hätten, geradezu aus den Tiefen, die wir in uns tragen, zu schöpfen, weil die wunderbarsten Tatsachen erst dem Gedanken nachfolgen, dass man also sich mit dem Geist-Menschen und mit dem Gedanken beschäftigen müsse, bevor man sich mit Tatsachen beschäftige und hauptsächlich mit solchen, die nur traditionell sind; dass wir dadurch den stärkenden Balsam, nach welchem wir alle ein unabweisbares Bedürfnis haben, aus seiner eigenen Offenbarung könnten keimen und hervor gehen lassen, und sogar die religiöse Sache selbst, die nur der Gebrauch, die Vorbereitung zu diesem höchsten Balsam sein muß, welche sich aber niemals an dessen Stelle setzen darf, wie sie es so oft getan, wenn sie durch die Hand des Menschen ging. Ich habe es hinlänglich einleuchtend gemacht, dass dieses der einzige sichere Pfad sei, zu den natürlichen und positiven Zeugnissen zu gelangen, denen allein unsere Intelligenz wahres Vertrauen schenken kann. Auch brauche ich nicht auf jene ersten Elemente zurück zukommen, zumal, wenn man aufmerksam die verschiedenen Dispositionen betrachtet, worin der Gedanke der Menschen sich befindet; man wird einsehen, dass man weit weniger daran zu denken habe, die verhärteten Wesen zurückzuführen, als ihnen einiges von ihrer Beute zu entreißen, hauptsächlich, wenn man bedenkt, wie beschränkt die Zahl dieser verhärteten Menschen ist im Vergleich mit denen, die noch empfänglich sind, das Licht wieder zu erlangen; denn es fällt in die Augen, dass der Verläumder der Wahrheit unendlich wenigere sind, als solcher, die sie, wenn auch nur ungeschickt verteidigen; in noch bedeuten derer Minderzahl stehen sie zu denen, die daran glauben, wenn auch ohne sie zu kennen, wie dies am gewöhnlichsten der Fall ist. Übrigens kann ein deutscher Schriftsteller, dessen zwei erste Werke ich übersetzt und bekannt gemacht habe, nämlich: die Morgenröte im Aufgange und die drei Prinzipien, reichlich ergänzen, was an den meinigen fehlt. Dieser deutsche Schriftsteller (Namens Jacob Böhm) der vor beinahe zweihundert Jahren gestorben, und in seiner Zeit als der erste Theosoph angesehen ward, hat in seinen zahlreichen Schriften, die beinahe 30 verschiedene Abhandlungen enthalten, die außerordentlichsten und staunenswertesten Mitteilungen niedergelegt: über unsere ursprüngliche Natur; über die Quelle des Bösen; über das Wesen und die Gesetze des Weltalls; über den Ursprung der Schwere; über das, was er die sieben Räder, oder die sieben Kräfte der Natur nennt; über den Ursprung des Wassers, (ein Ursprung, der durch die Chemie bestätigt ward, die lehrt, dass das Wasser ein verbrannter Körper sei); über die Art des Abfalls der Engel der Finsternis; über die Art des Abfalls der Menschen; über die Art und Weise der Wiederherstellung, welche die ewige Liebe angewandt hat, um das Menschengeschlecht in den vollen Besitz seiner Rechte wieder einzuführen u.s.w. Ich glaube dem Leser einen Dienst zu erweisen, wenn ich ihm rate, sich mit diesem Schriftsteller bekannt zu machen, ihn aber besonders einlade, sich vor allem mit Geduld und mit Mut zu rüsten, um durch die wenig geordnete Form seiner Werke, durch die äußerste Abstraktheit der Materie, die er behandelt, so wie die Schwierigkeit, seine Ideen wiederzugeben, die er selbst eingesteht, nicht zurückgestoßen zu werden, da die meisten in Frage stehenden Gegenstände in den uns bekannten Sprachen keinen entsprechenden Namen haben. Der Leser wird darin finden, dass die ganze gegenwärtige physische und elementare Natur nur ein Überbleibsel und eine Verwandlung einer frühern Natur ist, welche vom Verfasser die ewige Natur genannt wird; dass diese gegenwärtige Natur ehemals in ihrem ganzen Umfange das Reich und den Thron eines der Engelfürsten bildete, Namens Luzifer; dass dieser Fürst dadurch, dass er nur durch die Macht des Feuers und des Zornes regieren wollte, und die Herrschaft der Liebe und des göttlichen Lichtes bei Seite setzte, die seine alleinige Fackel hätte sein sollen, den ganzen Umfang seines Reiches entzündete; dass die göttliche Weisheit diesem Brande eine mildernde und kühlende Gewalt entgegensetzte, welche diesen Brand einhielt, ohne ihn zu löschen, woraus die Mischung des Guten und des Bösen entsteht, die man gegenwärtig in der Natur bemerkt; dass der Mensch zugleich aus dem Prinzip des Feuers, dem des Lichtes und dem der Quintessens der physischen oder elementaren Natur gebildet, in diese Welt gesetzt ward, um den schuldvollen und entthronten Fürsten zu bändigen; dass dieser Mensch, obgleich er das Prinzip der Quintessenz der elementaren Natur in sich hatte, es in dem reinen Element hätte absorbirt halten sollen, welches damals seine leibliche Gestalt ausmachte; dass aber, da er sich mehr durch das zeitliche Prinzip der Natur anziehen ließ, als durch die beiden anderen Prinzipien, er bis zu dem Grade davon beherrscht wurde, dass er in jenen Schlaf fiel, von dem Moses spricht; dass er sich alsbald von der materiellen Region dieser Welt überwältigt fühlend, im Gegenteil sein reines Element in der rohen Gestalt, die uns gegenwärtig bekleidet, verschlingen und absorbieren ließ; dass er hierdurch Untertan und Opfer seines Feindes ward; dass die ewige Liebe, die sich ewig im Spiegel ihrer Weisheit (die Sophia oder Jungfrau vom Verfasser genannt) betrachtet, in diesem Spiegel, in dem alle Gestalten enthalten sind, das Urbild und die geistige Form des Menschen erblickte; dass sie sich mit dieser geistigen Gestalt und später sogar mit der elementaren Gestalt bekleidete, um dem Menschen das Bild dessen, was er geworden, und das Vorbild von dem, was er hätte sein sollen, darzustellen; dass die gegenwärtige Aufgabe des Menschen hier auf Erden die Wiedererlangung der physischen und moralischen Ähnlichkeit mit seinem Urbilde ist; dass das größte Hindernis, dem er dabei begegnet, die astralische und elementare Macht ist, welche die Welt erzeugt und konstituiert, und für welche der Mensch nicht erschaffen war; dass die gegenwärtige Erzeugung des Menschen ein sprechendes Zeichen dieser Wahrheit ist, durch die Schmerzen, welche das Weib in ihrer Schwangerschaft in allen ihren Gliedern um so mehr empfindet, je mehr sich die Frucht in ihr ausbildet und alle jene astralischen und groben Substanzen an sich ziehet ; dass die beiden Tinkturen, die feurige und wässrige, die im Menschen vereinigt sind, und sich mit der Weisheit oder Sophia identifizieren sollten, (die gegenwärtig aber getrennt sind) sich gegenseitig mit heftigem Verlangen suchen, hoffend, eines im anderen diese Sophia zu finden, die ihnen fehlt, aber nur das Astralische antreffen, das sie drückt, und ihnen hinderlich ist; dass es uns sowohl frei steht, durch unsere Anstrengung unserm geistigen Sein unser ursprüngliches göttliches Bild wiederzugeben, als auch ein niedriges, ungeordnetes und unregelmäßiges, und dass diese verschiedenen Bilder es sind, die unsere Seinsweise ausmachen werden, nämlich unsere Glorie oder unsere Schmach im zukünftigen Leben u.s.w. …Leser! Wenn du dich entschließt, mutig aus den Werken dieses Schriftstellers zu schöpfen, der von den Gelehrten der Welt für einen Wahnwitzigen gehalten wird, sicherlich wirst du der meinigen nicht bedürfen.

Wenn aber, auch ohne in alle Tiefen eingedrungen zu sein, die er deiner Intelligenz darbieten kann, du wenigstens nicht in den vorzüglichsten Punkten, die ich vor deinen Augen vorüber gehen ließ, bekräftigt worden bist; wenn du noch an der Erhabenheit der Natur deines Seins zweifelst, obgleich bei der einfachsten Prüfung, die du darüber anstellen wolltest, du in dir die entschiedensten Zeichen wahrnehmen würdest; wenn du nicht gleichfalls von deiner Gesunkenheit überzeugt bist, die mit feuriger Schrift in den Unruhen deines Herzens sowohl, als in den sinstern Irrgängen deines Gedankens eingeschrieben steht; wenn du es nicht fühlst, dass es deine ganze und ausschließliche Aufgabe ist, jeden Augenblick der Wiedereinsetzung deines Seins in den wirklichen Genuss aller jener alten Güter der Wahrheit, die dir durch Erbrecht eigen sind, zu widmen; gehe nicht weiter, meine Schrift hat nicht zum Gegenstande, aufs Neue alle jene Grundlagen festzustellen, es ist dies schon früher gründlich geschehen. Ich habe ein Recht, alles dieses schon Zugestandene hier vorauszusetzen, und es handelt sich nicht mehr darum, es zu beweisen, sondern nur zu lernen, davon Gebrauch zu machen, mit einem Worte, dieses Buch ist kein Elementarbuch. In dieser Art habe ich meine Schuld bereits gezahlt. Es erfordert alle Begriffe, die ich früher aufgestellt habe, und es kann nur denen gefallen, welche sie inne haben, oder denen, die wenigstens so weit gekommen sind, sich nicht durchaus als ihre Gegner zu erklären. Ich werde mich darin hauptsächlich damit befassen, die erhabenen ursprünglichen Rechte zu betrachten, die uns von der höchsten Hand gewährt worden, und zugleich mit meinen Nebenmenschen den beklagenswerten Zustand zu beweinen, in welchem der Mensch im Vergleich zu seiner natürlichen Bestimmung schmachtet. Auch werde ich ihm die Tröstungen schildern, die ihm geblieben sind, und vor allem die Hoffnung, die er erlangen kann, wieder ein Arbeiter des Herrn, dem ursprünglichen Plane gemäß zu werden; und dieser Teil meines Werkes wird für mich nicht derwenigst anziehende sein. So sehr möchte ich wünschen, dass er mitten in den Leiden, die ihn zernagen, weit entfernt mutlos zu werden und sich der Verzweiflung hinzugeben, zuerst suche, in sich die Kraft zu erzeugen, sie zu ertragen, selbst sie zu besiegen, und sich hinlänglich dem Leben zu nahm, damit der Tod vor Scham erröte, weil er geglaubt, ihn unterjochen zu können und seine Beute und sein Opfer aus ihm zu machen; so sehr möchte ich außerdem wünschen, daß er im Geiste und in der Wahrheit die Aufgabe erfüllte, wofür er sein Dasein erhielt. Ihr alle, die ihr dieses Buch lesen werdet, selbst ihr alle, die ihr euch von der Lust zu schreiben fortreißen lasst, lernet doch eure Bücher, und die eurer Mitmenschen auf ihren wahren Wert zurückführen! Lernet es, dass alle diese Erzeugnisse nur als Gemälde betrachtet werden müssen, und dass Gemälde, um einigen Wert zu haben, wirkliche Urbilder voraussetzen, wovon sie uns die wahrhaften Züge wiedergeben, und positive und bestimmte Tatsachen, von denen sie uns die Erzählung aufzeichnen! Ja die Annalen der Wahrheit sollten nur die Sammlung ihrer blendenden Klarheiten und ihrer Wunder sein, und der Mensch, der das Glück hätte, wirklich zu ihrem Diener berufen zu sein, sollte niemals schreiben, bevor er nicht kräftig unter ihrer Ordnung gehandelt, und nur, um uns die Wunder auf zuzeichnen, die er in ihrem Namen gewirkt. So war zu allen Zeiten der Weg der Diener der Sache Gottes im Geist und in der Wahrheit. Niemals schrieben sie, als nachdem sie gehandelt; so auch müsste der Weg des Menschen fein, weil er besonders zur Verwaltung der Sache Gottes bestimmt ist. Was sind auch die ungeheuren Massen Bücher, durch die Phantasie und Einbildungskraft der Menschen hervorgebracht, welche, um sich zu zeigen, es nicht allein nicht abwarten, Werke, die sie besitzen, zu schildern, sondern vor uns mit der Schüler haften und strafbaren Anmaßung auftreten, die Stelle aller anderen Werke und aller andern Wunder zu ersetzen? Was sind alle diese Schriftsteller, die nur suchen, uns ihrem rauschenden und eiteln Ruhme dienstbar zu machen, statt sich selbst unserem wahren Nutzen zu opfern? Was sind alle jene falschen Menschenfreunde, die wohl bereit sind, ihm von Tugend und Wahrheit zu reden, die aber große Sorge tragen ihn unangefochten in der Unthätigkeit und in der Unwahrheit zu lassen; so sehr fürchten sie, dass, wenn sie suchten, ihn durch ihre strengen Worte herauszureißen, er sich aus ihrer Schule zurückziehen und hierdurch ihrem Ruhme ein Hindernis in den Weg stellen und sie zur Vergessenheit verurteilen möchte, indem er sie zum Stillschweigen nötigte. Lasse, o Mensch, lasse jene dir so unfruchtbaren Bücher, und begib dich auf den Weg der Werke, wenn du glücklich genug bist, den wahren Sinn dieser Worte zu begreifen. Begib dich darauf, um den Preis deines Schweißes und deines Blutes, und nimm nicht eher die Feder, als bis du uns irgendeine Entdeckung im Gebiete der wahren Wissenschaft, irgendeine lehrreiche Erfahrung aus dem Gebiete des Geistes oder einen über das Reich der Lüge und der Finsternis rühmlich errungenen Sieg aufzeichnen kannst. Daher kommt es, dass die Bücher der wahrhaften Diener der Sache Gottes zu jeder Zeit dem Menschen der Sehnsucht einen Lebensgeist bieten, der immer bereit ist, seinen Durst, den er nach der Wahrheit hat, zu löschen; sie gleichen jenen schönen Straßen, die zur Verbindung großer Städte dienen, und die anziehende Aussichten, wirtliche Wohnungen und zugleich wachsame Verteidiger gegen Gefahren und gegen Menschen von boshaften Absichten darbieten. Sie gleichen jenen lachenden und fruchtbaren Ufern, die die Hand der Natur längs den Flüssen ausbreitete, von denen sie befruchtet werden, und denen sie ihrerseits nützliche Grenzen bieten, damit der Schiffer auf ihren Fluten eine eben so sichere, als entzückende Reise machen könne. Auch sind alle Diener Gottes für ihre Gedanken der Welt verantwortlich. Denn wenn sie wahrhafte Diener Gottes sind, so wird ihnen kein Gedanke einsallen, der nicht die Vervollkommnung der Dinge und die Ausbreitung des Reiches des Meisters zum Ziele hätte. So sehr also derjenige, der nicht Diener der Sache Gottes ist, seinen Gedanken misstrauen, und die Kenntnis derselben den anderen Menschen vorenthalten muss, eben so sehr muss derjenige, der unter der Zahl dieser Diener ist, mit Sorgfalt die seinigen sammeln und sie in den Verkehr des menschlichen Geistes bringen, wären sie auch nur gewissermaßen Keime, die der Herr ihm sendet, um damit den Garten Edens zu besäen. Er wird strenge Rechenschaft geben müssen von allen diesen Keimen, die er empfangen hat, und die durch seine Nachlässigkeit und seine Trägheit nicht zu ihrer Blüte gelangt sind, und nicht den Aufenhalt des Menschen geschmückt haben. Wenn aber die Bücher der Diener der Sache Gottes der menschlichen Gesellschaft so viel Dienste leisten können, was müsste sie nicht von dem Menschen selbst erwarten, wenn er sich wieder in den Besitz des Genusses seiner natürlichen Rechte gesetzt hätte? Die Bücher der Diener der Sache Gottes gleichen nur den schönen Straßen, die zur Verbindung großer Städte dienen. Der Mensch ist selbst eine dieser großen Städte; der Mensch ist das Urbuch, er ist das Buch Gottes. Die andern Bücher sind nur Bücher des Geistes. Diese andern Bücher befassen nur das Wasser des Flusses. Der Mensch nimmt einigermaßen an der Natur dieses Wassers selbst Teil. Menschen, meine Brüder, leset also fortwährend in diesem Menschen, in diesem Buche der Bücher! Verwerfet deswegen nicht das Lesen der anderen Bücher, die von der Hand der Verwalter der Sache Gottes geschrieben sind, und die euch täglich so große Dienste leisten können. Mit allen den gewaltigen Mitteln, die euch geboten worden, öffnet die Regionen der Natur, öffnet die Regionen des Geistes, öffnet selbst die Regionen der Gottheit, die wir schon im Voraus die Regionen des Wortes nennen können, dann kommet, um uns die belebenden und heilsamen Wunder wieder zu erzählen, denen ihr in jenen Regionen begegnet, wo alles Wunder ist. Aber vergesst nicht, dass in dem Zustande der Verirrung, worin sich der Mensch befindet, ihr eueren Nebenmenschen gegenüber eine noch dringendere Aufgabe zu lösen habet, als ihnen Bücher zu schreiben; nämlich durch eure Anstrengung und durch euer Verlangen zu bewirken, dass sie Ohren erhalten, um zu hören. Dies ist für das menschliche Geschlecht das Dringendste. Schreitet sein Erkenntnis- Vermögen nicht in Verhältnis mit euren Schriften fort, ihr erzeiget ihnen keinen Dienst, ihr würdet nur ein totes Werk geschaffen haben, und eure eigene Betrachtung, oder eure eigene Bewunderung würde leider für euch die einzige Frucht sein, die ihr von eurem Unternehmen heim brächtet. Was sage ich, das Erkenntnisvermögen des Menschen? Könnte es selbst durch die vortrefflichsten Bücher geöffnet werden? Es ist geschwächt, verfinstert, der Kindheit gleich geworden. Das Kind wie der Wilde kann nur durch substantielle oder gar rohe Zeichen begreifen, und durch den Anblick des Gegenstandes selbst, den man ihm will begreiflich machen. Sein Gedanke ist nur noch in seinen Augen. Suchet nicht das Erkenntnisvermögen des Menschen anders, als das des Kindes und des Wilden zu behandeln. Enthüllet in ihm und vor ihm die aktiven Kräfte der Natur, die aktiven Kräfte der menschlichen Seele, die aktiven Kräfte der Gottheit, wenn ihr wollt, dass er Gott, den Menschen und die Natur erkenne. Für alle diese Gegenstände ist seine Vernunft tot; alle eure Mühe werdet ihr verlieren, wenn ihr euch darauf beschränket, mit ihm nur darüber zu sprechen. In der Tat, die Zeit der Bücher ist gleichsam vorüber. Der Mensch ist durch ihren Überfluss abgestumpft, wie jene unmäßigen Menschen es sind, auf die die würzigsten Speisen gar keinen Eindruck mehr machen. Nicht nur die Zeit der Bücher, die durch die Phantasie und Einbildungskraft der Menschen hervorgebracht wurden, ist vorüber, man könnte sogar sagen, dass auch die Zeit der Bücher der Diener Gottes gleichsam vorüber ist; denn die durch die Einbildungskraft der Menschen hervorgebrachten Bücher haben ihnen ihre Schätzung genommen, und ihre Macht fast gänzlich vernichtet; und nur noch die großartigsten Werke vermögen es, die Welt aus ihrer Erschlaffung zu wecken.

Man weiß, dass die Gegensätze sich berühren. Auch der Mensch und der Wilde, indem sie durch den Zustand der Kindheit und der Unwissenheit, der Unmöglichkeit anheim gefallen, anders, als durch die imposantesten Werke geweckt zu werden, erinnern uns umgekehrt an die wahrhafte und ursprüngliche Natur des Menschen, die fortwährend durch imposante Wunder würde gespeiset worden sein, und welche erst dann darauf beschränkt wurde, Bücher zu schreiben und zu lesen, als sie die lebendigen Urbilder aus den Augen verlor, die nicht hätten aufhören sollen, vor ihren Augen zu wirken. Kurz, die Zeit rückt ihrem Alter entgegen. Das Alter des Geistes muss vorrücken, weil die durch die höchste Macht bewirkten Wunder die einzigen Mittel sind, die sie heut zu Tage anzuwenden im Stande ist, um sich bei den Sterblichen Anerkennung und Achtung zu verschaffen. Deswegen redete ich euch so sehr zu, euch auf den Weg der Werke zu begeben, wenn ihr euch irgend dazu berufen fühlet; wenn nicht, so bittet wenigstens den Herrn, dass er Arbeiter sende. Seid ihr aber unter der Zahl dieser Arbeiter, so vergesset nicht, wenn ihr die Regionen der Natur, die Regionen des Geistes, selbst die Regionen der Gottheit geöffnet habet; wenn ihr kommen werdet, uns ihre Wunder zu erzählen, wenn ihr die Feder ergreifet, um sie uns zu beschreiben, so vergesset nicht, sage ich, um welchen Preis ihr diese Kenntnis erworben habet, vergesset nicht, dass ihr das Recht davon zu reden erst dann erlangtet, nachdem ihr bei diesen fleißigen und nützlichen Unter- suchungen euren Schweiß und euer Blut vergossen; vergesset sogar nicht, dass ihr nicht aufhören dürft, bei der Beschreibung derselben jenen Schweiß und jenes Blut zu vergießen, um neue Perlen aus den unerschöpflichen Minen zu sammeln, in denen zu arbeiten ihr für alle Tage eures Lebens verurteilt seid. Gegenwärtig ist eure Aufgabe doppelt. Eure Tröstungen haben den Schmerz zur Mutter und zur Gefährtin. Die Töne der Freude trennen sich für euch nicht mehr von den Tönen des Jammers. Umsonst suchet ihr sie von einander zu scheiden; sie sind mächtig an einander gebunden, und alle Freuden, selbst die eures Geistes gönnen euren Tränen keine Unterbrechung. Unter allen Benennungen, die dazu dienen können, den zu seinem ursprünglichen Leben zurückgeführten Menschen zu charakterisiren , finden wir keine, die mehr den ganzen Umfang des Gedankens ausfüllen, und die so sehr das ausgedehnte und lobenswerte Verlangen der Seele befriedigen könnte, als die eines Weltverbesserers. Ja es empfindet diese menschliche Seele ein bis zum Ungestüm dringendes Bedürfnis, die Ordnung in allen Abteilungen und in allen Regionen herrschen zu sehen, damit alle Teile des Daseins der Dinge zu dieser allgemeinen Harmonie mitwirken und an ihr Anteil haben, durch welche allein die majestätische Glorie der ewigen Einheit hervorstrahlen kann. Es ist sogar das heimliche Vorgefühl dieser allgemeinen und ewigen Harmonie, das zu allen Zeiten berühmte Männer hinriß, den gegenwärtigen Zustand der Natur als ewig zu betrachten, trotz der Übel und der Unordnungen, worin sie versunken. Ja alles ist ewig in dem fundamentalen Grund der Dinge, aber nicht im Schmerze und in jener furchtbaren Unordnung, die sich in allen Teilen der Natur zeigt. Ja es gibt ohne Zweifel eine ewige Natur, in der alles regelmäßiger, tätiger und lebendiger ist, als in der, worin wir eingekerkert sind; und der stärkste Beweis, dass die gegenwärtige Natur, in der wir eingekerkert sind, nicht ewig ist, ist der, dass sie leidet, und dass sie die Wohnung des Todes in allen Gestalten ist, während doch nichts ewig ist, als das Leben. Auch will ich wohl eingestehen, ihr lehrt mich große und nützliche Lehrsätze, ihr achtungswerten Schriftsteller, die ihr durch eure Vorschriften die Menschen zur brüderlichen Liebe, zum Eifer für das Haus Gottes und zur Sorge, diesen irdischen Kot zu verlassen, zurückführt, ohne von seiner Verderbnis befleckt zu werden. Aber habt ihr den Sinn dieser schönen und heilsamen Lehren wohl vollständig überdacht? Ich für meinen Teil fühle, dass ihnen noch etwas fehlt, um das unermessliche Verlangen auszufüllen, das mich verzehrt. Die Gebete und die Wahrheiten, die uns hienieden gegeben und gelehrt werden, sind für uns zu klein, es sind nur die Gebete und Wahrheiten der Zeit; wir fühlen es. daß wir für etwas Anderes geschaffen sind. Ich begreife, wie es scheinen könne, als ob die Bruderliebe nichts Erhabeneres auszuüben habe, als unseren Feinden zu verzeihen, und denen Gutes zu tun, die uns hassen. Aber die Menschen, die uns nicht hassen, sogar die, welche uns unbekannt sind, und es uns immer bleiben werden, sollte unsere Liebe in Bezug auf diese zur Untätigkeit verurteilt sein? Oder sollte sie sich auf jene vagen Gebete beschränken, von denen man spricht, wenn man sagt, dass man für alle Menschen beten müsse? Mit einem Worte, kann das ganze menschliche Geschlecht, sowohl das vergangene, als das gegenwartige und das zukünftige nicht der Gegenstand unserer wirklichen Wohltätigkeit sein ? Ich gestehe, dass es scheint, als ob der Eifer für das Haus Gottes nichts Heiligeres zu tun habe, als die göttlichen Gesetze zu verkünden, und ihnen noch mehr durch unser Beispiel, als durch unsere Predigten Verehrung zu verschaffen. Aber dieser Gott, der allen Fähigkeiten unseres Wesens so im höchsten Grade teuer ist: dieser Gott, der mit so vielem Rechte den Namen unseres vorzüglichsten Freundes tragen müsste, hat er nicht ein Herz, das sich vielleicht deswegen ängstiget und leidet, weil alle Wunder, die er im Menschen und im Universum ausgesäet hat, uns durch finstere Wolken verborgen sind? Und dürfen wir uns einen Augenblick Muße gestatten, bis wir ihm Ruhe verschafft? Kurz die Pflicht, uns vor diesem irdischen Kote zu schützen, scheint für uns nichts Wichtigeres zu haben, als dass wir in unser Mutterland heimkehren, ohne etwas von den Sitten und Gewohnheiten dieser Erden-Bosheit angenommen zu haben. Aber wenn wir ihren Befleckungen entgangen, wäre es nicht noch schöner, dann auch ihr fressendes Gift unschädlich zu machen, oder es sogar in einen belebenden Balsam umzuwandeln? Ist es uns nicht anempfohlen, unseren Feinden Gutes zu tun? Und können wir es leugnen, dass in mannigfacher Hinsicht die Natur unter diese Zahl gehört? Was jene betrifft, die man Feinde Gottes nennt, so steht es Gott zu und nicht uns, ihnen die Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die sie verdienen; und wir wollen uns sogar nicht dabei aufhalten, wo es uns scheint, als ob Gott einen offenen und unversöhnlichen Krieg denen erkläre, die man uns mit dem Namen seiner Feinde bezeichnet. Gott hat keine Feinde. Er ist zu milde und zu liebenswürdig, um jemals welche haben zu können. Diejenigen die sich Feinde Gottes nennen, sind nur ihre eigenen Feinde, und sie stehen unter ihrem eigenen Gerichte. Mensch der Sehnsucht! Ich habe bis jetzt mit dir über die verschiedenen Vorrechte geredet, welche die erhabene Würde der Menschen ausmachen, wenn er wiedergeboren ist! Folge mit deiner Intelligenz den Anstrengungen der meinigen. Die Rechte, die ich verteidige, können von allen meinen Nebenmenschen wieder in Anspruch genommen werden. Wir alle hatten ursprünglich dieselbe Aufgabe, den großen Charakter eines Weltverbesserers zu entwickeln, weil wir vom Urheber aller Wohltätigkeit und alles Guten ausgegangen sind. Mensch der Sehnsucht, ich weiß nur zu gut, dass deine Intelligenz verfinstert werden kann! Aber niemals werde ich dir die Schmach antun zu sagen, dass du mit einem entschiedenen Willen auf dem rechten Wege, der mit diesem Willen übereinstimmt, von deinem Urheber nicht die Erleuchtungen empfangen könnest, die dir fehlen und die auf deinen ursprünglichen Ansprüchen beruhen. Man sieht hier deutlich, dass es mehrere Aufgaben auf der Bahn des Geistes zu erfüllen gibt. Die meisten Menschen, die sich einfinden, um sie zu durchlaufen, suchen darauf Tugenden oder Erkenntnisse nur zu ihrer eigenen Verbesserung und zu ihrer eigenen Vervollkommnung. Glückselig die, welche, wenn sie das Ziel erreichen, noch von diesen guten Gesinnungen durchdrungen sind! Wie sehr wäre es zu wünschen, dass dieses Glück allen Individuen des menschlichen Geschlechts gemein wäre! Aber erfreuen diese rechtschaffenen, frommen, ja erleuchteten Menschen den Hausvater, wenn sie suchen unter seine Kinder aufgenommen zu werden, so werden sie ihn noch mehr erfreuen, wenn sie suchen, unter seine Arbeiter oder seine Diener aufgenommen zu werden.

