Gérard Encausse (Papus)

DER ORDEN DER MARTINISTEN

Gérard Encausse (Papus)

Der Orden im Ganzen ist vor allem eine Schule der moralischen Ritterlichkeit. Er gibt sein Bestes um in seinen Mitgliedern die Spiritualität zu entwickeln, indem sie die unsichtbare Welt und ihre Gesetze studieren, indem sie sich in Andacht und geistiger Hilfe üben und dadurch in sich einen Glauben erzeugen, der fest ist, weil er auf Beobachtung und Wissenschaft beruht. Der Martinismus leitet sich direkt aus der christlichen Erleuchtungslehre ab und hat seine Prinzipien übernommen.

Der Martinismus bildet das wahre Zentrum der Schule des Lebens, die eines Tages die Vereinigung wiederherstellen wird, ohne die Trennung von Wissenschaft und Glaube, ohne zusätzliche Beiworte, der Martinismus versucht diesem Namen dadurch gerecht zu werden, dass er souveräne Schulen der metaphysischen und physiologischen Wissenschaft gründet, die sich verächtlich von den klassischen Lehren distanzieren, die vorgeben okkult zu sein.

Unsere Epoche des Skeptizismus, der Bewunderung der materiellen Welt und des Atheismus, benötigt so dringend eine freie christliche Gegenwirkung, die unabhängig von allem klerikalen ist, diese – in der Form des Martinismus – hat in all den Ländern die sie durchdrungen hat, viele Seelen vor Zweifel, Hoffnungslosigkeit und Selbstmord gerettet. Sie hat viele Menschen zurück zu einem Verstehen von Christus gebracht, die durch bestimmte kirchliche Aktionen sich vom Glauben entfernt hatten.

Dadurch, dass er von seinen Mitgliedern keinen Beitrag und auch keine Aufnahmegebühr in den Orden verlangt und auch von den Logen keinen Tribut an die Großloge verlangt, ist der Martinismus seinem Geist und seinen Wurzeln treu geblieben, dadurch, dass er materielle Armut zu seiner höchsten Regel gemacht hat.

Martinisten wollen Christen sein, frei von jeglicher kirchlichen Verbindung, und der Vorwurf des „Satanismus“ lässt sie nur mit den Schultern zucken, während sie den Himmel um Barmherzigkeit für diejenigen bitten, die sie so ungerecht verleumdet haben.

Martinisten praktizieren keine Magie, sei sie nun weiß oder schwarz. Sie studieren, sie beten und sie vergeben Ungerechtigkeiten.

Der Martinismus verlangt von seinen Mitgliedern weder, dass sie blind gehorchen, noch dass sie irgendein Dogma annehmen, sei es nun materialistisch oder kirchlich, er lässt sie so in einem Zustand der totalen Gewissensfreiheit.

Wir bleiben einfach inbrünstige Ritter von Christus, Feinde der Gewalt und der Rache, entschlossene Synarchisten, die gegen jede Form der Anarchie von Oben oder von Unten sind, in einem Wort, Martinisten, so wie es unsere ruhmvollen Altvorderen Martines de Pasqually, Louis-Claude de Saint-Martin und Jean-Baptiste Willermoz waren!

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