Denn letztere können ihm wirkliche Dienste leisten, die anderen aber beschränken sich darauf, sich selbst Dienste zu leisten. Obgleich ich weit davon‘ entfernt bin, mich zu der Zahl dieser erhabenen Arbeiter oder dieser mächtigen Diener rechnen zu können, so werde ich mich dennoch in dieser Schrift hauptsächlich mit ihnen befassen, da ich mich bereits nach meinen schwachen Kräften weitläufig mit dem befasste, was die einfachen Kinder des Hausvaters betrifft. Ich fordere also aufs Neue den Menschen der Sehnsucht auf, den Acker des Herrn zu betrachten, und zu suchen, nach Kräften darauf zu arbeiten, und nach der Art der Arbeit, wozu er geeignet ist; entweder zu den lebendigen Werken, wenn es ihm verliehen ist, dergleichen zu tun; oder zu der Entwicklung der menschlichen Natur, wenn es ihm verliehen ist, ihre Tiefen wahrzunehmen; oder wäre es selbst, um die Disteln und Dornen auszurotten, welche die Feinde der Wahrheit und die falschen Lehrer darauf gesäet, und noch täglich auf das menschliche Ebenbild der ewigen Weisheit säen. Denn man ist auch dann einigermaßen ein Arbeiter des Herrn, wenn man seine Nebenmenschen von ihren wahrhaften Pflichten und ihren wahrhaften Rechten unterrichtet. Denn nützlich ist man dem Ackerbaue, wenn man die Ackerwerkzeuge anfertigt und in Stand setzt; nur muss man sorgfältig und gewissenhaft prüfen, was man in allen diesen Zweigen zu tun im Stande ist. Derjenige, welcher die zum Ackerbau gehörigen Werkzeuge anfertigt und austeilet, bürgt für das, was er liefert, so wie der Säemann für das bürgt, was er säet. Da man aber unmöglich Arbeiter auf dem Acker des Herrn sein kann, ohne selbst wiedergeboren und wieder in seine Rechte eingesetzt zu sein, so werde ich oft auch die Wege zur Wiederherstellung schildern, auf denen wir notwendig wandeln müssen, um unter die Zahl der Arbeiter des Herrn aufgenommen zu werden. Gleicherweise bin ich allen meinen Brüdern eine Bemerkung schuldig, wenn ich sie einlade, sich in den Stand zu setzen, unter die Arbeiter des Herrn angestellt zu werden. Die gewöhnlichen Menschen, wenn sie von lebendigen und geistigen Werken sprechen hören, verstehen darunter nichts anders, als die Idee, Geister zu sehen, was die verfinsterte Welt Ge- spenster sehen nennt. Bei denen, die an die Möglichkeit, Geister zu sehen, glauben, erzeugt diese Idee oft nur Entsetzen; bei denen, die von der Unmöglichkeit dergleichen zu sehen nicht gewiss sind, erzeugt diese Idee nur Neugierde; bei denen, die in dieser Beziehung alles verwerfen, erzeugt diese Idee nur Verachtung und Geringschätzung sowohl gegen diese Meinung selbst, als gegen die, welche sie vorbrachten. Ich halte mich daher für verpflichtet, denjenigen, die mich lesen, zu sagen, dass der Mensch auf der Laufbahn der lebendigen, geistigen Werke unendlich fortschreiten, und sogar einen hohen Rang unter den Arbeitern des Herrn erreichen kann, ohne Geister zu sehen. Außerdem muss ich demjenigen, welcher auf der geistigen Laufbahn vorzüglich darauf ausgehen wollte, Geister zu sehen, sagen, dass, wenn er dazu gelangte, er nicht nur den Hauptgegenstand der Aufgabe nicht erfüllen würde, sondern davon sehr weit entfernt sein könnte, zu verdienen, unter die Zahl der Arbeiter des Herrn aufgenommen zu werden. Denn wenn er erst an die Möglichkeit, Geister zu sehen, glaubte, so müsste er auch an die Möglichkeit glauben, sowohl böse als gute zu sehen. Demgemäß aber würde es ihm nicht genügen, Geister zu sehen, sondern er müsste außerdem auch unterscheiden können, woher sie kommen, weswegen sie kommen, ob ihre Sendung gut zu heißen oder verboten, nützlich oder verderblich sei, und überdies müsste er vor allem prüfen, ob er selbst auch, für den Fall, dass sie unter die Zahl der Vollkommensten und Reinsten gehörten, sich in dem Zustande befände, die Werke zu vollbrin gen, mit denen sie ihn für den wahren Dienst ihres Herrn beauftragen könnten. Das Vorrecht und die Gabe, Geister zu sehen, wird immer nur eine sehr untergeordnete sein in Bezug auf die wahre Aufgabe, die der Mensch auf der Laufbahn der lebendigen, geistigen und göttlichen Werke haben kann, indem er unter die Arbeiter des Herrn aufgenommen ist; und derjenige, der nach diesem erhabenen Amte verlangt, würde dessen nicht würdig sein, wenn er nur durch den matten Reiz, oder die kindische Neugierde, Geister zu sehen, angetrieben würde. Hauptsächlich wenn er, um diese Zeugnisse aus zweiter Hand zu erlangen, sich auf die schwachen Hände seiner Nebenmenschen stützte, und besonders auf diejenigen, welche nur partielle Kräfte, angemaßte Kräfte oder sogar Kräfte der Verderbnis besäßen. Welches unter den verschiedenen Vorrechten der menschlichen Seele ist dasjenige, das wir als das vorzüglichste von allen gleick Anfangs geltend machen müssen, und ohne welches unsere anderen Rechte nichtig wären ? Es besteht darin, dass wir Gott sozusagen von der magischen Betrachtung der unversiegbaren Wunder, worin er weilet, abziehen können, die von Ewigkeit her vor ihm gewesen, die ewig aus ihm urständen, welche er selbst ist, und von denen er sich eben so wenig trennen kann, als von sich selbst. Es besteht darin, ihn gewissermaßen von seiner herrschenden und fesselnden Neigung abzulenken, die ihn ewig zu sich selber hinreißt und die da macht, dass das, was ist, sich fortwährend von dem wegwendet, was nicht ist, und fortwährend zu dem hinstrebt, was ist, wie durch eine notwendige Wirkung einer natürlichen Analogie. Es besteht darin, ihn zu wecken, und wenn es erlaubt ist zu sagen, ihn abzuziehen von dem Entzücken, welches ihm immerwährend die lebendige und wechselseitige Einwirkung der Süßigkeit seines eigenen Wesens fühlen lässt, so wie das köstliche Gefühl, welches ihm die tätige und zeugende Quelle seines eigenen Daseins kosten lässt. Kurz, es besteht darin, seine göttlichen Blicke auf diese herabgesunkene und finstere Natur zu lenken, damit sie durch ihre belebende Kraft ihr ihren alten Glanz wiedergeben. Aber welcher Gedanke könnte dringen bis zu ihm, wenn er nicht mit ihm wieder analog geworden wäre? Welcher Gedanke könnte diese Art Erweckung bei ihm bewirken, wäre er nicht wieder lebendig geworden, wie er selbst? Welcher Gedanke könnte aus ihm die sanften und wiederbelebenden Quellen hervorsprudeln lassen, wenn er nicht wieder sanft und rein geworden wäre, wie er? Welcher Gedanke könnte sich wieder mit dem vereinigen, was ist, wenn er nicht zuvor dem ähnlich geworden wäre, was ist, indem es sich von allem trennte, was nicht ist? Wer könnte in das Haus des Vaters und in das Vertrauen des Vaters aufgenommen werden, der sich nicht als das wirkliche Kind dieses Vaters ausgewiesen hätte? Mensch, wenn du hier dein erhabenstes Recht findest, das darin besteht, Gott von seiner Selbstbeschauung abzuziehen, so findest du auch, unter welcher Bedingung du dahin gelangen kannst, ein solches Recht auszuüben. Wenn du es jemals erreichest, diesen höchsten Gott aus seiner Selbstbeschauung zu ziehen, glaubst du, der Zustand, in welchem er dich fände, sei für dich eine gleichgültige Sache? Dein Sein werde daher ein neues Sein! Eine jede deiner Fähigkeiten, die dein Wesen ausmachen, werde wieder bis in ihre tiefsten Wurzeln neubelebt! Das lebendige und einfache Lebensöl verteile sich in eine unendliche Unermesslichkeit reinigender Elemente, nichts sei in dir, das sich nicht angereizt und wieder erwärmt fühle durch eines dieser Elemente, die neugebährend und immer durch sich selbst lebendig sind. Wenn es nicht einen mächtigen und tröstenden Agenten gäbe, der dir helfen könnte, gleich ihm selbst das treue Kind deines himmlischen Vaters zu werden, wie könntest du nur den untersten Grad deiner Wiedergeburt erreichen? Auch weißt du, dass dieser Agent eristirt, weil er nichts Anderes ist, als der lebendige Herd, worauf dein Wesen seit deinem Ursprunge ruhete, und der dich eben so wenig verlassen hat, als eine Mutter ihren Sohn verlässt, in welch einer Bekümmernis er sich auch befinden möge? Vereinige dich mit ihm ohne Rückhalt und ohne Zaudern, und deine Flecken werden sogleich verschwinden, und deine Armut wird sogleich aufhören. Aber dennoch wird das Gewicht des Werkes nicht nachlassen, sich fühlbar zu machen, und es könnte sogar für dich noch schwer werden; denn wenn das Gewicht der Hand Gottes auf dem Menschen ruhet, und dies nicht zu seiner Besserung geschieht, so muss es doch zur Förderung des Werkes dienen. In der Tat, da Gott den Menschen zum Verbesserer der Natur bestimmte, so hat er ihm diese Bestimmung nicht ohne die Weisung gegeben, sie zu erfüllen; er gab ihm nicht die Weisung, sie zu erfüllen, ohne ihm die Mittel zu geben; er gab ihm nicht die Mittel, ohne ihm eine Weihe zu geben; er gab ihm nicht eine Weihe, ohne ihm eine Heiligung zu geben; er gab ihm nicht eine Heiligung, ohne ihm eine Verherrlichung zu verheißen; und er verhieß ihm nur eine Verherrlichung, weil er als Organ und als Verbreiter der göttlichen Bewunderung dienen sollte, indem er die Stelle des Feindes einnehmen, dessen Thron gestürzt, und die Geheimnisse der ewigen Weisheit enthüllen sollte. Aber es gibt zweierlei Arten Geheimnisse. Die eine umfasst die natürlichen Geheimnisse der Formation der physischen Dinge, ihre Gesetze und die Weise ihrer Eristenz, wie auch der Aufgabe dieser Eristenz. Die andere umfasst die Geheimnisse unseres fundamentalen Seins und seiner Beziehungen zu seinem Prinzip. Der Endzweck eines Geheimnisses kann überhaupt nicht der sein, gänzlich unerreichbar zu bleiben, sei es nun für das Erkenntnisvermögen, oder für jenes süße Gefühl der Bewunderung, wofür unsere Seele geschaffen ist, und welches wir schon als eine für unser inmaterielles Wesen vor allem notwendige Speise anerkannt haben. Der Zweck des Geheimnisses der Natur ist, uns durch die Entdeckung der Gesetze der physischen Dinge zur Kenntnis der höhern Gesetze und Kräfte, wodurch sie regiert werden, zu führen. Die Kenntnis dieses Geheimnisses der Natur und alles dessen, was ihr Wesen ausmacht, darf uns sogar jetzt und trotz unseres Falles nicht untersagt werden, sonst wäre der Endzweck dieses Geheimnisses verfehlt. Der Endzweck des Geheimnisses der göttlichen und geistigen Dinge, das mit dem Geheimnis unseres Daseins verbunden, ist, uns zu erregen, und das Gefühl der Bewunderung, der Zärtlichkeit, der Liebe und der Dankbarkeit in uns zu wecken. Das Geheimnis dieser göttlichen und geistigen Dinge muss daher bis in unser fundamentales Wesen selbst eindringen können, sonst würde dieses doppelte Geheimnis, welches uns mit den göttlichen Dingen verbindet und welches die göttlichen Dinge mit uns verbindet, alle seine Wirkung gänzlich verfehlen. Ein großer Unterschied ist aber zwischen diesen beiden Arten von Geheimnissen. Das Geheimnis der Natur kann in unser Wissen eingehen, aber die Natur an sich berührt nur schwach oder gar nicht unser wesentliches und fundamentales Sein. Und wenn wir alle sie betrachtend und in ihre Geheimnisse eindringend Vergnügen empfinden, so empfinden wir dies nur, weil wir dann höher steigen, als sie, und weil wir uns durch ihre Vermittelung bis zu Regionen erheben, die uns wahrhaft analog sind, während sie selbst nur als ein Wegweiser erscheint, der uns wohl den Weg zu diesen Regionen anzeigt, uns aber nicht durch sich selbst deren Süßigkeiten mitteilen kann. Im Gegenteil berühren jene göttlichen und geistigen Dinge unendlich mehr unser Liebe- und Bewunderungsvermögen, weil sie sich nicht der ganzen Begierde unserer Intelligenz hingeben. Es scheint sogar, dass dieses darum der Fall ist, um uns einen ausgedehntern Maßstab dieser Bewunderung zu bereiten, weil sie sich nicht wie wir es verlangen unseren Begriffen hingeben. Denn unterwürfen wir sie in der Art unserem Erkenntnisvermögen, so würden wir sie nicht mehr so sehr bewundern und folglich weniger Vergnügen haben. Denn wenn es wahr ist, dass Bewundern unsere Glückseligkeit ist, so ist es auch wahr, dass Bewundern weniger ein Wissen ist, als ein Fühlen, woher es dann auch kommt, dass Gott und der Geist so süß und zugleich so wenig gekannt sind. Man kann aus dem entgegengesetzten Grunde sagen, dass die Natur für uns kälter ist, weil sie sich mehr eignet, erkannt als gefühlt zu werden. Daher sind die Plane der Weisheit in der Art geordnet, dass diejenigen Dinge, worauf unsere wahrhafte Freude beruht, sich unserm Erkenntnisvermögen nicht genug hingeben, um unsere Bewunderung stillen zu können, und dass diejenigen Dinge, welche nicht hauptsächlich dazu bestimmt sind, unsere Bewunderung zu nähren, das heißt, zu unserer wahr- haften Freude zu dienen, weil sie weniger Analogie mit uns haben, uns gewissermaßen eine Art Entschädigung in den Freuden der Intelligenz gestatten.

Durch die Art, wie die Menschen diese zwei verschiedenen Lehngüter verwaltet haben, ließen sie die beiden Quellen austrocknen, die uns köstliche Früchte hervorgebracht haben würden, eine jede auf ihre Weise: die menschliche Philosophie nämlich, welche die Naturwissenschaften behandelte, hat uns deshalb, weil sie nur an deren Oberfläche hinstreifte, verhindert, dieselben zu erkennen, und uns nicht in den Stand gesetzt, auch nur jene Freuden der Intelligenz zu kosten, welche sie jederzeit uns zu verschaffen bereit gewesen wären; und die Lehrer der göttlichen Dinge haben uns deshalb, weil sie uns dieselben verdunkelten und unerreichbar machten, verhindert, sie zu empfinden, und folglich uns der Bewunderung beraubt, welche diese uns unfehlbar erregt hätten, wären uns dieselben näher gebracht worden. Es besteht die Ergänzung der Vollkommenheit des Geheimnisses darin, in einer richtigen und harmonischen Kombination dasjenige zu vereinigen, was zugleich unsere Intelligenz befriedigen und unsere Bewunderung nähren kann. Hätten wir unsere ursprüngliche Stellung bewahrt, so würden wir diesen Genuss fortwährend gehabt haben. Denn die Pforte, durch die Gott aus sich ausgeht, ist die Pforte, durch die er in die menschliche Seele eingeht. Die Pforte, durch die die menschliche Seele aus sich selbst ausgeht, ist die Pforte, durch die sie in die Intelligenz eingeht. Die Pforte, durch die die Intelligenz aus sich selbst ausgeht, ist die Pforte, durch die sie in den Geist des Universums eingeht. Die Pforte, durch die der Geist des Universums aus sich ausgeht, ist die, wodurch er in die Elemente und in die Materie eingeht. Deswegen dringen die Gelehrten, die nicht alle diese Wege durchgemacht haben, niemals in die Natur ein. Die Materie hatte keine Pforte, um aus sich selbst hinauszugehen, noch um irgend in eine andere Region einzugehen, die niedriger wäre als sie; deswegen konnte der böse Feind in keine regelmäßige Region, weder in eine materielle, noch in eine geistige Zutritt finden. Statt sorgfältig auf seinem Standpunkt zu wachen, begnügte sich der Mensch nicht damit, seinen Feinden alle Pforten zu öffnen, sondern er verschloss sie auch noch hinter sich in der Art, dass er sich draußen befindet, und die Diebe drinnen sind. Gibt es einen beklagenswertern Zustand? Man sieht, warum die hohen Ansprüche, welche aus dem ursprünglichen Menschen ein so bevorzugtes Wesen bildeten, seinen Dienst im Universum so wichtig gemacht haben würden, indem er darin die göttliche Dreieinigkeit hätte erkennbar darstellen können, mit welcher unzählige Beobachter unsere Ähnlichkeit bemerkbar machten, indem sie uns lehrten, dass wir nicht also ihr Ebenbild sein würden, wenn wir nicht das Recht hätten es darzustellen. Sogar bis zu den Engeln reicht das große Interesse, dass der Mensch den Standpunkt ausfülle, der ihm anvertraut worden. In der Tat, so wie die belebten Wesen in der Natur den Geist des Weltalls nicht an sich selbst erkennen können, noch den Ursprung der Pflanzen, die nur das Resultat und der versinnlichte Ausdruck der Eigentümlichkeiten dieses Geistes des Weltalls sind, und wie sie alle diese Dinge nur in den Säften der Früchte, von denen sie sich nähren, erkennen können, so auch erkennen die Engel den Vater nur in dem Sohne. Sie kennen ihn an sich weder selbst, noch in der Natur, die überhaupt seit der ersten Verderbnis dem Vater durch die Konzentration, die sie erlitten hat, viel näher gerückt ist; und sie können ihn nur begreifen in dem göttlichen Glanze des Sohnes, der seinerseits sein Bild nur im Herzen des Menschen und nicht in der Natur hat. Daher kommt es, dass der Mensch, der seit seinem ersten Ursprunge im Universum vorzüglich an den Sohn, oder an die Quelle der allgemeinen Offenbarung gebunden war, den Vater zugleich in dem Sohne und in der Natur erkannte. Und daher suchen die Engel auch so sehr die Gesellschaft des Menschen, weil er es ist, von dem sie glauben, dass er noch im Stande sei, ihnen den Vater in der Natur erkennbar zu machen. Sie haben Grund, dieses zu glauben, weil wir es sind, dem der Vater sich sichtbar gemacht, und weil seine ewigen Wunder sich unter dieser zeitlichen Erscheinung gezeigt haben, welche das Wesen dieser vergänglichen Natur ausmacht. Unsere Aufgabe seit dem Augenblicke, wo Adam wieder aus dem Abgrunde gezogen ward, worin er gefallen, bestände also dann, durch alle uns möglichen Mittel die ewigen Wunder des Vaters zu enthüllen, die in der sichtbaren Natur offenbart sind; und dieses ist uns um so eher möglich, da der Sohn, der sie alle beschließt, und sie alle eröffnet, sie uns alle übergeben hat, indem er unsere ersten Eltern in die natürliche Gestalt verkörperte, die wir jetzt tragen, und wozu er den Schlüssel mitbrachte, als er sich uns gleich machte. O, wie viele tiefe Wahrheiten könnten wir selbst die Engel lehren, kehrten wir wieder zu unseren Rechten zurück! Man möge sich über diese Idee nicht wundern, weil nach Paulus (1. Korinth. 6, 3) wir die Engel richten sollen. Nun aber setzt die Macht, sie zu richten, die, sie zu belehren voraus. Ja die Engel können Verwalter, Ärzte sein, sie können das Unrecht wieder gut machen, sie können Kämpfer, Richter, Herrscher, Beschützer und dergleichen mehr sein, aber ohne uns können sie die Tiefen der göttlichen Wunder in der Natur nicht erkennen. Was diesem entgegensteht, ist nicht allein, dass sie den Vater nicht in dem Glanze des Sohnes kennen, und dass sie in ihrer Hülle nicht wie die ersten Menschen Essenzen beschließen, die aus der Wurzel dieser Natur entnommen sind, sondern auch, dass wir ihnen in uns das Zentral -Auge oder das göttliche Organ verschließen, durch welches sie das Mittel hätten, die Schätze des Vaters in den Tiefen der Natur zu betrachten; und dieses ist der Grund, warum die Kinder Gottes die Engel unterrichten könnten und sollten, und vor ihren Augen die Tiefen enthüllen, die in der Verkörperung der Natur verborgen sind, und in allen Wundern, die sie in sich trägt. Deswegen setzen im Gebiet der Künste und Wissenschaften die Menschen diejenigen oben an, welche die großen Gesetze der Natur entdeckten, und im Gebiet der Religion diejenigen, die mit großer Kraft des Geistes begabt waren. Seit unserer Gesunkenheit sind uns diese kostbaren Vor- rechte, in die Tiefen der Natur einzudringen und so zu sagen uns in ihren Besitz zu setzen, zum Teil zurückgegeben, ja sie sollten ein unveräußerliches Erbteil der Natur des Menschen bilden, welches sein wahrer Reichtum und sein ursprüngliches Eigentum ausmachte; die Testamente der Patriarchen haben uns unzählige Beispiele hierüber geliefert. Aber die materiellen Menschen haben den Sinn dieser erhabenen Rechte auf die einfachen Testamente der Güter dieser Erde angewandt. Immerhin hätte man ihnen mit vielem Rechte einwenden können, dass ein Mensch nicht über ein Gut bestimmen könne, welches er im Augenblick seines Todes nicht mehr besitze und selbst früher nicht, als der Testator seine Verfügungen machen konnte. Also auf die wahren Besitztümer musste das Gesetz der Testamente sich beziehen, weil damit der Testator seine Nachfolger mit einem lebendigen Rechte belehnte, dass er deswegen nicht verlor, und welches er mit sich in eine Region hinüber führte, wo dieses Recht noch zunehmen, statt abnehmen mußte; und hier also kann der Gedanke sich erweitern und bereichern, wenn er die Testamente der Patriarchen betrachtet. Der Mensch ist der Baum, Gott ist der Saft darin. Es ist nicht zu verwundern, dass, wenn der lebendige Saft in ihm stießt, er jeden seiner Zweige in neue Bäume verwandelt; eben so wenig ist es zu verwundern, dass, wenn wilde Reben an diesem Weinstocke auswachsen, sie bald an seinen herrlichen Eigenschaften Teil nehmen. Ja der Mensch ist nach seinem Falle aufs Neue auf die lebendige Wurzel gepfropft, welche in ihm jedes geistige Wachstum seines Prinzips bewirken muss. Wenn er sich also bis zur lebendigen Quelle der Bewunderung erhöbe, so könnte er durch sein bloßes Dasein ein lebendiges Zeugnis von ihr ab legen. Auch ist dieses das einzige Mittel, wodurch die göttlichen Absichten erreicht werden können, da der Mensch geboren ist, um vorzugsweise der Diener Gottes zu sein. Denn selbst jetzt noch ist der materielle Leib, den wir tragen, weit über die Erde erhaben. Unsere Lebensgeister sind weit erhaben über den Weltgeist durch ihre Vereinigung mit unserem beseelenden Geiste, der unsere wahre Seele ist, und unser beseelender Geist ist weit über die Engel erhaben. Aber der Mensch würde sich irren, wenn er behauptete, in der Arbeit des Geistmenschen fortzuschreiten, ohne zuvor in sich jenen heiligen Saft belebt zu haben, der durch die allgemeine Verderbnis in ihm wie verdichtet und wie erstarrt ist. Mensch der Sehnsucht, so muss sich alles, was du in dir erstarren und sich verdunkeln ließest, wieder auflösen und vor deinem geistigen Auge enthüllen. So lange du noch die kleinste Makel daran wahrnimmst und das kleinste Hindernis sich deinem Blick entgegenstellt, ruhe nicht, bevor du dieses Hindernis zerstreut hast. Je mehr du in die Tiefen deines Seins eindringst, je mehr wirst du erkennen, auf welcher Grundlage das Werk beruhet. Nur diese Grundlage kann, wenn sie auf’s Neue behauen ist, als Fundament zu deinem Baue dienen. Wenn sie nicht geebnet ist und keinen Schwerpunkt hat, so wird sich dieser Bau niemals erheben können. Nein nur im innersten Lichte deines Seins kann sich die Gottheit, können sich die wunderbaren Kräfte, die überall in ihrem Gefolge sind, sich dir in ihrer lebendigen Wirksamkeit fühlbar machen. Wenn du selbst nicht wohnen magst in diesem Asyl, wenn du mit deinen Blicken nicht hineindringen kannst oder sogar fürchtest, sie dahin zu richten, weil es dir große Mühe kosten würde, einen freien Eingang zu finden, wie kannst du verlangen, dass Gott sich dort wohler fühle, als du selbst und dass er sich besser, als du deinen Finsternissen und den Hemmungen anbequeme, die dich zurückstoßen, er, der so durchaus rein und leuchtend ist; er, der die Wunder seines Daseins nur in einer Atmosphäre entfalten kann, die von allen Hindernissen gereinigt, und die frei wäre, wie er selbst. Die Wissenschaft der Wahrheit gleicht nicht den andern Wissenschaften; ehedem sollte sie für den Menschen ein Genuss sein, jetzt ist sie für ihn nur ein Kampf; daher kommt es, dass die Gelehrten und die Weisen der Welt nicht die mindeste Idee davon haben, weil sie dieselben mit ihren sinstern Begriffen verwechseln, und weil sie sich mit einer Lehre ohne Tat begnügen. Die Welt liegt auf ihrem Schmerzenslager; unsere Aufgabe ist, sie zu trösten. Die Welt liegt auf ihrem Schmerzenslager, weil seit ihrem Falle eine fremdartige Substanz in ihre Adern eingedrungen ist, die nicht aufhört, das Prinzip des Lebens zu hindern und zu quälen; unsere Aufgabe ist es, ihr Worte des Trostes zu bringen, die sie kräftigen können, ihre Leiden zu ertragen; unsere Aufgabe ist es, sage ich, ihr die Verheißung ihrer Erlösung und den Bund zu verkünden, den die ewige Weisheit mit ihr schließen will. Unserseits ist dieses billig und recht, da es ja das Haupt unseres Geschlechts ist, welches die erste Veranlassung der Traurigkeit der Welt war. Wir können es der Welt sagen, dass wir es sind, die sie zur Witwe gemacht. Erwartet sie nicht jeden Augenblick, so lange die Dinge dauern, dass ihr Gemahl ihr wieder gegeben werde? Ja heilige Sonne, wir sind die erste Ursache deiner Unruhe und deiner Angst. Dein ungeduldiges Auge hört nicht auf, alle Regionen der Natur nach einander zu durchlaufen. Jeden Tag erhebst du dich für jeden Menschen; freudig erhebst du dich, hoffend, dass sie dir deine geliebte Braut oder die ewige Weisheit, Sophia, der du beraubt bist, wiedergeben werden. Alltäglich vollendest du deinen Lauf, sie von der ganzen Erde mit feurigen Worten wiederverlangend, worin sich deine verzehrende Sehnsucht abspiegelt. Aber am Abend gehst du in Traurigkeit und in Tränen unter, weil du vergebens deine Braut suchtest; vergebens fordertest du sie von dem Menschen; er hat sie dir nicht wiedergegeben und er lässt dich in dürren Gegenden und in Wohnungen der Schande weilen. Mensch, das Übel ist noch größer. Sage nicht mehr, die Welt liegt auf ihrem Schmerzenslager, sage: die Welt liegt auf ihrem Sterbebette; und deine Aufgabe ist es, ihr die letzten Dienste zu leisten; deine Aufgabe ist es, sie mit jener reinen Quelle zu versöhnen, von der sie abstammt, jener Quelle, die nicht Gott ist, die aber eines der ewigen Organe seiner Macht ist, von der die Welt nimmer hätte getrennt werden dürfen; deine Aufgabe ist es, sage ich, sie damit zu versöhnen, indem du sie von allen Substanzen der Lüge reinigst, mit denen sie nicht aufhört, sich seit ihrem Falle zu schwängern, und indem du sie wäschest, weil sie alle Tage ihres Lebens in Eitelkeit dahin brachte. Sie würde sie nicht in Eitelkeit haben dahin fließen sehen, wärest du selbst auf dem Throne des Glanzes geblieben, auf den du durch deine Herkunft gestellt warst; jeden Tag würdest du die Welt mit einem Freudenöl gesalbt haben, welches sie vor Gebrechlichkeit und vor Schmerz geschützt hätte; du würdest für sie getan haben, was sie jetzt für dich tut, wenn sie dir täglich Licht und die Früchte der Elemente verschafft, denen du dich untertan gemacht hast, und die zu deiner Eristenz notwendig sind. Nahe dich also ihr, bitte sie, dir ihren Tod zu verzeihen, denn du bist es, der ihn ihr gegeben. Mensch, das Übel ist noch größer. Sage nicht, die Welt liegt auf ihrem Sterbebette, sage, dass die Welt in ihrem Grabe liegt, dass die Verwesung sich ihrer bemächtigt hat, dass die Ansteckung sich durch alle ihre Glieder ausbreitet, und dass du es bist, der sich dieses vorzuwerfen hat. Ohne dich, wäre sie nicht also in ihr Grab gesunken, ohne dich würde sich die Ansteckung nicht also in alle ihre Glieder ausbreiten. Weißt du weshalb? Weil du dich selbst zu ihrem Grabe gemacht hast. Weil du, statt ihr eine immerwährende Wiege ihrer Jugend und Schönheit zu sein, du sie in dir selbst, wie in einem Grabe begrubst und sie mit deiner eigenen Verwesung bekleidetest. Spritze unverzüglich in alle ihre Kanäle das Elixir ein, das nicht kann verdorben werden, denn es ist deine Aufgabe, ihre Auferstehung zu bewirken; und trotz des Leichengeruches, den sie aus allen Teilen aushaucht, bist du mit ihrer Wiedergeburt beauftragt. Selbst das natürliche Licht, dieser herrliche Typus, der uns von der alten Welt blieb, hat es nicht an sich selbst, eine verschlingende Kraft, die alles verzehrt? Auch unser künstliches Licht, das wir anwenden, um jenes zu ersetzen, kann nur auf Kosten von Substanzen bestehen, die es nähren. Auch würden wir dergleichen Licht nicht bedurft haben, und es ist eine Monstrosität für die Natur. Auch würden sich keine Insekten an dem natürlichen Lichte verbrannt haben, wie sie sich an unserem künstlichen Lichte verbrennen, welches sie für das natürliche halten, weil die natürlichen Geschöpfe nichts kennen, was außer der Ordnung ist. Ja, unsere Industrie selbst ist ein Beweis der Übel, die wir der Welt zugefügt haben, weil diese Übel und unsere Industrie aus derselben Quelle herrühren, und so ist die Natur allgemein unser Opfer.

Ach, wie würde diese Natur sich beklagen, könnte sie sich über das wenige Gute ausdrücken, das die eiteln Wissenschaften der Menschen ihr verschaffen, über das ganze Rüstwerk der mühsamen Arbeiten, die sie vornehmen, um sie zu messen, sie zu beschreiben, sie zu zergliedern, während sie in sich die Mittel haben, sie zu heilen und sie zu trösten. Liegt aber der Mensch nicht selbst auf seinem Schmerzenslager? Liegt er nicht auf seinem Sterbebette? Liegt er nicht im Grabe und ist er nicht ein Raub der Verwesung? Wer wird ihn trösten? Wer wird ihm die letzte Pflicht erzeigen? Wer wird ihn wieder auferwecken? Der Feind war ehrgeizig von Anbeginn, weil er in den Wundern der Glorie las, und weil er ihre Quelle auf sich lenken und sie beherrschen wollte. Der Mensch begann seine Verirrung nicht mit diesem Verbrechen; denn er sollte zu den Wundern der Glorie nur in dem Maße gelangen, als er seine Sendung erfüllte, und er kannte diese Wunder in dem Augenblicke, wo er das Dasein erhielt, noch nicht. Er begann aber seine Verirrung durch seine Schwäche, wie es noch heutzutage alle seine Kinder im ersten Alter tun, wo die Gegenstände des Ehrgeizes sie noch berühren; und diese Schwäche bestand darin, dass er sich von dem Geiste der Welt berühren, anziehen und durchdringen ließ, während der unglückliche Mensch einer Ordnung und einer Region gehörte, die über die Region dieser Welt erhaben war. Als er zu dieser niedern Stufe herabgestiegen war, hatte der Feind freien Spielraum, um in ihm die Ideen des Ehrgeizes zu erzeugen, die er sonst nicht würde gehabt haben, und ohne dass man ihm von jenen Gegenstanden des Ehrgeizes sprach, die ihm unbekannt waren. So wurde er durch seine erste Verirrung ein Opfer seiner Schwäche; durch die zweite wurde er zugleich Opfer und Betrogener desjenigen, dem es Vorteil brachte, ihn irre zu führen, und so wurde er dieser physischen Welt ganz unterworfen, deren Herrscher er hätte sein sollen. Dann erst sind seine Verbrechen in einem Grade gestiegen, woran er ohne Furcht nicht mehr denken kann. Ja Mensch, seit deinem Falle bist du tausendmal schuldvoller geworden! Bei deinem Falle wurdest du der Betrogene und das Opfer, nach deinem Falle bist du das allgemeine Werkzeug des Bösen, der vollkommene Sklave deines Feindes geworden. Und wie oft endigst du nicht damit, sein Mitschuldiger zu sein? Und in diesem Zustande musst du dennoch die Welt auf ihrem Schmerzenslager aufsuchen und ihr das Leben wieder geben, das ihr fehlt, ohne zu vergessen, dass der erste Plan deiner ursprünglichen Bestimmung noch zu erfüllen bliebe. O Mensch, halte ein mitten in dem Abgrunde, worein du dich gestürzt hast, wenn du nicht noch tiefer hineinstürzen willst! Bedenke, dass deine Aufgabe einfach war, als du aus der Hand deines Schöpfers hervorgingst! Bedenke, dass sie durch deine Unvorsichtigkeiten und durch deine Gräueltaten dreifach geworden ist! Denn dermalen hast du zu wirken, zu erst deine eigene Wiedergeburt, zweitens die Wiedergeburt des Weltalls, und drittens musst du sodann das Amt eines Verwalters der ewigen Schätze antreten, und die lebendigen Wunder der Gottheit anbetend bewundern. In der physischen Ordnung sehen wir, dass die Heilmittel erst nach den Krankheiten kommen, und die Krankheiten erst nach der Gesundheit. Wenn nun aber in dieser Ordnung durch die Krankheiten die Heilmittel hervorgebracht oder gefunden werden, so muss es ebenso in der geistigen und moralischen Ordnung des Menschen sein, und wenn in diesem Bereiche seine Gesundheit gleicherweise seinem Krankheitszustande vor ausging, so mussten seine Gebrechen ihm ebenso dienen, die entsprechenden Mittel aufzusuchen, wie die Ärzte sie für unsere physischen Krankheiten aufsuchen. Der erste Grad des Heilverfahrens, welches der Mensch bei sich anwenden muss, ist also, die alten, verdorbenen und nicht zu ihm gehörigen Säfte, die sich seit seinem Falle auf ihm gelagert haben, von sich abzuscheiden; und diese Säfte sind solche, die sich im Menschengeschlechte durch die verschiedenen Verirrungen der Nachkommen des ersten Menschen festgesetzt haben; diejenigen, die wir von unsern Eltern durch den falschen Einfluss entarteter Generationen überkommen; endlich diejenigen,die wir selbst durch unsere Nachlässigkeiten und durch unsere täglichen Pflichtvergessenheiten sich in uns aufhäufen ließen. So lange wir also diese verschiedenen Säfte nicht alle von uns gebannt haben, können wir nicht einmal anfangen, auf dem geraden Wege unserer Wiederherstellung zu wandeln, welcher vorzüglich darin besteht, die dichte Region der Finsternis zu durchdringen, worin der Sündenfall uns gestürzt hat, und in uns das natürliche Elixir wieder zu erzeugen, durch welches wir die Sinne des ohnmächtig gewordenen Universums wieder neu beleben könnten. Mensch, so stellt sich dir hier ein neues Amt dar, wenn du folgen willst. Es handelt sich nicht mehr darum, zu wissen, ob du von der geistigen Natur deines Seins überzeugt bist; von deinen wesentlichen Beziehungen zu deinem Urheber, von deiner Gesunkenheit durch eine erste freiwillige Verirrung, von jener brennenden Liebe deiner erzeugenden Quelle, die sie nach deinem Falle bewegte und noch immer beweget, zu kommen, um dich mitten aus der ekelhaftesten Unreinheit herauszuziehen, ein Wunder, das der Mensch, der dem Strome der Welt folgt, und diejenigen, die nicht umkehren, nicht fassen können, obgleich sie es fühlen, so wie das Kind, welches fällt, wohl die Hand fühlt, die es aufrichtet, aber diese nicht sehen kann, ohne sich umzuwenden , endlich von der Unzahl der Zeugnisse aller Art, die zu Gunsten dieser Fundamental-Wahrheiten sprechen, und die durch sich selbst bewährt sind; es handelt sich nicht mehr darum, sage ich, sich bei all‘ diesen Punkten aufzuhalten, ohne welche weiter zu gehen, ich dich warnte, und, ohne welche du folglich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bis hieher gekommen wärst. Es handelt sich vielmehr darum, zu sehen, ob du dein Wesen von allen sekundären Unreinigkeiten geläutert hast, die wir seit unserm Falle täglich annehmen, oder ob du wenigstens ein Verlangen in dir fühlst, dich um jeden Preis davon zu befreien, und in dir jenes durch das erste Verbrechen erloschene Leben wieder anzuzünden, ohne welches du weder ein Diener Gottes, noch ein Tröster des Weltalls sein kannst. Bemühe dich sogar zu fühlen, dass vielleicht die einzige Wissenschaft, die erlernt werden möchte, die wäre, sündenfrei zu werden. Denn wenn der Mensch dahin gekommen wäre, so möchte es vielleicht geschehen, dass er ganz natürlich alle Wissenschaft und alles Licht offenbarte. Prüfe dich, also ernstlich über dieses neue Amt, und hast du nicht alle Früchte deiner sekundären Verirrung aus dir verbannt, und zugleich auch die kleinste dem Werke fremde Neigung in dir entwurzelt, ich wiederhole es dir ausdrücklich, so gehe nicht weiter. Das Werk des Menschen fordert neue Menschen. Diejenigen, die nicht dahin gelangt sind, werden vergebens versuchen, in die Einrichtung des Baues aufgenommen zu werden ; wenn sie diese Steine an ihrem Platze abliefern werden, wird man sehen, dass sie weder Politur, noch die erforderliche Dimension haben; man wird sie in die Werkstätte zurücksenden, bis sie in einem Zustande sind, worin man sie gebrauchen kann. Es gibt ein Merkmal, um zu wissen, ob man in der Tat jene Entäußerung vollbracht, wovon ich so eben sprach. Nämlich zu beobachten, ob man sich über jede andere Furcht und jede andere Unruhe, welche sie auch sei, erhaben fühlt, außer der, sich nicht durchweg mit dem Impuls der göttlichen Tätigkeit eingemündet zu fühlen. Wenn wir weit entfernt, unsere besonderenÜbel hier in der Welt als ein Unglück anzusehen, vielmehr eingestehen, dass wir keines erfahren können, das wir nicht verdient hätten, und dass alle diejenigen, welche wir nicht erfahren, eben so viele Gnaden sind, die an uns ausgeübt, und eben so viel Nachsichten, die unserer Schwachheit erwiesen werden; so zwar, dass wir statt uns zu beklagen, dass uns unsere Freuden und unser Trost in dieser Welt geraubt, wir damit anfangen sollten, zu danken, dass sie uns nicht früher genommen, und dass noch welche übrig seien, die uns gelassen worden. Diese beiden Ämter, die wir so eben besprachen, als erfüllt vorausgesetzt, so sind sie die Initiative zur Wiederherstellung des Menschen in seine Rechte, Kräfte und ursprünglichen Ansprüche. Wir bemerken, dass wir an unserem materiellen Leibe oft Schmerzen in Gliedern fühlen, die wir nicht mehr haben. Da wir nun aber von dem, was unseren wahren Leib ausmacht, kein einziges Glied mehr besitzen, so ist das erste Zeugnis, welches wir von dem Dasein unseres geistigen Wesens haben können, dieses, dass wir, sei es nach einander, sei es auf einmal, lebhafte Schmerzen in allen jenen Gliedern fühlen, die wir nicht mehr haben. Das Leben muss alle Organe, die wir in Verfall kommen ließen, wieder neu erzeugen, und das kann nur geschehen, in dem es sich durch seine erzeugende Kraft allen fremden und geschwächten Organen substituirt, die heutzutage unser Wesen ausmachen. Wir müssen es fühlen, dass der Geist uns von Kopf bis zu Fuß gleichsam wie mit einer starken Pflugschaar durchfurcht, welche die alten Baumstämme, die in unseren Acker festgewucherten Wurzeln, sammt allen fremden und zahlreichen Körpern, die sich unserem Wachstume und unserer Fruchtbarkeit entgegenstellen, ausrottet. Es muss alles, was auf dem Wege des Reizes und der Verführung in uns hineingegangen ist, auf dem Wege des Schmerzes und des Losreißens hinausgehen. Nun aber ist das, was in uns hineingegangen ist, nichts geringeres, als der Geist dieser Welt selbst, mit allen seinen Essenzen und allen seinen Eigentümlichkeiten; sie haben dort Früchte in Menge getragen und sich in ätzende Salze und vergiftete Säfte verwandelt, und sich derart verdichtet, dass sie von uns nur durch gewaltsame Mittel und übermäßige Verdunstungen ausgeschieden werden können. Mensch, diese Wesenheiten und diese Eigentümlichkeiten der Welt haben sich deines ganzen Seins bemächtigt, deswegen müssen sich die lebendigen Schmerzen der Wiedergeburt deinem ganzen Sein fühlbar machen, bis jene falschen Grundlagen und Quellen deiner Abwege, deiner Finsternisse und deiner Beängstigungen verschwunden sind und sie durch den Geist und die Essenz einer anderen Welt ersetzt werden können, von der du süßere und heilsamere Früchte zu erwarten hast; das heißt: durch die Früchte der ersten und wahrhaften Welt, die Jacob Böhm mit dem Namen des reinen Elements bezeichnet. Denn wenn du einfach deinen physischen Zustand in dieser Welt beobachtest, so kannst du nicht bezweifeln, dass alle diese schmerzhaften Grundlagen in dir sind, und dass sie durch die täglichen Bedürfnisse, die du fühlst, und durch die fortwährenden Sorgen, die sie dir verursachen, gleichsam dein Wesen ausmachen. In der Tat aber leuchtet es ein, dass deine Tage verwendet werden, dich über Kälte, über Hitze, über Finsternis, selbst über jene hohen Sterne zu stellen, die du durch deine kühnen Wissenschaften und durch Hilfe deiner optischen und astronomischen Werkzeuge deiner Herrschaft untertan zu machen scheinst. Dieses beweiset hinlänglich, dass deine Stellung nicht allem diesem Wechsel, nicht allen jenen Einflüssen, die dich quälen, noch allen jenen herrlichen Werken der Natur unterworfen war, die trotz ihrer Pracht genötigt sind, eine Stelle nach dir unter den Wesen einzunehmen. Da alle diese fremdartigen Grundlagen sich deinem innersten Wesen selbst eingeimpft haben, so müssen sich auch in deinem innersten Wesen die wahrhaften Schmerzen fühlbar machen; dann entwickelt sich schmerzhaft der wahre Sinn der Demut und der Zerknirschung, der uns Seufzer auspresst, weil wir uns an Wesenheiten gebunden fühlen, die so wenig zu uns gehören. Dann lernst du, auf Erden umher wandern, wie auf einem mit Gräbern besetzten Wege, wo du keinen Schritt tun kannst, ohne Tote zu hören, die von dir das Leben verlangen. Dann ziehst du durch deine Seufzer und durch deine Leiden die Substanz des Opfers an, worauf das Feuer des Herrn nicht umhin kann, herabzufallen, welches zugleich das Opfer verzehren und den Darbringer neu beleben muss, indem es ihm mächtigere Stützen oder anhaltendere Kräfte zur Fortsetzung der Allgemeinheit seines Werkes verleihet. Denn durch unsere Vereinigung mit dieser lebendigen und sanften Substanz des Opfers beginnt unsere Wiedergeburt. Die reinigenden Schmerzen, von denen wir so eben sprachen, können nur die Initiative dazu sein, weil es ihre Aufgabe ist, alles von uns abzuschneiden, was uns schädlich ist, aber nicht, uns das zu geben, was uns fehlt. Sobald wir uns nun durch diese schmerzliche Amputation ganz zerrissen fühlen, und das Blut aus allen unseren Wunden fließt, dann ist der Augenblick da, wo der heilende Balsam kommt, es zu stillen, wo er sich zu allen unsern Wunden neigt, und in alle Kanäle einfließt. Da es nun aber das Leben selbst ist, welches dieser Balsam uns bringt, so fühlen wir uns alsbald in allen unseren Fähigkeiten, in all‘ unseren Kräften und in allen tätigen Prinzipien unseres Seins wiedergeboren.

Denn alle diese tätigen Prinzipien unseres Seins sind so sehr beschwert durch das Gewicht der Welt, und so sehr ausgedorret durch das Feuer, das sie innerlich verbrennt, dass sie im Brande ihrer Ungeduld die einzige Erfrischung erwarten, welche ihnen die Bewegung und die Tätigkeit wiedergeben könnte. Diese Erfrischung macht sich klein mit den Kleinen. Auch beginnt sie sehr schwach für den Menschen, der so schwach und so klein ist; ihre Sorge und ihre Liebe geht so weit, sich mit uns zum Kinde zu machen, weil wir noch geringer sind, als Kinder, und weil sie im Allgemeinen zu einem jeden Akte unseres Wachstums eine Stufe einnehmen muss, die der unseren nahe steht. Sie macht es mit uns, wie eine Mutter mit ihrem Kinde, welches verwundet oder an irgend einem Gliede leidend ist; sie strengt alle ihre Gedanken an, die Mittel aufzufinden, um es zu heilen; sie begibt sich, so zu sagen, ganz in diese Wunden und in diese leidenden Glieder. Aber sie begibt sich dahin, indem sie gleichsam deren Form annimmt, und indem sie sich selbst dem substituirt, was in ihrem Sohne schwach oder zerbrochen ist, kurz sie begibt sich gewissermaßen mit der erfinderischen Tätigkeit ihrer schöpferischen Seele hinein; und für diese tätige Zärtlichkeit ist ihr Nichts zu mühsam, Nichts zu klein, Alles, was heilsam sein kann, scheint ihr auch notwendig. Diese Mittel jeder Art und für jedes Maß abgestuft, wirken in den wiederherstellenden und durch das wahre Wort geleiteten Zungen. Die verschiedenen Wunder, welche dabei vorkommen, schließen mehr oder weniger jene Tätigkeit ein, die den Bedürfnissen der Zeitalter angemessen sind, worin sie erscheinen. Denn jene Erfrischung, nach der wir alle schmachten, obgleich sie unmittelbar in uns einkehren kann, verschmähet es dennoch nicht, auf allerlei Wegen in uns einzukehren, und die wiederherstellenden Zungen mit allen ihren Benennungen und Ausdrücken, die sie umfassen, sind eines der Mittel, die sie zumeist liebt und die sie vorzugsweise anwendet. Niemand wird sich über die Notwendigkeit wundern, dass diese lebendige und tätige Kraft in uns eingehen muss, um uns zu ihrem Werke vorzubereiten. Wer den Zustand der Dinge kennt, fühlt es, dass wir lebendig und mächtig werden müssen, damit dieses Werk erfüllt werde, weil das Böse eine Macht und keine bloße Geschichte ist. Nicht durch Reden zerstört man dessen Herrschaft, weder in der Natur, noch im Geiste des Menschen. Mögen die Menschen und die Gelehrten noch so viel reden, deswegen flieht das Übel nicht; im Gegenteil es macht unter dem Schutze dieses scheinbaren Mittels nur größere Fortschritte. Wenn in diesem Zustande des Todes, worin die Welt und alle gesunkenen Regionen schmachten, nicht überall eine Lebenssubstanz verbreitet wäre, könnten wohl die Dinge darin bestehen, von welcher Art oder von welcher Ordnung sie auch sein mögen? Gewiss ist es diese Lebenssubstanz, die ihre Zerstörung hindert, und sie mitten zwischen allen diesen Stößen und Erschütterungen, die sie fortwährend erfährt, erhält. Sie ist es, welche die Natur gegen die, feindlichen Kräfte erhält, die sie anfallen; sie ist es, welche die ganze Welt erhält, trotz der Finsternis, die sie umgibt, so wie die Sonne es ist, welche die Erde erhält trotz der Wollen, die sie so oft unseren Blicken entziehen. Sie ist es, welche die politischen Nationen erhält, trotz der Unordnungen und der Verheerungen, die sie fortwährend untereinander und gegen einander anstiften. Sie ist es, welche den Menschen erhält mitten in seiner Unwissenheit, seinen Ausschweifungen und den Greueltaten, die er fortwährend um sich verbreitet. Diese Lebenssubstanz kann nur das ewige Wort sein, welches, indem es nicht aufhört, sich selbst zu erschaffen, wie es die Schriften Jacob Böhms weitläufig lehren, ebenso nicht aufhört, durch seine Macht alle Regionen zu erhalten, die es erschaffen hat. Diese Substanz ist überall in tiefen Abgründen verhüllt und seufzet jeden Augenblick nach Befreiung, und zwar, ohne dass die Natur es gewahrt; und weil diese Lebenssubstanz nicht aufhört zu seufzen, so bestehen die Dinge trotz der Größe und Fortdauer der Greueltaten, die sie beflecken, sie umgeben und sie hindern; und diese Schmerzen sind der Art, dass, erzählten wir sie den Geistern, sie weinen und vor Schmerz vergehen würden. Da aber die Seele oder der Grundheerd des Menschen der erste und der Hauptsitz dieser Substanz ist, so sucht sie besonders in ihr sich zu entwickeln und sich zu zeigen. Und wenn der Mensch durch seine beharrliche Tätigkeit mit ihr gleichen Schritt hielte, wenn er es fühlte, dass er seiner ursprünglichen Natur nach nichts geringeres als ein Tempel Gottes ist, worin die Wahrheit jeden Augenblick der ewigen Quelle aller Dinge reinen Weihrauch darbringen möchte, so würde er ohne Zweifel bald sehen, wie diese Substanz des Lebens in ihm zahlreiche Wurzeln werfen und auf ihn und um ihn zahlreiche Zweige ausbreiten würde, die mit Blüten und Früchten beladen wären. Bald würden die Geister, berauscht von den Süßigkeiten, die wir ihnen verschafften, die Liebe so weit ausdehnen, dass sie die Schmerzen vergessen, die wir ihnen zuvor durch unsere Verirrungen verursachten. Denn ein jeder Akt dieser Substanz ist eine Blüte, die in der Wurzel unseres Seins oder mit dem anfangen muss, was man unfern Geisteskeim nennen könnte. Von da geht sie in das Leben unseres Geistes oder unserer Intelligenz über, und dann in das Leben unseres Leibes, und da jedes dieser Dinge au seine ihm entsprechende Region gebunden ist, so muss jede Blüte, die sich in uns entwickelt, sich ihrer besondern Atmosphäre mitteilen. Da aber diese Substanz in diesen drei Theilen nur wirken kann, um uns überall ein neues Leben zu geben, so kann sie dieses große Werk nur durch eine dreifache Umwandlung verrichten, indem sie uns eine neue Seele, einen neuen Geist und einen neuen Leib gibt. Diese Umwandlung kann nur durch schmerzhaste Operationen bewirkt werden, weil sie nur gefördert werden kann durch einen Kampf dessen, was gesund, gegen das, was krank ist, und durch den physischen Akt des wahren Willens gegen unseren falschen Willen. Auch bewirkt unser Wille nichts, wenn er nicht vom göttlichen Willen selbst gleichsam eingeflößt ist, welcher der einzige ist, der das Gute will, und der es hervorbringen kann, eine Bemerkung, die scheinbar einfach, die aber darum nicht minder fruchtbar und geistig ist. Durch diese verschiedenen Akte gelangt das Leben dazu, der verdorbenen Essenz unserer Seele, unseres Geistes und unseres Leibes eine reine Essenz zu substituiren. Hierdurch ist unser Verlangen nur eins mit dem göttlichen Verlangen, oder mit dem, was ich den göttlichen Hunger nach der Offenbarung und nach der Herrschaft der Wahrheit in der Welt nennen könnte. Hierdurch ist unsere Intelligenz mit dem göttlichen Auge, welches eben so gut zurück, wie vorwärts schaut, nur eins. Hierdurch endlich fühlt der Mensch, indem der Leib alle Substanzen der Lüge, der Verderbnis, der Befleckung, die sein Wesen ausmachen und begründen, vernichten lässt, wie sie durch klare Substanzen ersetzt werden, welche bewirken, dass er in allen diesen Punkten wie ein Transparent eben so vieler göttlichen Erleuchtungen und Wunder ist; so wie die materiellen Körper die Transparente der natürlichen Wunder sind; und dieses müssen diejenigen hoffen, die da glauben, dass diese Lebenssubstanz keine unfruchtbare Substanz sei. Überdies, wenn sie glauben, dass es keine unfruchtbare Substanz sei, so zeigt sich ihnen hier die Aufgabe, die ihnen allen auferlegt ist, wenn sie ihre frühere Existenz wieder gewinnen und deren Bestimmung erfüllen wollen. Wie sollte diese Lebenssubstanz eine unfruchtbare Substanz sein? Sie geht hervor aus jener erzeugenden Bewegung, und hat auch Teil an ihr, aus jener Bewegung ohne Zeit, in welcher die Triebfedern folglich nicht getrennt sein können, ohne dass eine Lücke entstände, in welcher jedoch die Triebfedern unterschieden sein müssen, weil sonst weder Leben noch Verschiedenheit der Wunder darin sein würde. Mensch, Mensch, der du fähig bist, solche erhabene Dinge zu begreifen! Befeure dich, denn auch dir ist es gegeben, sie zu erreichen, und sie in der Art mit deinem ganzen Sein zu identifizieren, dass ihre Region und die deinige nur dieselbe Region sind und dieselbe Sprache besitzen. Alsdann bemächtiget sich des Menschen der Hunger nach dem Göttlichen, und dieser göttliche Hunger, indem er uns deutlich den Unterschied unserer beiden Substanzen fühlen lässt, erneuert alle unsere Inbrunst und ordnet demgemäß alle unsere Bewegungen. Wir atmen nur noch für einen einzigen Gegenstand, nämlich, um die Substanz des Lebens nicht welken und erlöschen zu lassen, welche dieser göttliche Hunger uns täglich in großem Überflusse darbietet; kurz, zu hindern, dass diese göttliche Substanz nicht unter die Fesseln und unter das Joch der Tyrannei kommen, die in uns wohnen. So müsste sogar der Geist unserer Nahrungsordnung beschaffen sein, und wäre der Mensch vorsichtig, so würde er sich nie erlauben, seine materiellen Mahlzeiten einzunehmen, ohne zuvor den göttlichen Hunger in sich erweckt und in sich gefühlt zu haben. Hierdurch würde er jene so verhänginsvolle und in unserer Finsternis so oft stattfindende Unziemlichkeit vermeiden, durch welche wir diesen göttlichen Hunger immer mehr durch unsere Nahrungsmittel in uns ersticken, während doch unsere Nahrungsmittel nur angesehen werden sollten als bestimmt, zur Erneuerung unserer leiblichen Kräfte zu dienen, damit wir sodann eifriger jenen göttlichen Hunger suchen und dessen Feuer ertragen, wenn er kommen sollte, sich in uns in seiner ganzen Heftigkeit zu entzünden und uns so sehr zu substantiren , dass dadurch unser leiblicher Hunger weniger dringend würde. Auch gibt es zwei Stufen in dieser Nahrungsordnung. Die eine ist dem Fleiße unserer vergeistigten Intentionen überlassen und sollte die aller Tage sein, ohne dass es jedoch Zeiten, Stunden oder Alimente gäbe, die ihr zu untersagen oder anzuweisen wären, da dieser Fleiß es ist, der alles ordnen muss. Die andere aber ist die des tätigen Werkes, welche uns unsere Stelle anweiset, und es für angemessen hält, uns in ihren Dienst zu nehmen, weil sie uns alsdann zugleich als Führer und als Stütze dient. Was ich eben in Betreff der ersten Stufe unserer Nahrungsordnung des Unterhalts gesagt, lässt sich von allen Akten unseres zeitlichen Lebens sagen, denen wir uns niemals hingeben sollten, bevor wir nicht den göttlichen Hunger in uns erweckt; denn da jener göttliche Hunger uns die wahre Lebenssubstanz verschaffen muss, so müssen wir kein anderes Ziel haben, keinen andern Reiz, keinen anderen Gedanken, als niemals diesen göttlichen Hunger vorübergehen zu lassen, durch welchen allein sich in uns die Wunder Gottes offenbaren können; wir müssen uns im Gegenteil damit beschäftigen, ihn immer in uns anzuregen, damit ihm die köstliche Freude werde, sich mit der Substanz des Lebens zu sättigen. Es wird dich nicht überraschen, Mensch, wenn ich dir hier sage, dass diese Lebenssubstanz sich nur im Schmerze einer angstvollen Bitterkeit findet, oder in einer tiefen und vollständigen Trostlosigkeit über unsere Verirrungen, über unsere Beraubung, über die Verirrungen und wirklichen Beraubungen unserer Nebenmenschen, über das Unglück derer, die leiden, und noch mehr über das Unglück derer, die nicht leiden; über den Grabeszustand der Natur und über die kläglichen und anhaltend scharfen Schmerzen des allgemeinen Wortes, das durch uns überall das Gleichgewicht und die Ganzheit herzustellen sucht, während wir nach der Seinsweise, die wir uns durch die Sünde schufen, das Herz Gottes in uns, wie auf seinem Schmerzenslager festhalten, und wie in einem Grabe, in welchem die größte Verwesung ist. Warum ist nun aber die Trostlosigkeit die erzeugende Quelle der Lebenssubstanz? Weil nur diese Trostlosigkeit gegenwärtig die erzeugende Quelle des Wortes für uns ist, so wie wir sehen, dass in unseren Krankheiten unsere Leiden es sind, die uns den Schrei auspressen, und dass nur aus dem Schrei die Linderung und Hilfe hervorgeht, die uns zu Teilwird. Deswegen braucht der Mensch, der zum Werke berufen ist, sich nicht mehr umzusiedeln, noch den Ort zu verändern, weil überall das Übel und das Mittel zu finden ist, und der Mensch nichts anders zu tun braucht, als zu schreien; denn nicht der Wechsel des Ortes hier auf Erden, sondern der Wechsel des geistigen Ortes ist uns nützlich. Auch ohne uns von unserer materiellen Stelle zu rühren, sollten wir immer schmerzlich die geistige, kalte und finstere Stätte, die wir bewohnen, betrachten, damit wir unsere Wohnungen in einer wärmern, lichtern und heilsameren Gegend aufschlügen. Seitdem wir uns den geistigen Klimaten unterworfen haben, sind wir diesen verschiedenen Temperaturen ausgesetzt. Ursprünglich waren wir für ein reines und gleichmäßiges Klima bestimmt, wo eine milde Temperatur und ein fortdauernder Frühling war. Sobald wir bemerken, dass die Welt ohne Wort ist, hält es nicht schwer zu beobachten, dass dies eines der Hauptursachen der Qualen ist, die sie erleidet. Denn jene heftige Sehnsucht, die sie ermattet, jenes mephistische Gift, das sie zernagt, und das wir als nur durch die Sünde und durch die Nachlässigkeit des ersten Menschen in seine Substanzen eingetreten erkannt haben, alle diese Hemmungen, sage ich, würde sie nicht fühlen, wäre sie nicht des Wortes beraubt, weil sie alsdann durch sich selbst die nötige Kraft haben würde, deren Annäherung zu hindern, oder sie zu verscheuchen, wenn sie sich einmal genähert. Es ist also jene Beraubung, die es in der That verursachet, dass die Natur in fortwährender Qual ist, oder in dem, was von den Geistmenschen Eitelkeit genannt ward. Jene Menschen wussten es, dass das Wort alles erfüllen sollte, und sie klagten darüber, dass es etwas gäbe, worin sich das Wort nicht zeige. Sie wussten, dass, da die Welt leer und ohne Wort sei, dass sie für sie keine Bedeutung haben könne, weil Gott allein alles erfüllt und alles ausspricht; dass also dasjenige, welches nicht an der Fülle seines göttlichen Wesens Teil nimmt, nicht anders, als die Kehrseite seiner allgemeinen Eigenschaften zeigen könne. Sie wussten es, dass der Mensch ohne Vorbereitung nicht beten könne, das heisst, ohne dass feine Atmosphäre von dem Worte erfüllt, oder vielmehr im höchsten und vollständigsten Sinne, ohne dass das Wort der Welt wiedergegeben sei. Auch klagten sie in ihrer Traurigkeit, und sie sprachen im Namen des Menschen: Die Welt, dieses herrliche Bild, das wir mit Entzücken bewundern würden, wenn wir nicht fühlten, was ihr fehlt, diese Welt ist ohne Wort, sie kann nicht Anteil nehmen am Gebet, sie ist sogar dem Gebet ein Hindernis, weil wir nur mitten unter unsern Brüdern beten können. Ach wir können also erst ungestört beten, wenn die Welt untergegangen ist! Und das Ende der Dinge müssen wir abwarten, um jener Glut, die uns drängt, freien Lauf zu lassen! Wer könnte bei diesem Schmerze stehen bleiben! Sie brachten ihre Tage in Angst dahin! Mensch, da du in der Welt bist, so erfährt sie nicht ein einziges Leiden, was du nicht auch deinerseits fühlen und teilen könntest, weil sogar dein Leib an den Einflüssen und an den verschiedenen Temperaturen Teil nimmt, von denen die Elemente zugleich Quellen und Werkzeuge sind! Ja du bist empfänglich, die Schmerzen der Welt zu empfinden, weil du fähig warst, sie zu veranlassen, und nur insofern, als es dir gestattet ist, an ihren Schmerzen Teil zu nehmen, wirst du an der Entwicklung ihrer zurückgedrängten Kräfte und Vermögen mitwirken; nur durch Bewegungen, die mit ihren Leiden in Verhältnis; stehen, kannst du dazu gelangen, sie zur Freude zurückzuführen, und hoffen für dein Gebet einen freien Weg wiederzufinden. Du musst sogar eines Tages in die Qualen des Geistes und in die Qualen Gottes und des Wortes eingehen, eben sowohl in der besondern als in der allgemeinen Ordnung; denn die Rechte deines Seins fordern dich auf, gleichmäßig durch solche Bewegungen mitzuwirken, die in diesen beiden Regionen einander entsprechen; dann wirst du in deiner Wiedergeburt fortschreiten, und das Werk wird für dich wachsen. Der Mensch findet gemeiniglich etwas Feierliches und Majestätisches in einsamen Gegenden, die mit Wäldern bedeckt, oder von einem breiten Flusse durchströmt werden. Jene ernsten und imposanten Bilder scheinen ihre Herrschaft über ihn zu vergrößern, wenn er sie im Schatten oder in der Stille der Nacht betrachtet.

Aber auch andere Eindrücke kann er von ihnen empfangen, und Beobachtungen anderer Art anstellen; nämlich, dass das Schweigen aller dieser Gegenstände der Seele einen schmerzlichen Eindruck macht, der uns deutlich die wirkliche Ursache dessen zeigt, was wir oben mit dem Namen Eitelkeit bezeichneten. In der Tat, die ganze Natur gleicht einem stummen Wesen, das durch seine Bewegung, so gut es kann, die Hauptbedürfnisse uns schildert, von denen es verzehrt wird, da ihr aber das Wort fehlt, so bleibt ihr Ausdruck immer hinter ihrem Verlangen zurück, und lässt stets selbst mitten durch ihre Freuden einen gewissen ernsten und traurigen Zug durchblicken, der uns hindert, unsere eigenen Freuden zu genießen. Auch fühlt man wirklich mitten unter diesen großen Gegenständen, daß die Natur unmutig ist, weil ihr die Sprache verwehrt ist, und eine Sehnsucht, welche die Melancholie überwiegt, folgt der Bewunderung in uns, wenn wir unserer Seele jenen schmerzlichen Gedanken öffnen. Dieses reicht hin, uns begreiflich zu machen, dass alles reden sollte, wie auch die Ueberzeugung, daß alles reden sollte, uns den Beweis gibt, dass alles flüssig und durchsichtig sein sollte, und dass die Verfinsterung und die Stockung die Grundursachen des Schweigens und des Unmuths der Natur sind. Was, o Mensch, ist also dein Aufenthalt mitten unter all‘ den Gegenständen, die weder Freude noch das Wort offenbaren? Und dieses so dringende Bedürfnis, das du nach dem Worte und nach der Freude fühlst, zeigt es dir nicht den Endzweck und das Ziel, was deiner wartet, wenn du von dem Kerker dieser Natur wirst befreiet sein, so wie auch die Art deiner Stellung, die du im Weltall auszuüben hast, wenn du immer die Absicht und die Hoffnung, ihr Tröster zu sein, festhälst? Erforsche den Grund der allgemeinen Ausdünstung der Natur; dieses Öl der Bitterkeit wird dich mächtig genug lehren, dass diese ganze Natur nur ein konzentrierter Schmerz ist. Aber obgleich die Natur zum Unmut und zum Schweigen verurteilt ist, so kann man doch bemerken, dass sie bei Tage lauter spricht, als bei Nacht; eine Wahrheit, welche die geringste Erfahrung dir bestätigen wird; leicht wird deine Intelligenz dich den Grund lehren. Sie wird dich lehren, dass die Sonne das Wort der Natur ist, daß, wenn sie sich ihrer Gegenwart entziehet, sie nicht mehr des Gebrauchs ihrer Fähigkeiten genießt, dass aber, wenn sie ihr das Leben durch ihre feurigen Worte wiedergibt, sie ihre Kräfte verdoppelt, um alles zu offenbaren, was jene in sich hat. Alle Wesen, die ihre Bestandteile ausmachen, streiten als dann, welches von ihnen am besten den Eifer und die Tätigkeit beweisen soll, der sie drängt, um durch ihre Wirkung zum Lobe und zum Ruhme dieser unaussprechlichen Quelle des Lichtes beizutragen. Hierdurch weisen sie uns hinlänglich die Arbeit an, die wir in dieser Welt zu verrichten haben, und, was unser wartet, wenn wir aus diesem Hause des Wechsels werden ausgegangen sein, welches nur ein Grab der Ewigkeit, und woselbst es unsere Aufgabe ist, unsere fremden Münzen gegen Landesmünze umzutauschen, nämlich den Tod gegen das Leben. Tröstet euch ihr Menschen der Sehnsucht, wenn das Verstummen der Natur die Ursache des Unmuts ist, den sie offenbart; für euch gibt es nichts Beredsameres, als dieses Schweigen! Denn es ist das Schweigen des Schmerzes und nicht das der Unempfindlichkeit. Je aufmerksamer ihr diese Natur betrachtet, je mehr werdet ihr erkennen, dass, wenn sie auch ihre Augenblicke der Trauer, sie auch ihre Augenblicke der Freude hat, und ihr allein besitzet die Gabe, sie zu entdecken und sie zu würdigen. Sie fühlt das Leben heimlich durch ihre Adern strömen, und sie ist sogar bereit, durch euer Organ die Töne des Wortes zu hören, das sie aufrecht erhält und als unübersteigliches Bollwerk dem Feinde entgegenstellt.

Sie sucht in euch das lebendige Feuer, welches dieses Wort aushaucht, und welches durch euch allen ihren Wunden einen heilenden Balsam darbietet. Ja, obgleich der irdische Mensch nur das Schweigen und den Unmut der Natur wahrnimmt, so sind die Menschen der Sehnsucht doch gewiss, dass alles in ihr lobsinget und durch erhabene Lobgesänge ihre Befreiung ankündet. Auch verkündet ihr in eurem heiligen Eifer und durch die höchsten Befehle, dass zuvor Alles im Menschen lobsingen muss, um zu dieser Befreiung mit beizutragen, damit alle Menschen der Erde einst sagen können, wie ihr: Alles lobsinget in der Natur. Ihr seid wie die Vorläufer dieses Reichs der Wahrheit, wonach die Ordnung der Dinge seufzet. Ihr schreitet in dieser majestätischen und göttlich wiederherstellenden Progression, die in jeder Epoche die entgegengesetzte Progression so strafbar macht. Daher kommt es, dass, indem das Böse die Substanz des Lebens bei einer jeden jener großen Perioden des Lebens verschlingt, die seit dem Anfange der Dinge begonnen haben, und erst in den letzten Stunden enden werden, es nicht aufhört, sich von der Ungerechtigkeit und der Sünde zu nähren, bis sein Maß erfüllt, und es dem Ausspruche seines Gerichtes übergeben sein wird. Denn während der Dauer der Zeiten ist es nur in der Beraubung. Noch dazu hat es wohl gewusst, die Grenzen seines Gefängnisses dadurch zu erweitern, dass es seinen Kerkermeister bestach, welcher der einzige war, durch welchen es Kenntnis von dem erlangen konnte, was draußen vorging. Aber mitten zwischen diesen schmerzlichen Fortschritten des Feindes triumphiret ihr im voraus, weil ihr die wiederherstellende Progression nach dem Ziele der Glorie und des Sieges fortschreiten sehet. Ihr höret, wie sie im Voraus den Urteilsspruch über den Verbrecher verkündet, der ihn noch nicht kennt, und dem er bis zum Augenblicke seiner festgestellten Strafe unbekannt bleiben wird. Endlich höret ihr, wie sie im Voraus in der ganzen Natur und in der Seele der Menschen der Wahrheit ihre Loblieder singet, die jedes Sehnen und Ahnen und jede Arbeit des Gebetes krönen werden. Denn wenn es wahr ist, dass in der Natur Alles lobsinget, so ist es noch wahrer, dass Alles darin betet, weil Alles darin in der Arbeit und in der Qual ist. Wie könnte man zur Erleichterung eines Wesens angestellt sein, ohne zuvor den Bau und die Zusammensetzung dieses Wesens zu kennen? Und wie könnte man die Zusammensetzung und den Bau desselben wirklich kennen, wenn man nicht die verschiedenen Substanzen kennt, woraus es besteht, sowie die Eigenschaften und die Eigentümlichkeiten, die mit diesen Substanzen verbunden sind? Endlich wie sollte man die Eigenschaften und die Eigentümlichkeiten kennen, die mit diesen Substanzen verbunden sind, wenn man nicht die Grundquellen kennt, aus denen diese Substanzen ihren Ursprung nehmen? Statt tief diese Grundlage zu untersuchen, ließen die Menschen ihre Gedanken ins Blaue hinein über müßige Fragen herumschweifen, die sie nichts lehren konnten, und die sie eben so weit vom Wege abzogen, als sie ihn hätten verfolgen müssen. Hierzu gehört z. B. die kindische Frage über die Teilbarkeit der Materie, die gleichsam alle Schulen in der Kindheit festhält. Nicht die Materie ist bis ins Unendliche teilbar; die Grundlage ihrer Wirksamkeit ist es, oder wenn man will, die spirituösen Kräfte, die man den Geist der Materie nennt, oder den Astral-Geist nennen kann. Diese Kräfte sind unzählbar. Von dem Augenblick an, wo sie sich in sinnliche Zeichen und Figuren umsetzen müssen, fehlt es ihnen hierzu nicht an Substanzen, weil sie damit geschwängert sind, und weil sie diese in Verein mit dem elementaren Vermögen hervorbringen, mit dem sie sich verbinden. Daher kommt es, dass Alles, was hienieden eristirt, sich die Substanz seines eigenen Körpers schafft. Nun aber darf die unendliche Kleinheit der Körper, so wie sie bei gewissen Insekten vorkommt, nicht überraschen, obgleich sie für ihre Gattung vollständig organisiert sind. Alle Körper sind nur eine Verwirklichung des Planes des Astral-Geistes, und der in jedem Körper besonders wirkenden spirituösen Kraft; und hierbei muss man von einer Wahrheit ganz durchdrungen sein, nämlich: dass, da der Geist in allen Regionen keinen Raum, sondern nur Intensität in seinen Grundkräften kennt, es keine einzige spirituöse Kraft des Geistes gibt, die, wenn sie sich nicht auf materielle Weise fühlbar macht, es nicht auch ihrem verborgenen Elemente nach wäre, oder nach ihrer höhern Verkörperung, die wir oben unter dem Namen der ewigen Natur aufgeführt haben. Der Übergang von dieser Region zur materiellen Region findet nur durch die äußere Konzentration und Schwächung dieser, spirituösen Kraft des Geistes statt, über welche die elementare Gewalt ihre Rechte erstreckt, um ihr behilflich zu sein, sich ihren Leib oder ihre Hülle zu bilden. Diese Elementar macht hat in ihrem Gebiete eine vollständige Gewalt; sie übt sie mit einer allgemeinen Herrschaft über alle spirituösen Grundlagen aus, die sich ihr darbieten. Beide verbinden sich nur durch ihr Minimum, welches sich hier im umgekehrten Sinne findet, weil das Eine das Minimum der Schwächung und das Andere das Minimum des Wachstums oder der Entwickelung ist. Die spirituöse Grundlage wirkt ihrerseits durch ihre lebendige Wirkung eine Gegenwirkung auf die Elementarmacht, welches verursacht, dass nach Maßgabe dieser Grundlage sich diese Elementarmacht auch entwickelt, um ihr zu folgen, wie man es am Wachstume der Bäume und der Tiere sieht. Wenn diese Grundlage auf diesem Wege einen Grad von Kraft erlangt hat, die sie von der Herrschaft der Elementar macht befreiet, so trennt sie sich von dieser, wie man es an allen Blüten, an allen Offenbarungen von Gerüchen, von Far ben oder endlich an der Reife aller Produktionen wahrnimmt. Ein jedes verlässt seine Mutter, wenn diese nicht mehr die Kraft hat, es zurückzuhalten; alsdann fällt diese Mutter in ihr Minimum, um nicht zu sagen, in ihr Nichts zurück, weil sie keine spirituöse Grundlage mehr hat, welche sie zur Gegenwirkung bestimmt. Also erstens, die Materie ist nicht bis ins Unendliche teilbar, wenn man sie in Beziehung zur Teilbarkeit der Substanz betrachtet, eine Operation, die wir anderswo bewiesen haben, und die sogar nicht einmal beginnen kann, wie man es an organischen Körpern sieht, die nicht getheilt werden können, ohne umzukommen. Zweitens ist sie sogar nicht einmal bis ins Unendliche teilbar in einer jeden ihrer besonderen Wirkungen, weil eine jede dieser besondern Wirkungen aufhört, sobald die spirituöse Basis, die ihr als Subjekt der Tätigkeit dient, sich zurückgezogen hat. Auch ist das sich Zurückziehen oder das Verschwinden dieser selben Basis die Grenze dieser Tätigkeit. Was nun diese Teilbarkeit, abstrakt und in unseren Gedanken betrachtet, anbelangt, so ist sie noch weniger möglich, weil nur unser eigenes Fassungsvermögen dieser vorgeblichen Materie, die wir fortwährend erdichten, als Grundlage dient; und in der Tat, so lange unser Geist der Materie einen ähnlichen Halt oder einen ähnlichen Keim unterlegt, so bemächtiget sich diese Materie unseres Gedankens und dient ihn als Form und als Hülle. So lange wir bei dieser Teilbarkeit stehen bleiben, oder ihre sinnlich wahrnehmbaren Resultate betrachten, finden wir diese Teilbarkeit wirklich und möglich, weil die sinnliche Form sich immer nach der Grundlage richtet, die wir ihr geben. Aber sobald wir unser geistiges Auge von diesem Heerde der Wirksamkeit, dem wir uns nur auf intellektuelle Weise nahen können, abwenden, verschwindet diese Form, und es gibt weder für sie, noch für uns eine Teilbarkeit der Materie. Wenn die alten und neuen Philosophen seit Plato und Aristoteles bis zu Newton und Spinosa, es verstanden hätten, darauf zu merken, dass die Materie nur eine Vorstellung und ein Bild dessen ist, was nicht sie selbst ist, dann würden sie sich nicht so sehr abgemühet, noch so sehr verwirrt haben, uns zu sagen, was sie sei. Sie gleicht dem Bilde einer abwesenden Person. Man muss durchaus das Modell kennen, um sich von der Ähnlichkeit zu vergewissern. Sonst würde dieses Bild für uns nur ein Werk der Phantasie sein, über welches ein jeder nach Belieben Vermutungen anstellen könnte, ohne dass man je gewiss wäre, dass eins davon wahr sei. Nichts desto weniger gibt es in dieser Klasse der Formation der Wesen, die uns eben beschäftiget, einen wichtigen Punkt, der sich unserer Erkenntnis verschließt, nämlich: die Magie der Erzeugung der Dinge; doch sie verschließt sich uns nur, weil wir durch die Analyse zu erreichen suchen, was an und für sich nur durch einen verborgenen Eindruck begreifbar ist, und man kann selbst sagen, dass in diesem Punkte Jacob Böhm fast jeden Schleier weghob, indem er uns die sieben Formen der Natur bis in die ewige Wurzel der Dinge enthüllte. Der wahre Charakter der Magie ist, dass sie das Medium und der Übergang aus dem Zustande der absoluten Zerstreutheit oder Indifferenz (was Jacob Böhm abgrundig nennt) zudem einer irgendwie charakterisierten Versinnlichung ist, sei dieselbe nun geistig, natürlich oder bloß elementar. Die Erzeugung oder der Weg von dem nichtsinnlichen Zustande zum sinnlich wahrnehmbaren Zustande ist ununterbrochen. Sie hält die Mitte zwischen dem Zustande der Zerstreutheit und der nichtsinnlichen Dinge, und zwischen dem einer bestimmten Versinnlichung, und doch ist sie weder das Eine, noch das Andere, weil sie weder die Zerstreutheutheit als abgründlicher Zustand ist, noch die enthüllte Offenbarung als Sache, welche diese Erzeugung uns nahe bringen, und mitteilen will. In diesem Sinne hat die gegenwärtige Natur ihre Magie; denn sie enthält alles, was über ihr in der Zerstreutheit ist, oder alle astralen und elementaren Essenzen, die zur Hervorbringung der Wesen beitragen müssen; und außerdem enthält sie alle verborgenen Eigenschaften der Welt über ihr, wohin sie alle unsere Gedanken zu sammeln strebt. In diesem Sinne hat jede besondere Produktion der Natur auch ihre Magie, denn eine jede von ihnen insbesondere, wie eine Blume, ein Salz, ein Tier, eine metallartige Substanz, ist ein Medium zwischen den unsichtbaren und nichtsinnlichen Eigenschaften ihrer Wurzel in ihrem Lebensprinzip, oder in ihrer fundamentalen Essenz, und zwischen den sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften, die aus dieser Produktion hervorgehen und die auf solche Weise offenbart werden. In diesem Medium bildet sich alles aus und bereitet sich alles vor, was aus jeder Produktion hervorgehen soll; nun aber ist es der Zubereitungsort, kurz das Laboratorium, in welches wir nicht dringen können, ohne es zu zerstören, und das deswegen für uns eine wahrhafte Magie ist, wenngleich wir die Anzahl der Abteilungen wohl erkennen mögen, die zur Hervorbringung beitragen, und sogar das Gesetz, welches die Richtung ihrer Wirkung bestimmt.

Das Prinzip dieses verborgenen Weges ist in der göttlichen Erzeugung selbst gegründet, wo das ewige Medium für immer als Durchgang für die unendliche Unermesslichkeit der universellen Essenzen dient. Auf diesem Wege schwängern sich diese universellen Essenzen eine die andere, damit sie nach dieser Schwängerung sich in ihrer lebendigen Glut mit allen ihren individuellen Eigenschaften und mit denjenigen offenbaren können, welche sie sich wechselseitig durch ihren Aufenthalt im Medium oder an diesem Durchgangsorte mitgeteilt haben. Nun aber würde es ohne dieses Medium und ohne diesen Durchgangsort nichts Offenbartes geben, nichts, was uns erkennbar sein könnte. Auch ist jedes Medium der wirklichen Natur, jedes der geistigen Natur nur ein Bild dieses ewigen und ursprünglichen Mediums. Sie alle wiederholen uns nur sein Gesetz, und so ist alles, was in der Zeit ist, der Erklärer, Verkündiger und der Fortsetzer der Ewigkeit. Denn die Ewigkeit, oder das, was ist, muss als der Grund aller Dinge angesehen werden. Die Wesen sind gleichsam nur die Ramen, die Gefäße, oder die aktiven Hüllen, worin jene lebendige und wahre Essenz sich einschließt, um sich durch ihre Vermittlung zu offenbaren. Die Einen, von der Art wie alles, was die Welt ausmacht, offenbaren die spirituösen oder geistähnlichen Kräfte dieser höchsten Essenz. Die Andern, wie der Mensch, offenbaren die geistigen Kräfte derselben, nämlich das, was in dieser einen Essenz oder in diesem Wesen aller Wesen das Allerinnerste ist. Also, obgleich die Erzeugung der Dinge uns unbekannt ist, so haben doch alle Kenntnisse, die wir bezwecken, und über welche wir die Herrschaft gewinnen können, wenn wir sie erreicht haben, die wahre Essenz zur Basis und zum Gegenstande. Die Schönheiten der Natur und die nützlichen und angenehmen Eigenschaften, welche sich noch in der Natur finden, seitdem Gott sie in ihrem Falle aufgehalten hat, reichen also, trotz ihrer Gesunkenheit, noch bis zu dieser wahren Essenz und können ihr noch als Organ, als Rahmen und als Leiter dienen. Sobald wir also alle möglichen Wechsel in Betreff des Daseins der Gegenstände berechnen, wie die falschen Wissenschaften es fortwährend tun, so geschieht dies nur, weil wir uns nicht die Mühe oder die Zeit nehmen, in ihnen jene wahre Essenz zu suchen, die darin sein muss, und die nur strebt, sich erkennbar zu machen; noch weniger könnten wir sie so in denjenigen Gegenständen wiedererwecken, in denen sie sich wie im Schlafe befindet, und so verlängern wir die Schmerzen, die wir der Natur verursacht haben, statt, wie wir sollten, ihr Linderung zu verschaffen. Wiederholen wir es also, wenn es wahr ist, dass die Welt auf ihrem Sterbelager liegt, wie könnten wir der Welt Linderung verschaffen, wenn wir nicht einmal wissen, woraus die Welt besteht, und sogar die Beziehungen nicht einmal kennen, welche alle verschiedenen Teile, aus denen sie besteht, unter einander haben mussen, und die verschiedenen Räderwerke, die das Ganze dieser großen Maschine bilden und deren Bewegung erleichtern ? Aber obgleich der Mensch sich täglich in seinem kleinen Kreise bemühet, die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen den Elementen und zwischen den Kräften, die im Kampfe sind, herzustellen, obgleich er um sich herum jene peinigende Verstimmung zu verbannen strebt, unter welcher die Natur leidet, so ist dennoch die Idee, an der Erleichterung des Weltalls mitzuwirken, ohne Zweifel ein Einfall, der überraschen wird, und der im Anfange übertrieben und bei weitem unsere Kräfte zu übersteigen scheint; so sehr verbreitet der gewöhnliche Unterricht, und hauptsächlich die Last der Welt selbst, die uns nieder drückt, einen dichten Schleier über unsere wirklichen Ansprüche. Jedoch darf die einfache Idee, den Bau und die Einrichtung des Universums kennen zu lernen, welches die Art seiner Bildung gewesen, und was die verschiedenen Körper sein mögen, die sich im Raume mit so imposantem Laufe bewegen, diese Idee, sage ich, darf uns nicht zum Vorwurf gereichen. Denn man kann sagen, dass in allen Jahrhunderten das Studium dieser Fragen der Gegenstand der Wissbegierde und der Forschung der nach Wissenschaft durstenden Menschen war, obgleich es scheint, dass in allen Jahrhunderten nur geringes Licht aus diesen großen Nachforschungen hervorging, wenn man einfach nach den verschiedenen Lehrsätzen urteilt, welche der Ruf über diese Materie uns übergeben hat. In der Tat, die Philosophen des Altertums, die davon redeten, scheinen unsere Kenntnis über diesen Gegenstand nicht sehr zu erweitern, und man sagt uns sehr wenig, wenn einige uns wie Tales sagen, dass das Universum seinen Ursprung dem Wasser, andere wie Anarimenes, dass es ihn der Luft verdanke; wieder andere wie Empedokles, dass es aus vier Elementen zusammengesetzt sei, die sich unter einander fortwährend bekämpfen, aber ohne sich je zerstören zu können, vorausgesetzt, ich wiederhole es, dass wir über ähnliche Lehrsätze urteilen dürfen, die für uns von jeder Erklärung entblößt sind, die ehemals ihre Anhänger und diejenigen, die sie aufstellten, rechtfertigen konnten. Sogar über die Qualitäten des Anarimander und selbst über die plastischen Formen der Stoiker glaube ich nicht mein Urteil zurückhalten zu dürfen. Ich räume ein, dass sie sehr dunkel erscheinen können, aber ich müsste fürchten, zu weit zu gehen, wenn ich sie laut für Torheiten und für philosophische Träumereien erklären wollte. Bei solchen Streitfragen ist es nicht erlaubt, ein Kontumazurteil zu fällen, und wenn die scheinbaren Torheiten, wie man glaubt, von den Ungläubigen bestritten wurden, so geschah dieses vielleicht nur deswegen, weil sie einfachen Dunkelheiten offenbare Abgeschmacktheiten unterschoben. Auch haben die Meinungen neuerer Zeit unsere Kenntnisse über jene großen Fragen wenig erweitert. Denn was lehrt uns das System des Telliamed, der alles aus dem Meere hervorgehen lässt, was die Monaden von Leibnitz, die Molekülen und die Agregrate der Physik unseres Jahrhunderts, welche unter neuen Namen nur die Atome des Epikur, Leukip und Demokrit sind? Der menschliche Geist konnte entweder nicht mit so großem Erfolge in diese Tiefen eindringen, als er es wünschte, oder er konnte den andern Menschen den wahren Sinn der Fortschritte, die er machte, und der Entdeckungen, welche sie ihm darboten, nicht verständlich machen; er warf sich zu allen Zeiten wieder auf das Studium der Gesetze, die den äußeren Lauf lenken, sowohl den der Erdkugel, die wir bewohnen, als der anderen Weltkörper, die unseren Blicken erreichbar sind; und dies war alles, was uns in der alten und neuen Zeit alle astronomischen Kenntnisse, deren wir uns erfreuen, eingebracht haben. Obgleich diese herrlichen Kenntnisse, die sich in unsern Tagen sowohl mit Hilfe der vervollkommneten Instrumente, als durch die neuen Wunder der algebraischen Analyse so erstaunlich erweitert haben, uns einen um so süßeren Genuss verschaffen, als sie zur Grundlage die Strenge der Beweisführung haben, so scheinen sie dennoch, da sie nur die äußern Gesetze des Weltalls lehren, uns nur dann vollständig zu erfüllen, wenn wir das heimliche Sehnen und Ahnen in uns ersticken und verwischen, welches wir alle nach einer substantiellen Nahrung hegen. Trotz der glänzenden Entdeckungen Keplers über die Gesetze der Himmelskörper suchte Descartes, der durch die Anwendung, welche er von der Algebra auf die Geometrie machte, so berühmt geworden, auch noch die Ursachen und die Arten der Bewegung des Himmels und des Laufes der Gestirne auf. Während Kepler bewies, suchte Descartes zu erklären. Einen so großen Reiz hat es für den Geist des Menschen nicht allein den Lauf jener großen Naturkörper und die Dauer und die Gesetze ihrer periodischen Bewegungen kennen zu lernen, sondern auch noch die mechanische Ursache dieser Bewegungen; und dieses hat nichts destoweniger dieses große Genie zu jenen unglücklichen Wirbeln gebracht, die man verwarf, ohne noch etwas anderes an deren Stelle gesetzt zu haben. Denn die Kenntnis der astronomischen Gesetze und sogar die Atraktion umfasst die Regeln der Bewegung der Gestirne, ohne ihren Mechanismus zu erklären. Berühmte Männer nach Descartes haben noch weiter als er in die Tiefen der Existenz der Himmelskörper vordringen wollen, und in der Tat, er hat nur versucht, ihren Mechanismus zu erklären; sie dagegen haben sich bemüht, ihre Entstehung und ihre ursprüngliche Bildung zu erklären. Ich habe nicht vor, hier von Newton zu reden; denn trotz der Schönheit seiner Entdeckung über die Schwere und die Anziehungskraft, die sich mit so vielem Glücke auf alle Theile des theoretischen Systems des Universums anwenden lässt, hat er uns dennoch nur ein sekundäres Gesetz geboten, welches in den allerkleinsten Teilen der Naturkörper ein primäres Gesetz voraussetzt, von welchem diese Schwere abgeleitet ist, und welche nur dessen Organ sein kann, so wie es nur das Resultat desselben ist. Dagegen will ich von Büffon reden, welcher vor den Augen der Gelehrten ersten Ranges in seinem Werke „Exposition du système du monde par Laplace tom. 2, p. 298″ zuerst seit der Entdeckung des wahren Systems der Himmelsbewegungen versuchte, bis auf den Ursprung der Planeten und der Trabanten zurückzugehen. Er nimmt an, dass ein Komet, indem er auf die Sonne fiel, einen Strom von Materie aus derselben abgestossen habe, die sich in der Ferne zu verschiedenen mehr oder weniger großen, mehr oder weniger von diesem Sterne entfernten Himmelskörpern vereinigt hätten. Diese Globen sind nach Büffon die Planeten und Trabanten, die durch ihre Erkaltung fest und undurchsichtig geworden sind. Der Gelehrte Laplace nimmt diese Hypothese nicht an, weil er findet, dass sie nur dem ersten der fünf zu erklärenden Phänome, die er auf derselben Seite 298 aufzahlt, genüge. Aber er selbst versucht Seite 301 sich zu ihren wahren Ursachen zu erheben, wobei er die Bescheidenheit hat, nur mit einem weisen Mißtrauen dasjenige vorzutragen, was kein Resultat der Beobachtung und der Berechnung ist. Er beschrankt sich darauf in Betreff dieser wahrhaften Ursache zu denken, dass, um den Planeten auf dieselbe Weise eine beinahe kreisförmige Bewegung um die Sonne zu geben, diese Sterne ein unermeßliches Fluidum gleich einer Atmosphäre habe umgeben müssen; er behauptet, dass die Sonnenatmosphäre sich ursprünglich über die Laufbahnen aller Planeten hinaus habe erstrecken müssen, und dass sie sich allmählig bis auf ihre jetzigen Grenzen zurückgezogen habe. Er behauptet, dass die große Exzentrizität der Kometenbahnen zum selben Resultate führe, und dass sie augenscheinlich auf das Verschwinden einer großen Anzahl weniger exzentrischer Kreise hindeute, welches eine Atmosphäre um die Sonne voraussetzt, die sich über das Perihelium der beobachtbaren Kometen hinaus erstreckte, und welche, indem sie die Bewegungen derjenigen zerstörte, die sie während der Dauer ihrer großen Ausdehnung durchliefen, dieselben mit der Sonne vereinigt habe. Alsdann, sagt er, fieht man, dass gegenwärtig nur die Kometen existieren können, die jenseits dieses Zwischenraumes waren; dass, da wir nur diejenigen beobachten können, welche in ihrem Perihelium der Sonne nahe genug kommen, die Laufbahnen dieser Kometen sehr exzentrisch sein müssen; dass man aber zu gleicher Zeit sähe, dass ihre Inklination solche Ungleichheiten darbieten müsse, als wenn diese Körper zufällig hingeschleudert wären, weil die Sonnenatmosphäre auf ihre Bewegung keinen Einfluß gehabt; dass also die lange Dauer des Umlaufes der Kometen, die große Exzentrizität ihrer Laufbahn und die Verschiedenheit ihrer Inklinationen mit Hilfe dieser Atmosphäre sich sehr natürlich erklären lasse. Allein, fragt er sich, auf welche Weise hat sie die Bewegung des Kreisens und der Rotation der Planeten bestimmt? Er antwortet: Dass, wenn diese Körper in dieses Fluidum eingedrungen, sein Widerstand sie hätte auf die Sonne fallen lassen müssen, dass man daher mutmaßen könne, dass sie sich an den sukzessiven Grenzen dieser Atmosphäre durch die Verdichtung der Zonen gebildet haben, welche jene in der Ebene ihres Äquators verlassen musste, indem sie sich an der Oberfläche dieses Gestirns abkältete und verdichtete; dass man auch noch mutmaßen könne, dass die Trabanten auf eine ähnliche Weise durch die Atmosphäre der Planeten gebildet wurden; endlich, dass die fünf Phänomene, die er zuvor aufstellt, natürlich aus diesen Hypothesen sich ergeben, welchen die Ringe des Saturns einen neuen Grad von Wahrscheinlichkeit geben. Lasst uns diese beiden Hypothesen betrachten. Die des Büffon, abgesehen von den Mängeln, die der Gelehrte Laplace bemerkt, bietet eine größere Schwierigkeit dar, nämlich die, woher der Komet gekommen, der die Sonne traf, um die Materie der Planeten aus ihr abzustoßen, um so mehr, da die Planeten und die Kometen eine große Verwandschaft in ihrer ursprünglichen Bewegung gehabt zu haben scheinen. In der Tat, wenn diese beiden Ordnungen der Himmelskörper durch ihre Exzentrizität, durch die Richtung ihres Laufes und durch ihre Inklinationen Verschiedenheiten darbieten, so gleichen sie sich dadurch, dass sie denselben Gesetzen der Schwere, denselben Gesetzen der Anziehungskraft, denselben Gesetzen der Proportionalität in den Geschwindigkeiten und den Entfernungen und in der Gleichheit der in gleichen Zeiten durchlaufenen Räume unterworfen sind, wodurch es uns möglich wird, nach derselben Methode den Lauf der Kometen und den der Planeten zu berechnen und gleichmäßig auf sie die herrlichen Entdeckungen Keplers und Newtons anzuwenden. Was die Hypothese des Gelehrten Laplace anbelangt, wenn er anerkennt, dass die fünf Phänomene, deren er erwähnt, sich natürlich daraus ableiten, so muss er auch eingestehen, dass trotz dieser Vorzüge, die ich nicht in Abrede stelle, sie doch noch vieles zu wünschen übrig lässt. In Wahrheit, man wird nicht ohne Mühe begreifen, wie die Sonnenatmosphäre, welche die Planeten nur dadurch sich bilden ließ, dass sie sich auf ihre jetzigen Grenzen zurückzog, und welche ohne Zweifel unsere Kometen sich eben so durch ihr Zurückziehen bilden ließ, weil sie sich ursprünglich über das Perihelium der wahrnehmbaren Kometen hinausgedehnt hatte, und weil die große Exzentrizität ihrer Laufbahnen seiner Meinung nach zu denselben Resultaten führte; man wird, sage ich, nicht begreifen, wie die Sonnenatmosphäre, die nach seiner Hypothese sich über das Perihelium der Kometen ausdehnte, die man beobachten kann, dennoch während der Dauer ihrer großen Ausdehnung von vielen Laufbahnen, die weniger exzentrisch waren, durchlaufen wurde, deren Bewegungen sie zerstörte und welche sie mit der Sonne verband, weil das Dasein und die Formation dieser minder exzentrischen Laufbahnen oder dieser Kometen im Bereich dieser selben Atmosphäre seinem eigenen Systeme widerspräche. Man wird nicht begreifen, warum, wenn die Kometen in diese Sonnenatmosphäre eindringen könnten, die Planeten in Betracht ihrer geringen Exzentrizität nicht ebenso hineindringen und ihre Zerstörung darin finden und sogar ausschließlich darin kreisen könnten, bis auch sie auf die Sonnenmasse geschleudert würden, weil seiner Hypothese nach die einen und die andern ihre Entstehung derselben Ursache verdanken, woraus folgen würde, dass wir schon lange keine Planeten mehr haben müssten, um so mehr, da Seite 301 gesagt wird, dass dieses Fluidum von außerordentlicher Ausdehnung alle Körper, nämlich die Planeten und die Trabanten umfasst habe. Endlich wird man nicht begreifen, dass, wenn die Planeten, indem sie ihre Formation nur dem Zurückziehen oder der Verengerung der Sonnenatmosphäre, nachdem sie ihrerseits davon umfasst wurden, verdanken, die Trabanten die ihrige dem Zurückziehen oder der Verengerung der Atmosphäre ihres Hauptplaneten verdanken sollten, weil diese Trabanten durchaus der selben Natur mit ihrem Hauptplaneten zu sein, und daher ihren Ursprung einer gleichen Ursache zu verdanken scheinen; und weil angenommen wird, daß die Sonnenatmosphäre, indem sie sich zurückzieht und verengert, keine andere Atmosphäre neben sich duldet. Ohne diese mangelhaften Hypothesen einer weitern Prüfung zu unterwerfen, werde ich nur im Allgemeinen sagen, was der Richtigkeit und Wahrheit dieser vom menschlichen Geiste erzeugten Hypothesen im Wege steht. Es ist die verborgene Neigung, welche ihn hinreißt, in den Naturerscheinungen einen gleichförmigen Mechanismus und ein einziges Element zu suchen, weil ihm dieses regelmäßiger und vollkommener erscheint. In Betreff einer jeden Erklärung, so ist die vollkommenste diejenige, welche am wahrsten ist, mag sie auch eben so verwickelt und zusammengesetzt sein, als die Ursachen sein können, von denen diese Erklärung Rechenschaft zu geben versucht.

Man kann sagen, daß das Vergessen dieser Wahrheit in jeder Weise die Entwicklung unserer Kenntnisse verhindert habe, und es gibt keine Wissenschaft, welche nicht eben daher vielleicht täglich ein ähnliches empfindliches Vorurteil erfahren hätte. Ebenso wie das Fortschreiten der Astronomie unter der Meinung der Gelehrten bis zu Kepler gelitten hat, dass die Sterne nur kreisförmige Laufbahnen beschrieben, weil diese krumme Linie als die vollkommenste und als die einfachste an gesehen wurde, ebenso konnte auch wohl die Überzeugung von der Gleichheit der Grundursachen und der Tatsachen, welche der Formation der Sterne und ihrer Bewegung zur Grund lage dienen, die Kenntnis der wahrhaften Quelle, von welcher sie abstammen, verzögern. Eine andere Beobachtung, welche diese hier unterstützt und nicht minder gewiss ist, besteht darin, dass das Gesetz der äußeren Ergebnisse leichter, als das der Organe, welche jene vermitteln, aufzufinden ist, und das der Organe, welche sie vermitteln, leichter, als das der Ursachen, welche diese Organe selbst lenken, und ihr Wesen begründen und ausmachen; denn nach Maßgabe, wie man durch die Oberfläche der Wesen hindurchdringt, sind ihre Fähigkeiten bestimmter ausgesprochen und bieten folglich größere Verschiedenheit und einen größern Gegensatz dar. Ebenso genügt es, dass, um den Gang und die Zeiträume zu bestimmen, welche die Zeiger einer Uhr auf ihrem Zifferblatte angegeben, man diese mit den Augen beobachte und ihren gleichförmigen Bewegungen folge, weil, da es hier nur ein einziges Faktum gibt, es hier auch nur einer einzigen Formel bedarf, um dasselbe zu beschreiben und zu erklären. Will man in das Innere der Uhr eindringen, so wird man mehrere, verschiedene wirkende Ursachen finden, deren Gesetze notwendig zahlreicher und deren Erklärungen weniger einfach sind, als die des Ganges der Zeiger, weil zwischen ihnen eine Art Kampf und Gegensatz herrscht. Will man noch weiter gehen und untersuchen, was alle diese Räder der Uhr in Bewegung setzt, will man die Summe der Bewegungen berechnen und die der Kraft und des Widerstandes, welche alle diese bewegenden Ursachen beherrschen, die verschiedenen Bestandtheile zergliedern, welche bei diesem Mechanismus angewandt sind, um diejenigen zu beurteilen, welche am besten ihren Zweck erfüllen können, so wird man bemerken, wie sehr sich die Zweige der Wissenschaft vervielfältigen und wie weit man von der Wahrheit entfernt sein würde, wenn man diese verschiedenen Zweige in einem einzigen Gesetz umfassen und sie einer einzigen Erklärung unterwerfen wollte. Daher kommt es, dass, da der menschliche Geist mit einer großen Aufmerksamkeit die äußern Bewegungen der Gestirne beobachtete, er zu jenen bewunderungswürdigen Entdeckungen unserer neuen Jahrhunderte gelangte und zu jenen herrlichen Ariomen, mittelst deren er nach ganz einfachen Gesetzen den wirklichen Lauf der Himmelskörper angegeben hat. Aber er beschäftigte sich nur mit dem Zifferblatte der Uhr, und statt uns das zu geben, was die Gelehrten das wahre Weltsystem nennen, gab er uns in der Tat nur eine Reiseroute; und überdem vergaß er in dieser Reiseroute, was bei einer Reise am wichtigsten ist, nämlich uns zu sagen, von wo der Reisende ausging und wohin er geht. Auch wollte der Mensch, nachdem er die Bewegung der Himmelskörper beschrieben hatte, versuchen, ihre organische und ursprüngliche Bewegkraft zu beschreiben, er wollte in das Innere der Uhr eindringen, und man sieht durch die beiden oben bemerkten Hypothesen, wie viel Schwierigkeiten er fand und wie weit er zurückblieb. Diese Schwierigkeiten vermehrten sich noch viel mehr für ihn, als er sich nicht mehr damit begnügte, die organische und ursprüngliche Bewegkraft der Himmelskörper zu untersuchen, und er sich Rechenschaft von der ursprünglichen Formation die ser Himmelskörper selbst geben wollte. Die beiden in Frage stehenden Hypothesen können uns als Beleg dienen. Ich fürchte nicht den Grund hiervon zu wiederholen, nämlich dass nach Maßgabe, wie wir durch die Oberfläche der Naturwirkungen hindurchdringen, sich verschiedene Triebfedern bemerkbar machen, sich aussprechen, und, indem sie sich der Einheit des Gesetzes, so wie der Einheit der Wirkung entziehen, sich deswegen auch einer allgemeinen Erklärung entziehen, welche nur auf die Eintönigkeit und die Einförmigkeit der Erscheinungen, die nur niedere Resultate sind, anwendbar ist. Wenn die Erfinder der beiden oben bemerkten Hypothesen nicht unterließen, sie bekannt zu machen, so weit sie auch davon entfernt waren, uns das System des Ursprunges der Gestirne zu erklären, so darf ich verlangen, daß es mir meinerseits vergönnt sei, eine dritte aufzustellen, selbst wenn sie nicht mehr Glück machen sollte.

Ich entschließe mich umso lieber, diese Hypothese aufzustellen, als sie nicht von mir herrührt, und ich mich durch dieses Unternehmen nicht als Nebenbuhler der beiden gedachten Erfinder auswerfe. Gleichwohl wird diese Hypothese nicht den Vorwurf der Analytiker verdienen können, weil ähnlich mit den beiden Vorhergehenden, die auf eine strenge Beweisführung keinen Anspruch machen, sie sich nicht als die Frucht der Beobachtung und der Berechnung geltend machen wird. Außerdem wird es nicht ihre Aufgabe sein, den Lauf und die Bewegung der Gestirne zu beschreiben, was heutzutage überflüssig wäre, weil wir eingestehen müssen, dass in dieser Art die eracten Wissen schaften die Kenntnisse auf einen Grad von Vollkommenheit gebracht haben, dass man sich begnügen muss, zu bewundern, wenn man nicht im Stande ist, deren Grenzen zu erweitern, die man aber nicht mehr bestreiten, noch in Abrede stellen darf. Ebenso wenig wird sie sich den Anschein geben, als wollte sie die Art der Erschütterung oder des Impulses erklären, der die Himmelskörper in Bewegung setzen könnte, und zwar in dem Sinne, wie wir sie kreisen sehen. Um diesen Versuch zu machen, müsste ich mit den Gelehrten dieser Welt über den Punkt, woher die Welt kommt und wohin sie geht, einverstanden sein, und hiermit befassen sie sich nicht, weil sie glauben, es sei unmöglich, hiervon Kenntnis zu haben. Die in Frage stehende Hypothese wird also das hier unten aufgestellte Prinzip in Verhältnis mit dem Wachstum der Energie der Eigenschaften der Wesen und der Zahl ihrer Gesetze in dem Grade, als wir in ihre Tiefen eindringen, einfach befolgen. Aber sie wird vor allen eine kurze Übersicht über den Ursprung der Himmelskörper und die Bildung jener Massen, die wir Planeten nennen, zu geben versuchen; und alsdann wird sie das volle Recht haben, sich des in Frage stehenden Prinzips zu bedienen. Bevor ich diese Hypothese aufstelle, muß ich erinnern, dass ihr Erfinder Jacob Böhm alle Meinungen festhielt, die wir oben über das Dasein eines allgemeinen Prinzips vortrugen, welches zugleich höchster Herrscher und Quelle alles dessen ist, was in die Zahl der Wesen gehöret; was wir sagten über die Natur des denkenden und von allen Tieren unterschiedenen Menschen, über die Entartung des Menschengeschlechtes, eine Entartung, die sich sogar auf das Weltall selbst erstreckte und welche verursacht, daß diese Welt nur noch als unser Gesangnis und unser Grab kann angesehen werden, statt dass es uns eine Wohnung der Glorie sein müßte u.s.w. Er war wie der Gelehrte Laplace überzeugt, (Seite 261) dass alles in der unermesslichen Kette der Wahrheiten gehalten wird; deswegen benutzet er in der Entwicklung seines Systems alle Grundlagen und alle Tatsachen, die die Allgemeinheit der Dinge umfassen, weil wir vergeblich durch unsere Gedanken einen Teil vom allgemeinen System ablösen und ein besonderes System daraus bilden würden; denn niemals würden wir mit Erfolg von diesem Teil-System die Triebfedern abtrennen können, welche es mit dem allgemeinen System verbinden. Er glaubte, dass die ursprüngliche Natur, welche er die ewige Natur nennt, und von welcher die gegenwärtige verunstaltete und ausgeartete Natur gewaltsam entstanden ist, auf sieben Hauptfundamenten oder auf sieben Grundlagen beruhe, die er bald Kräfte, bald Formen, Räder, bald Quellen und Quellengeister nennt, weil er in einer Zeit schrieb, wo diese Benennungen nicht verpönt waren, wie es heutzutage die plastischen Formen und die Qualitäten der alten Philosophen sind, jedenfalls Ausdrücke, die vielleicht nicht verbreiteter waren, noch es sein werden, als die unseres Philosophen. Er glaubte, dass diese sieben Grundlagen oder diese sieben Formen auch in unserer gegenwärtigen entstellten Natur, die wir bewohnen, vorhanden seien, aber dass sie darin gleichsam nur gehindert und durch mächtige Fesseln gebunden eristirten, von welchen sie strebten sich mit Gewalt zu befreien, um die erstorbenen Substanzen der Elemente zu beleben, und alles, was wir Hinfälliges in der Welt wahrnehmen, hervorzubringen. Er versucht diesen sieben Fundamental -Eigenschaften oder diesen sieben Formen Namen zu geben, um das verständlich zu machen, wofür er keine entsprechenden Ausdrücke in unfern Sprachen zu haben gesteht, die seiner Meinung nach, eben so wie der Mensch und das Weltall, entartet sind. Ich wünschte mich dieser Nomenclatur enthalten zu können der Schwierigkeit wegen, welche sie haben wird, beim Leser Eingang zu finden; weil man aber ohne dieses noch weniger die ursprüngliche Bildung der Planeten nach dem System des Autors verstehen wird, so werde ich mich entschließen, seine Sprache zu reden. Er nennt also die Herbigkeit oder die zusammenziehende Kraft die erste dieser Formen, weil sie die andern alle einschließt und zusammenpresst. Daher kommt es, dass alles, was in der Natur von einer harten Eigenschaft ist, die Knochen, die Kerne der Früchte, die Steine, ihm vorzüglich dieser ersten Form oder der Herbigkeit anzugehören scheint. Er dehnt diese Benennung bis auf die Begierde aus, die in allen Wesen die Grundlage und Quelle alles dessen ist, was sie bewirken, und die ihrer Natur nach alles anzieht und umfasst, was zu deren Werk gehört, ein jedes in seine Klasse. Die zweite Form nennt er die Galle oder die Bitterkeit, und er behauptet, dass sie es sei, welche, indem sie durch ihre durchdringende Tätigkeit die Herbigkeit zu zerteilen sucht, den Weg des Lebens öffnet, weil sonst alles in der Natur tot bleiben würde. Die dritte Form nennt er die Angst, weil das Leben durch die Gewalt der beiden vorhergehenden Kräfte zusammen gepresst ist; aber in ihrem Zusammenstoße schwächt sich die Herbigkeit, wird milde und verwandelt sich in Wasser, um dem Feuer den Durchgang zu gestatten, welches in der Herbigkeit eingeschlossen war. Die vierte Form nennt er das Feuer, weil es sich vom Zusammenstoße und von der Gährung der drei ersten Formen mitten durch das Wasser wie ein Blitz erhebt, welchen er Feuerblitz, die Hitze u.f.w. nennt, was mit dem übereinstimmt, was vor unseren Augen vorgeht, wenn das Feuer im Blitze durch das Wasser unserer Gewitterwolken zuckt. Die fünfte Form nennt er das Licht, weil das Licht erst nach dem Feuer kommt, wie wir es an unserem Heerde, bei der Feuerwerkkunst und bei anderen physikalischen Dingen wahrnehmen. Die sechste Form nennt er den Hall, weil in der Tat der Hall erst nach dem Lichte kommt, wie wir dieses wahrnehmen, wenn man ein Feuergewehr abschießt, oder, wenn man will, wie es bekannt ist, dass man erst denkt und dann spricht. Endlich der siebenten Form gibt er den Namen Sein und Substanz oder Sache selbst; weil er behauptet, dass sie uns dann erst den Inbegriff ihres Daseins entdeckt; und in der Tat die Werke, die wir durch unser Wort hervorbringen, werden als Inbegriff aller Kräfte, die ihnen vorhergingen, angesehen. Diese sieben Formen, welche der Verfasser im Laufe dieses Werkes auf die höchste Macht selbst anwendet, auf die denkende Natur des Menschen, auf das, was er die ewige und ursprüngliche Natur nennt, auf die gegenwärtige Natur, in der wir leben, auf die Elemente, auf die Tiere, auf die Planeten, kurz auf alle Wesen, ein jedes in dem Maaße und in der Zusammenstellung, welches ihrem Dasein und ihrer Bestimmung in der Ordnung der Dinge zukommt, man wundere sich nicht, sage ich, dass er diese Formen ebenfalls auf die Planeten und auf die anderen Himmelskörper, welcher Art sie auch sein mögen, anwendet, welche alle, einzeln betrachtet, in sich die sieben Grundlagen enthalten, so wie die geringste Produktion des Weltalls dieselben enthält. Indem er sie auf die Natur der Planeten anwendete, wendete er sie auch auf ihre Zahl an, und hierin hat er eine Meinung geteilt, die auf Erden allgemein herrschend war und die erst seit den neuen Entdeckungen verschwand, nämlich nach beinahe zweihundert Iahren nach dem Tode des Autors.Aber die Anwendung seines Lehrsatzes, welchen er auf die angenommene Zahl der sieben Planeten versuchte, war für sein System nur eine Nebensache; und wenn die Eristenz der sieben Formen oder der sieben Kräfte wirklich ist, so würde sein System immer vollständig bleiben, wenn gleich die Zahl der uns bekannten Planeten, seitdem er schrieb, sich vermehrt hat, und sich künftig noch vermehren kann. In der Tat, als man an sieben Planeten glaubte, war es für den Verfasser sehr natürlich zu denken, dass ein jeder von ihnen, obgleich er die sieben in Frage stehenden Formen in sich einschloss, doch noch eine dieser sieben Formen besonders ausdrücke, und dass sie daher die verschiedenen Charaktere entnähmen, welche diese Planeten selbst durch ihre äußere Erscheinung anzuzeigen scheinen, wäre es auch nur durch die Verschiedenheit ihrer Farbe.

Sollte auch gegenwärtig das Verzeichnis der Planeten die Zahl sieben übersteigen, so würde doch das Vorherrschen der einen oder der andern dieser sieben Formen der Natur in einem jeden dieser Himmelskörper nicht aufhören statt zu finden; nur können mehrere dieser Planeten auf diese Weise eingerichtet sein, für unsere Augen das Gepräge derselben vorherrschenden Form oder Eigenheit zu tragen. Die Zahl der Funktionen würde sich nicht ändern, nur die Zahl der Funktionäre würde sich ausdehnen, und dieses ohne Zweifel nach Verhältnissen, welche immer behilflich sein könnten, die Grade der verschiedenen Funktionäre, die bei derselben Funktion angeordnet sind, zu unterscheiden. Denn wahrscheinlich wären dann nicht alle auf der Stufe einer vollendeten Gleichheit, weil die Natur nichts Gleiches zeigt. Nun wollen wir die jetzt in Frage stehende Hypothese näher darlegen. Nach dem Verfasser hat die Erzeugung oder die ursprüngliche Formation der Planeten und aller Sterne keine andere Art und Weise gehabt, als die, nach welcher das Leben und die wunderbar harmonischen Verhältnisse der höchsten Weisheit sich von Ewigkeit her erzeugten. Denn als das Verderben in einer der Regionen der ursprünglichen Natur eintrat, erlosch das Licht in dieser partiellen Region, die damals den ganzen Raum der gegenwärtigen Natur umfasste. Und diese Region, welche die gegenwärtige Natur ist, ward wie zu einem toten Körper, welcher gar keine Bewegung mehr hatte. Alsdann ließ die ewige Weisheit, die der Verfasser zuweilen Liebe, Sophia, Licht, Süßigkeit, Freude und Entzücken nennt, im Mittelpunkte oder im Herzen der Welt eine neue Ordnung geboren werden, um der gänzlichen Zerstörung zuvorzukommen und ihr Einhalt zu tun. Dieser Ort, dieser Mittelpunkt ist nach dem Autor der entflammte Ort unserer Sonne. Von diesem Mittelpunkte oder von diesem Orte aus haben sich alle Arten Eigenschaften, Formen und Kräfte erzeugt, welche diese Welt erfüllen und begründen, und dieses alles nach den Gesetzen der ewigen göttlichen Erzeugung; denn er nimmt in allen Wesen und ewig in der höchsten Weisheit einen Mittelpunkt an, woselbst eine siebenfache Erzeugung oder Subdivision vorgeht. Er nennt diesen Mittelpunkt die Schiedlichkeit. Außerdem sieht er die Sonne als den Heerd und das belebende Organ aller Kräfte der Natur an, sowie das Herz der Heerd und das belebende Organ aller Kräfte der Tiere ist. Er betrachtet sie als das einzige natürliche Licht dieser Welt und behauptet, dass außer dieser Sonne es gar kein wirkliches Licht in der Wohnung des Todes gäbe; und dass, obgleich die Sterne noch die verborgenen Aufbewahrer eines Teils der Eigentümlichkeiten der ursprünglichen und höheren Natur seien, und obgleich sie unsern Augen leuchten, sie dennoch stark im herben Wallen des Feuers gefangen seien, welches die vierte Form der Natur ist; auch führt ihre Begierde sie zur Sonne und von dieser entnehmen sie alle ihren Glanz. Er kannte noch nicht die jetzt allgemein angenommene Meinung, welche aus allen Sternen eben so viel Sonnen macht, jedenfalls eine Meinung, welche, da sie nicht eines strengen Beweises fähig ist, noch andern Meinungen den Weg offen lässt. Um diese Wiederherstellung des Weltalls, welche nur zeitlich und unvollkommen ist, zu erklären, behauptet er, dass nach der Alteration durch die höchste Kraft eine Scheidewand zwischen dem ewigen Lichte der Natur und dem Brande unserer Welt gebildet wurde, dass dadurch diese Welt nur ein finsteres Tal ward; dass es kein Licht mehr gab,welches in allem dem, was in diesem Bezirk eingeschlossen war, hätte leuchten können; dass alle Kräfte oder Formen dort wie im Tode verschlossen wurden; daß durch die heftige Angst, welche sie empfanden, sie hauptsächlich in der Mitte dieses großen Bezirks, welche Mitte der Ort der Sonne ist, sich erhitzen. Er behauptet, dass, als ihre ängstliche Währung an dieser Stelle durch die Kraft der Hitze den höchsten Grad erreicht, alsdann dieses Licht der ewigen Weisheit, welches er Liebe oder Sophia nennt, durch den Umkreis der Abscheidung durchbrach und der Hitze das Gleichgewicht zu halten begann; weil im selben Augenblicke das glänzende Licht sich in dem erhob, was er die Kraft oder das Öl des Wassers nennt, und das Herz des Wassers entzündete, wodurch es mäßigend und herstellend ward. Er behauptet, dass auf diese Weise die Hitze gefangen ward, und dass ihr Heerd, welcher der Ort der Sonne ist, in eine angemessene Milde verwandelt wurde, und sich nicht mehr in der furchtbaren Angst befand; dass wirklich, da die Hitze vom Lichte eingeschlossen war, sie ihren furchtbaren Feuer-Quell ablegte und keine Kraft mehr hatte, sich noch mehr zu entflammen; dass der Durchbruch des Lichtes durch die Scheide wand sich an diesem Orte nicht weiter ausbreitete, und dass deswegen die Sonne nicht größer geworden, wenn gleich nach dieser ersten Wirksamkeit das Licht andere Aufgaben zu erfüllen hatte, wie man dieses weiter unten sehen wird. Die Erde. (100)Als zur Zeit des Verderbens das Licht im Weltraume erlosch, war die zusammenziehende Qualität in ihrer herbsten und strengsten Tätigkeit, und sie hielt die Wirksamkeit der andern Kräfte oder Formen fest in sich verschlossen. Daher entstanden die Erde und die Steine. Aber sie waren noch nicht in Masse gesammelt, sie irrten nur in dieser unermesslichen Tiefe umher. Durch die mächtige und verborgene Gegenwart des Lichts wurde diese Masse aus der Allgemeinheit des Raumes gesammelt und zusammengehäuft. Auch ist die Erde die Verdichtung der sieben Kräfte oder der sieben Formen, aber vom Verfasser wird sie nur als der Auswurf alles dessen betrachtet, was im Raume seit der allgemeinen Verdichtung Substanz gewonnen, was nicht eine andere Art Verdichtung in einer anderen Gegend des Raumes ausschließt. Der Mittelpunkt oder das Herz dieser zusammengehäuften Erdmasse gehörte ursprünglich dem Zentrum der Sonne an. Aber gegenwärtig ist dieses nicht mehr der Fall. Die Erde ward ein eigenes Eentrum. Sie drehet sich in vierundzwanzig Stunden um sich selbst, und in einem Jahre um die Sonne herum, von der sie Belebung empfängt und deren wirkende Kraft sie aufsucht. Das Feuer der Sonne bewirkt ihren Umschwung. Wenn sie am Ende ihres Laufes ihre Ganzheit wiedererlangt, wird sie aufs neue dem Zentrum der Sonne angehören.

Mars.

Aber wenn auch das Licht das Feuer im Orte der Sonne festhielt, so veranlasste doch der Stoß und der Widerstand dieses Lichtes an diesem selben Orte einen furchtbaren feurigen Ausbruch, wodurch es aus der Sonne wie ein schrecklicher, stürmischer Blitz hervorschoss und von der Wut des Feuers begleitet ward. Als die Kraft des Lichtes von der ewigen Quelle des höchsten Wassers mitten durch den Umkreis der Abscheidung an den Ort der Sonne gelangte, und das untere Wasser entflammte, da zuckte der Blitz mit einer erschrecklichen Heftigkeit aus dem Wasser empor. Seitdem ist das untere Wasser fressend geworden. Aber dieser Feuer-Blitz konnte sich nur bis zu der Entfernung fortschleudern, wo das Licht, welches ihm nachkam und ihn verfolgte, die Kraft hatte, ihn zu erreichen. In dieser Entfernung wurde er vom Lichte gefangen. Hier stand er still, und nahm von diesem Orte Besitz; und dieser feurige Blitz, welcher den Planeten bildete, nennen wir Mars. Seine besondere Eigenschaft ist weiter nichts als die Explosion eines giftigen und bitteren Feuers, das sich aus der Sonne losrang. Die Intensität der Wut des Blitzes und seine Schnelligkeit hinderte, dass das Licht ihn nicht früher festhielt; denn er wurde nicht eher durch das Licht gefangen genommen, als bis das Licht ihn gänzlich durchdrungen und unterjocht hatte. Er ist jetzt da wie ein Tyrann ; er ist unruhig und wütend, dass er nicht weiter im Raume vordringen kann; er ist ein treibender Stachel im ganzen Umfange dieser Welt. Denn er hat wirklich die Aufgabe, durch seinen Umschwung im Rade der Natur alles zu treiben, wodurch alles Leben seine Reaktion empfängt. Er ist die Galle der ganzen Natur, er ist ein Reizmittel, welches mitwirkt, die Sonne zu entzünden, wie die Galle das Herz im menschlichen Körper anreizet und entzündet. Daher entsteht zugleich die Hitze in der Sonne und im Herzen. Eben daher nimmt auch das Leben in allen Dingen seinen Ursprung.

Jupiter.

Als der zusammenziehende herbe Blitz durch das Licht gefangen genommen ward, drang dieses Licht durch seine eigene Kraft noch weiter im Raume vor, und es gelangte bis zu dem rauhen und kalten Sitze der Natur. Alsdann konnte sich die Kraft dieses Lichts nicht weiter ausdehnen und es nahm diesen selben Ort zu seiner Wohnung. Nun aber ist die Kraft, welche das Licht hat, größer als die des Feuerblitzes ; deswegen erhob es sich viel höher, als der Feuerblitz, und drang bis auf den Grund in die Starrheit der Natur ein. Alsdann ward es kraftlos, weil sein Herz durch die herbe, kalte und harte Rauheit der Natur wie zu Eis erstarrte. Hier stand es still und ward verkörpert. Bis dahin und nicht weiter erstreckt sich gegenwärtig das lebendige Licht außerhalb der Sonne; aber der Glanz und der Schimmer, der auch seine eigene Kraft hat, erstreckt sich bis zu den Sternen und durchdringt den ganzen Körper dieser Welt. Der Planet Jupiter ist aus der Kraft dieses erstarrten oder verkörperten Lichts, und aus der Substanz desselben Orts, wo dieser Planet sich befindet, hervorgegangen. Aber er entstammt durch seine Kraft fortwährend diesen selben Ort. Doch ist Jupiter an diesem Orte wie ein Diener, der fortwährend seinem Amte nach in dem Hause dienen muss, was ihm nicht gehöret, während die Sonne ihr eigenes Haus hat. Außer ihr hat kein Planet sein eigenes Haus. Jupiter ist gleichsam der Instinkt und die Sensibilität der Natur. Er ist eine liebliche und anmutige Essenz; er ist die Quelle der Süßigkeit in allem, was Leben hat; er ist der Besänftiger des Mars, der ein Wüterich und Zerstörer ist. Saturnus. Obgleich Saturn zur selben Zeit mit dem allgemeinen Rade der gegenwärtigen Natur erschaffen ward, so hat er doch seinen Ursprung und seine Herkunft nicht uon der Sonne, sondern seine Quelle ist die strenge, zusammenziehende uno herde Angst des ganzen Körpers dieser Welt. Denn als die leuchtende Kraft der Sonne die herbe und strenge Eigenschaft des Raumes hauptsächlich in der Höhe ober halb des Jupiter weder zurückhalten noch sänftigen konnte, so blieb dieser ganze Umkreis in einer furchtbaren Angst, und die Wärme konnte darin wegen der Kälte und der Herbigkeit, die darin herrschte, nicht erwachen. Da nichts destoweniger durch den Ausbruch und die liefere Einführung der Macht des Lichts die Beweglichkeit bis zur Wurzel aller Naturformen gedrungen war, so konnte die Natur nicht in Ruhe bleiben; auch hatte sie die Angst des Gebährens, und die starre und strenge Region oberhalb der Höhe des Jupiter erzeugte aus dem Geiste der Herbigkeit den zusammen ziehenden kalten und strengen Sohn, oder den Planeten Saturn. Denn es konnte sich dort der Geist der Hitze nicht entflammen, woraus das Licht, die Liebe und die Milde hervorgehen, und es fand nur eine Erzeugung der Starrheit der Strenge und der Wut statt. So ist Saturn das Gegenteil der Milde.

Ich will nebenbei bemerken, dass die Ringe des Saturn, die vom Körper des Planeten abgesondert sind, und in ihrer Dichtheit gleichsam Risse und Brüche darbieten, diese Erklärung seines Ursprunges in der Strenge und Starrheit zu bestätigen scheinen. Die Kälte sondert die erzeugenden Kräfte ab, statt sie zu vereinigen; sie wirkt nur durch Zwang, gleichsam von Zeit zu Zeit und stoßweise; und selbst in den Körpern, die sie hervorbringen kann, erzeugt sie nur Zerstücklungen wie Spalten, als eine Folge der Zertheilung und der Gewaltsamkeit, worin ihre erzeugenden Kräfte sich befinden. Saturn ist nicht wie die Sonne an ihren Ort gefesselt; er ist nicht ein fremder im Raume verkörperter Kreis; er ist ein Sohn, der aus der Kammer des Todes der rauhen, strengen und kalten Angst erzeugt ist. Nichts destoweniger ist er ein Hausgenosse in dem Raume, worin er seinen Umschwung macht; aber seine körperliche Eigentümlichkeit hat er für sich, wie ein Kind, wenn es von der Mutter geboren ward. Er ist es, der alle Kräfte der Natur austrocknet und festmacht, und der durch dieses Mittel jede Sache zur Verkörperung führt; es ist seine zusammenziehende Kraft, die hauptsächlich die Knochen in den Geschöpfen erzeugt. Ebenso wie die Sonne das Herz des Lebens ist und ein Ursprung dessen, was man die Geister in den Körpern dieser Welt nennt, so auch ist es Saturn, bei dem alle Verkörperung beginnt. In diesen beiden Sternen wohnt allein die Kraft des ganzen Körpers dieser Welt. Ohne ihre Kraft konnte es im Naturkörper dieser Welt kein einziges Geschöpf und keine einzige äußerliche Gestalt und Bildung geben. Uranus oder Herschel, der zur Zeit des Autors nicht bekannt war, und der noch tiefer als Saturn in den Raum der Starrheit und Kälte eingesenkt ist, könnte nach dem eben aufgestellten Grundsatz denselben Ursprung wie dieser Planet haben. Was die zwei neuen Planeten Leres und Pallas betrifft, die zwischen Mars und Jupiter stehen, so mögen sie vielleicht mehr oder weniger von der ursprünglichen Ursache ihrer beiden Nachbaren enthalten, nämlich vom Lichte und vom Feuer.

Venus.

Venus, der liebliche Planet oder die Triebfeder der Liebe in der Natur, hat ihren Ursprung vom Ausflusse der Sonne. Als die beiden Quellen, die der Bewegung und die des Lebens, sich aus der Sonne durch die Entflammung des Belichten im Wasser erhoben, drang die Milde durch die Kraft des Lichtes durch eine sanfte freudenreiche Schwängerung in die Kammer des Todes ein, indem sie sich über sich selbst wie eine Wasserquelle und in einem der Wut des Blitzes entgegengesetzten Sinne erhob. Hieraus ist die Milde und die Liebe in den Quellen des Lebens hervorgegangen. Denn als das Licht der Sonne den ganzen Sonnenkörper durchdrungen hatte, stieg die Kraft des Lebens, die sich von der ersten Schwängerung erhob, über sich selbst empor, so wie man Holz anzündet, oder so wie man Feuer aus einem Steine schlägt. Man sieht zuerst den Glanz, und aus dem Glanze den Ausbruch des Feuers. Nach dem Ausbruche des Feuers die Kraft des entzündeten Körpers. Das Licht mit der Kraft des entzündeten Körpers erhebt sich urplötzlich über den Ausbruch und regiert viel höher, tiefer und mächtiger, als des Feuers Ausbruch. Also muss man das Dasein der Sonne und der beiden Planeten Mars und Jupiter begreifen. Weil aber der Ort der Sonne, nämlich die Sonne, wie auch alle anderen Orte, in sich alle Eigenschaften nach dem Bilde dessen, was in der ewigen Harmonie existiert, in sich hatte, so wurde auch dieser Ort der Sonne sogleich entzündet, alle Eigenschaften fingen an zu wirken, und sich nach allen Richtungen hin auszudehnen. Sie entwickelten sich nach dem ewigen Gesetze, welches ohne Anfang ist. Die Kraft des Lichtes, welches im Orte der Sonne die herben und bitteren Formen oder Qualitäten weich und gedehnt wie Wasser gemacht hatte, stieg alsdann unter sich in einer Weise herab, die derjenigen, die sich in der Wut des Feuers erhebt, entgegengesetzt ist. Daraus ist der Planet Venus entstanden; denn sie führt in das Haus des Todes die Milde und Sanftmut ein, entzündet das Öl des Wassers, durchdringet sanft die Härtigkeit und entstammt die Liebe. In Venus ist das Ober-Regiment oder die bittere Hitze, welche in ihr, wie in allen Dingen fundamental vorhanden ist, begierlich nach Mars, und die Sensibilität ist begierlich nach Jupiter. Die Macht der Venus macht den wütenden Mars geschmeidig, sie besänftiget den Jupiter und macht ihn zurückhaltend und gemäßigt, sonst würde die Kraft des Jupiter durch die herbe Kammer des Saturn, so wie durch die Hirnschale der Menschen und Tiere dringen, und die Sensibilität würde sich in Vermessenheit gegen das Gesetz der ewigen Erzeugung erheben. Venus ist eine Tochter der Sonne. Sie hat eine große Begierde nach dem Lichte, sie ist davon durchdrungen. Deswegen hat sie in Vergleich mit den übrigen Sternen einen so strahlenden Glanz.

Merkur.

In der höheren Ordnung der harmonischen Gesetze, der sieben ewigen Formen ist Merkur das, was der Verfasser den Hall nennt. Dieser Hall oder dieser Merkur ist seiner Meinung nach auch in allen Geschöpfen der Erde, weil ohne dies nichts wohl lautend sein würde und nicht einmal ein Geräusch machen könnte. Er ist das scheidende Prinzip. Er erweckt den Keim in einer jeden Sache; er ist der Hauptarbeiter im Planetenrade. Was den Ursprung des Merkur in der Ordnung der Planeten anbelangt, so schrieb dies der Autor dem Triumphe zu, der über die Herbigkeit durch die Kraft des Lichts errungen wurde. Weil diese Herbigkeit, die den Hall oder den Merkur in allen Formen und Kräften der Natur verschloss, indem sie schwächer ward, denselben befreite. Dieser Merkur, welcher alles, was Leben hat, scheidet und teilet, welcher der Hauptarbeiter im Planetenrade ist, endlich der gleichsam das Wort der Natur ist, konnte in der Entzündung keinen entfernten Stand von der Sonne nehmen, welche der Heerd, das Zentrum, gleichsam das Herz der Natur ist, weil, da er im Feuer geboren, seine Grundeigenschaften sich einer solchen Entfernung widersetzten und ihn bei der Sonne zurückhielten, von wo aus er seine Macht über alles, was in dieser Welt eristirt, ausübt. Er sendet seine Kräfte in Saturn, und Saturn beginnt deren Verkörperung. Der Autor behauptet, dass Merkur fortwährend von der Substanz der Sonne geschwängert und genährt werde; dass in ihm die Kenntnis dessen beschlossen sei, was in der höheren Ordnung gewesen, bevor die Kraft des Lichtes durch den Umkreis hindurch in das Sonnenzentrum und in den Raum des Weltalls gedrungen sei, (was die verborgene Ursache der Nachforschungen so vieler Neugierigen über das Quecksilber sein könnte.) Er behauptet außerdem, dass Merkur oder der Hall hauptsächlich in den Frauen, was er in allen Wesen die Tinktur nennt, errege und aufschließe und dass dieses der Grund sei, weshalb sie so gerne sprechen.

Der Mond.

Der Autor erwähnt nur dieses einzigen Trabanten. Er sagt, dass, als durch das Licht die Kraft am Orte der Sonne materiell geworden, der Mond in der Art erschienen sei, als sei es für die Erde geschehen ; dass der Mond ein Auszug aller Planeten sei; dass die Erde ihm Schrecken verursache, indem er das Furchtbare ihres Auswurfes seit der Verderbnis sähe; dass der Mond in seinem Umlaufe alles, was er vermag, von der Kraft aller Planeten annehme oder empfange, dass er wie das Weib der Sonne anzusehen sei, dass alles, was in der Sonne subtil und spirituös ist, im Monde verkörpert wurde, weil der Mond bei der Verkörperung mitwirkt u.s.w. Der Autor sagt nichts von den Kometen. Ich habe sie (im Geist und Wesen der Dinge) mit einer Art Kriegsboten verglichen, die in Ausübung ihres Amtes mit allen Punkten einer Armee und eines Schlachtfeldes die Verbindung unterhalten. Dieses könnte unsere Verwunderung mindern, wenn wir wahrnehmen, dass die Kometen jede Art Richtungen nehmen, was den Planeten nicht eigen ist. Außerdem könnte das oben aufgestellte System, wenn es richtig wäre, uns behilflich sein, den Ursprung dieser Kometen und ihre Bestimmung zu begreifen. Denn der Autor lässt uns hinlänglich verstehen, dass die Kraft des Lichts großen Anteil an der Formation unseres Planetensystems, so wie die Kraft des Feuers großen Anteil an der Formation der Gestirne gehabt, die der Autor als im bitteren Wallen des Feuers befindlich betrachtet. Da nun aber die Harmonie nur in der Vereinigung der Kraft des Feuers und des Lichtes bestehen kann, so könnten die Kometen auf eine eigentümliche Weise von dem Einen und von dem Andern nur in verschiedenen Abstufungen gebildet worden sein, wie man dieses durch die große Verschiedenheit ihrer Erscheinung und ihrer Farbe vermuten dürfte. Hieraus könnte man entnehmen, dass es die Aufgabe dieser Kometen sei, als Organ des Verkehrs zwischen der Region der Sonne und zwischen der Region der Sterne zu dienen, und diese Meinung würde sich bestätigen, wenn man bemerkt, dass sie sich in ihrem Perihelium mehr oder weniger der Sonne nähern, und dass sie durch die große Exzentrizität ihrer Elipsen der Region der Sterne die Gegenwirkung der Sonne, und der Sonne die Gegenwirkung der Sterne hinüber und herüber tragen können. Es wäre selbst nicht notwendig, dass diese Kometen sich der Region der Sterne zu sehr näherten, wenn sie sich zu dieser Region erhoben, wie wir ja auch sehen, dass, wenn sie in unsere Sonnenregion kommen, sie sich sogar in ihrem Perihelium in einer hinlänglich großen Entfernung von der Sonne halten. Dieses ist die Hypothese, die ich neben der der beiden berühmten Schriftsteller, von denen oben die Rede war, glaubte, aufstellen zu dürfen. Ich habe sie nur sehr im Auszuge mitgeteilt. Um eine vollständige Idee davon zu geben, müsste man alle Werke des Autors, die er an’s Licht gestellt, zergliedern, und dennoch dürfte ich mich nicht schmeicheln, hiermit allen Einwendungen ein Ende gemacht zu haben. Aber ich könnte den oben gedachten Gelehrten sagen, dass, wenn diese Hypothese ihre Unvollkommenheiten habe, die ihrigen deren vielleicht noch mehr hätten, weil sie uns nicht eine der lebendigen Grundlagen vorlegen, von denen es scheint, als dienten sie der Natur zugleich als Prinzip und als Quellpunkt; dass sie außerdem Ruhm genug in den Wissenschaften besitzen, die nicht auf Mutmaßungen beruhen, um sich nicht gedemütiget zu fühlen, wenn ein anderer in den Wissenschaften, die nicht Gegenstand einer Analyse sind, das Ziel näher getroffen.

Am Baume der menschlichen Erkenntnis gibt es mehrere Zweige. Alle diese Zweige, obgleich unterschieden, dienen, statt zu schaden nur dazu, unsere Kenntnisse zu erweitern. Nehmen wir z.B. eine Leier, und zeigen sie mehrern Menschen. Der eine könnte genau die äußern Dimensionen beschreiben. Geht ein anderer weiter, indem er alle Stücke dieser Leier erklärt, gibt er mir eine richtige Idee von allem Material, woraus sie besteht, von der ganzen Einrichtung und von allen Handgriffen, der sie unterworfen war, um sie zur Erfüllung ihrer Bestimmung geeignet zu machen, so wird dieses nicht hindern, das die erste Beschreibung des ersten Erklärers sehr richtig und sehr gut sei. Ist endlich ein dritter im Stande, dich die Töne der Leier hören zu lassen und dein Ohr durch eine harmonische Melodie zu entzücken, so wird sein Talent eben so wenig den beiden frühern Erklärungen schaden. Deswegen lege ich mit Vertrauen den in den exakten Wissenschaften Kundigen die Hypothese, von der es sich handelt, vor, weil trotz des unermesslichen Feldes, das sie umfasst, sie nicht verhindern wird, dass ihre Entdeckungen in den äußern astronomischen Tatsachen von der größten Wichtigkeit seien, und dass die wunderbare Macht der Analyse, sie täglich und mit sicherm Schritte in der Kenntnis der bestimmten Gesetze weiterführe, die nicht bloß die Himmelskörper, sondern alle physische Erscheinungen der Welt beherrschen. Und selbst, je mehr Fortschritte der Art sie machen werden, um so willkommener wird es mir sein, weil ich überzeugt bin, dass sie hier durch eben so den Grenzen der übrigen Wissenschaften näher rücken und nicht zögern werden, einen unzerstörbaren Bund unter ihnen zu bilden, sobald sie erkannt, dass sie alle Ansprüche auf Verbrüderung haben. Außerdem will ich bemerken, dass, wenn trotz der neuen und überraschenden Farben, diese Hypothese noch Lücken zeigt, man sich hierüber nicht wundern müsse. Wer eine ungewöhnliche Bahn eröffnet, dem darf man es wohl verzeihen, wenn er sie nicht ganz durchlaufen hat. Die Geschichte der Wissenschaften lehrt uns, dass, obgleich durch die Theorie der Bewegung der Erde, die meisten der Zirkel schwanden, mit denen Ptolomäus die Astronomie verwirrte, Copernikus doch mehrere derselben noch beibehielt, um die Ungleichheiten der Himmelskörper zu erklären. Sie lehrt uns, dass Kepler, irre geführt durch eine glühende Einbildungskraft, vernachlässigte, auf die Kometen die herrlichen Gesetze anzuwenden, die er über das Verhältnis des Quadrats der Umlaufszeiten der Planeten und Trabanten und den Kubus der großen Are ihrer Bahnen aufgefunden hatte, weil er den gemeinen Glauben teilte, dass Kometen nur im Äther erzeugte Meteore seien, und deswegen ihre Bewegung zu beobachten versäumte. Endlich lehrt sie uns, dass selbst Newton, ohnerachtet der Schätze, die er über das Phänomen des Weltsystems sammelte, über die Bewegung der Kometen, über die Ungleichheit der Bewegungen des Mondes, die von der vereinten Einwirkung der Sonne und der Erde auf diesen Trabanten herrührt, diese Entdeckungen kaum nur flüchtig entworfen hat, und dass unter den Abweichungen, die er in der Bewegung des Mondes beobachtete, das Schwanken dieses Sterns seinen Forschungen entging. Außerdem werde ich ihnen sagen, dass, wäre diese Hypothese wahr, einige Lücken oder einige Irrtümer nicht hinderten, aus dem Richtigen in ihr einigen Nutzen zu ziehen, weil sogar in der Wissenschaft der Bewegung des Himmels, eine Wissenschaft, die zu den exakten gehört, man sehr lange richtig rechnen konnte, obgleich man nicht alle Sterne kannte, woraus unser Planetensystem besteht. Ebenso war vor der Entdeckung der drei neuen Planeten das Unbekanntsein derselben den Astronomen kein Hindernis, uns auf eine ziemlich genaue Weise die Rückkehr der Kometen zu bestimmen, weil diese unbekannten Planeten, da sie entweder zu entfernt oder zu klein waren, durch ihre Attraktion keine bemerkbare Schwankung bei den Kometen, die bei ihnen vor übergegangen, hervorbringen konnte. Ich werde hier die Astronomie nicht verlassen, ohne die allgemein angenommenen Mutmaßungen zu untersuchen, dass die anderen Planeten, da sie eine Menge ähnlicher Beziehungen wie die Erde haben, wahrscheinlich wie diese auch bewohnt seien. Ich habe im Geiste und Wesen der Dinge gesagt, dass die Erde sogar, wenn sie nicht bewohnt wäre, nichts desto weniger eristiren würde, weil diese ihre Eigenschaft, bewohnt zu sein, für ihre Eristenz nur sekundär und fremd ist. Also, ob gleich sie bewohnt, so ist dies kein entscheidender Grund hier aus zu schließen, dass die anderen Planeten es auch seien, trotz der Analogie, die zu dieser Mutmaßung berechtigt. Man kann auch beobachten, dass die Vegetation für die Erde keine wesentliche und notwendige Eigenschaft ist, weil sie in einigen Klimaten unfruchtbar und weil der Sand und die Felsen, die doch alle erdhafter Substanz sind, dennoch das Sinnbild der Unfruchtbarkeit darstellen. Zugleich sieht man, dass die Sonne das direkte Mittel ist, welches diese Vegetation auf ihr entwickelt, weil sie nach Maßgabe der Nähe dieses Sterns vegetiert, und weil sie unfrucht bar ist, sobald sie sich von ihr entfernt; aber man sieht auch, dass, wenn sie sich ihr zu sehr nahet und die Sonne das Übergewicht bekommt, die Erde sich verkalkt, sich mit Sand und Staub bedeckt und unfruchtbar wird. Nach diesem kann man vermuten, dass, da die Erde für die Vegetation empfänglich ist, sie in der Reihe der Planeten an den Ort gestellt wurde, welchen sie in der gehörigen Entfernung von der Sonne bedurfte, damit sie ihre sekundäre Anlage zur Vegetation erfüllen könne. Und hieraus könnte man folgern, dass die andern Planeten für die Vegetation zu fern ständen. Außerdem könnte man ohne Zweifel in Bezug auf die Vegetation großes Licht aus dem Unterschied der Festigkeit der Planeten sammeln, und vielleicht könnte dieses Licht uns über die eigentliche Natur dieser Himmelskörper aufklären, denen wir keineswegs eine Gleichartigkeit der Grundsubstanzen absprechen dürfen, weil wir zwischen der Erde und den anderen Planeten eine vollständige Analogie in den Gesetzen ihrer Bewegungen, in den Gesetzen ihrer Schwere und in den Gesetzen ihrer Anziehungskraft finden, was bei den großartigen Beobachtungen, welche die Astronomen und die Mathematiker täglich über den Lauf dieser großen Körper und über ihre äußeren Erscheinungen machen, als Führer dient. Aber während wir die Entdeckung dieses Lichts noch abwarten, müssen wir wenigstens im Allgemeinen für die anderen Planeten eine individuelle und unterschiedene Bestimmung annehmen, sie mögen bewohnt sein oder nicht, wenn wir zu etwas einigermaßen Genügendem über ihre Existenz gelangen wollen. Denn die wahrscheinliche Unfruchtbarkeit der andern Planeten, welche der Sonne zu fern oder zu nahe stehen, scheint ein Grund mehr zu sein, vermuten zu dürfen, dass sie nicht bewohnt sind. Nun aber kann man kein System hierüber aufstellen, ohne zugleich eine Bestimmung für das Weltall voraus zu setzen, und ohne diese zu kennen. Die menschlichen Wissenschaften aber behaupten, die Erkenntnis einer solchen sei unmöglich. Aus demselben Grunde könnte man keine Bestimmung für das Weltall anerkennen, wenn man über die Natur des Menschen nicht ganz einig wäre, um zu wissen, ob jene Bestimmung und der Mensch nicht in einiger Beziehung stehen. Nun aber behaupten die menschlichen Wissenschaften ebenfalls, dass es unmöglich sei, die menschliche Natur zu erkennen, oder besser gesagt, sie vermengen dieselbe mit der der Tiere, was den Menschen in dieselbe finstere und ungewisse Lage zurückstürzt, in welche dieselben Wissenschaften die ganze Natur versetzen, nämlich unter den Urteilsspruch, welcher die Erkenntnis der Bestimmung dieser Natur für unmöglich erklärt. Endlich um die Bestimmung des Menschen zu erkennen, müsste man auch wissen, woran man sich hinsichtlich des allgemeinen Prinzips der Dinge, oder jener höchsten Macht, der man die Benennung Gott gegeben hat, zu halten habe; und die menschlichen Wissenschaften haben die höchste Macht aus der Ordnung der Wesen ausgetilgt. Wenig durch die Religions-Schulen ermutiget, wo man mehr behauptet, als erklärt, haben sie das Prinzip mit dem Missbrauch, den die Menschen damit getrieben, verwechselt und so das eine mit dem andern verbannt. Übrigens waren die Lehrer in diesen menschlichen Wissenschaften, indem sie mit so großem Erfolge ihre physischen, mathematischen und analytischen Kenntnisse auf die äußeren Eigenschaften der Welt anwandten, und nur diese äußern Mittel anwandten, mit Grund über die Ergebnisse erstaunt, welche diese Mittel ihnen darboten, nicht nur, weil sie keine anderen Mittel als diese kannten, nicht nur, weil sie für die äußern Aufgaben, die sie sich stellten, die Kenntnis anderer nicht bedurften, sondern, weil sie jede Art Beobachtung, die über den Kreis, in welchem sie sich eingeschlossen hatten, hinausging, verächtlich zurückwiesen. Wie könnte man es erlangen, ich sage nicht, sie mit Fragen und Wahrheiten einer andern Ordnung, als die, welche sie beschäftigen, zu befreunden, sondern nur einmal in dieser Hinsicht einen Augenblick bei ihnen Gehör zu finden und einen Augenblick ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Ich will mich daher hinsichtlich der andern Planeten an die einfachen Beobachtungen halten, die ich oben gemacht habe. Dennoch, so zu sagen, seitdem ich denken kann, dazu verurteilt, auf Fußsteigen zu wandern, die wenig gebahnt sind, und voller Baumwurzeln stehen, glaube ich mich meinem Geschick unterwerfen zu müssen, indem ich nach Kräften die wichtige Aufgabe der Bestimmung unserer Erdkugel behandle.

Ich werde den Gelehrten der Welt einige Wege der Wiederversöhnung anbieten, welche, ohne den Ruhm, den sie verdienen zu schmälern, und ohne die Kenntnis zu verwerfen, deren sie sich erfreuen, sie vermögen könnten, die Möglichkeit einzugestehen, dass der Kreis, worin sie sich abschlössen, weniger abgeschlossen und beschränkt sei, als ihre Wissenschaften es verkünden. Ich werde mich bestreben, sie aufmerksam zu machen, dass die Sphäre, die zu erreichen der Mensch das Recht und das Bedürfnis hat, nicht so unerreichbar sein kann, als sie es behaupten, und dass sogar, um das Maß unserer Intelligenz zu erfüllen, wir einer Ergänzung bedürfen, welche sie uns trotz ihrer merkwürdigen Entdeckungen, womit sie uns täglich bereichern, nicht geben. Der Mensch kommt häufig auf einen merkwürdigen Einwand, wenn er den geringen Platz betrachtet, welchen unsere Erde unter den Himmelskörpern einnimmt, und den höhern Rang, welchen wir in Betreff ihrer Bestimmung ihr zu geben gewohnt sind, eine Gewohnheit, wo das unermessliche Schau spiel des Weltalls unserer Vernunft nur den Stolz als Erklärung gestatten würde, wollten wir nur dem Berichte unserer Augen folgen. Die Gründe, welche die Beobachter bewogen, unserer Erde eine ausgezeichnete Bestimmung unter den andern Himmelskörpern zu weigern, beschränken sich alle auf die Aussage, dass wir uns auf einem im weiten Raume des Sonnensystems kaum wahrnehmbaren Planeten befinden, der vollends nach der Entdeckung der Nebelflecken und nach der herrschenden Meinung, dass die Sterne ebenso viele Sonnen seien, einen nicht mehr wahrnehmbaren Punkt in der Unermesslichkeit des Raumes sei. Wäre die sichtbare Größe der Wesen das einzige Zeichen und die einzige Regel, um über ihren wirklichen Wert zu urteilen, so würde dieser Einwand unwiderleglich sein. Aber wir haben hinlängliche Beispiele, darzutun, dass dieses Gesetz weit entfernt ist, allgemein und ohne Ausnahme zu sein. Das Auge ist nicht das Organ, welches den meisten Raum im menschlichen Körper einnimmt, und dennoch hat es nicht den niedrigsten Rang unter den anderen Organen, weil es wie ein Wächter, wie eine Schutzwehr und wie ein Erzieher des ganzen Körpers ist. Der Diamant ist im Verhältnis zur Erdmasse von einer unendlichen Kleinheit, und dennoch ist er für uns gegen alle übrigen Materien der Erde genommen, die weit umfangreicher sind als er, vom größten Werte. Diese einfachen Betrachtungen vermögen nur, ich gestehe es, die Schwierigkeit aufzuhalten, ohne sie zu lösen. Wir wollen also zu Beobachtungen übergehen, welche für gewisse Geister größeres Gewicht haben könnten. Da aber nach der Meinung gewisser Gelehrten, von denen oben die Rede war, alle Wahrheiten sich berühren, so bin ich hier genötigt, alle Data zu benutzen, die ich schon dargelegt habe, und welche ich vom Leser als angenommen voraussetze, wie ich sie angenommen. Ich werde mich daher auf den gesunkenen Menschen stützen, an dessen Verderbnis und erniedrigten Zustand ich nicht aufgehört habe zu mahnen. Ich werde mich auf die höchste Liebe und zugleich auf die höchste Gerechtigkeit stützen, indem ich der Reihe nach ihre Aussprüche auf den traurigen Wohnort, den wir bewohnen, eingrabe. Endlich werde ich mich auf die Vorrechte der Religion stützen, deren kräftige Zeugnisse der Geist-Mensch in sich entwickeln kann, ohne sich der Hilfe irgend einer Art Überlieferung zu bedienen, und da sie dem Leib-Menschen unbekannt sind, hierdurch wenigstens beweisen, dass die Sache, welche der Materialist verteidiget, nicht hinlänglich eingeleitet ist, um ein zu seinen Gunsten entscheidendes Urteil fordern zu können. Indem man von dem Grundsatze ausgeht, dass der Mensch ein herabgesetztes und mit dem Gewande der Schmach bekleidetes Wesen ist, können wir ohne Inkonsequenz unsere Erde als unser Gefängnis und als unseren Kerker ansehen; und hier, abgesehen von dem Strome des menschlichen Elends, der sich unaufhörlich über alle Sterbliche ergießt, welcher Mensch würde wohl nicht, wenn er in das Innerste und Geheimste seines Seins einginge, zu Gunsten dieser schmerzlichen Meinung Zeugnis ablegen? Ist nun aber die Erde für den Menschen ein Gefängnis, dann darf man sich nicht wundern, dass sie unter den übrigen Sternen so unscheinbar ist. Denn sogar nach den Regeln unserer menschlichen Gerechtigkeit geben wir den Gefangenen nur verächtliche Räume von geringem Umfange zum Kerker. Die Erde, welche von unserm Autor nur als ein Auswurf der Natur geschildert wird, und welche nach dem Prinzip der Gesunkenheit des Menschen nur ein Kerker ist, braucht auch nicht das Zentrum der Bewegung der Sterne zu sein, wie die Alten und Ticho-Brahe es geglaubt; denn ein Düngerhaufen und ein Kerker sind gewöhnlich weder das Zentrum noch der Hauptort eines Landes. Außerdem sehen wir, dass der Staat wohl seine Gefangenen ernährt, aber nicht mit einem ausgesuchten und wohl schmeckenden Brode. Auch sehen wir, dass unsere Erde sproßt und dass sie fruchtbar und hervorbringend ist, weil trotz unserer Eigenschaft als Gefangene die höchste Gerechtigkeit uns dennoch unsere Nahrung gibt. Wir sehen aber auch zugleich, dass bei unserer Eigenschaft als Gefangene die höchste Gerechtigkeit unsere Erde von Natur nur unvollkommene Früchte hervorbringen lässt und uns nur mit einem Tränenbrode oder mit einem wilden Brode nähret, und dass wir nur auf Kosten unseres Schweißes unsere Lebens weise etwas verbessern können, sowie bei der menschlichen Gerechtigkeit der Gefangene auf die gröbsten Nahrungsmittel beschränkt ist und nichts über seine Portion empfängt, es sei denn, dass er es bezahle. Wenn nach den Einrichtungen unserer menschlichen Gerechtigkeitspflege die Gefangenen auf ein so elendes Dasein beschränkt sind, so sieht man doch von Zeit zu Zeit in ihren Kerker die Hülfe der Wohltätigkeit und der Liebe eindringen; man sieht, dass die heiligen und (118) frommen Tröstungen täglich bis zu ihnen gelangen, wäre ihr Kerker auch noch so verpestet. Mit einem Worte, das Auge und das Mitleiden der höchsten Macht sogar sucht zuweilen diese Wohnungen der Verbrechen heim, wäre die Lage der Schuldigen auch noch so elend. Was würde erst geschehen, wenn es sich träfe, dass der Gefangene in enger verwandtschaftlicher Beziehung mit dem Herrscher stände? Alles dieses ist für uns ein Merkmal, dass, wenn wir auch einerseits der Strenge eines harten Ioches unterworfen sind, dies von der andern Seite doch durch die Herrschaft der Liebe und der Sanftmut gemildert wird, wie uns dieses bildlich durch den Platz, den unsere Erde einnimmt, angedeutet ist, da sie, wie jedermann weiss, zwischen Mars und Venus steht. Wollte der Geist-Mensch daher die Augen öffnen, so würde er bald in sich selbst die unzähligen Hilfsmittel wahrnehmen, welche das Wohlwollen der höchsten göttlichen Macht bis zu ihm, an dem Orte seiner Verbannung, gelangen lässt. Er würde es erfahren, dass, wenn er auch wegen der Kleinheit der Erde unrecht hätte, sie für das Zentrum der Himmelsbewegung zu halten, dieser Fehlgriff verzeihlich war, weil er selbst das Zentrum der göttlichen Bewegung in der Natur sein sollte, und dass alle diese Missgriffe ihren Ursprung in diesem geheimen Gefühle seiner eigenen Größe haben, woher er zur Unzeit die Vorrechte auf sein Gefängnis anwandte, die er nur auf seine Person anwenden durfte, und die sogar in seiner Erinnerung nur traurige Spuren zurückließen, statt der glorreichen Spuren, die sie ihm hätten darbieten müssen.

Daher glaube ich, dass, wenn der Geist-Mensch aufmerksam und beständig dem rettenden Faden folgte, der ihm in seinem Labyrinthe gegeben worden, er dazu gelangen würde, auf eine bestimmte Weise alle Probleme zu lösen, die noch über dem Kerker, in welchem er eingesperrt ist, schweben. Denn die so erworbenen Aufschlüsse würden es ihm fühlbar machen, dass, wenn er gegenwärtig auch nicht mehr den ersten Platz unter den Wesen des Weltalls nach dem Verhältnis der Herrlichkeit einnimmt, er doch aufs Neue auf diesen ersten Platz gestellt ist, wenn er sich nach dem Verhältnis der Liebe betrachtet, und dass, da er in seinem Gefängnisse noch eine Ahnung dieser Linderung hat, dasselbe in sich noch einige Spuren tragen muss, die es mit der Bestimmung, wofür es da ist, verbinden. Nun aber ist diese Bestimmung keine geringere, als ein Tempel zur Reinigung zu sein, in welchem der Mensch sich nicht allein durch die Hilfsmittel, die ihm in Überfluss zugeteilt wurden, wieder in den vorigen Stand setzen, sondern außerdem alle Schätze der höchsten Weisheit, die ihn gebildet hat, wieder empfangen und offenbaren könne und die es nicht verschmäht, auf ihn ihre eigene Liebe und ihr eigenes Licht zu ergießen, weil sie so sehr darnach verlangt, dass ihr Bild in ihm nicht erlösche. Aber um wirklich die Kenntnis dessen zu erreichen, was die Erde in allen Beziehungen ist, unter welchen wir sie geschildert, würde es noch viel wesentlicher sein, den Menschen in den ihn selbst betreffenden Beziehungen zu betrachten, und wenn der Mensch nicht mit einem hartnäckigen Eifer alle heiligen Keime pflegt, die täglich in dieser Absicht in ihm ausgesäet werden, so wird er, sei es nun in Betreff seiner selbst, oder in Betreff der Erde, in die gewöhnliche Unwissenheit und in die blinden Urteile zurückfallen, welche die Folge davon sind. Das Weltall und der Mensch bilden zwei Progressionen, die aneinander geknüpft sind, und die gleichen Schrittes voranschreiten, und das letzte Ziel der Erkenntnis des Menschen wird ihn zum letzten Ziel der Erkenntnis der Natur führen. Da nun aber die menschlichen Wissenschaften diese tätige und bestimmte Erkenntnis des Menschen, die allein uns alles lehren kann und muss, ganz und gar entfernen, so ist es nicht auf fallend, dass sie so weit hinter der wahren Erkenntnis der Natur zurückbleiben. In der Tat, obgleich die Wunder der Naturwissenschaften und hauptsächlich die Wunder der Astronomie uns Freuden gewähren, die uns so zu sagen über diese enge und finstere Welt empor heben, und uns die Übermacht unseres Denkens über unser rein sensibles Wesen kosten lassen, so muss man doch eingestehen, dass diese Wunder nicht allen Bedürfnissen des Geist-Menschen genügen; und es scheint, dass, wenn wir das Vermögen besitzen, auf sinnlich wahrnehmbare Weise die Natur durch alle unsere Sinne zu erkennen, wenn wir das Vermögen besitzen, sie durch unsere Wissenschaften zu messen, wir ein drittes Vermögen haben müssten, nämlich, ihre Triebfedern in Bewegung zu setzen. Denn haben wir ein Sehnen, haben wir Intelligenz und einen großen Vorrat innerer Tätigkeit, wie dieses durch alle unsere Handlungen klar erwiesen ist, so müsste nichts in uns sein, welches unbenutzt bliebe; vollends da diese Natur nur im Werte eines Leibgedinges steht, dürften wir als Oberlehnsherren uns nicht damit begnügen, von unserm Gebiete blos eine Karte aufzunehmen, wir müssten das Recht haben, nach unserem Belieben darüber zu verfügen. Also dürften unsere berühmtesten Naturforscher, unsere gelehrtesten Astronomen durch diese einzige Bemerkung überzeugt werden, dass sie sich nicht im vollständigen Genusse der Rechte des Geist-Menschen befinden. Was wird nun die Folge sein, wenn wir unsere Blicke auf das richten, was man die Endursachen nennt? Eine jede Sache hat 1) ein Prinzip der Tätigkeit, welches wir die Grundlage seiner Existenz nennen können, und welches in der Gesellschaft der Eigenschaft eines Gliedes einer politischen Familie entspricht. 2) Eine Art und Weise der Tätigkeit, nach welcher sie das bewirken muss, was ihr durch ihre Grundlage aufgegeben worden; und diese Art und Weise der Tätigkeit entspricht in der Gesellschaft der administrativen Gewalt. 3) Das Werkzeug oder Agens, welches diese Handlung bewirkt, was in der Gesellschaft der ausübenden Gewalt und im Physischen allen blinden Kräften der Natur entspricht. 4) Einen Zweck, einen Plan, einen Gegenstand worauf diese Handlung zielt und wozu diese Handlung bestimmt ist, wie man leicht verstehen und wozu man in jeder Klasse beliebige Beispiele finden kann. Unter diesen vier Stücken ist keines, von dem wir nicht Kenntnis haben müssten, hauptsächlich, was das Dasein des Menschen anbetrifft, weil es natürlich ist, dass wir als tätige und denkende Kraft wissen, von woher wir diese Kraft empfangen, wie wir sie ausüben müssen, durch welch ein Agens wir sie ausüben müssen und zu welchem Ziele und zu welchem Zwecke wir sie ausüben müssen. Aber wir haben auch das Recht, diese vier Stücke in allen Klassen des Daseins zu beobachten, zu zergliedern und zu erkennen. Man kann dieses im allgemeinen die Endursachen nennen, und man sieht, dass diese sich nicht, so wie man es gewöhnlich glaubt, darauf beschränken, den Grund des Daseins einer Sache, sei es nun im allgemeinen, sei es im besondern zu kennen, weil man so weit fortschreiten kann, dass man das Prinzip, so wie die Art und Weise seiner Tätigkeit erkennen kann. Die menschlichen Wissenschaften bewegen sich um diese Angelpunkte der Erkenntnis, aber sie dringen nicht hinein und behaupten dann, dass man niemals hinein dringen könne. Gewissermaßen suchen sie wohl die Art und Weise der Tätigkeit auf, und dieses ist der Gegenstand aller mathematischen und physischen Untersuchungen, sie mögen nun rein oder angewandt sein. Und sogar durch eine Folge dieses natürlichen Rechtes, welches wir besitzen, möchten sie sich bis zum Prinzip dieser Tätigkeit erheben; aber indem sie es nur in den Wirkungen und nicht in den Quellen suchen , mit einem Worte nur in der Form und nicht in der verborgenen Grundlage dieser Form, so verlieren sie aus den Augen die Grundlage des Daseins der Dinge, die Art und Weise der Tätigkeit, das Agens, das diese Tätigkeit bewirkt und endlich das Ziel dieses selben Daseins. Anstatt dann zu untersuchen, woher diese Wesen kommen, was sie bezwecken und wie sie ihr Ziel erreichen, beschränken sie sich einzig auf die Untersuchung, zu wissen, wie diese Wesen eingerichtet sind. Sie kennen seitdem nicht mehr die Quelle dieser Wesen, noch die wirkliche Art und Weise ihrer Tätigkeit, weder das Wozu ihrer Tätigkeit, noch deren wahres Wie, welches innerlich und verborgen ist, und erschöpfen sich, uns deren falsches Wie zu schildern. Je mehr Schwierigkeiten sie finden, auf diesen Fußsteigen zu gehen, desto hartnäckiger bleiben sie darauf. Und daher kommt es, dass sie fest auf diesen Irrwegen beharren und dass sie so feindlich und so verächtlich gegen das Wozu der Wesen sind; und dieses Wozu ist dennoch die erste Kenntnis, die wir auf suchen müssten, sogar noch ehe wir uns mit ihrem wahren Wie beschäftigten. Was können wir daher von den ausschließlichen Forschungen erwarten, die man uns täglich von ihrem falschen Wie machen lässt? Alle Erzeugnisse unserer Künste haben ein Wozu, und wir sind sehr besorgt, dies erkennen zu lassen, um unsere Werke in Umlauf zu bringen. Derjenige, dem wir sie anbieten, erkundigt sich nicht eher nach ihrem Wie, als bis er sich nach ihrem Wozu erkundigt hat. Selbst der Künstler, der sie hervorbringt, entwirft sich immer zuerst ihr Warum, und erst nach diesem Wozu beschäftigt er sich mit dem Wie ihrer Ausführung. Und gewiss, indem er daran arbeitet, wird er sich nicht bei dem falschen Wie, das eine bloße Form ist, aufhalten, sondern er sucht das wahre und tätige Wie, das am besten das Ziel oder das Wozu, was er sich zum Vorwurf gestellt hat, verwirklichen kann. Diejenigen, welche an eine höchste Quelle des Daseins der Dinge glauben, mussten doch voraussetzen, dass diese wenigstens eben so viel Geist und Intelligenz besitze, als wir, und dass sie folglich bei Hervorbringung ihrer Werke denselben Gang, die selbe Weisheit, dieselbe Art und Weise und dieselbe Leitung hat, die wir bei Hervorbringung der unsrigen haben. Da wir nun aber in unsern Werken nicht nur immer ein Wozu angeben, sondern auch noch ein inneres Wie, welches der Angelpunkt des Werkes und die Art und Weise der Tätigkeit ist, welches diese beiden Wie verbindet, wenn, sage ich, wir alle diese Geheimnisse den Personen mitteilen, denen wir unsere Werke zeigen, so kann die Vorsehung nicht die Absicht gehabt haben, uns diese selben Geheimnisse in den Werken zu verbergen, welche sie uns vor Augen stellt, und unsere Unwissenheit hierüber kann nur unserer Ungeschicklichkeit zugeschrieben werden. Ihr, die ihr wünschen möchtet, den Grund der Dinge zu erkennen, bedenket, dass er sich nicht auf ihrer Oberfläche findet; er findet sich sogar nicht in ihrem äußeren Zentrum, welches das Einzige ist, was die menschlichen Wissenschaften zu eröffnen verstehen. Es kann sich nur in ihrem inneren Zentrum finden, weil dort ihr Leben wohnet. Da aber ihr Leben die Wirkung des Wortes ist, so kann sich ihr inneres Zentrum auch nur durch das Wort eröffnen, und ohne dieses Mittel, ich scheue mich nicht es zu sagen, wie könnte man wohl wegen eines sehr berühmten Fluidum unserer Zeit den ausgesetzten Preis erhalten? Man kann ihn nicht verdienen, weil dieses Fluidum, obgleich man mit Recht ein ernstes Studium daraus macht, und obgleich es in der Tat zu großen Entdeckungen führen kann, doch noch, um mit Jacob Böhms Worten zu reden, in den vier ersten Formen der Natur eingeschlossen ist, und weil nur das Wort die Pforte seines Gefängnisses aufschließen kann.Ich werde hiermit das, was ich über die Himmelskörper zu sagen hatte, beschließen, und nun zum Hauptzwecke meines Werkes übergehen, der in einer Abhandlung über die Ruhe der Natur, über die Ruhe der menschlichen Seele, und über die Ruhe des Wortes besteht; eine Ruhe, zu der der Dienst des Geist-Menschen mitwirken muss. Der Mensch nimmt einen verschiedenen Charakter bei einer jeden der drei Stufen dieses hohen Unternehmens an. Auf der ersten Stufe kann er sich als Herrn der Natur betrachten, und er muss dies wirklich sein, damit sie von ihm Linderung empfangen könne. Auf der zweiten Stufe ist er nur noch der Bruder seiner Nebenmenschen, und er gibt sich weniger als Herr wie als Freund ihrer Linderung hin. Endlich ist er auf der dritten Stufe nur noch ein Diener und ein Tagelöhner dieses Wortes, dem Linderung zu bringen er versuchen muss; und nur dadurch, dass er in den untergeordnetsten Rang eintritt, wird er im eigentlichsten Sinne zum Arbeiter des Herrn. Aber die erste Pflicht, die der Mensch zu erfüllen hätte, um zur Erleichterung der Natur beizutragen, würde darin bestehen, dass er ansinge, sie nicht mehr zu quälen und ihr nicht mehr zu schaden. Bevor sein Atem die Kraft, sie zu reinigen und sie zu beleben wieder erlangt hatte, müsste er sich selbst hinlänglich gesund machen, um nicht das Weltall zu verpesten, wie er es täglich tut. Was bewirkt er in der Tat fortwährend auf Erden? Wenn die reine Luft uns in unseren Wohnungen aufsucht und hinein dringt, sollte dieses nur deswegen geschehen, um unserem Leben ein neues Beförderungsmittel zu bringen? Sollte es vielleicht nicht deswegen geschehen, damit sie selbst von uns die Erlösung und Befreiung von der fressenden Aktion empfange, unter der sie seitdem Abfalle leidet? Und wir dagegen, wir verderben sie nur noch mehr, und machen sie nur noch zerstörender nicht allein durch unfern Verwesungshauch und unsere vergiftete Ausdünstung, sondern mehr noch durch die Ansteckung unserer Gedanken. Die Erde, auf der wir wandern, zeigt uns in jeder ihrer Poren einen Mund, der von uns einen tröstenden Balsam verlangt, um die Wunden zu heilen, die sie zernagen; wir aber, statt ihr Ruhe und Leben wiederzugeben, wir wissen ihren Durst nicht anders als mit dem Blute der Menschen zu stillen, das wir in unserer kriegerischen und fanatischen Wut vergießen, und das bloß die Schmerzen vermehren kann, die sie leidet, da es in ihr Inneres gelangt, noch rauchend von der Wut und von den rohen Leidenschaften des Menschen! Ähnlich jener Göttin, die auf dem Berge Iva unter ihren Schritten die Erde erblühen machte, überladen wir unsere herrlichen Gärten mit einer Menge Pflanzen und mit prachtvollen Bäumen; aber statt ihnen das Leben jener Erzeugnisse des Garten Edens zu geben, kommen wir Scharenweise, und lassen unsere Nachlässigkeit und unseren Müßiggang zwischen ihnen sich ergehen. Wir erfüllen mit unseren toten oder tötlichen Worten die Atmosphäre, die sie umgibt; wir stören den kräftigen Einfluß, den die Natur geschäftig ist, ihr zu spenden; und aus Furcht, dass in diesen herrlichen öffentlichen Gärten, die uns das Elysium der Dichter beinahe wirklich vorstellen, die schönen Bäume, welche den Hauptteil ihres wunderbaren Schmuckes ausmachen, ihre Lebenskraft zu lange bewahren möchten, brennen wir sie mit dem Ätzendsten bis in ihre Wurzel, ohne nur zu bedenken, ob nicht um uns herum keusche und schamhafte Augen seien, die vor unseren unmoralischen und empörenden Unanständigkeiten erröten. Ach nein, entarteter Mensch, in der Horde, welche in diesen öffentlichen Gärten gedankenlos, wie du selbst, unter dem gastlichen Schatten herumirrt, gibt es kaum noch keusche und schamhafte Augen, die du durch deine unmoralische und empörende Unanständigkeit zum Erröten bringst! Der Tod in deinen Sitten ist auch bei den meisten jener Wesen eingedrungen, die den Stein der Weisen verloren haben, und deren Zahl du nur vermehrst. Dennoch könnte man deren finden, die ihn bewahrt hätten. Wenn du dann ihr Zartgefühl oder ihre Unschuld nicht mehr zu achten verstehst, dann werde ich nicht mehr darüber murren, dich die Bäume verpesten zu sehen, geschähe es nicht, um dir deine Inkonsequenz vorzuwerfen, weil jene Bäume dazu bestimmt sind, dein Auge zu erfreuen, und dich vor der Glut der brennenden Sonnenstrahlen zu schützen. Mit unseren astronomischen Instrumenten dringen wir in die weiten Tiefen des Himmels; täglich entdecken wir hier Wunder, welche unser Erstaunen erregen, und wenn die mächtigen Quellen, die alle diese Himmelskörper und auch den Raum, worin sie schwimmen, beseelen, sich unseren Augen nur zu öffnen scheinen, damit wir von ihnen aus, so viel wir es vermögen, uns jenen noch mächtigern Quellen nahen, von denen sie getrennt sind, was tun dann wir? Statt unseren Eifer anzuwenden, ihren alten Bund wiederherzustellen, häufen wir das Maß ihrer Trauer, ihnen sagend, dass sie unrecht haben würden, wollten sie nach einem anderen Zustande seufzen; dass sie all die Ruhe besitzen, worauf sie Anspruch haben, und dass sie vergebens eine andere Kraft als ihre eigene anrufen; mit einem Worte, verlangen sie von uns, sie jenem Wesen näher zu bringen, dass so weit über ihre Wohnung erhaben ist, jenem Wesen, ohne welches kein Wesen Frieden genießt, so führt unser tiefes Wissen uns zu Lästerungen, mit denen wir ihren majestätischen Umkreis erfüllen und in ihren himmlischen Hallen laut verkünden, es gibt keinen Gott. Soll man mit Menschen, die sich in einer so großen moralischen und intellektuellen Verirrung befinden, von dem wahren Dienst des Menschen in der Natur reden? Würden sie geeignet sein, ihn zu erfüllen?

Sie würden sogar nicht einmal fähig sein, ein einziges Wort von dem zu verstehen, was auf diesen wichtigen Dienst Bezug hätte, und eine jede Lehre dieser Art würde sie nur reizen und ihre höhnische Verachtung erregen. Aber diejenigen, die dem Strome widerstanden, zu diesen werde ich mit Vertrauen über diese große Aufgabe reden, und ich werde mich bei ihnen aller Begriffe und aller Glaubenssätze bedienen, die wir gemeinsam besitzen. Das große Verbrechen der Juden bestand nach Moses darin, der Erde keine Ruhe oder keinen Sabbat verschafft zu haben. In der Tat, ich schlage das 3. Buch Moses auf und ich sehe, dass nach der gänzlichen Zerstreuung und nach allen Unfällen, womit Moses sie bedroht, er auch noch hinzufügt: »Dann wird das Land sich seiner Sabbate freuen, alle Tage, die es in Einsamkeit zubringen wird; wenn ihr sein werdet in Feindes Land, wird es feiern und ruhen an den Sabbaten seiner Einsamkeit, weil es nicht geruhet an euren Sabbaten, da ihr wohntet in demselben.« Nahen wir uns durch diese Stelle der Idee, die wir vom Volke Israel zu bilden haben, welches das Erbe des Herrn war (Isaias 19, 23.), nahen wir uns von der Idee dieses Volkes aus und von dem schönen Namen, den es trägt, der Idee, welche wir von dem Menschen bilden müssen, der vorzugsweise das Erbe des Herrn sein wird, wenn dieses Weltall, welches jetzt noch uns besitzet, das Ziel seines Daseins erreicht haben wird; nahen wir uns endlich von dem hohen Dienste, den wir den Augen des Menschen zu schildern versuchten, der Aufgabe, die das Volk Israel in Judäa zu erfüllen hatte und die darin bestand, der Erde den Sabbat zu verschaffen oder ihr die Ruhe zu geben, und wir werden in dem jüdischen Volke und im Menschen dieselbe Bestimmung und dasselbe Amt wahrnehmen, wie wir auch bei beiden dieselben Ansprüche und dieselbe Befähigung sehen. Findet sich ein Unterschied, so ist er zu Gunsten des Menschen. Israel ist nur der Plan und der Entwurf des Menschen im Kleinen. Der Mensch ist Israel im Großen. Israel war nur beauftragt, dem gelobten Lande die Sabbatruhe zu verschaffen; der Mensch ist beauftragt, der ganzen Erde, wenn nicht dem ganzen Weltall, Ruhe zu geben. Aber es ist notwendig, uns von dem Ausdrucke, »Sabbatruhe verschaffen,« Rechenschaft zu geben, damit wir besser fühlen, was wir unter dem Dienste des Geist-Menschen zu verstehen haben. Wir können nicht umhin, zu glauben, dass die Erde, unabhängig von den irdischen Früchten, die sie uns täglich hervorbringt, noch andere Früchte hervorzudringen habe. Die erste Hindeutung, welche wir hiervon haben, ist der Unterschied, den wir zwischen den wilden Früchten wahrnehmen, welche die Erde von Natur trägt, und zwischen solchen, die wir durch unsere Kultur aus ihr ziehen, etwas, was den Schärfer blickenden anzeigen könnte, dass die Erde nur den Beistand des Menschen erwarte, um aus ihrem Schooße noch viel merkwürdigere Wunder hervorzubringen. Eine zweite Hindeutung hierfür ist, dass es wenige heidnische Völker gegeben, die der Erde nicht einen religiösen Kultus erwiesen hätten. Endlich unterstützet die Mythologie unsere Vermutung, indem sie uns von den goldenen Äpfeln im Garten der Hesperiden spricht; die Menschen durch eine Göttin in der Kunst des Ackerbaues unterrichten lässt, wie auch Hesiodus berichtet, dass die Erde unmittelbar aus dem Chaos hervorging, dass sie sich mit dem Himmel vermählte, und dass sie Mutter von Göttern und von Riesen ward, von Gütern und von Übeln, von Tugenden und von Lastern. Wenn wir von diesen natürlichen und mythologischen Beobachtungen zu den Überlieferungen einer anderen Art gehen, so werden wir in der Genesis (4, II. 12.) sehen, dass nach dem Todschlage Abels dem Kain gesagt wurde: »Derohalben sollst du verflucht sein auf der Erde, die ihren Mund aufgetan und deines Bruders Blut von deiner Hand empfangen hat. Wenn du sie bauest, soll sie dir ihre Früchte nicht geben.« Nun aber bemerken wir nicht, dass die Erde nur von der Hand eines Gerechten bebauet werden könne bei Strafe unfruchtbar zu bleiben. Wir bemerken eben so wenig, dass es das Blut des Menschen sei, dass sich ihrer Fruchtbarkeit widersetzt. Die Felder Palästinas waren ganz von dem Blute seiner Bewohner getränkt, die das Volk Israel auszurotten beauftragt war, und die Fruchtbarkeit dieses Landes gehörte unter die Verheißungen und Belohnungen, welche zu verlangen das jüdische Volk ein Recht hatte, wenn es sich nach den Gesetzen richtete, die ihm vorgeschrieben waren. Ebenso wenig sehen wir, dass in unseren Kriegen die Felder, in denen wir Haufen von Leichen einscharren, mit Unfruchtbarkeit geschlagen werden. Im Gegenteil, sie zeichnen sich durch ihre erstaunliche Fruchtbarkeit aus. Während also das ungerecht vergossene Blut der Menschenrache bis zum Himmel schreiet, sehen wir nicht, dass die irdischen Gesetze der Vegetation der Erde in Folge eines Mordes weder im Allgemeinen noch im Besondern unterbrochen noch aufgehoben werden. Als dem Kain nach seinem Verbrechen gesagt wurde, dass, wenn er die Erde bearbeite, sie ihm keine Frucht mehr tragen werde, so beweget uns alles zu dem Glauben, dass bei dieser Arbeit von einer anderen als der gewöhnlichen und gemeinen Kultur die Rede war. Welch‘ eine andere Idee könnten wir uns nun aber von dieser anderen Kultur machen, die nicht in das Gebiet des wahren Dienstes des Geist-Menschen einschlüge, oder in jenes große Vorrecht, das ihm verliehen wurde, der Erde die Sabbatruhe verschaffen zu können? Immer ein Vorrecht, das mit dem Verbrechen unverträglich ist und welches aufhören und bei denjenigen aufgehoben werden muss, die nicht nach der Gerechtigkeit wandeln. Wir können aber keinesweges in den Sinn des Ausdrucks »Sabbatruhe verschaffen« eindringen, ohne unsere Zuflucht zu den frühern Begriffen und Anzeichen zu nehmen, von denen wir schon ein Bild entworfen, und ohne die sieben Formen oder die sieben Kräfte, welche unser Autor Jacob Böhm als Basis der Natur festsetzt, wenn auch nicht als wahr, wenigstens doch als Voraussetzung zu betrachten. Außerdem mussen wir mit ihm annehmen, dass als eine Folge der großen Verderbnis diese sieben Formen oder diese sieben Kräfte in der Erde wie in den übrigen Gestirnen begraben, dass sie darin wie konzentriert und aufgehoben sind, und dass diese Aufhebung es ist, welche die Erde in der Beraubung und im Leiden hält, weil sie nur durch die Entwicklung dieser Kräfte oder dieser Formen selbst alle Eigenschaften entwickeln könnte, die in ihr niedergelegt sind und die sie zu offenbaren verlangt, eine Beobachtung, die man auf die ganze Natur anwenden kann. Endlich müssten wir nochmals das Bild des Menschen zeichnen, der überhaupt eine Neigung verrät, alles in der Welt zu verbessern und der von der höchsten Weisheit (Genesis 2, 15.) beauftragt wurde, das Paradies zu bebauen und auf dessen Erhaltung zu wachen. Was könnte nun aber diese Kultur von Seiten des Menschen sein, wäre es nicht, nach den geeigneten Maßen und Verhältnissen das Spiel der sieben Kräfte und der sieben Formen, dessen der Garten Edens und alle andern Gegenden der Schöpfung bedurften, in Tätigkeit zu erhalten? Es war folglich notwendig, dass dem Menschen die Triebfedern dieser sieben Kräfte anvertraut wurden, damit er sie nach dem vorgeschriebenen Plane könnte wirken lassen, und damit er diesen auserwählten Ort in seiner Ruhe oder in seinem Sabbat erhielt, weil es für ein Wesen nur in sofern Sabbat oder Ruhe gibt, als es frei alle seine Eigenschaften entwickeln kann. Obgleich heut zu Tage die Art und Weise des menschlichen Daseins durch die Einwirkung der großen Verderbnis außerordentlich verändert ist, so hat sich die Aufgabe der Schöpfung deswegen doch nicht verändert, und der Geist-Mensch ist noch zum selben Werke berufen, nämlich der Erde die Sabbatruhe zu verschaffen. Der ganze Unterschied besteht darin, dass er dieses gegenwärtig nur noch auf eine sehr mühsame und schmerzliche Weise verrichten kann, und hauptsächlich kann er es nur durch das einzige und dasselbe tätige Mittel, das ehemals die sieben Fundamental-Kräfte der Natur in Bewegung setzen sollte. Solange er dieses hohe Amt nicht ausübt, leidet die Erde, weil sie ihres Sabbates nicht genießet. Sie leidet noch viel mehr, wenn der Mensch in einem verbrecherischen Sinne ihr entgegenwirkt, indem er strafbare und verderbliche Kräfte in ihr zu entwickeln sucht, die dem ge gebenen Plane ganz entgegengesetzt sind. In dem ersten Falle trägt sie den Menschen, trotz aller seiner Versäumnisse; im zweiten stößt sie ihn von ihrem Busen zurück, und das war der Fall beim Volke Israel. Was die sieben Kräfte anbelangt, die gegenwärtig in der Erde wie in der ganzen Natur eingeschlossen sind, so sehen wir hiervon ein deutliches Bild in dem physischen Phänomen, welches die Atmosphäre unseren Augen zeigt, wenn durch die Anwesenheit der Sonne die Wolken sich in Regen auflösen. Diese wässrige Substanz, welche nach tiefen und richtigen Beobachtungen in allen Gebieten der wahre Leiter oder der Verbreiter des Lichtes ist, hält, indem sie den Raum erfüllt, den Sonnenstrahlen einen natürlichen Spiegel vor. Diese, indem sie in das Innere dieses Elementes eindringen, verbinden ihre eigenen Kräfte mit denjenigen, die es in sich selbst aufbewahrt, und durch diese fruchtbare Vereinigung offenbaren die Sonne und das Wasser, nämlich die höhere Region und die niedere Region, unseren Blicken sogleich die siebenfachen Zeichen ihres Bundes, welches zugleich das siebenfache Zeichen ihrer Eigenschaften ist, weil die Resultate mit ihrer erzeugenden Quelle analog sind. Dieses bildliche und physische Phänomen gibt uns in der vollen Wirklichkeit den lehrreichsten Unterricht über den Zustand der Konzentration und der Unsichtbarkeit, in welcher sich diese sieben Formen in der Natur befinden; über die Notwendigkeit, dass ihre Hüllen durchbrochen werden, damit sie in ihre Freiheit eingehen können, über die beständige Wirksamkeit der Sonne, die nur arbeitet, um deren Befreiung zu erleichtern und also der ganzen Welt zu zeigen, dass sie eine Freundin des Friedens sei und nur für das Wohl der Wesen existiere. Wenn dieser also durch die Sonne befruchtete Regen auf die Erde herabfällt, so bewirkt er, indem er sich seinerseits mit ihr vermählt, die heilsamen Erzeugnisse der Vegetation, die wir mit unserer Arbeit unterstützen und deren glückliche Früchte wir ernten; und so pflanzet sich das Leben oder der materielle Sabbat der Natur durch sanfte Progression von der Sonne als ihrem Haupte bis zu uns fort. Aber diese physische und bildliche Erscheinung und alles, was daraus hervorgeht, wird ohne den geistigen Dienst des Menschen bewirkt, und dennoch ist es die Aufgabe des Menschen, der Erde den Sabbat zu verschaffen. Auch haben wir oben eingesehen, dass sie von ihm eine andere Kultur erwartet und dass er nur durch mühsame Arbeiten gegenwärtig ihr diese verschaffen könnte. Ich scheue mich nicht zu sagen, dass dieser herrliche Sabbat, den der Erde wiederzugeben der Geist-Mensch berufen ist, darin besteht, ihr behilflich zu sein, das Lob des ewigen Urhebers zu feiern und zwar auf eine ausdrucksvollere Weise, als sie es durch alle Erzeugnisse vermag, die sie aus ihrem Schooße hervorgehen lässt. Denn das ist das wahre Ziel, wonach alle Wesen in der Natur streben! Ihre Namen, ihre Eigentümlichkeiten, ihre sieben Kräfte, ihre Sprache, alles ist unter dem Schutte der ursprünglichen Welt begraben; unsere Aufgabe ist es, ihr bei ihren Anstrengungen beizustehen, damit sie wieder zu harmonischen Stimmen gelange, die fähig sind, in ihrer Art das Loblieb der ewigen Weisheit zu singen. Aber wie könnten sie diese Loblieder singen, wenn diese höchste Weisheit sich nicht eines Mittelgliedes bediente, um bis zu ihnen zu dringen, da sie so sehr über sie erhaben ist, und wenn sie nicht durch ihren Stellvertreter und durch ihr Ebenbild ihre Milde zu ihnen gelangen ließe? Wir wollen hier nicht mehr beweisen, dass der Mensch dieses Mittelglied ist; alles vorhergehende hatte nur den Zweck, uns zu dieser Überzeugung zu führen; und trotz der finsteren Wolken, welche das Menschengeschlecht umgeben, trotz des ungeheuren Gewichtes der Last, die es beschwert, seitdem es in die Region des Todes gestürzt ward, schmeichle ich mir glauben zu dürfen, dass unter meinen Nebenmenschen sich noch einige finden werden, die in dieser hohen Bestimmung nichts bemerken, was ihre wirkliche Natur nicht anerkennt; vielleicht gar werden sie, wäre es auch nur aus der Ferne, deren Herrlichkeit nicht ohne Zittern betrachten. Beschäftigen wir uns also nur damit, um welchen Preis der Mensch dazu gelangen kann, sich dieses wichtigen Dienstes zu entledigen. Dies kann er nur, indem er dieselben Kräfte anwendet, die in seinem leiblichen Wesen wie in allen anderen Wesen der Natur verborgen sind; denn da der Mensch ein Extrakt aus der göttlichen, aus der geistigen und aus der natürlichen Region ist, so müssen die sieben Formen oder die sieben Kräfte, die allen Dingen als Grundlage dienen, in ihm wirken, aber auf eine nach seinem natürlichen Wesen, nach seinem geistigen Wesen oder nach seinem göttlichen oder vergöttlichten Wesen verschiedene und abgestufte Weise. Damit sie aber in ihm und in irgend einer dieser Klassen, woraus er besteht und die sein Wesen begründen und ausmachen, wirken könne, so ist es notwendig, dass diese Kräfte in ihm selbst zu ihrer ursprünglichen Freiheit zurückgeführt werden. Wenn nun aber der Mensch sich aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, wenn er erwägt, zu welch‘ einem Zustande von Unordnung, von Disharmonie, von Schwachheit und von Knechtschaft diese Kräfte in seinem ganzen Wesen herabgesetzt sind, dann bemächtiget sich seiner der Schmerz, die Schaam und die Trauer bis zu dem Grade, dass alles in ihm weinet und dass alle seine Essenzen sich in eben so viele Tränenströme verwandeln. Auf diese Tränenströme, die auf materielle Weise durch den Regen dargestellt werden, lenket die Lebens-Sonne ihre belebenden Strahlen, und durch die Vereinigung ihrer eigenen Kraft mit dem Keime der unsrigen offenbart sie unserem innersten Wesen das Zeichen des mit uns geschlossenen Bundes. Mensch, alsdann wirst du empfänglich die Schmerzen der Erde und die Schmerzen alles dessen zu fühlen, woraus das Weltall besteht! Dann kannst du vermöge des außerordentlichen Unterschiedes, der sich zwischen dem gebrechlichen Zustande der sieben in der Erde verborgenen Kräfte und zwischen deinen eigenen wieder neu belebten Kräften findet, ihren Leiden Erleichterung bringen, weil du in Bezug auf sie das wiederholen kannst, was in dir bewirkt ward. Kurz, nur indem du selbst deines eigenen Sabbates oder deiner eigenen Ruhe genießest, kannst du dazu gelangen, auch ihr einen Sabbat zu verschaffen. Nur hierdurch wirst du ein wirklicher Herr der Natur und kannst ihr behilfiich sein, alle Schätze zu offenbaren, nach welchen sie seufzet, um sie in ihrem Schooße konzentriert zu sehen, sowie alle jene Wunder und alle jene wunderbaren Ereignisse, von denen die Mythologien aller Völker und alle Uberlieferungen, sowohl die profanen als die Heiligen angefüllt sind, und welche, die einen eingebildeten Göttern, die anderen den wirklichen Rechten zuschreiben, die dem in seinen Fähigkeiten wieder belebten Menschen durch das Prinzip selbst angehören, welches ihm das Dasein gab. Hierdurch kannst du einigermaßen die Elemente deiner Herrschaft unterwerfen, nach deinem Wohlgefallen über die Eigenschaften der Natur verfügen und alle Kräfte, woraus sie besteht und die ihr Wesen ausmachen, in ihren Grenzen festhalten, damit sie nur in ihrer Einigung und in ihrer Harmonie wirken. Denn nur, wenn sie in ihrer Unordnung und in ihrer Disharmonie wirken, bringen sie jene ungestalteten Gebilde hervor, die man in den verschiedenen Naturreichen wahrnimmt; sowie auch jene Tierformen und jene Tierstimmen, die man zuweilen bei Gewittern und bei Stürmen gewahrt und die man weder der Einwirkung der Geister noch Erscheinungen zuschreiben darf, wie der gemeine Aberglaube anzunehmen immer bereit ist. Wenn aber einerseits der Aberglaube in diesem Punkte übertreibt, so straft doch andererseits die Unwissenheit oder die Übereilung der Philosophen solche Tatsachen mit zu großer Verachtung. Die Kräfte der Natur sind, wenn sie sich ihrer Harmonie erfreuen, eine in der andern enthalten. Ihr Band zerreißt während eines Sturmes; und weil sie in sich selbst die Keime und Prinzipien aller Formen tragen und hauptsächlich den Hall oder den Merkur, so darf man sich nicht wundern, dass einige unter ihnen, indem sie eine größere Gegenwirkung erfahren als die anderen, für unser Auge charakteristische Gebilde und für unser Ohr uns bekannte Tierstimmen hervorbringen. Man muss sich ebenso wenig wundern, dass jene Stimmen und Formen nur von kurzer Dauer sind und nur ein flüchtiges ephemeres Dasein haben; sie können weder das Leben noch die substanziellen Eigenschaften haben, deren sie sich erfreuen, wenn sie das Erzeugnis der harmonischen Vereinigung aller dieser erzeugenden Kräfte sind. Ich schließe hier keinesweges allgemein die Mitwirkung der höchsten Hand aus, die dem Plane gemäss, den sie sich in ihrer Weisheit entwirft, ihre Wirksamkeit mit der Tätigkeit der Naturkräfte verbinden kann und auch oft verbunden hat. Wenn auch die höchste Hand in die großen Ereignisse selbst eingreifen kann, deren Schauplatz der Raum ist, und deren Zeugen wir sind, so ist es nicht minder wahr, dass die Elementarkräfte in dieser Welt gewöhnlich ihrem eigenen Gesetze unterworfen sind, und da sie immer bereit, nach Art und Weise der Gegenwirkung, die sie stachelt, tätig zu werden, so sind sie immer empfänglich, gewisse Formen, gewisse Töne, kurz gewisse andere Zeichen, welche mit der Gegenwirkung analog sind, her vorzubringen. Ebenso wahr ist es, dass, wenn die höchste Hand sich mit den elementaren Kräften vereiniget, sie alsdann auf noch vorzüglichere Weise den Menschen bei jenen wichtigen Konjunkturen im Auge hat, entweder, um ihn zu unterrichten und ihn zu wecken, wenn er strafbar ist, oder ihn als Vermittler zu gebrauchen, wenn er ein Arbeiter des Herrn ist; denn der Dienst des wiederbelebten Geist-Menschen erstreckt sich über alle Erscheinungen, die sich in der Natur offenbaren können. Sollte sich der Dienst des wiederbelebten Geist-Menschen nicht auf alle Arten Erscheinungen erstrecken, die sich in der Natur offenbaren können, da unsere wirkliche Wiedergeburt darin besteht, dass wir in unsere ursprünglichen Rechte wieder eingesetzt werden und die ursprünglichen Rechte des Menschen ihn dazu beriefen, Vermittler und Repräsentant der Gottheit in der Welt zu sein?

<- zurück zur Bibliothek